PIP-Skandal Auslaufmodell Billigimplantate

Viele Frauen sind sich nach dem PIP-Skandal unsicher, ob sie das Plantat entfernen lassen sollen
Nach dem PIP-Skandal wächst die Unsicherheit der Frauen, ob sie sich einer erneuten OP unterziehen sollen © Shutterstock

Tausende Frauen in Deutschland tragen minderwertige Silikonimplantate in ihrer Brust. Was Behörden und Mediziner empfehlen

Schön und begehrt wollten sie sein, jetzt fühlen sie sich ausgeliefert, viele haben Angst. Die Frauen, die sich ihren Busen mit einem Implantat der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) vergrößern ließen, wissen nicht, ob in ihrer Brust eine Zeitbombe tickt. Denn statt medizinischem Silikon füllte PIP minderwertiges Industriesilikon in die Brustimplantate, das normalerweise auf dem Bau verwendet wird, um zum Beispiel Fugen abzudichten. Weltweit sollen bis zu 500.000 Frauen PIP-Implantate tragen, in Deutschland sind es bis zu 10.000 Frauen, schätzen Experten. Genaue Zahlen fehlen, da es hierzulande kein zentrales Register für Brustimplantate gibt. Auch die Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen helfen nicht weiter, weil rund 80 Prozent der Eingriffe privat zu zahlende Schönheitsoperationen gewesen sein sollen. Inzwischen wurde bekannt, dass auch Implantate der Firma Rofil betroffen sind. Das Unternehmen hatte PIP-Implantate unter seinem Namen vermarktet.

Keine Panik: PIP-Implantate müssen nicht in jedem Fall sofort raus

Als PIP-Implanate rissen und das Silikongel austrat, schlugen die französischen und deutschen Behörden Alarm. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät Frauen, PIP-Implantate vorsichtshalber entfernen lassen, da auch ohne Riss des Implantats Silikon austreten kann. Das Ausmaß ist größer als bei anderen Implantaten und nimmt mit dem Alter der Silikonkissen zu. "Wie dringend eine Entnahme im Einzelfall ist, hängt wesentlich davon ab, wie lange die Patientin das Implantat bereits trägt", urteilt BfArM-Präsident Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger. Falls Sie betroffen sind, besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt. Bis zum Entfernen sollten Frauen, die keine Beschwerden haben, Brüste und Achselregion alle sechs Monate untersuchen lassen, empfehlen Medizinerverbände.

Die Gesundheitsgefahr durch die Billigimplantate ist unklar
Wenn das Industriesilikon aus dem Implantat austritt, kann es zu Entzündungen kommen. In Frankreich soll es durch die fehlerhaften Silikonkissen zu Krebserkrankungen gekommen sein. Ein solcher Zusammenhang sei aber bisher nicht nachgewiesen, betonen das BfArM und deutsche Fachleute. "Wie sich ausgetretenes Industriesilikon im Gewebe verhält, wissen wir nicht", sagt der Präsident der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD), Dr. Matthias Gensior. "Es liegen bislang keine Daten vor, inwieweit dieses Gel toxisch ist." Verunsicherte Frauen, die nicht wissen, ob sie ein Brustimplantat von der Marke PIP oder Rofil tragen, können in ihrem Implantat-Pass nachsehen. Falls Ihnen dieses Dokument fehlt, sollten Sie Ihren implantierenden Arzt fragen.

PIP-Firmenchef hat die Kontrollbehörde getäuscht

Seit 2001 hat PIP das von den Gesundheitsbehörden nicht zugelassene Silikon in die Implantate gefüllt. Er habe die Kontrollbehörde bewusst getäuscht, gab PIP-Firmenchef Jean-Claude Mas zu. Wenn der zuständige TÜV Rheinland seine jährlichen Besuche ankündigte, ließ Mas alle verdächtigen Dokumente und die nicht zulässigen Inhaltsstoffe verstecken. Erst als ein Insider auspackte, wurde der Betrug bekannt. Der TÜV entzog dem Hersteller daraufhin im Frühling 2010 die CE-Zertifizierung, die in Europa die Qualität und Sicherheit von Medizinprodukten dokumentiert. PIP-Firmenchef Jean-Claude Mas sagt: "Ich habe es bewusst getan, da das PIP-Gel billiger war." Rund zehnmal günstiger als das für Implantate zugelassene Silikon soll das von PIP verwendete Gel gewesen sein. Pro Jahr hat die Firma so vermutlich eine Million Euro eingespart. Den betroffenen Frauen hilft das heute nichts. Da PIP inzwischen pleite ist, stehen ihre Chance auf eine Entschädigung durch das Unternehmen äußerst schlecht. In welchen Fällen die Krankenkassen die Kosten für das Entfernen der alten und das Einsetzen neuer Implantate ganz oder teilweise tragen, ist noch unklar.

20.01.2012| Martina Janning © womenshealth.de
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