Arztbesuch Ihr gutes Recht als Patientin

Ihr Arzt verweigert Ihnen wichtige Informationen oder klärt Sie unzureichend über die Behandlung auf? Bestehen Sie auf Ihre Rechte oder schalten Sie Patientenbeschwerdestellen und Verbraucherzentralen ein

Wenn Sie sich von Ärzten schlecht behandelt fühlen, sollten Sie Ihre Rechte als Patientin kennen – schließlich müssen Sie sich nicht alles gefallen lassen

Es sind Erfahrungen, auf die jeder gerne verzichtet: Manche Ärzte verweigern z.B. die Einsicht in Krankenunterlagen, informieren Patienten nicht rechtzeitig über eine Kostenbeteiligung oder begehen gar Fehler bei der Behandlung. Wer sich wehren will, sieht sich mit einer komplizierten Gesetzeslage konfrontiert.

"Die Patientenrechte sind leider bislang nicht in einem Gesetzeswerk (Patientenrechtsgesetz) zusammengefasst. Sie sind daher weder transparent noch ausreichend. Die Patientenvertretung ist jedoch insgesamt durch gesetzliche Regelungen gestärkt worden", so Judith Storf, Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Patientenberatungsstellen (BAGP).

Das sind Ihre Rechte als Patientin:

  • Das Recht auf eine umfassende Aufklärung (auch beim Zahnarzt): Der Arzt muss Sie in einem persönlichen Gespräch rechtzeitig und verständlich über Art, Ablauf, Ziel, Folgen, Risiken, etwaige Zusatzkosten, Nebenwirkungen und Alternativen einer Behandlung sowie über Diagnosen und Befunde aufklären. Unterschreiben Sie Einwilligungserklärungen (z.B. zu einer Behandlung) erst nach einer gründlichen Aufklärung und verlangen Sie eine Kopie.
  • Das Recht auf Behandlung: Der Arzt muss Sie nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft untersuchen, eine sorgfältige Anamnese durchführen und behandeln. Er muss Sie auch über alternative Behandlungsmöglichkeiten aufklären. Allerdings darf der Arzt so genannte Außenseitermethoden, die er für unsinnig hält, ebenso ablehnen, wie übermäßig teure Behandlungen und Medikamente. Wenden Sie sich zur Prüfung seines Behandlungsvorschlags gegebenenfalls an den Medizinischen Dienst Ihrer Krankenkasse.
  • Das Recht auf Einsicht in die Krankenunterlagen sowohl beim niedergelassenen Arzt als auch im Krankenhaus: Der Arzt  ist zu sorgfältiger, detaillierter Dokumentation verpflichtet (Aufbewahrungsfrist mindestens 10 Jahre). Sie haben Anspruch auf Kopien. Röntgenbilder können ausgeliehen oder vom weiterbehandelnden Arzt angefordert werden. Das Einsichtsrecht (Musterbrief unter patientenstellen.de) bezieht sich auf die medizinischen Sachverhalte. Notizen persönlicher Eindrücke zu Ihrer Person gehören nicht dazu.
  • Die freie Wahl von Arzt und Krankenhaus (nicht Krankenhausarzt): Grundsätzlich können Sie eine ärztliche Zweitmeinung einholen (Einholung einer Drittmeinung zuvor mit zuständiger Kasse besprechen). Sie können jederzeit ein Krankenhaus auf eigene Verantwortung vorzeitig verlassen. Ein Zahnarztwechsel ist bei Zahnersatz normalerweise nicht möglich. Erst nach dreimaliger erfolgloser Nachbesserung durch den Zahnarzt und einem zerstörten Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten gibt die Krankenkasse "gegebenenfalls" ihr Einverständnis zu einem Wechsel.
  • Schweigepflicht des Arztes, Datenschutz: Wenn Ihr Arzt Ihre Daten an Dritte übermitteln will, braucht er ihre schriftliche Einwilligung (jederzeit widerrufbar) hierfür. Von der Schweigepflicht ausgenommen sind meldepflichtige Krankheiten (Bundesseuchenschutzgesetz, z.B. bei Salmonellosen, Tollwut, HIV-Infektion, Virushepatitis).
  • Reklamation bei Zahnersatz: Als Patientin können Sie Zahnersatz kostenlos innerhalb von 2 Jahren nach Anfertigung nachbessern lassen.
  • Das Recht auf Schutz Ihrer Intimsphäre
  • Keine Praxisgebühr: Wenn Sie nur IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen für die der Patient bezahlt) in Anspruch nehmen, müssen Sie keine Praxisgebühr bezahlen.

Wenn Sie Probleme mit Ärzten haben, wenden Sie sich am besten an unabhängige Patientenberatungs- und Patientenbeschwerdestellen, Verbraucherzentralen und Selbsthilfeorganisationen (Adressen unten). "Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler gilt jedoch noch immer, dass der Patient den Fehler beweisen muss, was im Allgemeinen ohne Unterstützung schwierig ist. Nur in Ausnahmefälle, z.B. wenn der Arzt seine Dokumentationspflicht verletzt hat, gilt die Beweislastumkehr", erklärt Judith Storf. Sie fügt hinzu: "Die Erfolgschancen steigen, je besser die Beweislage ist. Außerdem ist ein unabhängiges medizinisches Gutachten wichtig.

Adressen:

    18.04.2012| Gerlinde Felix © womenshealth.de
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