Fingerspitzengefühl & Balance Körperliche Voraussetzungen beim Kiten

Wir klären die spannensten Fragen rund ums Thema Kitesurfen
Muskeln und viel Kraft sind keine Voraussetzung beim Kiten. Daher ist der Sport auch für Frauen geeignet, die nicht mit überdurchschnittlicher Power gesegnet sind © Shutterstock

Mädels, das Beste gleich vorweg: Frauen haben beim Kiten generell einen Vorteil, denn Kitesurfen ist eine Multitasking-Sportart

Ich habe gar nicht die Kraft um den Kite zu halten – diese und andere Vorurteile hört man immer wieder. Dabei spielen Kraft und Muskelmasse beim Kiten kaum eine Rolle. "Wenn man Kiten lernen möchte, sollte man eine gewisse körperliche Fitness mitbringen" erklärt Kiterin Sabrina Lutz. Große Muskelberge oder ein Sixpack sind daher kein Muss.

Dzevad Durgut, seit 16 Jahren Kiter, ergänzt: "Im Prinzip ist jeder in der Lage, nach einer gewissen Zeit Kitesurfen zu lernen. Ob als Fliegengewicht mit nur 50 Kilo oder Schwergewicht mit 100 Kilogramm: Alle können sich aufs Board wagen, denn für jedes Gewicht und jede Körpergröße gibt es unterschiedliche Boards und Drachen."

Auch das Alter ist beim Kiten nicht relevant: sowohl Kindern als auch Senioren können Kiten lernen. "Ich habe schon 7-jährige Knirpse auf dem Brett gesehen und sogar einen 70-jährigen Kiter, der übers Wasser gebrettert ist wie ein junger Gott" so Profi-Kiterin Lutz.

    Europameisterin im Kitesurfen Sabrina Lutz in Action
    Sabrina Lutz in Ihrem Element © Hoch Zwei

    Wie viel Kraft brauche ich beim Kiten? Ist das nicht viel zu anstrengend für Frauen?

    Keine Panik, das ist nur ein Vorurteil, denn beim Kiten ist es nicht entscheidend, wie viel Kraft oder Muskeln man hat. Auch Europameisterin Sabrina Lutz aus Hamburg, ein echtes Leichtgewicht, hatte vor Ihrem "Mal" so Ihre Zweifel gehabt: "Ich dachte man müsse viel Kraft aufwenden um den Kite überhaupt zu halten. Umso überraschter war ich dann, als ich merkte, dass der Kite eher mich zieht als umgekehrt."

    Warum das so ist? Kite-Lehrer Dzevad Durgut klärt auf: "Natürlich hat der Kite eine sehr starke Zugkraft, dieser wird allerdings nicht wie beim Wakeboarden die ganze Zeit in der Hand gehalten, sondern am Haken des Trapez (Hüftgurt) eingehängt. Dadurch wird die Kraftübertragung auf den ganzen Körper und nicht nur auf die Arme übertragen und das ganze kann dadurch sogar nur durch zwei Finger gesteuert werden." Das Fingerspitzengefühl beim Handling des Kites zählt nämlich wesentlich mehr als die Kraft, die man aufwendet.

    Extra Plus für Frauen: "Kitesufing ist für Frauen einfacher zur lernen, da sie bekannterweise besser beim Multitasking sind und beim Kurs besser zuhören als Männer" sagt Durgut.

    Ist es hilfreich wenn man vorher bereits Erfahrungen beim Surfen, Wakeboarden o.ä. gemacht hat?

      Vorkenntnisse sind zwar hilfreich, aber längst kein Muss. Wer Erfahrungen im Lenkdrachenfliegen, Snowboarden, Wakeboarden, Wasserski fahren, Skateboarden, Wellenreiten und ähnlichen Sportarten hat, hat aber natürlich einen minimalen Vorteil."Brettgefühl zu haben ist wichtig, aber beim Kitesurfen macht die Kontrolle des Drachens um die 80 Prozent aus" erklärt der leidenschaftliche Kiter Dzevad Durgut, der seit 15 Jahren Kiten unterrichtet. "Menschen, die vorher Drachen geflogen sind, haben das Handling mit dem Drachen meist sehr schnell drauf. Auch Reiter haben häufig ein gutes Gefühl für den Kite und lernen sehr schnell, den Kite präzise zu kontrollieren."

      Kite-Profi Sabrina Lutz versuchte sich vor Ihrer Kite-Karriere schon am Windsurfen: "Im Gegensatz zum Windsurfen ist Kiten die pure Leichtigkeit. Auch Equipment ist handlicher, leichter und man ist viel flexibler auf dem Brett. Trotzdem hatte ich dadurch einen kleinen Vorteil, da ich mich bereits mit Wind und Windverhältnissen auskannte."

      Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken: jeder kann Kiten lernen – mit Vorkenntnissen oder nicht.

      Dzevad Durgut (links im Bild) kitet seit mehr als 16 Jahren und bringt seit 15 Jahren Anfängern das Kiten bei (www.nkbclub.com). Die amtierende Europameisterin Sabrina Lutz (rechts im Bild) war vor Ihrer Karriere als Profi-Kiterin selbst einmal Lehrerin in einer seiner Kiteschulen.

        24.04.2014| Kathleen Schmidt © womenshealth.de
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