Kampfsport Linda will Boxen lernen

Linda will Boxen lernen
© David Prior

Frauen, die Kampfsport können, finde ich toll – zu denen will ich auch gehören! Lerne ich im Boxcamp wirklich, mich durchzuschlagen?

Einfach mal Draufhauen beim Boxen
Einfach mal Draufhauen beim Boxen 2:23 Min.

Stunde 1 des Boxcamps konfrontiert mich mit allem, was den Kurs ausmacht: Gruppendynamik, Kraft­training und direkter Kampf mit dicken Boxhandschuhen, Pratzen und Sandsack. Und ich habe gleich 2 Gegnerinnen: Während die eine ihren linken Haken an meinem Bauch trainiert, haut die zweite auf die Deckung an meiner Schläfe. "Kinn runter, sonst gehst du k.o.", warnt Boxtrainer Florian Schöpp (Kämpfer bei gym-ardalan.de). Und das ist nicht alles, was er von mir verlangt: rechter Fuß nach hinten, Ferse in die Luft, Deckung oben halten … Mit so vielen Anweisungen bin ich vollkommen überfordert, meine Körperbeherrschung und Koordination lassen zu wünschen übrig. Zeit zum Nachdenken bleibt mir aber nicht, schon verlangt Florian 24 Liegestütze. Während der Schweiß von der Stirn tropft, frage ich mich, wie um Himmels willen ich das 8 Wochen lang durchstehen soll! Ich sehe 2 Optionen: Ich mache am Ende Rocky Konkurrenz, oder ich werde die Kondi­tionslusche der Redaktion, die vorzeitig das Handtuch wirft. Fakt ist: Ich war selten nach einer Stunde im Fitness-Studio so kaputt! "Das wird schon", muntert mich Florian auf, als ich mir die klatschnassen Bandagen von den Fingern wickle.

Linda will Boxen lernen
Lindas Fazit nach 8 Wochen Boxcamp: "Zuschlagen ist extrem befreiend!" © David Prior

Im Schweißbad
Am nächsten Tag habe ich übelsten Muskelkater. Seltsamerweise spüre ich ihn überall, nur nicht in den Armen, wo ich ihn am ehesten erwartet habe. "Ganz normal. Du boxt ja aus Rumpf, Hüfte und Beinen", erklärt Florian. Super, denn genau da darf ja alles besonders schön straff sein! Mein Gegner der nächsten Stunde sieht aus, als könne er eine Menge einstecken: männlich, groß, kräftig. Meine Kampfzwerg-Schläge verträgt er allemal, also hau ich meinen Punch mit voller Wucht in seine Pratze. "Fester!", brüllt er. Nach 5 Mi­nuten schwitzt der Gegner nicht weniger als ich, und ich bin euphorisch: Zuschlagen ist extrem befreiend. Das Gefühl verstärkt sich beim Training am Sandsack – ich bin rundum zufrieden. In mein anfängliches Drauflosprügeln schleicht sich von Stunde zu Stunde mehr Technik. Und damit steigen mein Wille durchzuhalten und mein Respekt vor dem Sport. Es geht nicht um stumpfes Draufhauen, sondern um hohe Konzentration, gutes Reaktionsvermögen, Schnelligkeit und Ausdauer. Nach 8 Wochen bin ich fest davon überzeugt, dass die Boxcamps nicht nur ein super Fitmacher, sondern auch ein großar­tiger Stresskiller sind. Mit jedem Punch, der im Boxsack landet, mache ich aufgestautem Ärger Luft und habe die Gewissheit, ein extrem effektives Ganzkörpertraining durchzuziehen. Und das Beste: "Jetzt sieht's tatsächlich nach Boxen aus", sagt Florian in meiner letzten Stunde. Also bin ich doch schon fast Rockys kleine Schwester.

Richtig bandagieren

Stabilisieren, polstern und schützen - So geht’s richtig:

  1. Daumen: Die Schlaufe der Bandage um den Daumen wickeln
  2. Gelenk: Bandage straff nach unten ziehen und 3-mal das Handgelenk umwickeln
  3. Finger Von der Rückseite der Hand kommend, jeden Finger einmal umwickeln, dazwischen jedes Mal die Handfläche bandagieren
  4. Straff ziehen: Den Stoff möglichst faltenfrei ziehen: Er soll eng sitzen, aber nicht einengen
  5. Knöchel: Die Bandage 2-mal über die Knöchel führen, am Handgelenk festkletten

09.12.2013| Juliane Hemmerling © womenshealth.de
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