Migräne behandeln Migräne vorbeugen – die beste Hilfe

In Deutschland sind fast 18 Millionen Menschen von Migräne betroffen
Wer unter Kopfschmerzen oder Migräne leidet, sollte nach den Ursachen forschen und sich richtig behandeln lassen © Viktor Gladkov / Shutterstock.com

Ihr Kopf fühlt sich an, als würde er zerspringen? Gehen Sie auf Ursachenforschung, um die Symptome der Kopfschmerzen abzuklären und die Migräne vorzubeugen

Was in Männerkreisen als running Gag zur Ausrede bei Sexunlust gilt, macht vielen Frauen höllisch zu schaffen. Kopfschmerzen können das Leben für Tage lahmlegen.

Wann spricht man von Migräne?

Von Migräne spricht man dann, wenn jemand immer wieder von meist einseitigen Kopfschmerzattacken geplagt wird. Der Migräneschmerz ist entweder bohrend, hämmernd oder pulsierend. Er beginnt häufig in Ihrem Nacken oder im Schläfenbereich und breitet sich über die ganze Kopfhälfte aus. Manchmal betrifft er Ihren ganzen Kopf. Typische Begleiter sind Übelkeit bis zum Erbrechen, Schweiß oder Kälteausbrüche. Viele Migräne-Patienten klagen außerdem über starke Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen und Schwindel.

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Was ist der Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne?

Die häufigsten Kopfschmerztypen sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Sowohl bei Spannungskopfschmerz als auch bei Migräne kann Stress eine Rolle spielen. Doch während der Spannungskopfschmerz einsetzt solange der Stress andauert, tritt die Migräneattacke erst nach dem "Stressende" in der Entspannungsphase auf.

Was passiert bei Migräne in meinem Kopf?

"Bei einer Migräneattacke treten sowohl neurologische (die Nerven betreffende), als auch vaskuläre (die Gefäße betreffende) Veränderungen im Gehirn auf", sagt Dr. Susan Broner, medizinische Direktorin des Manhattan Headache Centers in New York. Patienten mit genetischer Vorbelastung haben eine niedrigere Aktivierungsschwelle für die Schmerzrezeptoren im Gehirn und reagieren dadurch hypersensibel gegenüber Schmerzreizen. Dabei wird eine Welle von Nervenzellen aktiviert und Botenstoffe – sogenannte Neurotransmitter – werden freigesetzt, die die Blutgefäße des Gehirns reizen. Diese neurovaskulären (die Nerven und die Blutgefäße betreffende) Entzündungen verursachen dann die Schmerzen.

Welche natürlichen Mittel helfen gegen Migräne?
Wer Migräne vorbeugen will muss zunächst Ursachenforschung betreiben © Viktor Gladkov / Shutterstock.com

Was sind die Ursachen für Migräne?

Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Auf der Basis dieser genetischen Veranlagung kommt es dann durch Auslöser zu Attacken. Mögliche Auslöser sind emotionale Belastungen, Lebensmittelallergien, Überlastung, Stresssituationen, zu wenig oder sogar zu viel Schlaf, Schokolade, bestimmte Wein- und Käsesorten, Kaffee oder Medikamente sowie Veränderungen im Menstruationszyklus (Schwangerschaft und Wechseljahre). Bei Frauen treten die Beschwerden besonders vor und nach der Periode auf. Mediziner vermuten mittlerweile, dass es sich bei Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung im Gehirn handelt. Die Migräneattacke könnte der Versuch Ihres Gehirns sein, eine Deaktivierung herbeizuführen, wenn die Reizflut irgendwann zu groß wird. Nachfolgend noch einmal die häufigsten Ursachen für Migräne im Detail:

1. Fallender Östrogenspiegel als Ursache von Migräne
"Kurz vor der Menstruation fällt bei Frauen der Östrogenspiegel schrittweise ab. Das löst nicht selten eine Migräne aus", sagt Dr. Andrew Michael Blumenfeld, Direktor des Headache Center of Southern California. Dagegen werden oft niedrigdosierte Östrogenpräparate (die Pille) verschrieben.

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2. Alkohol als Auslöser von Kopfschmerzen
Wer nach nur einem Drink einen richtigen Kater bekommt, hat vielleicht eine Migräne. Wenn Sie hier einen Zusammenhang vermuten, sollten Sie Alkohol möglichst meiden; insbesondere die Sorten, bei denen Sie innerhalb von 8 Stunden Kopfweh bekommen. Die gute Nachricht: "Der Auslöser ist meist sehr spezifisch", sagt Dr. Blumenfeld. Heißt: Während die Einen beispielsweise absolut kein Problem mit Bier haben, führt Rotwein bei ihnen regelmäßig zum Brummschädel."

3. Wenn unregelmäßige Mahlzeiten zu Kopfschmerzen führen
Auch Schwankungen des Blutzuckerspiegels können der Grund für eine Migräneattacke sein. Essen Sie regelmäßig, etwa alle 3 Stunden und achten Sie darauf, dass jede Mahlzeit eine Proteinquelle enthält, empfiehlt Dr. Broner.

4. Zu viel Koffein kann Migräne auslösen
Wer regelmäßig große Mengen Koffein zu sich nimmt, leidet oft unter Entzugs-Kopfschmerzen, die auch zu einer Migräne heranwachsen können. Reduzieren Sie Ihren Kaffeekomsum auf etwa 2 Tassen täglich und beobachten Sie, wie sich Ihre Kopfschmerzen eventuell verändern.

5. Zu wenig oder schlechter Schlaf macht Kopfweh
2010 entdeckte eine Studie, dass sich unter Schlafmangel im Körper von Ratten Proteine verändern, die mit Migräne in Verbindung stehen. Gehen Sie lieber auf Nummer sicher und achten auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.

Welche Medikamente helfen bei Migräne?
Viele Migräne-Patienten klagen über starke Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen und Schwindel © Viktor Gladkov / Shutterstock.com

Wie kann man Migräne behandeln?

In der Kopfschmerzambulanz wird für Sie der Diagnose entsprechend ein individuelles Konzept erstellt. Neben der medikamentösen Behandlung werden auch nicht-medikamentöse Therapien wie z.B. eine Beratung zur Lebensführung bei Migräne berücksichtigt. Bei leichter bis mittelgradiger Migräne wird der Arzt Ihnen zu nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) raten. Etwa 10 Minuten vor der Einnahme sollten Sie ein so genanntes Antiemetika (z.B. Domperidon) einnehmen, um die Übelkeit zu bekämpfen und die Aufnahmefähigkeit zu steigern.

Was passiert, wenn Sie 10 Tage auf Kaffee verzichten

Für stärkere Beschwerden gibt es mehrere so genannte Triptane (Arzneien gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen), die Sie allerdings auch nur an maximal 10 Tagen pro Monat einnehmen sollten. Es kann sein, dass Sie auf bestimmte Triptane nicht so gut ansprechen. Dann sollten Sie einfach ein anderes ausprobieren. Die Medikamente bringen schnelle Linderung und sind sehr wirksam. Doch auch sie sind keine Wundermittel. Wer sie im Übermaß nimmt, d.h. an mehr als zehn Tagen pro Monat, läuft auch bei ihnen innerhalb weniger Jahre Gefahr, häufigere und längere Migräneattacken zu entwickeln.

Wie kann man Migräne vorbeugen?

Am besten lassen Sie eine Attacke erst gar nicht entstehen. Sie können ihr mit Medikamenten vorbeugen, z.B. mit Betablockern, Flunarizin oder Valproat. Bei menstruellen Migränettacken rät Ihnen die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu NSAR oder Naproxen mit Beginn ab dem 4. Tag vor der Menstruation bis zum dritten Tag nach Ende der Menstruation oder aber Sie versuchen es mit einem Hormonpflaster. Außerdem soll Botox (Botulinumtoxin A) bei chronischer Migräne (mehr als 15 Tage pro Monat Beschwerden) prophylaktisch Abhilfe schaffen.

Eine Übersicht der gängigen Medikamente bei Migräne

Triptane
Der Arzneistoff wird zur Behandlung akuter Migräne eingesetzt und stimuliert die Serotonin-Rezeptoren. Die Blutgefäße verengen sich, die Ausschüttung von Neurotransmittern wird gehemmt und so verhindert, dass sich der Schmerz weiter ausbreitet. Manchmal treten dadurch Nebenwirkungen wie Schwächegefühl, Schwindel oder Hitzeschübe auf.

Beta-Blocker
Beta-Blocker (Propranolol und Metroprolol) werden eingesetzt, um Attacken vorzubeugen. Man geht davon aus, dass diese Wirkstoffe einen Einfluss auf relevante Blutgefäße haben. Sie haben weniger Nebenwirkungen, können die Herzfrequenz aber stark senken.

Antiepileptika
Bei manchen Migränepatienten halbiert sich die Häufigkeit der Attacken durch Antiepileptika. Diese haben allerdings negative Nebenwirkungen wie Verwirrung und Schläfrigkeit.

Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer haben eine erwiesene Wirkung bei der Behandlung von Migräne. Forscher stellten fest, dass mit den Attacken ein ungewöhnlicher Serotoninspiegel einhergeht, der durch Antidepressiva wieder ausbalanciert wird. Normalerweise werden sie aber nicht verschrieben, wenn keine Depression vorliegt.

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Botox
Bei schwerer, chronischer Migräne können Botox-Injektionen den Schmerzen vorbeugen. Dabei wird das Nervengift an 31 Stellen an Stirn, Schläfen, Nacken und Schultern gespritzt. Die Behandlung muss alle 12 Wochen wiederholt werden.

Migräne erfolgreich behandeln
Es gibt eine Reihe natürlicher Mittel, um die Migräne vorzubeugen © Viktor Gladkov / Shutterstock.com

Welche natürlichen Mittel helfen bei Migräne?

Medikamente allein reichen jedoch nicht zur Behandlung von Migräne. Von Akupunktur (Ganzkörpertherapie!) ist schon länger bekannt, dass sie bei Migräne sehr positive Effekte hat. Eine aktuelle Studie aus China hat nun Hinweise geliefert, nach denen Sie mit Akupunktur Attacken sogar effektiver vorbeugen können als mit Flunarizin. Und eine zweite aktuelle Studie, die am Universitätsklinikum Kiel durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass sich Ausdauersport wie Joggen und Walken sehr positiv auf die Stärke, Häufigkeit und Dauer einzelner Migräneattacken auswirkt. Gut geeignet sind darüber hinaus die Entspannungstechnik "Progressive Muskelentspannung" (PM), die die Anfälle bei Migräne um die Hälfte reduzieren kann, und Biofeedback. Migräniker üben mit Biofeedback, die Blutgefäße im Kopf zu verengen. Ein Messgerät zeigt ihnen, ob sie erfolgreich sind. Alle genannten Methoden können nachweislich Migräneattacken vorbeugen. Natürlich muss man auch lernen, sich im Alltag nicht ständig zu überfordern. Sie müssen lernen, "nein" zu sagen und es nicht immer allen recht machen wollen. Weiterhin ist ein ausgeglichener Lebensrhythmus, vor allem ein gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus (auch am Wochenende), sehr wichtig. Jede Art von Exzessen setzt dem überempfindlichen Gehirn eines Migränikers zu.

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Schnelle (und natürliche) Hilfe bei Migräne

Den Kopf kühlen
Bei Migräne hilft Kälte besser als Wärme, denn Eis ist ein natürlicher Entzündungshemmer. Ein kalter Umschlag auf Stirn, Augen oder Schädel kann die Schmerzen häufig zumindest eindämmen.

Nahrungsergänzungsmittel
Diverse Studien haben immer wieder gezeigt, dass verschiedene Nahrungsergänzungsmittel eine wirksame Prophylaxe gegen Migräne darstellen. Beispielsweise soll eine tägliche Dosis von 400 mg Vitamin B2 die Häufigkeit von Migräneattacken bei Patienten gesenkt haben. Und auch das Coenzym Q-10 soll Migräneattacken verhindern können. Sie sollten in jedem Fall mit Ihrem Arzt sprechen, welche Präparate für Sie in Frage kommen könnten.

Sorgen Sie für Entspannung
Rührt der Kopfschmerz aus einem verspannten Nacken-Schulter-Bereich, kann eine Massage häufig Abhilfe schaffen. Im besten Fall ist eine zweite Person anwesend, die Ihnen eine sanfte Massage geben kann. Tipp: Legen Sie sich gerade auf den Rücken, ohne den Kopf auf ein Kissen zu legen. Die zweite Person nimmt Ihren Kopf vorsichtig in beide Hände und hält dessen ganzes Gewicht. Heißt: Sie müssen vollkommen loslassen und dieses "Abgeben" geschehen lassen. Anschließend wird Ihr Kopf ganz langsam von einer Seite zur anderen gewiegt. Die Bewegung sollten so fein und sanft sein, dass Sie sie kaum wahrnehmen. Versuchen Sie nicht die Bewegung aktiv mitzumachen, sondern lassen Sie sich komplett fallen. Das sanfte Hin- und Herwiegen wird von Vielen als unglaublich entspannend und entkrampfend empfunden.

Helfende Kräuter
Neueste Empfehlungen der American Academy of Neurology bestätigen, dass Pestwurz Migräne wirksam verhindern kann. Vermutlich weil es einen gesunden Blutfluss im Gehirn fördert. Auch Mutterkraut kann vorbeugen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen?
Spannungskopfschmerz wird als chronisch bezeichnet, wenn Sie an mindestens 15 Tagen pro Monat Beschwerden haben © Viktor Gladkov / Shutterstock.com

Typische Merkmale von Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerz ist drückend, dumpf und tritt beidseitig auf. Die Schmerzen stellen sich immer dann ein, wenn z.B. Stress im beruflichen, schulischen oder privaten Bereich aufkommen. Aber auch geistige Überlastung, Muskelverspannungen durch Haltungsfehler, anhaltende Überanstrengung der Augen (z.B. Bildschirmarbeit), starke Lärmbelästigung, Wetterwechsel, Schlafprobleme sowie psychische Faktoren ('Kopf einziehen') spielen eine wichtige Rolle.

Spannungskopfschmerz wird als chronisch bezeichnet, wenn Sie an mindestens 15 Tagen pro Monat Beschwerden haben. Laut den evidenzbasierten Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft behandeln Sie Ihren Spannungskopfschmerz am besten mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Aber Achtung! Sie dürfen diese Medikamente nur an maximal 10 Tagen pro Monat einsetzen. Daran sollten Sie sich halten. Ansonsten kann es passieren, dass Sie einen schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz bekommen. Und da hilft nur noch der Entzug in einer Klinik!

Chronischer Spannungskopfschmerz wird mit so genannten trizyklischen Antidepressiva behandelt. Diese Medikamente beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und beugen dem Spannungskopfschmerz vor. Sie reagieren nicht auf Antidepressiva? Dann sollten Sie es zumindest mit einer Psychotherapie versuchen, weil letztendlich psycho-soziale Belastungsfaktoren die Kopfschmerzen massiv verstärken können. Bei Spannungskopfschmerzen können Sie natürlich auch die bei Migräne genannten nicht-medikamentösen Therapieoptionen anwenden.

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Patienten mit Spannungskopfschmerz lernen z.B. mit dem bereits weiter oben geannten Biofeedback, bestimmte Kopf- und Nackenmuskeln zu lockern damit der Kopfschmerz erst gar nicht entsteht. Und die auch die bereist erwähnte Entspannungstechnik "Progressive Muskelrelaxation" reduziert die Häufigkeit von Spannungskopfschmerz um 45 Prozent. Das ist eine Menge und deshalb einen Versuch wert! Dasselbe gilt für Musiktherapie, die auf Ihre Gefühlswelt einwirken kann. Sie beeinflusst psychische und soziale Faktoren, die am Entstehen des Kopfschmerzes beteiligt sind.

04.01.2017| Gerlinde Felix © womenshealth.de
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