Alkoholkonsum Sport und Alkohol – passt das?

Sport und Alkohol – passt das?
Dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Alkoholkonsum und exzessivem Sport ist offenbar kein Zufall © Kaponia Aliaksei / Shutterstock.com

Wissenschaftler kommen zu einer ernüchternden Erkenntnis: Die ambitioniertesten Sportlerinnen zählen zu den ausdauerndsten Trinkerinnen. Wir haben nach Gründen gesucht

Warum der Alkohol eine Sportlerin zu Fall bringt

Als Katrin kopfüber ins Wasser stürzt, wird ihr schlagartig klar, dass sie ein Alkoholproblem hat – und das, obwohl sie vollkommen nüchtern ist. Die Szene spielte sich im letzten Spätsommer ab. Damals war die 27-jährige Münchnerin mit ihren Freundinnen beim Stand-Up-Paddling auf dem Ammersee. "Irgendwann habe ich mir nebenbei überlegt, welchen Rotwein ich mir gleich noch holen werde, wenn wir wieder an Land sind. Und zack! Da lag ich auch schon drin." Der Gedanke an Alkohol hatte sie wortwörtlich zu Fall gebracht. Katrin war sicher nie eine Alkoholikerin. Aber weil das jemand denken könnte, will die PR-Beraterin hier nur ihren Vornahmen geschrieben sehen. "Es ist ja nicht so, dass ich mich ständig abgeschossen habe. Seit meinem Studium habe ich mir einfach gerne ab und an 1 oder 2 Gläser Wein gegönnt", erzählt die durchtrainiete Blondine, die 3- bis 4-mal wöchentlich ins Fitness-Studio geht. Das Bizarre an Katrins Geschichte: Erst als sie anfing, regelmäßig Sport zu treiben, trank sie nicht nur am Wochenende Alkohol, sondern auch regelmäßig unter der Woche. Und dieser Zusammenhang ist offenbar alles andere als Zufall.

Eine Studie mit Breitenwirkung

Bereits 2009 kam eine groß angelegte Studie der University of Miami zu dem Schluss: Je sportlich aktiver jemand ist, umso häufiger greift er zur Flasche – zumindest statistisch gesehen. Mit einem solch eindeutigen Ergebnis hatten selbst die Autoren der Studie nicht gerechnet. Die Forscher vermuteten zwar bereits eine Verknüpfung zwischen dem Drang, sich zu bewegen, und dem, sich zu berauschen. Sie glaubten aber auch, dass die Menschen ab einem gewissen monatlichen Alkoholpensum eher zur Trägheit neigen. Falsch. Die Befragung von über 230 000 Frauen und Männern aller Altersklassen ergab zweifelsfrei: Die größten Schlucker zählen zu den ambitioniertesten Sportlern. Im Schnitt bewegen sich starke Trinker (Frauen, die pro Monat über 45 alkoholische Getränke konsumieren) pro Woche etwa 10 Minuten mehr als moderate Trinker (15 bis 44 Drinks monatlich) und sogar rund 20 Minuten länger als Nicht-Trinker. Besonders ausgeprägt scheint dieser Trend bei Frauen zu sein – darauf deuten auch zahlreiche Folgeuntersuchungen hin. Eines steht fest: Frauen schauen heutzutage tiefer ins Glas als früher. Das zeigen unter anderem die steigenden Zahlen Alkoholsüchtiger. "Nach Expertenschätzungen war in den 1960er-Jahren nur ein Zehntel aller Alkoholabhängigen weiblich, heute sind es über ein Drittel", erklärt Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. Zum Teil ist es auch eine Folge der Emanzipation. "Im Gegensatz zu früher ist es mittlerweile sozial völlig akzeptiert, dass Frauen auch in der Öffentlichkeit trinken", so Bartsch. Besonders gering ist die Hemmschwelle bei denen, die wie Katrin gut ausgebildet und beruflich erfolgreich sind, wie eine aktuelle Studie der Universität Bayreuth belegt. Abgesehen davon ist Alkohol grundsätzlich sehr viel präsenter geworden. "Selbst kleinste Angelegenheiten werden heute zum Anlass genommen, sich ein Gläschen Prosecco einzuschenken", sagt die Expertin. Der Jahrestag, ein neuer Haarschnitt, das abgeschlossene Projekt – es gibt immer einen Grund zum Feiern. Die Brauereien, Keltereien und Brennereien tun ihr Übriges. "Mit aufwendiger Werbung für Sekt in Dosen oder süße Biermischgetränke richten sich die Unternehmen sehr viel stärker auch an Frauen, insbesondere jüngere", erklärt Bartsch.

03.08.2015| Andreas Stumpf © womenshealth.de
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