Freeskiing Stark wie Freeskierin Caja Schöpf

Profi-Freeskierin Caja Schöpf
© Jozef Kubica

Caja Schöpf ist mit Leib und Seele Profi-Freeskierin. Uns hat sie verraten, wie sich ein Leben auf Skiern anfühlt, was sie antreibt und wie sie sich fit hält

Free-Skierin Caja Schöpf im Interview
Free-Skierin Caja Schöpf im Interview bei Women's Health 1:58 Min.

"Ich bin ein Teil der Berge." Nichts bringt Caja Schöpfs Passion besser auf den Punkt. Der Sport den die 27-jährige Profi-Freeskierin über alles liebt, ist jung, kreativ, lässig und wild – so wie Caja selbst.

"Ich hatte nie geplant, Profi zu werden"
Am Berg aufzuwachsen ist sicherlich eine gute Basis für ein Leben auf Skiern: Ohlstadt, ein kleiner Ort in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, ist Cajas Heimat. Dort stand sie mit 3 Jahren zum ersten Mal auf den Brettern, die für sie seitdem die Welt bedeuten. Die Zugspitze vor der Haustür und bei Wind und Wetter in der Natur: "Das hat mir für meine Skikarriere sicher am meisten geholfen", erzählt sie. "Obwohl ich nie geplant hatte, Profi zu werden. Ich bin da irgendwie reingerutscht." Und das war gut so, denn seit 8 Jahren mischt Caja bei den größten Freeski-Events der Welt mit, ist inzwischen sogar die bisher erfolgreichste deutsche Fahrerin.

Caja Schöpf
Im Alter von drei Jahren stand Caja zum ersten Mal auf Skiern © Jozef Kubica

Freeskiing ist Geschwindigkeit, Nervenkitzel, aber niemals Leichtsinn
Aber was ist Freeskiing eigentlich? Zum einen Freeriden: der spektakuläre Ritt durchs Gelände, steil runter, abseits der gut präparierten Pisten durch feinsten Pulverschnee. Der andere Part heißt Slopestyle und ist ein Hindernisparcours, in dem wag­halsige Sprünge und Drehungen um alle Achsen kreativ kombiniert und in einem Run zusammengefügt werden. Was so elegant, lässig und unbeschwert aussieht, kostet richtig Kraft, verlangt Beweglichkeit, jahrelanges Training – und eine ordentliche Portion Mut. Letzteres hat Caja, sie liebt die Geschwindigkeit und den Nervenkitzel, ist dabei aber nie leichtsinnig. "An jeden neuen Trick taste ich mich langsam heran. Eigentlich ist es wie Fahrradfahren lernen", erklärt sie. "Man fängt mit 2 Stützen an, dann wird eine entfernt, und man wackelt, lernt so aber, das Gleichgewicht zu finden. Und irgendwann hat man die Balance, auch ohne Stütze."

Aus Stürzen und Niederlagen muss man lernen
Caja hat das perfektioniert, ihre Tricks sind spektakulär: Beim "540 Mute Grab" dreht sie sich anderthalbmal um die Körperachse, hält dabei die rechte Hand am linken Ski. "Man landet dann rückwärts, und das fühlt sich ganz geschmeidig an. Vorausgesetzt, es geht gut." Ja, wenn … Springt die Angst nicht immer mit? Klar. "Ich akzeptiere sie als Faktor, der mich davor schützt, falsche Entscheidungen zu treffen." Denn begegnet man Berg und Schnee nicht mit Respekt und schätzt das eigene Können nicht realistisch ein, wird das Risiko unberechenbar und die Gefahr von Stürzen und Unfällen groß. Für Caja ist das eine Gratwanderung: Sie liebt den Reiz, die Herausforderung und die Tricks. Aber sie weiß auch um die Gefahren. "Prellungen und Gehirnerschütterungen gehören dazu." Caja wäre aber nicht Caja, wenn sie aus den schmerzhaften Erfahrungen nicht auch etwas für sich ziehen würde: "Man muss mit Stürzen und Niederlagen umgehen können und aus ihnen lernen. Sonst kommt man nicht weit."

Profi-Freeskierin Caja Schöpf
Höchstleistungen nicht nur auf Skiern: Caja macht auch ihren Master in Wirtschaftspsychologie © Jozef Kubica

Keine Zeit für Zweifel
Ehrgeiz, Disziplin und Kampfgeist zeichnen Caja aus. Gleichzeitig genießt sie aber in vollen Zügen, dass sie das tun kann, was sie am meisten liebt. "Ich versuche, bei allem Spaß zu haben und den Kopf bei Laune zu halten. Wenn ich merke, es läuft mal gar nicht, lasse ich es einfach sein." Viel Zeit für Zweifel bleiben ihr ohnehin nicht: Wenn jeder Tag ein Tag auf Brettern ist, liegen gute und weniger gute Einheiten nah beieinander. Was ihr an den weniger guten Tagen hilft: Gemeinsam mit Freunden und ihren Brüdern zu fahren – die unterstützen und locken sie aus der Reserve.

Muskelaufbautraining in der Schnee-freien Zeit
Aber was macht der Skiprofi, wenn der letzte Schnee geschmolzen ist? "In der Skifahrpause freue ich mich auf andere Sportarten." Mit Laufen, Radfahren oder Klettern hält sie ihr Fitnesslevel auf hohem Niveau – bleibt aber dennoch die meiste Zeit in der Nähe der geliebten Berge. Wenn Outdoor-Action ihr Leben bestimmt, ist Indoor-Krafttraining dann nicht eher lästiges Pflichtprogramm? Vielleicht – aber eins, das Caja nicht infrage stellt und daher ohne Murren durchzieht, weil sie um den Nutzen weiß: Viel Kraft, hohe Beweglichkeit und gute Koordination – das gleicht Dysbalancen aus und reduziert die Verletzungsanfälligkeit. Selbst die Knorpelschäden in beiden Knien, die sich Caja in den letzten Jahren zugezogen hat, bekam sie damit in den Griff. "Mit gezieltem Muskelaufbautraining bin ich so weit, dass ich wieder Halbmarathon-Distanzen laufen kann."

Beim Reisen den Kopf frei kriegen
Aber nicht nur ihren Körper trainiert Caja, auch mit ihrem Kopf vollbringt sie Höchstleistungen: Sie ist Di­plom-Psychologin, macht den Master zur Wirtschafts­psychologin. Und nebenher, wie sie mit einem Augenzwinkern erzählt, will sie eine Ausbildung zur Sportpsychologin beginnen. Wie schaltet Caja bei so viel Stress ab? Am besten mit einer Mischung zweier Leidenschaften: Reisen und – na klar! – Sport: manchmal nur mit dem Rucksack, meist aber mit Skiern und einem Filmteam im Gepäck. Die Clips, die so ent­stehen, zeigen eindrucksvoll, was Caja am Freeskiing am allermeisten liebt: "Das Herum­reisen, draußen in den Bergen zu sein, die Kreativität und vor allem die Lebensfreude."

21.11.2014| Juliane Hemmerling / Fotos: Jozef Kubica © womenshealth.de
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