Forschungs-Ausblick Verhütungsmethoden für den Mann

Kondome verhüten
Kondome und Sterilisation sind bisher die einzigen Verhütungsmethoden für Männer © Shutterstock

Noch immer fehlen Verhütungs-Alternativen für Männer, die über Kondom und Sterilisation hinausgehen. Dabei ist die Forschung ist noch längst nicht ausgeschöpft

Die Forschung beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der männlichen Verhütung. Es gibt mehrere Ansätze bei der Verhütung für den Mann, z.B. die Unterdrückung der Samenbildung, die Verhinderung der Samenreifung, die Hemmung der Spermienfunktion oder die Blockade des Spermientransportes.

Meist zielen die Wissenschaftler darauf, die Spermienproduktion zu drosseln oder die Befruchtungsfähigkeit der Spermien zu hemmen, etwa mit Gossypol, einem Wirkstoff aus Baumwollsamen, mit Tripterygium wilfordii, einer chinesischen Heilpflanze, oder mit N-Butyldeoxynorjirimycin, einem Zucker-Abkömmling. Andere Forscher wollten die Spermien auf ihrer Passage durch die Samenleiter sterilisieren. Aber bis jetzt hat es nur eine Hormonkombination bis zur klinischen Studie geschafft.

Auf dem Weg zur Pille für den Mann
Seit Anfang der 70-er Jahre wird an der Hormonpille oder -spritze für den Mann geforscht. In schöner Regelmäßigkeit verkünden die Medien die baldige Marktreife. Aber noch immer gibt es kein Präparat zu kaufen. Eine Hormonkombination aus Testosteron und Gestagen hat es immerhin 2009 bis zur klinischen Studie geschafft. Von der WHO finanziert, in Münster konzipiert und international durchgeführt, sollte die Studie mit 400 Probanden Klarheit über die richtige Dosierung und Kombination der beiden Wirkstoffe bringen.

Den Versuchspersonen wurde dabei eine Mischung gespritzt, die vor allem aus künstlichem Testosteron bestand: Es kann die körpereigene Produktion des männlichen Sexualhormons stoppen und die Reifung von Spermien verhindern. Testosteron allein schlägt aber nicht bei allen Männern an, erst zusammen mit Gestagen wird die volle Wirkung erreicht. Im März brach die WHO die Studie ab. Zwar haben 9 von 10 Männern die Spritze vertragen. „Aber insgesamt war der Anteil der Unverträglichkeit zu hoch“, sagt Hermann Behre, Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Halle, der die Probanden mit betreut hat. 10 Prozent klagten über Libido-Verlust, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen oder Akne.

Die Leidensfähigkeit von Männern ist begrenzt
Wem fallen da nicht auf Anhieb die Nebenwirkungen ein, die Frauen bei der Verhütung in Kauf nehmen. „Frauen kennen sich damit aus, für Männer ist es neu“, vermutet der Hormonspezialist Eberhard Nieschlag von der Universität Münster, der die Hormonspritze für Männer maßgeblich entwickelt hat. Frauen können mit Hormonschwankungen umgehen. Männer kommen damit nicht klar. Ihre Leidensfähigkeit ist begrenzt. Zumal sie nicht direkt betroffen sind. Sie werden ja nicht schwanger!

Dennoch sehen Nieschlag und einige seine Kollegen weiterhin Chancen für eine Antibabyspritze für den Mann – als Möglichkeit für Paare, sich die Verantwortung bei der Verhütung zu teilen. „Wir sind an einem Erfolg näher dran, als manche glauben“, sagt Behre. Er persönlich favorisiert die reine Testosteron-Spritze. „In China wurde eine derartige Testosteronspritze an über 1000 Männern mit Erfolg getestet. Die Ergebnisse liegen seit 2009 vor“, sagt der Mediziner.

01.01.2014| Uta König © womenshealth.de
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