Yoga-Arten: Welche Yoga-Art passt zu mir?

Welcher Yoga-Typ sind Sie?
Dynamisch und kraftvoll oder doch lieber ruhig und fließend? Yoga ist vielfältig genug, um für jeden Typ eine Trainingsart zu finden © Jacob Lund / Shutterstock.com

Kundalini, Jivamukti, Bikram und was ist eigentlich Hormon Yoga? Die Yoga-Angebote werden immer unübersichtlicher. Wir verraten, was dahinter steckt und welche Yoga-Art zu Ihnen passt

Yoga ist nicht gleich Yoga. Das wird schnell klar, wenn Sie sich anschauen, wie viele unterschiedliche Yoga-Arten angeboten werden. Namen wie Hatha, Vinyasa, Bikram oder Kundalini klingen vielversprechend, lassen Sie aber völlig im Dunkeln, was dort wirklich auf Sie wartet. Mal werden die Körperhaltungen oder – wie Yogis sie nennen – „Asanas“ lang gehalten, ein anderes Mal dynamisch aneinandergereiht. Mal werden verstärkt Atemübungen praktiziert, ein anderes Mal der Raum aufgeheizt oder mit zusätzlichen Hilfsmitteln gearbeitet.

Wie finde ich das richtige Yoga-Angebot?

Im Yoga-Dschungel den Durchblick zu behalten ist das eine. Eine viel größere Herausforderung ist es, eine Yoga-Form zu finden, die zu Ihnen passt. Klassischerweise besteht die Yoga Praxis aus Asanas (Körperhaltungen), Atmung (Pranayama) und Mediation. Ziel ist es Körper und Geist in Einklang zu bringen und sich am Ende der Stunde in Shavasana vollständig zu entspannen. Jede Yoga-Richtung bietet Ihnen einen etwas anderen Weg dorthin. Einige setzten auf langes Halten und intensives Atmen, andere auf dynamische Abläufe, bei denen Ihre Muskulatur ordentlich gefordert wird. Was für Sie das Beste ist? Das ist ganz individuell und hängt von Ihren Bedürfnissen ab. Fragen Sie sich, was Sie mit Yoga erreichen möchten und hören Sie darauf, was Ihnen gut tut. Zum Stresskiller wird Yoga jedoch nur, wenn auch das Drumherum stimmt. Eine angenehme Atmosphäre macht es viel leichter für Sie, sich richtig fallen zu lassen. Damit Sie wissen, was Sie in der Yoga-Stunde erwartet und Sie die Yoga-Art finden, die zu Ihnen passt, verraten wir hier, was sich hinter den verschiedenen Yoga-Formen verbirgt:

Hatha Yoga ist ideal für Anfänger

Im Grunde ist Hatha Yoga das Fundament aller Yoga-Arten. Der Begriff entstammt der Hathayogapradibika, eine bedeutende Yogaschrift aus dem 14. Jahrhundert, die verwendet wurde, um zwischen den spirituellen Praktiken (Raja Yoga) und der physischen Praxis (Hatha Yoga) zu unterscheiden. Durch Asanas (Körperhaltungen), Atemübungen (Pranayama) und Meditation sollen Körper und Geist in Einklang gebracht werden. Dieses Ziel verfolgen alle Yoga-Richtungen. Immerhin strebt die gesamte Yoga Philosophie genau nach dieser Erleuchtung. Übersetzt bedeutet Hatha “Gewalt” oder “Kraft”. Das soll die Anstrengung symbolisieren, die man benötigt um Harmonie zwischen Körper und Geist herzustellen. Es kann jedoch auch als Sonne (Ha) und Mond (Tha) übersetzt werden. Damit steht es symbolisch für das Zusammenführen der Gegensätze, das notwendig ist um eine Einheit zu schaffen.

Ausgeschriebene Hatha Yoga Stunden sind meist einfach aufgebaut und für jeden geeignet – egal ob Anfänger oder fortgeschrittener Yogi. Die Asanas werden lang gehalten und mit der Atmung kombiniert. So bleibt genug Zeit um die Haltungen korrekt auszuführen und sich in die Positionen hineinzufühlen. So haben Sie die Möglichkeit die Körperhaltungen von Grund auf richtig zu lernen und sich Stück für Stück weiterzuentwickeln.

Geeignet für: Alle, besonders Einsteiger

Unser Tipp: Hier lernen Sie wirklich alle Basics Schritt für Schritt und bekommen alle Säulen des Yoga vermittelt.

Vinyasa Yoga bringt Atmung und Körper in Einklang

Bevor Sie nach einem aufwühlenden Tag die Yogamatte ausrollen und losturnen – kommen Sie erst einmal zur Ruhe
Vinyasa Yoga ist ein dynamischer Flow. © fizkes / Shutterstock.com

Vinyasa bezeichnet eine Yoga-Richtung, in der die Asanas fließend und in Verbindung mit der Atmung ausgeführt werden. So kommen Sie in einen Fluss, der Ihren Körper harmonisieren soll. Das setzt jedoch voraus, dass Sie sich durch die dynamischen Bewegungen und den schnellen Wechsel zwischen den Positionen nicht überfordern. Sonst ist es aus mit der Harmonie. Deshalb ist es wichtig auf verschiedene Schwierigkeitsstufen zu achten.

Geeignet für: Alle, die dynamische Bewegungen lieben

Unser Tipp: Achten Sie auf verschiedene Schwierigkeitsstufen, um sich selbst nicht zu überfordern.

Feste Abläufte üben beim Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga ist eine Form des Vinyasas, das auf den Lehren von Sri Krishnamacharia, einer der bedeutendsten Yoga-Lehrer, beruht. Er entwickelte sechs feste Asana-Serien, die im Vinyasa geübt werden. Diese werden von Stufe zu Stufe schwieriger und sollten aus diesem Grund aufeinander aufbauend trainiert werden. Im Ashtanga Yoga sind die Schwierigkeitsstufen deshalb noch wichtiger.

Geeignet für: Alle, die gerne dynamisch üben und feste Strukturen bevorzugen

Unser Tipp: Egal ob Sie schon einmal Yoga gemacht haben oder nicht, wer im Ashtanga Yoga neu ist, sollte unbedingt eine Einsteigerstunde besuchen, um die vorgegebenen Abfolgen zu lernen.

Den Körper fordern mit Power und Intensive Yoga

Sie möchten Ihre Muskulatur stärken oder abnehmen? Dann sollten Sie es mit Power oder Intensive Yoga probieren. Der Name lässt schon erahnen, dass es bei dieser Yoga-Art anstrengend wird. Die Asanas werden im Vinyasa, also dynamisch geübt und sehr kraftvoll ausgeführt, sodass Sie schnell ins Schwitzen kommen.

Geeignet für: Alle, die Ihre Muskulatur kräftigen wollen und ein anstrengendes und doch sanftes Workout suchen

Unser Tipp: Wenn Sie in einer Asana zusätzlich den Beckenboden anspannen und den Bauchnabel zur Wirbelsäule ziehen, können Sie die Intensität sogar noch erhöhen. Das formt eine schöne Taille und trainiert einen flachen Bauch.

Dehnen und Schwitzen beim Bikram Yoga

Bei Bikram Yoga kommen Sie in jedem Fall ins Schwitzen. Denn egal zu welcher Jahreszeit, der Raum wird schon vor Beginn auf eine Temperatur zwischen 38 und 40 Grad aufgeheizt. Die Stunde ist genau strukturiert: Sie besteht aus einer geschützten Abfolge aus 26 Asanas und zwei Atemübungen. Entwickelt hat diese Yoga-Richtung der indische Yogameister Bikram Choudhury. Durch die Hitze werden Muskel- und Sehnen dehnbarer. Außerdem wirkt das Schwitzen entgiftend. Dennoch sollte Ihr Kreislauf stabil sein. Gerade im Winter ist der große Temperaturunterschied eine zusätzliche Belastung. Immerhin dürfen Sie nicht vergessen, dass auch die Positionen ziemlich fordernd sind. Wer sich fit fühlt und sowohl geistig als auch körperlich gefordert werden will, ist beim Bikram Yoga genau richtig.

Beim Kopfstand fließt viel Blut in den Kopf. Damit Ihnen danach nicht schwindelig wird, bleiben Sie erst einen Moment in der Kindhaltung bis sich der Kreislauf normalisiert hat
Die hohen Temperaturen beim Bikram Yoga machen die Muskeln geschmeidig und dehnbar. © fizkes / Shutterstock.com

Geeignet für: Alle, denen Hitze keine Probleme macht

Unser Tipp: Gehen Sie besonders achtsam mit sich um. Auch wenn die Muskeln durch die Wärme dehnbarer sind, besteht Verletzungsgefahr, wenn Sie zum Beispiel ruckartig tiefer in die Dehnung gehen.

Kundalini Yoga weckt spirituelle Energie

Kundalini steht für eine energetische Kraft, die im Yoga als Schlange dargestellt wird. Sie sitzt im Bereich des Kreuzbeins und soll durch die Yoga Praxis erweckt werden. Dabei wandert sie langsam den Hauptenergiekanal, der entlang der Wirbelsäule verläuft, bis ganz nach oben Richtung Kopfscheitel. Auch in dieser Yoga-Richtung werden die Asanas dynamisch ausgeführt. Aufgrund der spirituellen Basis wird der Fokus verstärkt auf Atmung und Meditation gelegt.

Geeignet für: Alle, besonders wenn Sie sich für Spiritualität begeistern

Unser Tipp: Das Gefühl die Kundalini zu erwecken braucht Zeit. Viel Zeit. Manchmal auch das ganze Leben. Deshalb: Durchatmen, locker machen und Yoga praktizieren. Das ist der richtige Weg zum Ziel.

Beim Yengar Yoga sollen Ihnen Hilfsmittel wie Yogaklötze in die perfekte Pose helfen. © fizkes / Shutterstock.com

Beim Iyengar Yoga zählt die saubere Ausfühung der Asanas

Aus dem klassischen Hatha Yoga entwickelte B.K.S. Iyengar ungefähr ab den 1930ern die nach ihm benannte Yoga-Richtung. Genauigkeit ist hier oberstes Gebot. So wird beim Iyengar Yoga extrem viel Wert darauf gelegt jede Asana exakt und hoch konzentriert auszuführen. Gleiches gilt für die Atmung, die genau wie die Körperhaltungen langsam und bewusst fließen soll. Das Besondere: Für eine möglichst genaue Ausführung werden zahlreiche Hilfsmittel wie Gurte, Klötze oder Polster verwendet, damit auch Einsteiger und Ungeübte die Positionen korrekt halten. Ursprünglich sollten die Asanas bis zu 30 Minuten gehalten werden. Aber keine Sorge, so lange müssen Sie nicht verharren. Meist sind es zwei bis drei Minuten. Für Fortgeschrittene fünf.

Geeignet für: Alle, besonders wenn Sie die Asanas lange halten und intensiv spüren möchten

Unser Tipp: Blöcke, Klötze und Co. werden auch in anderen Yoga-Formen verwendet, sodass Sie einen kleinen Eindruck bekommen, wie man mit ihnen umgeht. Und denken Sie daran: Die Hilfsmittel sind dazu da, Ihnen das Halten zu erleichtern.

Die Seele befreien mit dynamischem Jivamukti Yoga

Übersetzt bedeutet Jivamukti „Befreiung der Seele“. Entwickelt wurde diese Yoga-Art in den 80ern mit dem Ziel die alte Tradition auch im modernen Großstadtdschungel alltagstauglich zu machen. Die Asanas werden dynamisch und in einem relativen hohen Tempo geübt, was die Praxis durchaus fordernd macht. Daneben sind das Lesen von traditionellen Yoga-Texten, Musik und Meditation feste Bestandteile einer Stunde.

Geeignet für: Alle, die gerne dynamisch und mit Musik üben und sich sowohl körperlich als auch geistig fordern möchten

Unser Tipp: Anfangs ist der Input ziemlich hoch und gerade Neulinge tun sich schwer das Tempo zu halten. Leichter haben Sie es, wenn Sie die Basics bereits beherrschen.

Sich einfach mal richtig hängen lassen: Beim Aerial Yoga ist genau das gewolt. © Cookie Studio / Shutterstock.com

Sich beim Aerial Yoga mal richtig fallen lassen

Wer sich einfach mal hängen lassen möchte, der sollte Aerial Yoga ausprobieren. Dabei dreht sich alles um ein trapezförmiges Tuch, das von der Decke baumelt und Ihnen beim Üben der Asanas ein ganz neues Gefühl verleiht. Sie können es um die Hüfte wickeln, es zum Festhalten verwenden oder sich hineinlegen und einfach fallen lassen. Fühlt sich an wie auf Wolke sieben und ist damit ein optimaler Stresskiller.

Geeignet für: Alle, die mal was anderes ausprobieren wollen und keine Angst haben loszulassen

Unser Tipp: Besonders bei Rückenproblem hilft das Hängen im Aerial Tuch die Wirbelsäule zu entlasten. Aber Vorsicht: Für Schwangere ist das Rumhängen nicht geeignet. Auch wer Probleme mit dem Blutdruck hat, sollte lieber auf der Matte bleiben.

Gemeinsam rumturnen beim Acro Yoga

Acro Yoga verspricht wohl den größten Fun-Faktor. Die akrobatischen Positionen werden hier meist mit einem oder mehreren Partnern geübt. Vertrauen hat dabei oberste Priorität. Immerhin müssen Sie sich darauf verlassen, dass Sie gehalten werden und dieses Gefühl auch Ihrem Gegenüber vermitteln. Diese Yoga-Form sollten Sie jedoch nur ausprobieren, wenn Sie kein Problem mit Körperkontakt haben und offen für Neues sind. Dafür werden Sie dann mit einer Menge Spaß belohnt.

Lass mich fliegen! Die Fliegerposition erfordert Körperspannung und viel Vertrauen. © Jacob Lund / Shuuterstock.com

Geeignet für: Alle, die auf Akrobatik stehen und gerne mit Partner trainieren

Unser Tipp: Ihren Partner können Sie auch einfach mitbringen. Außerdem macht es schon unglaublich Spaß daheim die Matte auszurollen und sich zu zweit zum Beispiel an der Fliegerposition zu üben.

Die Balance finden mit Hormon Yoga

Hormon Yoga ist ganz auf die Bedürfnisse des weiblichen Hormonsystems ausgerichtet und wirkt harmonisierend. Durch Atemübungen und Asanas werden die Hormondrüsen stimuliert, sodass der Hormonhaushalt seine natürliche Balance findet. So soll es Frauen in den Wechseljahren, Frauen mit Kinderwunsch oder Frauen mit Hormonschwankungen helfen, wieder in Einklang zu kommen. Aber Vorsicht! Hormon Yoga ist nicht für jeden geeignet. Wenn Sie an Osteoporose oder Endomitriose leiden, Innenohrentzündungen, Bauchschmerzen, Herzproblemen, einen Bandscheibenvorfall oder eine Schilddrüsenüberfunktion haben, schwanger sind oder operiert wurden, sollten Sie es auf keinen Fall praktizieren.

Geeignet für: Frauen, die mit hormonellen Veränderungen zu kämpfen haben

Unser Tipp: Hormon Yoga kann als alternative Heilmethode praktiziert werden. Bei schwerwiegenden Problem sollten Sie sich trotzdem immer einen ärztlichen Rat einholen.

Einatmen, ausatmen und halten, halten, halten. © fizkes / Shutterstock.com

Tief durchatmen beim Yin Yoga

Durchatmen und zur Ruhe kommen ist Teil jeder Yoga-Praxis. Beim Yin Yoga steht es aber in besonderem Fokus. Denn die meisten Formen bestehen sowohl aus Yin, dem ruhigen Part als auch Yang, dem aktiven Part. Die Asanas werden sehr langsam eingeführt und lang gehalten. Anfangs zwei bis drei, später gerne auch mal fünf Minuten. Physisch wird vor allem die Flexibilität verbessert und die tiefliegenden Schichten also Bindegewebe und Faszien trainiert.

Geeignet für: Alle, die auf der Suche nach Ruhe sind und eine sanfte Praxis bevorzugen

Unser Tipp: Da Sie es wahrscheinlich nicht gewohnt sind so lange in einer Position zu verharren, wird das schnell anstrengend. Außerdem gehört eine ganze Menge mentale Stärke dazu seinen inneren Schweinehund zu überwinden und sich wirklich fallen zu lassen. Aber auch das kann man trainieren.

Vielleicht benötigen Sie einige Anläufe, um die Yoga-Form zu finden, die zu Ihnen passt und Ihren Bedürfnissen gerecht wird. Scheuen Sie sich nicht davor, verschiedene Arten zu probieren und Schnupperstunden in Anspruch zu nehmen. Denn am Ende zählt, dass Sie sich wohlfühlen, gerne hingehen und Spaß haben. Nur so werden Sie dran bleiben, Ihre Ziele erreichen und dem Yoga-Gefühl ein Stückchen näher kommen.

02.08.2017| © womenshealth.de
Franziska Orthey Freie Autorin Food & Fitness
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