Verhütungsmethoden im Vergleich: So finden Sie die Verhütungsmethode, die wirklich zu Ihnen passt

Verhütungsmethoden im Vergleich
Egal welche Verhütungsmethode für Sie ideal ist: Mit Kondomen sollte sich jede Frau auskennen © Yuliya Yafimik / Shutterstock.com

Damit Sie sich beim Sex wohl fühlen, muss Ihr Verhütungsmittel zu Ihnen passen. Wir zeigen, welche Verhütungsmethode zu welchem Frauentyp und Lebensabschnitt passt

"Bei der Entscheidung, welche Verhütungsmethode die richtige für Sie ist, spielen zahlreiche Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und persönliche Lebensumstände eine wichtige Rolle", erklärt Barbara Bohnen-Böhm, Ärztin bei der Pro-Familia-Beratungsstelle in Aachen. Eine gründliche Selbstanalyse sollte daher am Anfang stehen: Lässt mein Alltag eine regelmäßige Pilleneinnahme zu? Schaffe ich es, im Liebestaumel ein Kondom richtig anzuwenden? Ist eine Schwangerschaft in nächster Zeit geplant oder möchte ich eher langfristig verhüten? Barbara Bohnen-Böhm hat uns geholfen, anhand verschiedener Lebensphasen 10 Verhütungstypen zu definieren und die dazu passenden Verhütungsmethoden zu finden:

Die junge Wilde – ideale Verhütung für Teenager

Jünger als 18 Jahre, aber mit sexuellem Interesse: Aus einem Flirt kann schnell auch mehr werden. Schwangerschaft absolut ausgeschlossen!

Erste Empfehlung: In festen Partnerschaften ist die Pille die sicherste und unkomplizierteste Methode. Für Jugendliche mit rasch aufeinander folgenden Sexualpartnern empfehlen sich zusätzlich Kondome – sie schützen auch vor AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.
Alternativen:
Auch empfehlenswert ist die Kupferkette. Die Hormonspirale ist dagegen nur geeignet, wenn die Gebärmutter groß genug ist.
Nicht geeignet:
Ungeeignet sind die Minipille, da eine absolut pünktliche Einnahme wichtig ist, das Diaphragma oder Verhütungskappen, da sie bei nicht ganz korrekter Anwendung unsicher ist. Völlig ungeeignet ist die Dreimonatsspritze, da die Nebenwirkungen nicht akzeptabel sind.

Die junge Ehrgeizige – hormonfreie Verhütung für junge Paare

Junge Frau noch in Ausbildung, lebt in fester Beziehung und lehnt hormonelle Verhütung ab. Kinder im Moment ausgeschlossen.

Erste Empfehlung:
Für Frauen in festen Partnerschaften sind die Kupferspirale oder die Kupferkette ideal.
Alternativen:
Ebenfalls geeignet, allerdings unpraktischer: Kondom oder Diaphragma plus Verhütungsgel. Allerdings liegt die Sicherheit bei diesen Methoden bei 1 bis 3 Schwangerschaften auf 100 Paare, die ein Verhütungsmittel ein Jahr lang anwenden (Pearl Index 1-3). Sicherer wäre eine Hormonspirale (Pearl Index 0,1), die nur 0,02 mg eines bewährten Gestagens in die Gebärmutter abgibt.
Nicht geeignet: Ungeeignet sind alle hoch dosierten Hormonpräparate.

Die unkomplizierte Singlefrau – sichere Verhütung trotz wechselnder Partner

Fast jede Frau hat in ihrem Leben mal eine wilde Phase. Kondome sind dann besonders wichtig. © Yuliya Yafimik / Shutterstock.com

Single-Frau mit wechselnden Partnern, mag keine komplizierten Verhütungsmethoden. Ohne Kinderwunsch.

Erste Empfehlung: In diesem Fall sind Kondome wichtig, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Um die Verhütungssicherheit zu erhöhen, kann man zusätzlich Pille oder Hormonspirale verwenden.
Alternativen:
Die Kupferspirale ist nur bedingt zu empfehlen, da das Infektionsrisiko durch aufsteigende Keime bei wechselnden Partnern erhöht ist, falls mal kein Kondom benutzt wird. Der Verhütungsring ist ebenfalls geeignet, jedoch erfordert er Geschick beim monatlichen Wechseln.
Nicht geeignet: Das Diaphragma ist eher ungeeignet, wegen des Aufwands beim Einsetzen.

Die Religiöse – natürlich verhüten ohne Kondom oder Pille

Wer Verhütung aus religiösen Gründen ablehnt, kann mit der natürlichen Familienplanung seine fruchtbaren Tage genauer bestimmen und so die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, reduzieren. © Yuliya Yafimik / Shutterstock.com

Frau in fester Partnerschaft, möchte (noch) keine Kinder. Aus weltanschalichen Gründen ist sie gegen Pille, Spirale, Kondom u. a. sowie gegen Schwangerschaftsabbruch.

Erste Empfehlung: Hier kommt die Methode der natürlichen Familienplanung in Frage, d.h. die Frau misst jeden Morgen ihre Aufwachtemperatur und trägt diese in eine Kurve ein. Nach dem Eisprung steigt die Temperatur um 0,2–0,5°C an. Ist die Temperatur 3 Tage lang höher als die Temperatur der vorangegangenen 6 Tage, kann sie daran sehen, dass der Eisprung vorbei ist und eine Schwangerschaft in diesem Zyklus nicht mehr eintreten kann (die Zeit nach dem Eisprung ist so sicher wie die Einnahme der Pille). In der Zeit von Beginn der Periodenblutung bis zum Nachweis des Eisprungs müsste sie auf Geschlechtsverkehr verzichten. Statt selber zu messen kann sie einen Verhütungscomputer zu Hilfe nehmen. Die Temperatur wird mittels einer Sonde im Mund gemessen und im Computer gespeichert. Die gefährlichen Tage werden durch ein Signal markiert. Je länger man den Computer benutzt, desto individueller ist die Markierung der fruchtbaren Tage. Nachteil: Man bekommt nie die ganze Kurve zu Gesicht, sondern immer nur die Auswertung des aktuellen Tages.

Die Leidgeplagte – Verhütungsmethode gegen PMS

Frau möchte mit ihrer Verhütung auch etwas gegen ihre starke, oft schmerzende Periodenblutung und PMS-Beschwerden (Beschwerden in den Tagen vor der Regelblutung) tun.

Erste Empfehlung:
Die Hormonspirale kann therapeutisch bei Frauen mit starker, sehr schmerzhafter Regelblutung eingesetzt werden, da durch die Wirkung des Gestagens die Gebärmutter entkrampft. Außerdem baut sich die Gebärmutterschleimhaut nur sehr schwach auf, so dass die Blutung deutlich geringer wird.
Alternativen:
Es gibt auch einige Pillensorten, die Menstruationsbeschwerden verringern und dem prämenstruellen Syndrom entgegenwirken. Fragen Sie Ihren Frauenarzt.
Nicht geeignet: Ungeeignet ist die Kupferspirale, denn sie verstärkt oft die Menstruationsblutung.

Die Pillenmüde – Pille nein, Baby vielleicht

Keine Lust mehr die tägliche Pille zu schlucken? Kein Problem! Wollen Sie trotzdem nicht schwanger werden will, ist die Hormonspirale eine gute Wahl. © Yuliya Yafimik / Shutterstock.com

Die Frau hat einen festen Partner und nimmt seit 10 Jahren die Pille. Sie ist etwas pillenmüde, möchte etwas Neues ausprobieren. Kinder in absehbarer Zukunft nicht ausgeschlossen.

Erste Empfehlung:
Oft rückt bei Pillenmüdigkeit der Kinderwunsch in greifbare Nähe, dann bringen spontane Methoden Vorteile, zum Beispiel die Verhütung mit Kondomen oder Diaphragma.
Alternativen:
Wenn tatsächlich nur eine Alternative zur Pille gewünscht wird, ohne absehbaren Kinderwunsch, ist die Hormonspirale empfehlenswert. Sie hat eine Liegezeit von bis zu 5 Jahren, kann aber zu jedem Zeitpunkt gezogen werden, wenn die Frau schwanger werden möchte.
Nicht geeignet: Ungeeignet ist die Dreimonatsspritze. Über einen längeren Zeitraum hinweg angewendet, kann sie einen Gestagen-Vorrat im Körper bilden, der nur unkalkulierbar langsam abgebaut wird. Das heißt, es kann Monate bis Jahre dauern, bis es wieder zu einem Eisprung kommt.

Rushing Woman – sichere Verhütung trotz unregelmäßigem Lifestyle

Frau mit unregelmäßigem Lebensrhythmus (z. B. Stewardess mit großen Zeitverschiebungen) oder mit häufigen Magen-Darm-Problemen, möchte eine sehr sichere Verhütung.

Erste Empfehlung:
Verhütungsring, Verhütungsstäbchen oder Hormonspirale sind sehr sicher und erfordern keine pünktliche Einnahme. Da sie nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, bieten sie auch bei Durchfall oder Erbrechen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft.
Alternativen:
Die Pille ist bedingt geeignet, sofern ein automatischer Wecker (digitale Armbanduhr/Handy) zur richtigen Zeit an die Einnahme erinnert.
Nicht geeignet:
Ungeeignet ist die Minipille, denn sie muss auf die Stunde genau genommen werden (Ausnahme: "neue Minipille").

Die Mama zwischen 1. und 2. Kind – Verhütung in der Schwangerschaftspause

Das erste Kind ist geboren und abgestillt, bis zum nächsten sollen mindestens 2 Jahre überbrückt werden.

Erste Empfehlung
:Sollen 2 Jahre sehr sicher überbrückt werden, sind Pille oder Hormonring die besten Methoden, denn sie lassen sich kurzfristig absetzen.
Alternativen:
Auch Kondome, Diaphragma oder Verhütungskappen sind geeignet. Eine Kupferspirale kommt ebenfalls in Frage, sie gewährleistet allerdings etwas weniger Sicherheit. Man kann natürlich auch eine teurere Hormonspirale nehmen.
Nicht geeignet:
Völlig ungeeignet ist die Dreimonatsspritze, da die Nebenwirkungen nicht akzeptabel sind.

Die frische Mama in der Stillzeit – Verhütung nach dem ersten Baby

Wichtig für stillende Mütter: Das Östrogen in der Pille verändert die Zusammensetzung der Muttermilch. © Yuliya Yafimik / Shutterstock.com

Das Baby ist 6 Wochen alt, die Mutter möchte noch ein paar Monate stillen. Kondome möchte sie nicht benutzen.

Erste Empfehlung:
Wenn Sie hormonell verhüten wollen, kommt die Minipille in Frage. Sie enthält nur Gestagen und kein Östrogen. Das ist wichtig, denn Östrogene verändern die Milchzusammensetzung und reduzieren die Milchmenge. Auch die Hormonspirale, die Kupferspirale oder die Kupferkette sind für stillende Mütter geeignet, sofern die Rückbildung abgeschlossen ist.
Alternativen:
Barrieremethoden, beispielsweise Diaphragma, Portiokappe oder das Lea Contraceptivum, sind ebenfalls geeignet. Frauen, sie schon vor der Geburt verwendet haben, sollten bei Diaphragma oder Portiokappe die Größe kontrollieren lassen, weil diese sich verändert haben kann. Natürliche Verhütungsmethoden sind in der Stillzeit nicht unbedingt sicher. Bei den meisten Frauen gerät der Schlafrhythmus so weit durcheinander, dass die Aussagekraft der morgendlichen Aufwachtemperatur viel zu gering ist.
Nicht geeignet:
Völlig ungeeignet sind östrogenhaltige Verhütungsmittel, dazu gehören die meisten Pillen, der Vaginalring oder Verhütungspflaster. Denn Östrogen kann die Milchbildung stören. Außerdem besteht die Gefahr, dass zu große Hormonmengen in die Muttermilch gelangen.

Verhütung nach der Familienplanung

Frau ab Ende 30 oder Anfang 40, hat mit der Familienplanung abgeschlossen. (Weitere) Kinder sind ausgeschlossen.

Erste Empfehlung:
Sterilisation des Mannes. Sehr sichere Methode, nur in fester Beziehung.
Alternativen:
Sterilisation der Frau oder Hormonspirale – beide Methoden sind sehr sicher und belasten den Körper gar nicht oder nur wenig. Als Nebenwirkung der Sterilisation kann die Menopause vorzeitig einsetzen. Die Kupferkette ist ebenfalls geeignet, da die Fruchtbarkeit in dem Alter nicht mehr so hoch ist.
Nicht geeignet: Ungeeignet ist die Kupferspirale, denn sie verstärkt die Regelblutung, die vor den Wechseljahren oft ohnehin stärker ausfällt. Kondome, Diaphragma oder Verhütungskappen sind weniger geeignet, denn sie müssen in fortgeschrittenem Alter bei jedem Geschlechtsverkehr angewendet werden. Wegen unregelmäßiger Zyklen und ausbleibender Eisprünge sich nämlich fruchtbare von unfruchtbaren Tagen schwer voneinander abzugrenzen. Aus demselben Grund sind auch natürliche Verhütungsmethoden ausgeschlossen.

Keine Verhütungsmethode ist perfekt. Deshalb gibt es auch kein Mittel, das zu jeder Frau passt. Entscheidend für die Auswahl der idealen Methode sind Ihre Lebensumstände und individuellen Ziele und Bedürfnisse. Deshalb ist der erste Schritt zur Wahl der richtigen Verhütungsmethode, die eigenen Gewohnheiten zu beobachten und die Ziele und Wünsche zu definieren. Hören Sie auf sich selbst und lassen sich dann von Ihrem Gynäkologen beraten.

10.08.2017| Uta König © womenshealth.de
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