Zukunftstrends Wie das "Internet der Dinge" die Welt verändert

Wie das "Internet der Dinge" die Welt verändert
Das Internet der Dinge verküpft die reale mit der virtuellen Welt © Eugenio Marongiu / Shutterstock.com

Internet der Dinge? Nie gehört! Kein Problem, hier erfahren Sie, was dahinter steckt und wie es Ihr Leben verändern könnte

Das "Internet der Dinge" (engl. "Internet of Things", kurz: IoT)
Was wäre, wenn Ihr Kühlschrank intelligent wäre und genau wüsste, welche Lebensmittel er gerade kühlt? Wenn er sogar merkt, dass die Milch bald leer ist und eigenständig Nachschub bestellt? Nie wieder Einkaufszettel schreiben, nie wieder Samstagabend kurz vor Ladenschluss in den Supermarkt stürmen, weil nichts mehr da ist. „Wenn sich Gegenstände miteinander verbinden, selbstständig agieren und übers Internet austauschen können, sprechen wir vom Internet der Dinge“, sagt Andreas Nettsträter, Europäischer Projektleiter fürs Internet der Dinge am Fraunhofer-Institut in Dortmund. Im Internet der Dinge werden Alltagsgegenstände plötzlich intelligent, kommunizieren untereinander und treffen eigene Entscheidungen.

So funktioniert das Internet der Dinge
Damit Alltagsgegenstände smart werden, müssen sie erstmal mit der digitalen Welt verknüpft werden. Dafür brauchen sie eine digitale Identität, quasi einen winzigen Chip, der Informationen über den Gegenstand sammelt und speichert. Er ist so klein, dass er sich beispielsweise problemlos in Etikketten von Lebensmitteln oder Paketen verstecken lässt. Im Supermarkt verrät ein solcher Chip Ihrem Smartphone dann, woher die Milch für den Joghurt stammt oder ob beim Transport die Kühlkette eingehalten wurde. Nettsträtter: „Der Chip ist quasi der moderne Ersatz für den klassischen Barcode, nur mit viel mehr Möglichkeiten.”

Visionen für eine vernetzte Zukunft
„In Zukunft werden immer mehr Dinge mit solch einem Chip ausgestattet sein“, so der Experte, „und irgendwann könnte praktisch alles mit jedem vernetzt sein.“ Die Zahnbürste analysiert Ihr Putzverhalten und gibt die Information an Ihren Zahnarzt weiter, Autos warnen sich gegenseitig vor Gefahren wie etwa Glatteis oder im Geschäft erscheinen auf einem Bildschirm zusätzliche Informationen, je nachdem, welches Produkt Sie in die Hand nehmen. In Kombination mit Datenbrillen wie „Google Glass“ oder Microsofts „HoloLens“ könnte sich die virtuelle Welt auch vor Ihren Augen sichtbar machen und sich mit Ihnen austauschen.

Das kann das Internet der Dinge jetzt schon
Noch sind das alles Zukunftsvisionen. Aber sogenannte „Smart Home“-Produkte wie zum Beispiel via App steuerbare Lampen, Lautsprecher und Küchengeräte machen Ihr Zuhause schon jetzt immer kommunikativer und intelligenter. Oder warten Sie mal wieder sehnsüchtig auf den Postboten, der Ihnen die bestellten Schuhe liefert? „In der Logistik sind wir bereits ein kleines Stück weiter. Bei bestimmten Lieferdiensten wie etwa DPD können die Pakete in Echtzeit auf einer Stadtkarte verfolgt und ihr Liefertermin bis auf eine halbe Stunde genau bestimmt werden“, sagt Nettsträtter. „Theoretisch könnten sie dem Fahrer sogar mitteilen, ob er in die richtige Richtung fährt.“

So könnte das Internet der Dinge Ihr Leben beeinflussen
Noch konnte sich die Industrie auf keinen einheitlichen Standard für das Internet der Dinge einigen. Jeder Hersteller entwickelt seine eigene Systematik, die meist nur die eigenen Produkte miteinander vernetzt. Doch sollte es irgendwann globale Standards für diese Technologie geben, könnte das Internet der Dinge unseren Alltag stark beeinflussen. Als persönlicher Alltagsassistent, der Ihre Gewohnheiten und Vorlieben kennt, könnte es Ihnen die richtigen Informationen zur richtigen Zeit liefern, ohne dass Sie selbst danach suchen müssen und manche Dinge ganz automatisch für Sie erledigen.

Das Internet der Dinge will unser Leben verbessern
Das Internet der Dinge will unser Leben noch einfacher, komfortabler, sicherer, gesünder und ökonomischer machen, indem es die reale mit der virtuellen Welt verbinden und wichtige Informationen sammelt, austauscht und verarbeitet. Ein gutes Beispiel dafür ist mit Sensoren ausgestattete Kleidung, die Ihre Gesundheit im Blick hat. Sportsocken könnten zum Beispiel analysieren, wie genau Sie beim Joggen auftreten. Das wiederum interessiert sicherlich Ihren Orthopäden, aber auch den Schuhverkäufer, der Ihnen dementsprened den geeigneten Sportschuh aussuchen kann. 

Mögliche Gefahren durch das Internet der Dinge
Die Möglichkeiten der Datenerfassung durch das Internet der Dinge scheinen grenzenlos. Bei all der Selbstvermessung und -optimierung, sollte vor allem auch über Datensicherheit und Datenschutz nachgedacht werden. „Wir werden immer mehr zu gläsernen Menschen. Im Internet der Dinge droht der Verlust über die Kontrolle der eigenen Daten, da man nie so wirklich weiß, welche Informationen genau erfasst und weiterverarbeitet werden”, sagt Nettsträter.

Damit der vernetzte Kühlschrank rechtzeitig Milch und Obst nachbestellt, muss er genau wissen, wann und wie oft Sie Milch trinken und Obst naschen. Verbunden mit allen anderen Daten, die andere Geräte über Sie sammeln, lässt sich so ein sehr genaues Profil Ihrer Vorlieben und Gewohnheiten erstellen – eine umfangreiche Datensammlung, die auf das Interesse von Hacker stoßen könnte. Und auch die miteinander und mit dem Internet verküpften Geräte sollten vor möglichen Viren oder Hackerangriffen geschützt werden, damit nicht jemand anderes die Kontrolle über Ihren Alltag gewinnt.

28.10.2015| © womenshealth.de
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