Faktencheck Naturkosmetik und Green Label

11.04.2016 , Autor:Simone Oger
© WomensHealth.de

Woran Sie Kosmetik mit wirklich natürlichen Inhaltstoffen erkennen, welchen Siegeln Sie trauen dürfen und welche Vor- und Nachteile Naturkosmetik hat, erfahren Sie hier

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Naturkosmetik: Trend Naturkosmetik: Green Label
Natürliche Wirkstoffe in Kosmetika werden immer beliebter © Syda Productions/ Shutterstock.com
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Der Dschungel der Klassifizierungen macht es für den Verbraucher oft schwer, vollwertige Naturkosmetik von konventioneller Kosmetik zu unterscheiden. Wie findet man die besten Naturprodukte und welchen Siegeln darf man vertrauen? Ist Naturkosmetik wirklich teurer als konventionelle Kosmetik?

Wir räumen auf mit den Klischees und beantworten die wichtigsten Fragen über die Green Label. Was es neben Fair-Trade und Bio-Kosmetik noch so alles auf dem Markt gibt und was die Highlights für das Jahr 2016 sind, das haben wir für Sie in einer Übersicht zusammengestellt.

In diesem Artikel:

Was ist Naturkosmetik?

Naturkosmetik beschreibt eine Gruppe von kosmetischen Produkten, deren Inhaltsstoffe aus möglichst natürlichen Zutaten bestehen. Dies bedeutet, dass die verwendeten Stoffe natürlich angebaut werden und keine oder nur sehr wenig chemisch oder künstlich hergestellte Stoffe enthalten dürfen. Auch wenn es keine internationale Definition von Naturkosmetik gibt, kann man davon ausgehen, dass Naturkosmetik keine Silikone, Parabene, Paraffine oder synthetische Farb-und Duftstoffe enthalten.

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Trend Naturkosmetik: Green Label

Zertifizierte Naturkosmetik darf keine Silikone, Parabene oder Paraffine enthalten

© marko86/Shutterstock.com

Bio-Kosmetik ist eine Form von Naturkosmetik, die noch einen Schritt weitergeht. Die ökologische Nachhaltigkeit spielt eine besonders große Rolle. Hier müssen die Inhaltsstoffe nicht nur natürlich angebaut sein, sondern auch noch Bio-zertifiziert.

Der Fair Trade-Kosmetik geht es vorrangig um die soziale Komponente der Produktion. Jeder Arbeiter, der im Laufe des Herstellungsprozesses mitgearbeitet hat, soll auf faire Weise entlohnt werden und von seiner Arbeit leben können. Betroffen sind hier vor allem Bauern aus Lateinamerika, Asien oder Afrika, die auf Obstfeldern oder Palmöl-Plantagen arbeiten.

Ein Produkt kann demnach also zu der Gruppe der Naturkosmetik gehören und ein Bio-Siegel tragen, muss deshalb aber nicht automatisch Fair Trade-zertifiziert sein. Anders herum kann es aber auch Fair Trade sein, ohne ein Bio-Siegel zu besitzen. Um bei diesem Klassifizierungs-Wirrwarr noch den Überblick zu behalten, gibt es Siegel, die die jeweiligen Gruppen kennzeichnen.

Woran erkenne ich die wichtigsten Siegel?

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Siegeln, die die Übersicht von Naturprodukten erleichtern soll. Die Produkte werden in drei verschiedene Kategorien eingeteilt:

Herkömmliche Kosmetik: Kosmetik, die neben natürlichen Inhaltsstoffen auch künstliche, meist chemische Stoffe enthalten kann. In den letzten Jahren wurde diese Kategorie besonders wegen der Silikone und Paraffine in Shampoos kritisiert. Doch auch Produkte ohne Silikone und Paraffine können andere künstliche Stoffe enthalten und müssen daher zu der herkömmlichen Kosmetik gezählt werden.

Naturnahe Kosmetik: Produkte, die größtenteils aus einer natürlichen Basis bestehen und nur vereinzelte künstliche Stoffe enthalten. Die Naturkosmetik-Standards erfüllen sie zwar nicht, sehr wohl können einzelne Inhaltsstoffe aber Bio-zertifiziert sein. Das Olivenöl in einem Produkt könnte somit also als Bio-Olivenöl betitelt sein, dies setzt jedoch nicht voraus, dass alle Inhaltstoffe bio sind. (Beispiel: „Mit dem besten Bio-Olivenöl“)

Naturkosmetik: Als Naturkosmetik dürfen nur Produkte bezeichnet werden, die dem hohen Standard von mindestens einem Lizenzgeber gerecht werden. Jedes Produkt ist hier frei von jeglichen Silikonen, Paraffinen sowie synthetischen Farb-und Duftstoffen. Wieviel von den natürlichen Inhaltsstoffen allerdings bio ist, hängt von dem jeweiligen Siegel ab.

BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen)


Das Siegel des deutschen BDIH garantiert dem Verbraucher, dass zur Herstellung der zertifizierten Produkte ausschließlich Rohstoffe eingesetzt werden, die den strengen Vorgaben, dem sogenannten „BDIH-Standard“, entsprechen. Unterschieden werden kann hier zwischen Naturkosmetik mit Bio-Auslobung und Naturkosmetik ohne Bio-Siegel. Unabhängige Kontrollinstitute prüfen die angemeldeten Naturkosmetikprodukte auf ihre Inhaltsstoffe und Zusammensetzung. Der Gebrauch von Produkten, die von Tieren hergestellt werden, (z.B. Milch und Honig) sind hierbei erlaubt. Rohstoffe aus toten Tieren (z.B. Emuöl, tierische Fette etc.) sind allerdings nicht gestattet. Daher ist dieses Siegel zwar Natur-und Biosiegel, allerdings nicht vegan.

ECOCERT


Das französische Siegel Ecocert führt weltweite Inspektionen in über 80 Ländern durch und legt besonderen Wert auf die erneuerbaren Ressourcen, aus denen die Inhaltsstoffe hergestellt werden. Hier wird zwischen Biokosmetik und Naturkosmetik unterschieden. Bei dem Label der Naturkosmetik müssen 95%  der Produkte einen natürlichen Ursprung haben und mindestens 50% aus ökologischem Anbau stammen. Bei dem Siegel der Biokosmetik liegen die Anforderungen der Produkte mit natürlichem Ursprung ebenfalls bei 95 %. Des Weiteren müssen außerdem 95% der Rohstoffe aus ökologischem Anbau kommen.

COSMOS


Der Cosmos-Standard wurde von den fünf Gründungsmitgliedern (BDIH für Deutschland, Cosmébio und Ecocert für Frankreich, ICEA für Italien, Soil Association für Großbritannien) ins Leben gerufen. Ziel dieser  Vereinigung ist es, einen international gültigen Standard für Naturkosmetik einzuführen, um mehr Transparenz in der Kosmetikbranche zu schaffen.

NATRUE


Der internationale non-profit Verband NATRUE hat seinen Sitz in Brüssel. Der Verband hat sich besonders auf den Inhalt der Produkte konzentriert und drei Qualitätsstufen entwickelt: Die erste Stufe bildet die grundsätzliche Naturkosmetik und entspricht einer Art Basis-Stufe, auf der alle anderen Stufen aufbauen. Die zweite Stufe ist die Naturkosmetik mit Bio-Anteil und fordert, dass 70% der Produkte Bio-zertifiziert sind. Die dritte Stufe der Biokosmetik stellt mit 95% Bio-Anteil, von allen Stufen die höchsten Anforderungen an ihr Produkt. Innerhalb von 13 Kategorien werden die Produkte nach ihrer Natürlichkeit bewertet und der jeweiligen Stufe zugeordnet. Mit diesem Konzept kann NaTrue die Produkte besonders differenziert bewerten und je nach Produktgruppe die Anforderungen neu regulieren. Das Gespräch mit Francesca Morgante, der Label Managerin von NATRUE:

  • Interview zum Thema Trends und Mythen in der Naturkosmetik
  •  

    Ist Naturkosmetik gleichzeitig Bio?

    Kurz gesagt, nein. Ein Produkt kann der Kategorie der Naturkosmetik entsprechen, aber nicht an die hohen Anforderungen der Biokosmetik herankommen.

    Bio bedeutet generell, dass ein Produkt biologisch hergestellt oder angebaut wurde. Es handelt sich um organische Rohstoffe, also um Stoffe, die in der Natur vorkommen. Soweit also noch alles wie in der Naturkosmetik. Darüber hinaus setzt Bio auf Nachhaltigkeit und fördert so den Umweltschutz. Meist müssen die Hersteller nachweisen, dass die Rohstoffe in Bio-Qualität hergestellt wurden. In der Lebensmittelindustrie gibt es zur Orientierung für den Verbraucher das deutsche Bio-Siegel. In der Kosmetik ist es ein bisschen anders.

    Bio-Kosmetik kann man oft nur schwer von Naturkosmetik unterscheiden. Oft versuchen Hersteller mit Marketingkampagnen und grünen Verpackungen dem Verbraucher ein Bio-Produkt vorzutäuschen. Auch hier hilft es auf die Siegel der Produkte zu achten.

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    Trend Naturkosmetik: Green Label

    Nicht überall wo "Bio" draufsteht, ist auch "Bio" drin

    © mythja/Shutterstock.com

    Bei den bekanntesten Siegeln BDiH, Ecocert und NaTrue gibt es neben der Zertifizierung für Naturkosmetik auch immer eine Auslobung für Bio-Produkte. Neben den sowieso schon hohen Standards, kommt hier ein nötiger Prozentanteil an biologischen Inhaltsstoffen hinzu. So muss ein Produkt mit BDiH-Siegel  beispielsweise für eine Zertifizierung als Biokosmetik zusätzlich noch mind. 95 % der eingesetzten pflanzlichen und tierischen Rohstoffe in kontrollierter Bio-Qualität enthalten.

    Fair Trade und Bio - Die wichtigsten Unterschiede

    Fair Trade und Bio sind zwei völlig unterschiedliche Ansätze, die sich aber sehr gut ergänzen und aufeinander aufbauen können. Fair Trade stellt generell die soziale Komponente in den Vordergrund und möchte langfristige Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen und Kleinbauern aufbauen. So soll eine faire Bezahlung der Arbeiter erfolgen, die Wirtschaft für benachteiligte Regionen angekurbelt werden und soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit geschaffen werden.

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    Fair Trade

    Fairen Lohn für alle fordert Fair Trade Deutschland

    © wattana/Shutterstock.com

    Bio setzt den Schwerpunkt auf die ökologischen Aspekte des Herstellungsprozesses und hat hohe Anforderungen an Bodenqualität und die Produktionsweise. Zwar ist dies für ein kleines Unternehmen meist teuer umzusetzen, doch sobald sie in dem FairTrade-System integriert sind, können sie oftmals durch die Mehreinnahmen die Umstellung auf Bio-Produkte erreichen.

    Lesen Sie mehr zum Thema Fair Trade

     

    Der schwierige Rohstoff: Das Palmöl

    Pizza, Waschmittel, Lippenstift: Was haben all diese Produkte gemeinsam? Genau, den Inhaltsstoff Palmöl. Der Rohstoff wird bei uns in so vielen Branchen genutzt, dass es normal geworden ist, ihn auf der Inhaltsstoffliste vorzufinden. Leider wissen viele Verbraucher nicht, dass bei der Gewinnung von Palmöl Regenwälder gerodet und Menschen aus ihren Dörfern vertrieben werden.

    Die Hauptproduktionsstätte für Palmöl ist Indonesien. Laut Greenpeace werden dort jedes Jahr Hunderttausende Hektar Regenwald verbrannt und wichtige Lebensräume für bedrohte Tierarten wie Orang-Utans und Sumatra-Tiger zerstört. Auch für Umwelt und Klima haben die Brände katastrophale Auswirkungen. Schätzungen zufolge sterben jährlich 100.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Der Grund für die Rodung des Regenwaldes ist das illegale Anlegen von Ölpalmplantagen, durch welche sich die Betreiber großen Profit versprechen.

    Kosmetikfirmen, die dem schlechten Ruf der Palmölnutzung entkommen wollen, müssen Palmöl aus Bio-Anbau und fairem Handel beziehen.

    Lesen Sie mehr zum Thema Palmöl

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    Palmöl

    Der Anbau von Palmöl-Plantagen zerstört wichtigen Lebensraum von Tier und Mensch

    © think4photop/Sutterstock.com

    Vor-und Nachteile von Naturkosmetik

    „Naturkosmetik ist eine Frage der Haltung“, meint die Naturkosmetik-Expertin Elfriede Dambacher. Die Betriebswirtin und Drogistin ist seit mehr als 25 Jahren aktiv im Naturkosmetikmarkt tätig und verfügt über langjährige Managementerfahrung im Vertrieb von Naturkosmetik. „Wer werte-orientiert handeln oder konsumieren will, findet im Feld Naturkosmetik ein weites Betätigungsfeld, das dem Menschen nutzt und der Umwelt nicht schadet.“

    Vorteile:

    • Es werden nur natürliche Inhaltsstoffe verwendet. „Gegenüber herkömmlichen Kosmetikprodukten hat Naturkosmetik den Vorteil, dass nur Substanzen verwendet werden, die wieder in den Naturkreislauf zurückgeführt werden“, so die Expertin.
    • Es werden keine Silikone, Paraffine oder sonstige künstliche Produkte benutzt, die in Verdacht stehen, Allergien auszulösen.
    • Es werden keine hormonell wirksamen Stoffe verwendet.
    • Mit der Verwendung unterstützen Sie das Prinzip der Nachhaltigkeit.

    Nachteile:

    • Durch die hohe Qualität der Produkte, kann(!) Naturkosmetik teurer sein als konventionelle Kosmetik. Elfriede Dambacher: „Durch die hohe Qualität verfügt Naturkosmetik über ein sehr ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis.“
    • Durch die Verwendung der natürlichen Inhaltsstoffe sind keine knalligen Farben in Kosmetika möglich (Lippenstift, Nagellack etc.).
    • Außerdem gibt es wegen der Meidung von Paraffinen keine „Waterproof“ Produkte.
    • Naturkosmetik schäumt nicht und lässt sich wegen fehlender Sulfate oft nicht so leicht verteilen, das kann z.B. beim Auftragen von Sonnencreme unangenehm sein.
    • Bestimmte Gruppen des Inhaltsstoffes „Ätherische Öle“ stehen im Verdacht Allergien hervorrufen. Die Forschung ist sich in diesem Punkt jedoch nicht einig. Neuere Forschungen haben herausgefunden, dass die allergischen Reaktionen auch auf Verunreinigungen und Kombinationen der Öle zurückzuführen ist.

    Vegane Kosmetik

    Der Großteil der veganen Kosmetik zeichnet sich durch die Tatsache aus, keine tierischen Stoffe für ihre Produkte zu verwenden. Weder Erzeugnisse von toten Tieren noch Rohstoffe, die von Tieren selbst produziert werden (z.B. Milch, Honig). Darüber hinaus setzt sich die vegane Kosmetikbranche gegen die Verwendung von Tierversuchen ein. Wenn Ihnen tierfreundliche Kosmetik wichtig ist und Sie versuchsfreie Labels bevorzugen, können Ihnen die folgenden Siegel helfen, im Drogeriegeschäft schnell fündig zu werden. Aber aufgepasst: "Vegan" ist in Deutschland kein geschützter Begriff! Nicht überall, wo vegan draufsteht, ist auch vegan drin - es lohnt sich also zweimal hinzuschauen.

    Internationaler Herstellerverband für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren (IHTN)


    Das deutsche Siegel "Animal friendly – NATURAL Cosmetics and Products" des IHTN zeigt einen Hasen mit schützender Menschenhand. Produkte mit diesem Siegel dürfen weder Tierversuche durchführen noch mit Unternehmen in Kontakt stehen, die Tierversuche durchführen. Auch die Verwendung von jeglichen Bestandteilen von getöteten und gequälten Tieren ist laut diesem Siegel untersagt. Alle Firmen, die dieses Logo tragen, produzieren seit 1979 komplett tierversuchsfrei - auch in den Warengruppen wie bspw. Lacke und Farben, in denen Substanzen, die mit Tierversuchen arbeiten bisher noch nicht verboten sind. Mehr über den IHTN

    The Vegan Society


    Das aus Großbritannien stammende Siegel zeigt eine große, grüne Sonnenblume. Produkte mit diesem Siegel  dürfen weder Tierversuche durchführen, noch darf einer der Rohstofflieferanten etwas mit Tierversuchen zu tun haben. Auch in der Herstellung von gentechnisch veränderten Organismen dürfen keine Tiergene oder Derivate von tierischen Substanzen vorhanden sein. Generell dürfen hier keine Tierprodukte jeglicher Art verwendet werden.

    Leaping Bunny Program


    Das internationale Siegel mit dem springenden Kaninchen verspricht dem Verbraucher, dass das Unternehmen keine Tierversuche mehr durchführt. Auch die Zulieferer dürfen keine Tierversuche in Auftrag geben. Vergeben wird das Siegel durch die Coalition for Consumer Information on Cosmetics (CCIC) nach Kriterien der Humane Cosmetic Standards (HCS). Was dieses Siegel allerdings erlaubt, sind einzelne Bestandteile von toten oder lebenden Tieren.

    Trends für das Jahr 2016

    Trends für dieses Jahr sind laut der Expertin  Elfriede Dambacher „Wirkstoffe, die einen Effekt bringen wie Pflanzenstammzellen, bewährte Naturwirkstoffe in neuen modernen Formulierungen wie Milchproteine und regionale Produkte, die vor Ort ihre regionalen Wirkstoffe verarbeiten.“ Milch und Pflanzen sind schon seit Tausenden von Jahren bewährte Inhaltsstoffe der Kosmetik. Schon in der Antike badete Kleopatra jeden Tag in einer Wanne voll Milch, um ihre Haut zu pflegen. Naturkosmetik nimmt die bewährten Rohstoffe dieses Jahr wieder auf und entwickelt neue Anwendungsgebiete. Mit einer Vielzahl von neuen, pflanzlichen Produkten und innovativen, regionalen Ideen, wird der Beautysommer 2016 besonders spannend und vielfältig.

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    Trend Naturkosmetik: Green Label

    Mit nachhaltigen, natürlichen Inhaltsstoffen werden neue Kosmetika erprobt

    © Yulia Grigoryeva/Shutterstock.com

    Interview zum Thema Trends und Mythen in der Naturkosmetik

    Francesca Morgante ist die Label Managerin des internationalen non-profit Verbandes NATRUE.

    Was sind die Vorteile für den Verbraucher, wenn sie ein NATRUE-zertifiziertes Produkt kaufen?

    Die Verbraucher können sicher sein, dass ein unabhängiger Zertifizierungsprozess durchgeführt wurde, um Ihnen authentische Natur- und Bio-Kosmetik anbieten zu können, die sie leicht identifizieren können. Produkte mit dem NaTrue-Label sagen außerdem viel über das Verantwortungsbewusstsein der Firma aus, die die Produkte herstellt. Um das Siegel für ein Produkt verwendet zu dürfen, müssen  mindestens 75% der Einzelprodukte einer bestimmten Produktreihe zertifiziert sein. NATRUE verbietet Unternehmen, nur ein oder zwei Produkte zu zertifizieren und dann Marketing-Strategien anzuwenden, die den Verbraucher/innen den Eindruck vermitteln, die ganze Linie sei zertifiziert. Dies ist ein hoher Standard, den NATRUE eingeführt hat, um green-washing vorzubeugen.

    Was ist der Unterschied zwischen Natur-und Biokosmetik?

    Der Begriff "Naturkosmetik" bezieht sich auf die "Charakteristika" der einzelnen Bestandteile: NATRUE versteht unter natürlichen Zutaten diejenigen, die nur physisch verarbeitet wurden. "Bio" bezieht sich auf die Herkunft des Ausgangsmaterials  und bedeutet, dass ein Bestandteil, nach den Öko-Landbau Prinzipien gezüchtet wurde. Wenn es um das fertige Produkt geht, gibt es keine gültige Definition dafür, wann ein Produkt als „natürlich“ oder „bio“ betrachtet werden kann. Deshalb wurden die Siegel wie NATRUE eingeführt, die nach privaten Standards das Produkt einem Label zuordnen. NATRUE garantiert dem Verbraucher einen definierten Anteil an natürlichen Zutaten – dessen Höhe in 13 Produkttypen unterschieden werden. Die Label „Naturkosmetik mit Bio-Anteil " und "Biokosmetik" bieten ein noch höheres Maß an Natürlichkeit und bestehen aus jeweils 70% oder 95% aus natürlichen Inhaltsstoffen, die biologisch hergestellt wurden. Zusammengefasst bedeutet dies: Nichts kann Bio sein, ohne zuerst Natur zu sein.

    Können Sie erklären, wieso Naturkosmetik meistens teurer ist als konventionelle Kosmetik?

    Eigentlich ist das nicht ganz richtig. Die Produktvielfalt von Natur- und Bio-Kosmetik reicht von einfachen Produkten, die nicht viel kosten, über die Produkte, die auf einer einfachen natürlichen Zusammenstellung basieren, bis hin zu Produkten, deren Firmen massiv in Research und Entwicklung investieren oder ganz einfach sehr hochwertige Zutaten benötigen. Ein weiterer falscher Mythos ist, dass die Zertifizierung höhere Kosten verursacht. Was zu Kosten führen kann, ist nicht so sehr der Zertifizierungsprozess selbst, sondern die Aktionen, die ein Unternehmen einleiten muss, bevor es für den Zertifizierungsprozess bereit ist.

    Welche Inhaltsstoffe sind in der Natur-und Biokosmetik momentan besonders angesagt?

    Die Hersteller authentischer Natur-und Bio-Kosmetik haben ein tiefes Interesse an der Entdeckung neuer Eigenschaften von Pflanzen. Sie wollen nachhaltig produzieren und die biologische Vielfalt erhalten. Die Pflege dieser Artenvielfalt und der Anspruch an Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Faktor für NATRUE. Nicht nur, dass  alle Zutaten natürlich gewonnen werden müssen, sondern auch die Natur im Allgemeinen zu respektieren. Folglich suchen die Hersteller nach Wegen, innovative Produktlinien mit neuen Zutaten zu entwickeln. Verschiedene Pflanzen können vielfältige Funktionen haben und unterschiedliche Eigenschaften (einige sind Emulgatoren, Weichmacher etc.), die erst noch herausgefunden werden müssen.

    Es gibt eine lange Liste von interessanten Materialien, die aus allen Teilen der Welt stammen. Sowie Extrakte und Harze aus Südamerika, Beeren aus Skandinavien, die beliebte Sheabutter ( Butyrospermum Parkii ) aus Afrika, sowie das afrikanische Pflanzenextrakt des Kigelia africana (African Sausage Tree).

    Gibt es noch andere Trends in der Natur- und Bio-Kosmetik für das Jahr 2016?

    Die Verbraucher suchen im Moment immer häufiger nach Produkten, die gleich mehrere Dinge garantieren. Produkte, die gleichzeitig „Natur“ und „Bio“ sind, aber gleichzeitig auch Fair Trade, vegan oder Halal. Es ist üblich heute gleich mehrere Etiketten auf einer Produktverpackung zu sehen.  In Bezug auf die Produktentwicklung, bieten die Natur-und Bio-Produkte eine ebenso breite Palette von Produkten. Die berühmten BB Cremes, Produkte für Nagelpflege und Haarpflege waren vor ein paar Jahren nicht so häufig zu finden und stehen heute weitgehend auch in unserer Branche zur Verfügung. Dies ist das Ergebnis der kontinuierlichen Bemühungen in Forschung und Entwicklung des gesamten natürlichen und Kosmetikbranche.

    Wir bedanken uns für das Interview.

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