Apnoe-Tauchen Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher im Interview

01.07.2016 , Autor:Juliane Hemmerling
© Women's Health September

Mit nur einem Atemzug taucht sie 130 Meter tief und kann 6 Minuten lang die Luft anhalten. Wir haben Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher interviewt

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Apnoe-Tauchen: Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher im Interview
"Ich kenne meinen Körper und weiß, dass ich längst noch keinen Sauerstoffmangel habe, nur weil der Impuls zu atmen da ist" (Anna von Boetticher) © privat
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Anna von Boetticher (43) hat einen verdammt langen Atem: Sie kann minutenlang abtauchen, ohne nach Luft zu schnappen. 7 Monate im
Jahr trainiert die Rekord-Frau, um ein paar Sekunden mehr rauszuschinden. Und den Rest der Zeit? Verdient sie Geld mit der zweitschönsten Sache der Welt: ihrer Buchhandlung in Berlin.

Sie tauchen über 100 Meter tief ohne Sauerstoffflasche. Warum macht man so was?
Der Augenblick, wenn ich unten angekommen bin, die Augen öffne und dann die Weite und Ruhe, das Licht und die Farbe des Wassers in mich aufnehme, bevor ich wieder zur Oberfläche zurückkehre, ist jedes Mal einmalig. Und zu wissen, dass ich das nur mit der Kraft meiner Lunge erreicht habe, ist ein unglaublich gutes Gefühl.

Ist es da unten nicht stockdunkel und furchtbar kalt?
Nein, denn ich trainiere bei Scharm El-Scheich im Roten Meer. Da umgibt einen selbst in 100 Meter Tiefe noch ein dunkles Blau, die Sicht ist gut, wenn auch etwas trüb, und das Wasser ist mit 20 Grad angenehm warm.

Was gefällt Ihnen unter Wasser am besten?
Die unerwarteten Begegnungen. Letztens, bei einem Trainingstauchgang, segelte ein riesiger Mantarochen direkt auf mich zu. Ich war ganz allein, um mich herum nichts als Blau, und der Rochen schwamm ganz dicht an mir vorbei. Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde.

Unter Wasser zu sein und keine Luft zu bekommen, geraten Sie da nie in Panik?
Ich kenne meinen Körper und weiß, dass ich längst noch keinen Sauerstoffmangel habe, nur weil der Impuls zu atmen da ist. Es ist eine phänomenale Erfahrung, den Atemdrang zu überwinden. Ich liebe es, auszutesten, wie weit ich kommen kann – mein Limit habe ich noch nicht erreicht.

Haben Sie gar keine Angst?
Nein, nie. Das ist auch gut so. Aber ich habe großen Respekt vor dem Meer, den Tieren, vor dem, was ich tue. Ich tauche nie allein und gehe sehr vorsichtig mit meinen Grenzen um. Das ist lebenswichtig.

Imposante Eindrücke vom Apnoe-Tauchen im Video


Und trotzdem hatten auch Sie schon Mal einen Unfall.
Ja leider, bei einem Welt­rekordversuch vor 3 Jahren. Durch einen kleinen Fehler hatte ich auf dem Weg in 130 Meter Tiefe den Druck in meiner Maske nicht richtig ausgeglichen. Die verformte sich und drückte mir auf die Augen, eigentlich nicht schlimm, allerdings wusste ich nicht, dass so der "Augen-Herz-Reflex" ausgelöst wird, der zur Ohnmacht führen kann. Auf dem Weg nach oben verlor ich in
40 Meter Tiefe das Bewusstsein. Zum Glück war ich gut gesichert, wurde schnell hochgebracht und wieder wach. Ich musste nicht mal ins Krankenhaus.

Warum nehmen Sie das Risiko überhaupt in Kauf?
Weil es für mich nichts Besseres als Tauchen gibt. Ich brauche keine Rekorde oder Wettkämpfe. Klar geben die einem den nötigen Fokus und die Motivation, weiter an sich zu arbeiten. Aber am Ende hat man nichts von einem Titel, wenn man es nicht liebt, abzutauchen.

Wann haben Sie mit dem Tauchen angefangen?
Mit 17. Damals habe ich meinen ersten Kurs gemacht. Später wurde ich selbst Tauchlehrerin und fing mit dem technischen Tauchen an. Dabei kommt man mithilfe von Helium-Luft-Gemischen in Tiefen von 130 Metern. Mit dem Apnoe-Tauchen wollte ich eigentlich nur für solche Expeditionen sicherer werden. Also habe ich einen Wochenendkurs belegt – und sofort Feuer gefangen. Das war vor 7 Jahren.

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Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher im Interview

Mit 17 Jahren hat Anna von Boetticher mit dem Tauchen begonnen

© privat

Wie lange können Sie heute unter Wasser bleiben?
Das kommt darauf an: Schwimme ich, verkürzt sich die Zeit, weil der Körper dabei mehr Sauerstoff verbraucht. Beim deutschen Rekord mit
konstantem Gewicht, wobei man mit einer Monoflosse ab- und wieder auftaucht, kam ich 81 Meter tief. Das hat etwas weniger als 3 Minuten gedauert. Wenn ich nur die Luft anhalte und still im Wasser liege, dann schaffe ich doppelt so lang. Bei 6:12 Minuten liegt da mein Rekord.

6 Minuten Luftanhalten: Das klingt nach Quälerei.
Stimmt, es macht mir auch echt keinen Spaß! Aber auch diese Disziplin gehört dazu und ist als Grundlage für die tiefen Tauchgänge sehr gut. Und es geht leichter, wenn man mit dem Gesicht im Wasser ist. Dann startet der Tauchreflex schneller und intensiver.

Tauchreflex – was ist das?
Ein Schutzprogramm des Körpers, das alle Säugetiere haben. Dabei kommt die Atmung zum Stillstand und der Puls verlangsamt sich extrem. Das Blut wird dann aus Armen und Beinen
abgezogen, um nur noch die lebenswichtigen Organe
mit Sauerstoff zu versorgen.

Wie sehr verlangsamt sich dabei Ihr Herzschlag?
Bei einem tiefen Tauchgang auf dem Weg nach oben habe ich einmal 32 Herzschläge pro Minute ge­messen. Und das bei brennenden Oberschenkeln, übersäuerten Muskeln und Luftknappheit. Ich finde es total faszinierend, dass sich Körper und Geist an den Lebensraum unter Wasser so anpassen können.

Was tun Sie dafür?
Hauptsache, kein Aus­dauertraining! Ich mache Sprint­intervalle auf dem Laufband oder Spinning-Rad, die ich immer möglichst anaerob durchziehe, also ohne Sauerstoff und mit hoher Herzfrequenz. Manchmal halte ich dabei die Luft an, atme für 15 Sekunden, dann 15 Sekunden nicht, immer schön im Wechsel, 20 Minuten lang. Direkt im Anschluss folgt dann ein intensives Krafttraining. Am liebsten sind mir Crossfit-Einheiten, die haben mir sensationelle Erfolge und ordentlich
Muskelkater gebracht. 

Und wie trainieren Sie Ihren Kopf?
Ich mache kein extra Mentaltraining. Und auch Yoga ist nichts für mich, davon bekomme ich höchstens Rückenschmerzen. Wenn mir der Trubel zu viel wird und ich mal abschalten will, ziehe ich mich mit meinem iPod zurück. Jetzt vermuten Sie sicher Meditationsklänge? Ganz im Gegenteil: Ich höre eher Mickey Avalon, einen weißer Rapper aus den USA. Dabei komme ich immer am besten zur Ruhe.

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