Tiefschnee-Wandern Camping-Expedition durch Italien

25.11.2014 , Autor:Melanie Koshmashrab
© Women's Health Dezember

Auf einer Camping-Expedition in die verschneite Bergwelt Italiens bemerken 6 Freunde, dass die Wildnis ihren Besuchern einen eigenen Takt vorgibt. 3 Tage gehen sie im Rhythmus der Natur durch Tiefschnee und Sturmtiefs

Vergrößerte Ansicht
Camping-Expedition: Camping-Expedition durch das verschneite Italien
Die Landkarte zählt zum Pflichtprogramm der Camping-Expedition © Barbara Meixner
Seite drucken
Teilen
Kommentare

0 Kommentare

Kommentar schreiben

"Zelt? Liegt auf dem Schlitten! Kompass? In der Jackentasche!“ Angelas Augen ver­gleichen die Punkte auf der Liste mit dem Ge­päck. "Perfekt! Nun müssen wir alles nur noch richtig festschnüren", werfe ich begeistert in die Runde. Leider ist mein Enthusiasmus noch nicht ganz auf die fünfköpfige Gruppe vor mir übergegangen. Skeptische Blicke und die sich auftürmende Last signa­lisieren: Was haben wir uns dabei nur gedacht? "Brauchen wir wirklich 3 Gaskartuschen zum Kochen?" Anna flucht, als ihr ein widerspenstiger Spanngurt ins Gesicht schnalzt. Es ist Tag eins unserer ersten Winter-Camping-­Tour. Am Start: 6 Ü-30-Schulfreunde, die der Meinung sind, dass Wellness-Skiurlaube etwas für Langweiler sind. "Wenn wir uns die Finger abfrieren, dann auf gar keinen Fall vor einer Après-Ski-Bar in Tirol", lautet unser Motto der über die letzten Monate gereiften Idee, den Winterurlaub einmal abseits organisierter Tourismuszentren zu verbringen. Unser Ziel: Campo Imperatore, so heißt die etwa 20 Kilometer lange und 10 Kilometer breite Hochebene am Fuß der Gran-Sasso-Gebirgskette in den italienischen Abruzzen. Als leidenschaftliche Wintersportler kennen wir alle die Berge auf Skiern oder Schneeschuhen. Doch nun erwartet uns eine neue Herausforderung: In 3 Tagen möchten wir die verschneite Wildnis mit Zelten durchqueren, unseren eigenen Weg planen, anstatt irgendwelchen Tourenbeschreibungen von anderen zu folgen.

Mediterrane Mondlandschaft


Vergrößerte Ansicht
Durch Schnee und Eis bei der Camping-Expedition

Wildnis-Meditation vom Feinsten

© Barbara Meixner

Eine bunte Karawane setzt sich in Bewegung. In meinem Magen kehrt Ruhe ein: Planungsstress weicht der Freude über einen gelungenen Start. Zahlreiche Hüttentouren in den Alpen haben uns als Freundschafts-Team in den letzten Jahren zusammengeschweißt. Jeder kennt die Stärken und Schwächen des anderen. Aber wie ist das in einer extremen Situation wie dieser? Das Ge­päck ist auf 6 Rücken und 2 Schlitten, den „Pulkas“, verteilt. Unsere 3 männlichen „Zug­pferde“ Tors­ten, Sebastian und Lorenz sind mittels Hüft­gurten mit den Pulkas verbunden, um so die 40 Kilo Gepäck energisch über Hindernisse zu ziehen. Denn was aus der Ferne aussieht wie eine ebene Fläche, entpuppt sich beim Näherkommen als löchriger Käse: bergauf und bergab, durch kleine Täler und Rinnen. Nach 4 Stunden Pulka-Achterbahnfahrt sind unsere Akkus leer.
„Suche dir einen windgeschützten und ebenen Platz“, zitiert Angela, die sich im Lauf der Pla­nungsmonate zum Ausrüstungsexperten entwickelt hat, die erste Regel für Expeditionsanfänger. Blitzschnell fixieren Anna und Angela die 2 Zelte mit Schaufeln im Schnee. Nach einer halben Stunde steht das Basislager. Geschafft! Im normalen Schreibtischalltag ist uns die Wildnis-Intuition scheinbar noch nicht vollkommen verloren gegangen. Während wir Mädels noch eine Schutzmauer aus Schnee um das Zeltlager schaufeln, machen sich die Männer schon an die Küchenarbeit. In diesem Moment könnten uns – in Sachen Teamwork – Manager-Trainer von Großunternehmen über die Schulter schauen: Es läuft alles wie am Schnürchen! Und wie zur Belohnung versinkt die Sonne hinter den gezuckerten Hügeln und taucht die karge Landschaft in rötliches Licht. Windhosen stöbern den Schnee auf. Schweigend, mit einer Tasse heißer Brühe in der Hand, genießen wir das Naturballett. Grönland? Antarktis? Das Menü des Abends, Gnocchi vom Gaskocher, holt uns wieder auf den italienischen Boden der Tatsachen. Später ist nur der Sternenhimmel Zeuge, als wir dick eingepackt in unsere unförmigen Daunenjacken unter einer Ski-Limbo-Stange durchtanzen, um den Kreislauf vor dem Schlafengehen noch einmal in Schwung zu bringen. Mittlerweile liegen die Temperaturen weit unter 0 Grad. Uns erwartet eine frostige Nacht. Doch die Aufregung und die Anstrengung des ersten Tages machen sich bemerkbar: Kurz nachdem wir im Zelt verschwunden sind, fängt es neben mir leise an zu schnarchen. Auch meine Augenlider halten dem Drang nicht stand, noch ein kleines bisschen offen zu bleiben, um der Ruhe zu lauschen. Willkommen in der Welt der Frischluft-Träume!

Der nächste Morgen
Ein lautes Rütteln reißt mich aus meinen Träumen. Irgendetwas stimmt nicht. Innerhalb weniger Sekunden rasen alle möglichen Horrorszenarien durch meinen Kopf: Ein tollwütiger Bär? Eine heranrollende Lawine? Mit verquollenen Augen schiele ich durch den Reißverschluss des Zelts und sehe einen Tornado, der über uns hinwegzieht. Lagebesprechung in Zelt 1: Zusammengekauert sitzen wir vor zischenden Benzinkochern und beraten. Lager abbauen und weiterziehen? Abwarten? Über Kaffeeduft und Pulvermilch entbrennt eine hitzige Diskussion. Eine Einsicht kommt uns allen schnell nach diesem stürmischen Morgen: Das Wetter auf der Hochebene kann unberechenbar und gnadenlos sein. Nur wie wir darauf reagieren sollen, darin sind wir uns noch nicht ganz einig. Bevor die angespannte Stimmung vollkommen kippen kann, hellen Sonnenstrahlen den dunkelgrünen Zeltstoff auf und nehmen uns – zumindest vorerst – eine Entscheidung ab.

Leinwand aus Natur


Vergrößerte Ansicht
Camping-Expedition durch das verschneite Italien

Zeit, um in Ruhe die einsame Umgebung zu erkunden

© Barbara Meixner

Der Sturm ist mittlerweile verschwunden, und ein gelber Ball am Himmel heizt die Ebene auf. Die Sonne zeichnet Schatten und Bilder auf die mysteriöse Hügellandschaft – ein mitreißendes Schauspiel. In meinem Kopf macht sich eine angenehme Leere breit: Wildnis-Meditation vom Feinsten. Wörter wie Deadline und Bürostress versinken dabei in einer Mischung aus Pulverschnee und Einsamkeit. Erst ein unüberwindbares Hindernis reißt uns aus den entspannenden Tagträumen. An der Südseite eines Hügels ist der Schnee komplett weggeschmolzen. Mit den Pulkas gibt es kein Weiterkommen, und von einer Sekunde auf die nächste löst sich die harmonische Stimmung in Luft auf. Schlecht gelaunt kickt Lorenz einen braunen Brocken aus Schneematsch vor sich her. Auch die anderen Expeditionsmitglieder schauen ratlos drein. Nur die Natur hat hier das Sagen. Und als würde sie uns ihre Macht demonstrieren wollen, setzt in diesem Moment noch Schneefall ein; binnen Sekunden ver­wandeln sich die Flocken in spitze, schmerz­hafte Nadeln. Nur noch 50 Meter Sicht. „Wir ziehen lieber über die Ostseite des Berges weiter“, schlägt Torsten vor. „Blödsinn!“, stelle ich dagegen, „das ist ein Umweg von 3 Stunden.“ Testosterongeladener Aktionismus argumentiert fortan mit weiblicher Logik.

Was würde Reinhold Messner in so einer Situation wohl machen?
„Schokolade!“ Auf Anna ist Verlass. Das braune Gold füllt die Energiereserven wieder auf und legt einen friedlichen Nebel über die Gruppe. Angela, die zwischenzeitlich die Landkarte genauer studiert hat, nutzt die Ruhe und dirigiert die Gruppe in eine windstille Talsenke. Entschieden verkündet sie, dass wir nun schleunigst die Zelte aufbauen müssen, bevor der Sturm noch mehr Fahrt aufnimmt. 5 Kapuzen nicken – endlich sind wir uns wieder einig. Nur mit vereinter Kraft lassen sich die Zelte am gewollten Ort platzieren, ohne mit der nächsten Windböe im weißen Nichts zu verschwinden. 12 Hände navigieren blitzschnell zwischen Abspannseilen, Schneemauern und Gepäcklager. Geschafft!  Beim Abendessen im Zelt gehen die Zweifel an der Standhaftigkeit der Zelte in einer Ladung » Risotto unter. Duftende Riesenportionen machen die Runde und der mit Grappa gefüllte Flachmann, der uns das Sturmtief fast vergessen lässt.
Langsam entspannt sich mein Geist und füllt sich mit Dankbarkeit, weil ich dieses Aben­teuer mit meinen Freuden erleben darf, die nichts so schnell aus der Fassung bringt. Nur ein Streitpunkt schwebt noch in der Luft: Wer muss noch einmal raus, um das Geschirr mit Schnee „abzuspülen“? „Das können wir doch morgen früh machen“, schlägt Sebastian vor. „Manchmal ist die männliche Einstellung zum Spülen ganz angenehm“, lacht Anna, in ihren Schlafsack gekuschelt. Später liege auch ich geborgen in meiner warmen Schlaftüte und höre zu, was mir die Natur in dieser Nacht zu erzählen hat. Das ist viel spannender als die Geschichten eines jeden Hotelzimmers, egal wo auf der Welt.

Weißes Ende


Vergrößerte Ansicht
Durch Schnee und Eis bei der Camping-Expedition

Laufen wie auf Wolken: mit Schneeschuhen geht's schnell voran

© Barbara Meixner

Der nächste Morgen bringt eine Überraschung mit sich: Etwa ein halber Meter Schnee ist über Nacht gefallen und drückt wie Beton gegen die Zeltwände. Was in einem Skigebiet mit Pistenraupen und Hüttenpausen der Traum jedes Wintersportlers ist, stellt uns hier vor neue Herausforderungen. Weiterziehen? Zurück? Die Erfahrungen der letzten Tage haben uns zusammengeschweißt, die Entscheidung ist einstimmig: Weiterziehen ist zu gefährlich. Wir müssen den Parkplatz am Rande des Campos vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, sonst könnte die Situation kritisch enden. Also ziehen wir los: Stundenlang marschieren wir über Hügel, durch Rinnen und Täler der Hochebene. Ein Blick auf meine Uhr verrät, dass die Nacht in einer Stunde das letzte Licht schlucken wird. Vor uns eine weiß gepuderte Anhöhe, die genauso aussieht wie die hinter uns. „Sind wir die letzte halbe Stunde etwa im Kreis gelaufen?“, durch­fährt es mich panisch. Das unendliche Weiß lähmt meine Gedanken. Als in einem Nebelloch in weiter Ferne etwas durch den Schnee schimmert, bleibt die Kara­wane ruckartig stehen. Eine winterliche Fata Morgana? Ein Wolf auf der Suche nach Beute? Langsam wird das Bild am Horizont schärfer – es sind unsere verschneiten Autos. Die erste Erleichterung mischt sich schnell mit etwas Enttäuschung: Ist das schon das Ende unseres Abenteuers? Hektisch und unsortiert landen unsere Gepäckteile im Kofferraum. Nicht einmal ein Tennisball hätte noch Platz. „Das nächste Mal nehmen wir einen Kocher weniger mit, das reicht!“ Anna steht mit verschränkten Armen vor dem Kofferraum. Das nächste Mal? Sie spricht aus, was die 6 müden, aber glücklichen Gesichter schon verraten. Auch wenn nicht alles so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten – wir haben Expeditionsblut geleckt. So schnell sieht uns jedenfalls kein Wellnesshotel.

Rezept des Tages
Pesto-Hähnchen mit Couscous und gebackenen Kirschtomaten
Pesto-Hähnchen mit Couscous und gebackenen Kirschtomaten
Dieses Gericht liefert alles was ein ordentliches Mittagessen braucht ... mehr


Partner

Mitmachen
Gewinnspiele

Einfach klicken und mitmachen!

Der Adventskalender für Frauen 2013

24 Tage mit tollen Gewinnen für tolle Frauen – mit Reisen, Unterhaltungselektronik, Sportbekleidung und viele andere wertvolle Preise. Bis Heiligabend öffnet sich jeden Tag ein Türchen für Sie

JETZT MITMACHEN
alle Gewinnspiele
Umfragen

Halbzeit-Umfrage Projekt Sexy Bauch 2016

Projekt Sexy Bauch

Halbzeit bei Projekt Sexy Bauch 2016! Wir brennen darauf zu erfahren, wie es Ihnen bisher ergangen ist. Beantworten Sie einfach die folgenden Fragen und erfahren Sie am Ende, was die anderen Teilnehmerinnen schon erreicht haben!

JETZT MITMACHEN
alle Umfragen
Community
Blogs