Die Women's Health-Redaktion testet Food-Trends

Ernährungs-Experiment Die 8-Stunden-Diät

06.09.2013 ,
© Women's Health Oktober

Juliane Hemmerling, Fitness-Redakteurin, ist absoluter Sportfan und ernährt sich dadurch bewusst und gesund. Sie bevorzugt viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.

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8-Stunden-Diät: Juliane macht die 8-Stunden-Diät
Das landet an einem Beispieltag auf dem Teller: 2 EL Müsli, 150 g Joghurt, 1 Apfel, 1 Banane, 1 Birne und 1 Cappuccino. 300 g körniger Frischkäse , 200 g Heidelbeeren und Himbeeren mit Honig und Zimt. 1 Becher Milchreis mit 150 g Erdbeeren, dazu 1 Espresso. 1 Handvoll Nussmix. 100 g Blattsalat mit ½ Gurke, 4 Tomaten, 1 Büffelmozzarella, 1 EL Balsamico, 1 EL Öl, verschiedene Gewürze © Himmel & Burwick
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So ernährt sie sich jetzt: Die Ernährungsformel ist ganz simpel: Man darf 8 Stunden lang essen, dann wird 16 Stunden gefastet. Power-Lebensmittel wie Beeren, Gemüse oder Milchprodukte sollen bevorzugt werden.

Hilfsmittel: "The 8-Hour Diet" (Rodale Press, um 20 Euro).

Wenn Essen den Tag durchtaktet


Ich liebe mein entspanntes Frühstück am gemütlichen Küchentisch – und genau das soll nun gestrichen sein? Ja, für mein 8 Stunden-Vorhaben ist das die erste Hürde, denn: würde ich wie gehabt gegen 8 Uhr die erste Mahlzeit zu mir nehmen, wäre mein Essenszeitfenster ab 16 Uhr verriegelt. Tschüß Abendessen, ciao soziales Leben – nein, dann besser spät frühstücken und abends essen dürfen.

Die 8 Stunden-Diät

Damit ist das Konzept der 8 Stunden-Diät schon fast erklärt: 8 Stunden sind zum Essen da, 16 Stunden wird gefastet. Unser amerikanischer Men´s Health-Kollegen David Zinczenko entwickelte dieses Programm ursprünglich als simple Abnehmmaßnahme, die ohne krasse Einschränkungen auskommen soll. Der Rahmen ist tatsächlich denkbar einfach: Das Essenszeitfenster kann nach individuellen Bedürfnissen gewählt werden. Allerdings nur Wochenweise, sonntags ist Ausnahmetag, der entscheidet die Zeiten für die nächste Woche.

Der Speiseplan

Natürlich ist das aber nicht alles: Jede Mahlzeit soll 2 Gesundheits- und Fettbooster beinhalten. Welche das sind? Proteine, die bilden eine vernünftige Basis und helfen Fett zu verbrennen, Knochen zu stärken und Muskeln aufzubauen. Grund: Der Körper verbraucht beim Verdauen von Eiweißen mehr Energie, als bei Kohlenhydraten und Fetten. Viel Protein zu sich nehmen, heißt also auch Kalorien verbrennen. Was genau auf den Speiseplan gehört: Ei, mageres Fleisch, Fisch, Joghurt und andere Milchprodukte. Außerdem Nüsse, der einfach ungesättigten Fettsäuren wegen, und auch die liefern viel Protein. Mandeln werden meine Lieblinge, die schmecken besonders süß. Für die Gesundheit wird ein Mix aus Vitaminen und Mineralien gefordert. Neben Äpfel und Orangen, sind besonders Beeren empfohlen, die haben einen hohen Anteil an Antioxidantien, Vitamin C und Ballaststoffen, aber vergleichsweise wenig Fruchtzucker. Außerdem Spinat, andere grüne Salate und Gemüse sowie Tomaten. Die sollen freie Radikale schachmatt setzen können und so den Alterungsprozess verzögern können. Und zu guter Letzt: Hafer und andere Vollkorngetreide. Getränke reduziere ich laut Konzept auf massig Wasser oder ungesüßten Tee, Kaffee in Maßen und Alkohol nur im Ausnahmefall (und auch dann nur mal 1 Glas Wein).

Der 8-Minuten-Workout

Was zusätzlich zur ordentlichen Ernährung von mir gefordert ist: Jeder Tag startet mit einem 8 Minuten-Workout, bestehend aus etwa 2 bis 3 Übungen. Auch da gibt´s viel Abwechslung aus einzelnen Sprüngen, Burpees, Rumpfrotationen und Armübungen. Die Kombi aus Ernährung und diesem Mini-Workout soll den Körper schlank, energiegeladen und fit machen.

Soweit die graue Theorie. Wie fühlt es sich in Wahrheit an? Ich lebe ohnehin gesund, die Umstellung am Speise- und Getränkeplan fällt entsprechend gering aus. Was Einkauf, Kosten und Zubereitung angeht, bleibt alles beim Alten. Mein Sportprogramm wäre ohne die 8 zusätzlichen Minuten vollkommen ausreichend. Aber gut, los geht´s: Tag 1 beginnt nun mit Hunger und gleichzeitig dem ersten positiven Effekt, der sich durch die kompletten 8 Wochen zieht: Zur gewohnten Uhrzeit aufstehen bedeutet rund 1 Stunde früher am Arbeitsplatz zu sein. Meine übliche Laufrunde zum Wachwerden wird schnell zur Ausnahme, das anschließende Frühstück entfällt. Die vielen Stunden von der letzten Mahlzeit am Vorabend und das lange Warten bis zum Frühstück ist für den Frühsport eine echte Herausforderung.

Hunger überlisten

Dafür wird meine Mittagspause zur optimalen Trainingszeit, denn auch abends geht nichts mehr – oder die letzte Mahlzeit für die nächsten 16 Stunden würde zu Gunsten einer Trainingseinheit entfallen. Was für starkes Übergewicht seine Berechtigung haben mag, ist mir zu krass. Abnehmen will ich nicht und Ablenkung, um nicht ans Essen zu denken brauche ich auch nicht. So zumindest eine Idee des Cheat-Plans: Im Zweifel Trainieren, meint David Zinczenko, denn 1. ist schwitzen  die perfekte Ablenkung, 2. bringen  Endorphine Zufriedenheit und 3. lassen Bewegungen den Magen weniger knurren. Ich halte mich so gut es geht daran: Training gegen Hunger funktioniert natürlich besser bei vielen Kilos und entsprechend hohen Reserven. Davon nehme ich dann auch schnell Abstand: Mein Kreislauf und das allgemeine Wohlbefinden danken es mir. Was ich aber übernehme: Etwas länger schlafen und richtig viel trinken. Schlaf überbrückt sehr angenehm das Warten bis zum Essen. Trinken ist ohnehin gesund, erfüllt hier aber folgenden Zweck: Ich soll ein Gefühl dafür bekommen, wann sich wirklich der Hunger meldet und wann es nur Durst ist. Da ist was dran, das funktioniert. Ich fühle mich grundsätzlich gut – wenn auch mit Hungerast am Morgen die Laune teilweise etwas weniger strahlend ist als sonst.

Zugegeben: Ich habe das Buch nicht von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Notwendig ist das auch nicht, je nach Kapitel lassen sich alle Infos finden – auch ohne chronologisches Lesen. Was mir aber dadurch entgangen ist: Ich darf in meinen Kaffee einen Schluck Milch kippen, meine Rettung, nach dem ich das in Woche 3 herausfinde. Ich hätte nicht geglaubt, dass ein kleiner Milchkaffee das Durchhalten bis zum Frühstück so angenehm machen könnte.

Innerhalb meiner 8 Stunden darf ich so oft essen, wie ich mag – natürlich immer noch bewusst und kontrolliert. Bei pünktlichem Feierabend schaffe ich auch mein Abendessen im Zeitfenster. Jegliche spontane Essenseinladung funktioniert nun aber nicht mehr. Es dauert gute 2 Wochen bis Kollegen, Freunde und Familie Bescheid wissen – irgendwie ein unangenehmes Gefühl, dass sich alle nach meinem Essen richten sollen. Was ohnehin psychologisch zum Problem für mich wird: Ich esse abends zu viel. Irgendwie spukt die absurde Idee durch meinen Kopf, dass lange nichts mehr nachkommt! In Wahrheit ist das für den Körper natürlich völlig unproblematisch. Magenknurren ist unangenehm, aber nicht schlimm.

Auf das Hungergefühl hören

Die Wochen vergehen… und ich habe morgens Hunger, esse abends zu viel und ziehe nur noch mein Mittagskraftworkout durch. Obwohl das Laufen zunehmend ganz ausfällt, fühle ich mich gut. Und nach rund einem Monat verändert sich dann aber etwas. Ich gewöhne mich an den veränderten Alltag, habe das Gefühl, dass ich tatsächlich wieder gelernt habe auf mein Hungergefühl zu hören – und eben nicht nur zu essen, weil gerade Frühstückszeit ist. Außerdem gibt es einen Plan B für den Frühsport: Yoga. Danach 3 Stunden nicht zu essen ist weniger problematisch als nach einer Laufeinheit.

Fazit: Nach 8 Wochen bleibt für mich hängen: Ich esse tatsächlich nur, wenn ich echten Hunger habe. Das ist gut. Ein flexibler Trainingsplan und eine entspannte Freizeitgestaltung ist mir mehr wert, als dass ich mich weiterhin an ein 8-Stunden-Essenszeitfenster halten mag.

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