Die Women's Health-Redaktion testet Food-Trends

Ernährungs-Experiment Ernährung nach TCM Diätetik

06.09.2013 ,
© Women's Health Oktober

Linda, Online-Redakteurin, liebt Schokolade, Kuchen, Käse und Pasta, isst kein Fleisch.

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TCM Diätetik: Linda isst nach TCM
Das landet an einem Beispieltag auf ihrem Teller: 1,5 Tassen Getreidemüslibrei mit 6 EL Apfel-Zimt-Püree, 2 Tassen Sojamilch und grünem Tee. 1 Schale Jasminreis mit 6 Röschen Brokkoli, 1 Möhre, etwas Lauch, ½ Paprika und 50 g Tofu. 1 Tasse Dinkelgrießbrei mit Sojamilch. 1 Teller Glasnudelsuppe mit Chinakohl, Sesam, Lauch, Tofu und Frühlingszwiebel © Himmel & Burwick
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So ernährt sie sich jetzt: Verboten sind Kuhmilch, Käse, Schokolade und Fertiggerichte. Ihre Lebensmittel werden in "wärmend", "neutral" und "kühlend" unterschieden, sollen das Chi unter­stützen und gekocht und lauwarm verzehrt werden.

Hilfsmittel: Zungen- und Pulsdiagnostik im Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin im Hamburger Universitätsklinikum. "Rezepte der chinesischen Diätetik" (Urban & Fischer Verlag, um 76 Euro).

Herztyp mit Yin-Schwäche


"Klarer Fall von Herztyp mit leichter Yin-Schwäche" lautet die Diagnose. Ich sitze im Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin im Hamburger Uniklinikum und strecke Gesa Meyer-Hamme die Zunge raus. Rein medizinisch, versteht sich. Zungen- und Pulsdiagnostik gehören nämlich zu den gängigsten Verfahren in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), um herauszufinden, was einem Menschen fehlt, was er für ein Typ ist und was er bestenfalls essen sollte. Das einzige, was ich bis dato über meinen 6-wöchigen Ernährungsversuch weiß, ist, dass ich nur gekochte Speisen (bestenfalls lauwarme) zu mir nehmen darf. Klingt erst mal gut, bis ich erfahre, dass Croissants aus dem Ofen und überbackene Makkaroni mit Käse definitiv nicht dazu gehören. Süßigkeiten sind ohnehin tabu – meine wohl größte Herausforderung in den nächsten 6 Wochen.

Erdelement stärken

Statt Mohnschnecke und Laugenbrezel am Morgen steht das "Elixier für ein jadeglänzendes Antlitz" auf meinem Speiseplan. Klingt aufregend, ist aber in Wirklichkeit nichts weiter als Haferschleim mit püriertem Apfel, der vorher in Zimtwasser gekocht wurde. Der Brei soll mein Erdelement stärken, mich wärmen und meinen Magen nicht gleich am Morgen überfordern. Das Gute daran: Ich bin bis zum Mittag pappsatt und brauche weder nach Keksen noch Müsliriegeln in meiner Schublade zu kramen.

Einsamkeit am Herd

Mittags stehe ich gemüsedünstend in der Redaktionsküche und frage mich, wann ich das letzte Mal in heiterer Runde mit meinen Kolleginnen zu Mittag gegessen habe und stelle fest: TCM macht einsam. Schließlich fällt mir kein Restaurant in Redaktionsnähe ein, in dem man mir etwas vorsetzen könnte, das nicht mein Chi – also meine Lebensenergie – durcheinanderbringt. Um die geht es nämlich vordergründig beim TCM. Das Chi muss fließen und das funktioniert am besten mit Hilfe von Qi Gong, Akupunktur und eben der richtigen Ernährung nach den 5 Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sprich: Jedes Nahrungsmittel lässt sich in eine dieser 5 Kategorien einordnen und ist – je nachdem welcher Elemente-Typ man ist – mehr oder weniger für einen geeignet. Heißt konkret: Zu viel Chili im Essen oder zu lange gebratenes Gemüse können die Wirkung einer Mahlzeit so stark verändern, dass sie nicht mehr meinem Typ entspricht. Klingt kompliziert? Ist es auch und deshalb bin ich quasi gezwungen, selbst am Herd zu stehen, um Chinakohl in Sesamöl zu schwenken oder darauf zu achten, dass meine Birnensuppe mit Kaiserkronenpulver verfeinert wird, damit sie auch wirklich das Feuer aus meiner Leber vertreibt.

Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, dass ich in einen knackigen Apfel beißen möchte – Chi hin oder her. Am Abend habe ich Lust auf Rucola (verboten) mit Parmesan (noch viel mehr verboten). Stattdessen soll ich laut TCM-Expertin Meyer-Hamme salzige Suppen essen, damit ich wieder runter komme und meine Kopfschmerzen verschwinden. Die machen mir nämlich gerade in den ersten beiden Wochen ziemlich zu schaffen, sollen aber ein gutes Zeichen dafür sein, dass mein Körper entgiftet. Ich helfe nach mit literweise grünem Tee, bis ich das Gefühl habe, dass das Zeug durch meine Adern läuft.

Kopfschmerzen und Naschlust ade

Ab Woche 3 bin ich zum Sojamilch-Junky geworden und finde Tofu sogar richtig o.k. Die Kopfschmerzen verabschieden sich und ich freunde mich langsam aber sicher mit meinem TCM-Speiseplan an. Schöner Nebeneffekt: Die Lust auf Süßes verschwindet mehr und mehr aus meinem Kopf, das sonst so hartnäckige Mittagstief nach schnell verschlungenen Riesenportionen bleibt aus und mir wird bewusst, wie häufig meine Gedanken vorher ums Essen gekreist sind. Da meine Mahlzeiten jetzt genau durchgeplant sind, komme ich gar nicht erst in Verlegenheit, mich mit kleinen, ungesunden Snacks über den Tag zu retten.

Keine große Veränderung

Ab Woche 4 bin ich eingegroovt. Ich habe meine Lieblingsgerichte gefunden und der Mann aus dem Asialaden um die Ecke wundert sich nicht mehr, wenn ich ihn nach Drachenbrunnen-Tee oder Chrysanthemen-Blüten frage. Die Auswertung meines Bluttests am Ende von Woche 6 bestätigt aber mein Gefühl, dass es keine bahnbrechenden Veränderungen gibt, bis auf die Tatsache, dass mein Cholesterinspiegel leicht gesunken ist und ich ein halbes Kilo verloren habe.

Fazit: Experiment somit gescheitert? Überhaupt nicht. Mir gefällt der Ansatz, dass es bei TCM nicht darum geht, DIE Ernährungsform schlechthin zu liefern, die alle Menschen schön, schlank und glücklich machen soll, sondern dass TCM auf jeden einzeln eingeht. Wer dieses Konzept durchzieht, tut seinem Körper bestimmt etwas Gutes, sollte sich aber vorab an einen Experten wenden, der eine Typbestimmung vornimmt. Und trotzdem: Für einen geselligen Abend bei Pasta und Rotwein nehme ich gerne auch mal eine schlechte Nacht oder Magengrummeln in Kauf. Pardon liebes Chi, aber dafür bin ich einfach zu sehr Genussmensch.

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