Die Women's Health-Redaktion testet Food-Trends

Ernährungs-Experiment Makrobiotische Ernährung

06.09.2013 ,
© Women's Health Oktober

Dana Hofmann, Grafikdesignerin mit Vorliebe für asiatisches Essen, vor allem mit Rind und Lamm.

Vergrößerte Ansicht
Makrobiotik: Dana testet Makrobiotik
Das landet an einem Beispieltag auf ihrem Teller: 75 g Vollkornhaferflocken, 250 ml Hafermilch und 1 TL Kirschmus. 300 ml Misosuppe mit 30 g Tofu, 1 Süßkartoffel mit 1 Algen-Bärlauch-Salat und 100 g Rundkornreis. 40 g Dinkelvollkorngrieß mit 200 ml Sojamilch und 3 EL Fruchtmus. 1 Schale Kombu-Shoyu-Ingwer-Suppe, 75 g Hirse, 100 g Bohnen, 50 g Möhren, 50 g Pastinake, 9 Radieschen-Gurken-Pickles © Himmel & Burwick
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So ernährt sie sich jetzt: Fleisch, Eier, Milchprodukte, Zucker, Weißmehl und Alkohol sind tabu. Auf dem Speiseplan steht vor allem viel Vollkorngetreide, Gemüse und Algen — so natürlich wie möglich und besonders schonend zubereitet.

Hilfsmittel: Dampfgarer, Flammenverteiler, Suribachi (japanischer Mörser), "Die hohe Kunst des makrobiotischen Kochens" (Mahajiva, um 30 Euro), "Makrobiotisch kochen" (Goldmann, um 10 Euro).

Im Osten viel Neues


Da ich bereits seit 17 Jahren Vegetarierin bin, mich sehr gesund ernähre und mit der japanischen Küche vertraut bin, meine ich, den Verzicht auf Milch, Käse, Eier, Kaffee und Schokolade ohne große Strapazen durchstehen zu können. Ob mein Körper genug Energie und Nährstoffe für den Sport bekommt, den ich treibe (Muay Thai), ist das Einzige, was mir Sorgen bereitet. Denn an den Tagen nach dem Training bin ich meist sehr, sehr hungrig! Der positive Aspekt: als laktoseintoleranter Mensch muss ich nicht mehr darüber nachdenken, ob ich die Dinge vertrage, die ich gerade esse.

Zu wenig Zeit für Makrobiotik

Im "Fröhlichen Reisball", einem Laden in Hamburg, der makrobiotische Lebensmittel verkauft, Kochkurse gibt und einen Mittagstisch hat, werde ich in die Koch-, Ernährungs- und Lebensweise der Makrobiotik eingeführt. Ich stelle ein echtes Problem fest: ich habe zu wenig Zeit. Fast jede Mahlzeit warm einnehmen, dabei täglich Misosuppe, Pickles, Vollkornreis und Gemüse auf dem Teller haben und das alles in einer ganz bestimmten Art und Weise zubereiten – ich frage mich, wann ich das tun soll. Denn mit Sport und Sprachkurs sind meine Abende bereits gefüllt. Das Frühstück fällt ziemlich mager aus. Idealerweise sollte es aus Misosuppe, frisch gekochtem Reis, Pickles und Gemüse bestehen. Was ich gerade aß, war: Vollkornreis in Hafermilch aufgewärmt. Wider Erwarten ist die Milch leicht süß, sodass ich schon mal mit dieser Alternative gut klarkomme.   

Leckeres Essen und fit beim Training

Allerdings bin ich beim Training fitter denn je – woran auch immer das liegen mag. Da ich nach dem Sport meist sehr spät (gegen 22.30 Uhr) nach Hause komme, gibt es dann oftmals nur einen Eiweißshake. Jetzt mache ich mir eine Misosuppe, was sehr schnell gehen kann, wenn man kein Gemüse hinzufügt, sondern nur Tofu und Wakame. Es ist toll, nach dem Training noch etwas Warmes zu sich zu nehmen und das Ganze ist zudem leicht, fühlt sich aber aufgrund des intensiven Geschmacks sehr nahrhaft an.

Das Problem in der ersten Woche ist der Verzicht auf Süßkram. Nach den Mahlzeiten nehme ich gerne irgendetwas Süßes zu mir, von Vanillequark über Obst bis hin zu Schokolade. In einem makrobiotischen Kochbuch finde ich Rezepte, die natürliche Süße enthalten oder Süßmittel verwenden, die erlaubt sind, so zum Beispiel Reissirup, Gerstenmalz, getrocknete Aprikosen oder natürliche Säfte ohne Zuckerzusatz. Ich probiere eine zunächst merkwürdige Sache und koche getrocknete Aprikosen in Apfelsaft auf, um sie anschließend zu pürieren. Das Ergebnis ist ein fruchtiger Mus, der gar nicht so übel schmeckt. In den nächsten Tagen wird er zum Topping meines Grießdesserts, das ich mir nun jeden Tag mit Hafermilch mache.

Abnehmen und mehr Energie

In der zweiten Woche kann ich meinen Gürtel bereits ein Loch enger schnallen, obwohl ich ja gerade erst angefangen habe, mich anders zu ernähren. Ich erkläre mir das mit dem Verzicht auf Zucker, Weißmehl und der automatischen Reduzierung der Fettzunahme, vermutlich um mindestens 60%. Meine Sorge, dass ich beim Training zu wenig Power haben könnte, löst sich in Luft auf. Im Gegenteil, ich habe so viel Energie und Durchhaltevermögen wie lange nicht mehr. Mir fällt auf, dass ich auf dem Weg zur U-Bahn plötzlich jeden Tag die Treppe hochsprinte.

Am Wochenende habe ich endlich die Möglichkeit, mich ausführlicher mit dem Kochen zu beschäftigen und ich merke, wie viel Spaß mir das macht – trotz des hohen Zeitaufwands. Das Essen ist superlecker und wahnsinnig vielfältig. Ich bin nun auch soweit, für andere zu kochen und lade zwei Freundinnen zu mir nach Hause ein. Es ist unglaublich: der Teller ist reich gefüllt und die beiden mögen ALLES, sogar die schwarzen Algen, die selbst mir beim Anblick die Sprache verschlugen.

Der soziale Aspekt

In der dritten Woche nutze ich jeden freien Abend dazu, mir etwas Warmes zu kochen und gleichzeitig Essen für den nächsten Tag vorzubereiten. Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr unterwegs spontan etwas zu essen kaufen kann: Es gibt so gut wie nichts Fertiges, wenn man auf Milchprodukte, Fleisch, Weißmehl, Eier und Zucker verzichtet. Auch das gemeinsame Essen gehen mit Freunden wird schwierig: gehe ich mit und oute mich als Person, die mit dem angebotenen Menü gar nichts anfangen kann oder bleibe ich der ganzen Aktion von vornherein fern – was einer sozialen Isolation gleich käme?

Zwei ganz witzige Experimente habe ich mir dann doch erlaubt: Bei einem Abendessen mit Freunden habe ich es gewagt, einen Salat komplett umzubestellen und bis hin zum Dressing anzusagen, was hinein darf und was nicht. Meine Bestellung wurde widerstandslos entgegen genommen und ich bekam meinen Individualsalat mit Individualdressing ohne großes Gezeter. Das war eine tolle Erfahrung und meine Freundinnen hatten ordentlich was zu lachen. Die zweite unerhörte Bitte genehmigte ich mir in einem veganen asiatischen Restaurant während der Mittagszeit. Der Laden war voll, der Kellner allein und dann kam ich – mit meinem eigenen Reis und der Frage, ob man mir diesen anstelle des weißen Reises zu Menü 7 einfach kurz mit anbraten könne. Man versuchte mir zunächst klar zu machen, dass dies sehr zeitaufwändig sei und nicht ginge. Als ich dann aber beharrte und erwiderte, dass ich im Moment nichts anderes essen könne, ließ sich der Kellner darauf ein und fragte in der Küche nach. Etwa fünf Minuten später bekam ich meinen Teller mit meinem mitgebrachten Reis.

Ein eingespieltes Team

In der 4. Woche sind das makrobiotische Essen und ich ein eingespieltes Team. Ich weiß inzwischen, wie ich welche Zutaten zubereiten kann, wie ich mir schnell oder mit viel Zeitaufwand etwas koche und selbst das Zubereiten meiner Mahlzeiten für einen ganzen Arbeitstag macht mir nichts mehr aus. An den Tagen nach dem Training gehe ich mittags im "Reisball" essen. Doch eine weitere Herausforderung steht mir bevor: Das Trainingslager! Für ein Wochenende fahre ich mit meinem Verein nach Holland, um dort zu trainieren und werde somit zwei Tage unterwegs sein. Mir graut ein wenig vor der Vorstellung, mit tausend vorbereiteten Sachen anzureisen, aber ich tue es und es ist halb so schlimm. Ein paar Onigiri und Grießdesserts retten mich über den ersten Tag. Mit einem selbst gebackenen Reisbrot und allerhand Snacks überlebe ich auch den zweiten Tag. Und das gemeinsame Essen in einem guten Lokal einer Raststätte auf dem Rückweg überstehe ich dank der Spargelzeit auch mit ungeahnter Leichtigkeit.

Die fünfte Woche: Inzwischen koche ich fast jeden Sonntag für eine meiner Freundinnen. Ich habe mich in diese Küche verliebt und merke, dass mir bei all dem Verzicht eigentlich gar nichts so recht fehlt. Im Gegenteil: ich habe so viel Neues kennen gelernt – Lebensmittel, Zutaten, Zubereitungsarten, Alternativen zu Dingen, die ich meinte zu brauchen. Und all das ist einfach wahnsinnig lecker!

Ich stelle fest, dass ich überhaupt keinen Heißhunger auf Süßes mehr verspüre. Schokolade, Kuchen, Kekse – all das lässt mich kalt. Und ich freue mich darüber, dass ich nicht mehr nachdenken muss, ob irgendetwas in meinem Essen Laktose enthält. Ein weiterer toller Nebeneffekt: Ich kann essen wann und so viel ich will, ohne mich danach voll oder schlecht zu fühlen, und ich nehme offensichtlich nicht zu.

Fazit: Als die Testphase dann zu Ende ist, habe ich nicht das Bedürfnis zu alten Gewohnheiten zurückzukehren. Ich beschließe, mich weiterhin makrobiotisch zu ernähren – allerdings mit Ausnahmen: wenn ich mich mit Freunden zum Essen treffe, werde ich keine Extrawurst spielen, sondern etwas auf der Karte suchen, das so weit wie möglich meiner Ernährungsweise entspricht.

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