Grünes Gift oder grünes Gold? Darum sollten Sie Palmöl meiden

14.10.2016 , Autor:Rebecca Höfer
© WomensHealth.de

Die Industrie liebt es, Verbraucherschützer verteufeln es – Palmöl. In jedem zweiten Lebensmittel steckt das umstrittene Pflanzenöl. Doch wer hat eigentlich Recht? Wir klären auf

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Palmöl: Früchte der Ölpalme
Palmöl eilt ein schlechter Ruf voraus - zu Recht, wenn es in größeren Mengen verzehrt wird © Shutterstock.com / dolphfyn
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Gesunde Ernährung

WAS IST PALMÖL?

Der Markt mit Palmöl boomt: Mit 60 Millionen Tonnen allein 2015 ist es das am meisten produzierte Pflanzenöl weltweit. Palmöl, oder auch Palmfett, ist ein pflanzliches, von Natur aus festes Fett, das aus den kleinen, orangeroten Früchten der Ölpalme gewonnen wird. Vor dem Pressen werden diese mit Dampf sterilisiert, um pflanzeneigene Enzyme zu inaktivieren, die das Fett andernfalls in seine Bestandteile Glycerin und freie Fettsäuren spalten würden. Nach der Pressung werden Geschmacks-, Geruchs- und Farbstoffe entzogen – so wird das Öl vielseitig einsetzbar.

Für die Industrie ist Palmöl der perfekte Rohstoff: Es ist zum einen unschlagbar billig, denn Palmöl-Plantagen sind überaus ertragreich. Zum Vergleich: Während ein Hektar Raps etwa eine Tonne Öl ergibt, sind es bei einem Hektar Ölpalmen etwa vier Tonnen. Außerdem lässt sich das Pflanzenöl durch seine chemischen Eigenschaften leicht verarbeiten, beispielsweise bewirkt der hohe Schmelzpunkt Streichfähigkeit und Geschmeidigkeit.

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Palmöl wird aus den kleinen Früchten der Ölpalme gewonnen

Palmöl wird aus den kleinen Früchten der Ölpalme gewonnen

© tristan-tan / Shutterstock.com

HIER STECKT PALMÖL DRIN

Palmöl steckt – unglaublich aber wahr – mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt: Margarine, Schokoaufstrich (ja, leider auch in Nutella), Kekse, Speiseeis, Fertigsuppen, Tiefkühlpizza, Brotaufstrich, Kuchenglasur – sie alle bestehen zu einem gewissen Anteil aus dem billigen Fett. Im Gegensatz zu Butter ist Palmöl länger haltbar und pflanzlichen Ursprungs – so bedient es auch den immer größer werdenden Anteil an Veganern. Doch Palmöl dient nicht nur als Geschmacksträger, sondern versteckt sich auch in Kerzen, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetik, Dieseltank und Heizkraftwerken.

SO (UN)GESUND IST PALMÖL

Lassen Sie sich von der Bezeichnung „pflanzliches Öl“ nicht in die Irre führen: Palmöl besteht fast zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren (das sind die ungesunden!). Palmkernöl, das gerne für Glasuren, Eiskonfekt oder Karamell verwendet wird, sogar zu 80 Prozent. Dieser hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren kann dazu führen, dass sich die Blutfettwerte verschlechtern. Das „schlechte“ LDL-Cholesterin steigt an, wodurch ein höheres Risiko für Gefäßverkalkungen und somit für Herzinfarkt und Schlaganfall besteht. Außerdem führt ein zu hoher Gehalt an LDL-Cholesterin dazu, dass die Insulinwirkung im Körper sich verschlechtert – das Risiko für Diabetes steigt.

Ebenfalls gesundheitlich bedenklich: Beim starken Erhitzen von Palmöl entstehen sogenannte Fettsäureester (3-MCPD), die laut Bundesinstitut für Risikobewertung im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Tierversuche haben gezeigt, dass sie ab einer bestimmten Dosierung Tumore auslösen. Aber wie bei so vielem im Leben, gilt auch für Palmfett: Die Dosis macht das Gift. Als unbedenklich wird der Konsum von täglich 2 Mikrogramm Fettsäureester pro Kilogramm Körpergewicht bewertet. Das Problem: Niemand weiß, wie viel der schädlichen Stoffe in einem Lebensmittel stecken! Übrigens: Von nun an auf Bio-Produkte zu setzen, lohnt sich diesbezüglich nicht, denn auch in über 400 Bio-Lebensmitteln namhafter Hersteller wird Palmöl verwendet.

PALMÖL-ANBAU SCHADET DER UMWELT

Was Palmöl neben seiner eher schlechten Zusammensetzung ebenfalls einen schlechten Ruf eingebracht hat, sind die sozialen und ökologischen Folgen des Palmö-Anbaus. Die Ölpalme liebt ein heißes und feuchtes Klima, wie wir es im Regenwald finden. Exportmeister sind daher Malaysia und Indonesien: 90 Prozent des weltweiten Palmöls stammen hierher. Problem: Damit die riesige Monokultur angebaut werden kann, muss der Regenwald weichen. Weltweit wurden bis jetzt rund 16 Millionen Hektar für Ölpalmen-Plantagen gerodet. Ohnehin schon bedrohte Tierarten wie Orang-Utans, Tiger oder Nashörner werden somit ihres Lebensraums beraubt – wenn sich nicht bald etwas ändert, sterben sie gar aus.

Auch die Umwelt leidet stark unter der Rodung, denn durch diese werden unglaubliche Mengen an CO2 freigesetzt. Indonesien gilt nach China und den USA als drittgrößter CO2-Emittent und liefert einen enormen Beitrag zum globalen Treibhauseffekt. Doch auch sozial ist der Ölpalmenanbau überaus bedenklich: Kleinbauern werden vertrieben, indigene Völker sterben aus. Alles nur, damit die Industrie sich günstig und in riesigen Mengen des Rohstoffs Palmöl bedienen kann.

2008 gründeten der WWF und die größten Palmölerzeuger und -verbraucher gemeinsam das sogenannte RSPO-Siegen („Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl“). Was zunächst positiv klingt, hat aber einen Haken: Das Siegel verbietet lediglich, Palmöl aus Primärwäldern und Wäldern mit besonderem Schutz zu beziehen, jedoch auch erst ab 2008. Außerdem werden die Kriterien und deren Einhaltung nicht ausreichend überprüft, wie Kritiker bemängeln. Und: Die Hersteller wissen um den schlechten Ruf des Palmfetts. Auch wenn sie den Rohstoff aus zertifiziertem Anbau beziehen und das RSPO-Siegel verliehen bekommen, verwenden sie es nur selten – sie wollen die Verbraucher nicht erst auf die sozialen und ökologischen Probleme hinweisen. Generell gilt aber, dass das Siegel Mindeststandards festlegt und zumindest einen ersten Schritt in die richtige Richtung bedeutet.

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Der Regenwald muss einer Ölpalmen-Plantage weichen

Der Regenwald muss neuen Ölpalm-Plantagen schonungslos weichen
@Rich Carey / Shutterstock.com

SO VERMEIDEN SIE PALMÖL IM ALLTAG

Ein Leben ganz ohne Palmöl ist schwierig – dennoch gibt es einige Tipps, die Sie leicht umsetzen können, um dem umstrittenen Rohstoff aus dem Weg zu gehen.

  1. Kochen Sie möglichst oft selbst und verwenden dazu frische Produkte wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Denn: Palmöl gibt es nicht als Speiseöl im Supermarkt zu kaufen, es steckt lediglich in zahlreichen Fertigprodukten. Gesunde Pflanzenöle sind beispielsweise Walnussöl oder Leinöl: Sie enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die den Anstieg des „guten“ HDL-Cholesterins begünstigen.
  2. Es gibt mittlerweile verlässliche Quellen, mit deren Hilfe Sie herausfinden können, ob ein Lebensmittel frei von Palmfett ist. Ein gutes Beispiel ist die Website www.codechek.info, die es auch als App gibt. Seit 2014 gibt es bei Lebensmitteln eine Kennzeichnungspflicht für Palmöl. Für den aufmerksamen Verbraucher eine großer Erleichterung, denn bis dato versteckte sich das Fett oft hinter Bezeichnungen wie „enthält pflanzliche Fette/Öle“.
  3. Leider ist Tipp 2 nicht auch auf Wasch- sowie Reinigungsmitteln oder Kosmetik anwendbar, denn hier ist die Verwendung leider nicht so transparent. Da hilft nur Eigeninitiative: Fragen Sie bei den Herstellern direkt nach, ob und warum sie Palmöl verwenden. So können Sie direkt Druck ausüben und dazu auffordern, die Verwendung von Palmfett zu unterlassen oder zumindest zu verringern. Sie können aber auch einfach in die Trickkiste greifen und alte Haushaltstipps befolgen, indem Sie zum Beispiel Essigreiniger für das WC verwenden.
  4. Palmöl wird auch bei der Kerzenherstellung verwendet. Draufstehen muss es allerdings auch in diesem Fall nicht. Greifen Sie daher lieber zu Bienenwachskerzen statt zu konventionellen Kerzen.
  5. Erzählen Sie den Menschen in Ihrem Umkreis von den sozialen, ökologischen und möglichen gesundheitlichen Folgen von Palmöl – viele wissen überhaupt nicht, dass es die Gesundheit negativ beeinflussen kann und halten es wegen seiner pflanzlichen Herkunft gar für gesund.

Fazit: Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Sicher, für Ihre Figur (und Gesundheit) ist es besser, das Nutella-Brot gegen einen Apfel einzutauschen – trotzdem spricht nichts dagegen, hin und wieder ein Stückchen Schokolade oder Kuchen mit Glasur zu naschen, solange Sie es nicht übertreiben. Denn mal ehrlich: Eine Ernährung ohne Palmöl ist vielleicht machbar – aber wollen Sie wirklich für den Rest Ihres Lebens auf jedes zweite Lebensmittel verzichten? Eben.

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