Schlafstörung: Schluss mit Schäfchen zählen

18.04.2012 , Autor:Gerlinde Felix
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Sie wälzen sich im Bett herum und kriegen kein Auge zu, wachen nachts auf und zählen frustriert die Stunden bis zum Weckerklingeln? Schaffen Sie die Schlafräuber aus dem Weg!

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Schlafstörung: Die Ursachen von Schlaflosigeit sind mindestens so mannigfaltig wie die Versuche, sie zu überwinden
Die Ursachen von Schlaflosigeit sind mindestens so mannigfaltig wie die Versuche, sie zu überwinden © Shutterstock
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In der Antike bezeichnete man den Schlaf als "Gabe der Götter". Leider ist diese Gabe vielen Menschen abhanden gekommen: Es gibt mehr als 80 verschiedene Schlafstörungen und gut 20 Millionen – zumindest kurzzeitig – Un-Schlafgeplagte in Deutschland. Die meisten Betroffenen leiden vorübergehend an Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie). Vergeht mehr als eine halbe Stunde bis zum Einschlafen, spricht man von einer Einschlafstörung. Wenn Sie normal einschlafen, jedoch nach nächtlichem Aufwachen länger als 30 Minuten wach liegen oder sehr häufig kurz wach werden, leiden Sie dagegen an einer Durchschlafstörung.

Der Schlaf als Seismograph der Seele

Frauen sind doppelt so oft von Ein- und Durchschlafschwierigkeiten betroffen wie Männer. Dafür gibt es auch geschlechtsspezifische Gründe, die zu emotionalen "Schlafstörfaktoren" wie Stress, Depressionen und Angstgefühlen noch hinzukommen:

  • Häufig treten Schlafprobleme zu Beginn der Menstruation auf und klingen danach wieder ab.
  • Schwangere Frauen haben vorübergehend einen veränderten Schlaf: Zu Beginn der Schwangerschaft nimmt das Schlafbedürfnis zu. In einer späteren Phase verändert sich das Schlafmuster insoweit, dass der Tiefschlaf abnimmt und die Tendenz zum nächtlichen Erwachen zunimmt.
  • In den Wechseljahren treten vermehrt Schlafstörungen auf, die durch die hormonellen Veränderungen bedingt sind.

Schlechter Schlaf schadet der Gesundheit
Unerholsamer Schlaf – zu kurz oder mehrfach unterbrochen – wirft seine Schatten auf Ihren Tag: Statt sich morgens frisch und fit zu fühlen, sind Sie schlapp und unkonzentriert und laborieren ständig an irgendwelchen Erkältungen herum. Schlafmangel beeinträchtigt die Abwehrkräfte Ihres Immunsystems. Psyche, Immun-, Nerven- und Hormonsystem sind nämlich eng miteinander verflochten. Übermüdete Menschen leisten weniger, sind gereizt, erschöpft und unkonzentriert. Sie neigen zu Tagesschläfrigkeit, haben ein erhöhtes Unfallrisiko und entwickeln häufig Begleiterkrankungen wie Depressionen. Zu wenig Schlaf trägt auch zu Krankheiten wie Schlaganfall, Herz- und Krebsleiden bei.

Was Sie gegen Schlafstörungen tun können
Bei leichten Störungen können zumeist bereits Entspannungsmethoden (z.B. die progressive Muskelentspannung) und Verhaltensänderungen z.B. eine Entspannungszeit vorm Einschlafen helfen, um schlafstörenden Stress abzubauen. Auch die Stimuluskontrolle sowie eine gewisse Gelassenheit (sich nicht über schlechten Schlaf ärgern!) können wahre Wunder bewirken. Stimuluskontrolle heißt, dass Sie beim Einschlafen nicht länger als 20 Minuten wach im Bett liegen, sondern aufstehen und z.B. lesen bis Sie den Eindruck haben, schlafen zu können.

Gelassenheit ist wichtig, denn die Angst davor, nicht schlafen zu können, ist bei vielen das i-Tüpfelchen. Es setzt das körpereigene Aufputschmittel Adrenalin frei. Wer sich am Tag auspowert statt als Couchpotatoe auf Sparflamme zu leben, tut sich und seinem Schlaf etwas Gutes. Die körperliche Aktivität sollte aber einige Stunden vorm Zubettgehen abgeschlossen sein, denn Anstrengung belebt. Ein zu helles Schlafzimmer – es reicht schon das Mondlicht –  und Lärm (ein laufender Fernseher) erschweren das Einschlafen zusätzlich.

Kein Koffein nach 13 Uhr! Alkohol und Nikotin meiden, denn beide können zu Schlafunterbrechungen führen. Und weder Wüsten- noch Polarbedingungen im Schlafzimmer fördern den Nachtschlaf. Optimal ist Mittelmaß, d.h. eine Temperatur von 16 °C bis 18°C und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 50 Prozent. Wichtig ist auch, dass Sie jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen. Naturheilmittel wie Hopfenzapfen, Passionsblumenkraut, Melissenblätter, Lavendelblüten und Baldrianwurzel beruhigen die Nerven und fördern die Entspannung. Allerdings tritt die volle Wirkung dieser Mittel erst nach zwei bis vier Wochen ein. Zwischendurch können Sie ruhig mal ohne Angst eine Schlaftablette schlucken. Problematisch bei Schlafmitteln ist die unkontrollierte Langzeiteinnahme, weil dann die Gefahr des Abhängigwerdens besteht und Nebenwirkungen auftreten können.

Wann zum Arzt?

Bei Schlafstörungen wird leider noch immer viel falsch gemacht. Das ist umso bedauerlicher, da sie im frühen Stadium eigentlich sehr gut behandelbar sind. Unbehandelt kann eine Schlafstörung chronisch werden.

Heißt das nun, dass jeder, der mal schlecht schläft, zum Arzt gehen muss? Nein, auf keinen Fall. Wenn Sie sich trotz schlechten Schlafes tagsüber fit und leistungsfähig fühlen, müssen Sie nicht behandelt werden. Tritt die Schlafstörung aber regelmäßig einmal die Woche auf und ist die Tagesbefindlichkeit infolgedessen verschlechtert, sollten Sie zum Arzt gehen. Übrigens: Der Arztbesuch ist auch ratsam, weil eine Schlafstörung Anzeichen für eine bislang unerkannte Krankheit wie z.B. Bluthochdruck oder eine Überfunktion der Schilddrüse sein kann.

Mit Medikamenten und Psychotherapie gegen Schlafstörungen
Etwa 4 bis 6 Prozent der Bevölkerung sind an einer schweren und behandlungsbedürftigen Ein-und Durchschlafstörung erkrankt. Achten Sie darauf, dass Ihr Arzt eine individualisierte Behandlung durchführt und Schlafmittel frühzeitig einsetzt, um eine Chronifizierung der Schlafstörung zu verhindern.

Medikamente und psychotherapeutische Ansätze sollten kombiniert Anwendung finden. Eine Psychotherapie ist wichtig, wenn Sie auf Stress mit Schlaflosigkeit reagieren. Suchen Sie sich Hilfe in einem Schlafmedizinischen Zentrum. Während einer Nacht im Schlaflabor werden dort Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen, Atmung und Herz-Kreislauf-Funktion kontrolliert und aufgezeichnet. Dadurch kann man die Ursachen einer Schlafstörung genauer diagnostizieren und eine maßgeschneiderte Behandlung beginnen. Na dann gute Nacht!

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