Schwanger werden Fruchtbarkeit – 10 Fakten, die Sie kennen sollten

18.11.2016 , Autor:Diana Helfrich
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Wissen Sie, wie es um Ihre Fruchtbarkeit bestellt ist? Ob Sie Kinder kriegen können oder ob es schon zu spät ist? Wer (irgendwann mal) schwanger werden möchte, sollte das lesen

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Fruchtbarkeit: Fruchtbarkeit – 10 Fakten, die Sie kennen sollten
Viele Medziner raten dazu, das erste Kind vor 35 zu bekommen © Vadim Georgiev / Shutterstock.com
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Für viele Frauen geht es jahrelang um die Frage: Wie kann ich bloß verhindern, schwanger zu werden? Aus diesem Grund wird übergestülpt, geschluckt, eingeführt, gerechnet, genau aufgepasst und trotzdem gebangt, dass nur nichts schiefgeht, was die Ausbildung, das Studium oder gar die Beziehung über den Haufen werfen könnte. Spätestens mit Mitte 30 ändert sich die Einstellung, manchmal schlagartig. Die meisten Frauen haben plötzlich jede Menge Fragen zur Fruchtbarkeit. Wir haben die Antworten.

1. Kann ich den Kinderwunsch noch aufschieben oder läuft mir die Zeit davon?

Durch eine Kombination aus Blutuntersuchung und Ultraschall beim Frauenarzt können Sie feststellen lassen, ob es auf Ihrer biologischen Uhr schon 5 vor 12 ist. Zum einen bestimmt man das so genannte Anti-Müller-Hormon im Blut. Dieses in den reifungsfähigen Eibläschen gebildete Hormon kennt man noch gar nicht so lange, deswegen setzt sich der Test auch jetzt erst durch. Je mehr davon nachweisbar ist, je mehr Eizellen schlummern noch im Körper. Zusätzlich zählt man die sichtbaren Eibläschen zu Beginn des Zyklus im Ultraschall. "Sind an jedem Eierstock zwei zu sehen, ist das eher bescheiden, zwölf deuten auf eine gute verbleibende Fruchtbarkeit hin", so Professor Heribert Kentenich, Chefarzt an der DRK-Frauenklinik und am Fertility Center in Berlin. Auf die Weise können Sie sehen, was man bisher nur erahnen konnte – wie spät es bei Ihnen persönlich jetzt gerade ist. "Vor allem Frauen an die 40 hilft dieser Test dabei, sich für oder gegen eine zügige Kinderwunschbehandlung zu entscheiden", sagt der Reproduktionsmediziner. Die Blutuntersuchung beim Gynäkologen oder in einem Kinderwunschzentrum kostet um die 50 Euro.

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2. Kann die Pille oder eine andere hormonelle Verhütung meine biologische Uhr beeinflussen?

Nein, hormonelle Verhütungsmittel verzögern den Abbau der ovariellen (das heißt der Eizell-)Reserve nicht wesentlich. Denn zum Zeitpunkt seiner Geburt hat ein Mädchen rund 1 Million Eizellen, bei der ersten Regel sind es schon 450.000 weniger. Dabei fallen die Eisprünge, die man durch die Pille spart, ganz einfach nicht ins Gewicht. Laut Gynäkologe Kentenich gibt es nur eine einzige Möglichkeit, das Ticken zu verlangsamen: Hören Sie auf zu rauchen. Denn dabei entstehen freie Radikale im Körper, und die setzen nicht bloß Ihrer Haut, sondern auch den Eizellen zu. Fest steht zudem, dass sowohl Über- als auch Untergewicht ungünstig auf die Fruchtbarkeit wirken, weil sie den Eisprung erschweren. Einer neuen Untersuchung zufolge könnte auch viel Koffein die Chance auf eine Schwangerschaft mindern: Die Substanz bremst Muskelkontraktionen und kann dadurch die Reise des Eis vom Eierstock in die Gebärmutter beeinträchtigen. 

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Die Pille hat keinerlei Einfluss auf die biologische Uhr einer Frau

Es ist immer ein Geflecht aus vielen Gründen, das ein Schwangerwerden erschwert

© Vadim Georgiev / Shutterstock.com

3. Was passiert mit meinem Körper, wenn ich die Pille nach Jahren absetze, und wie lange dauert es, bis ich schwanger werden kann?

Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Zyklus innerhalb von 2 bis 3 Monaten wieder so ist wie vor der Pille: Wer zum Beispiel unregelmäßige Blutungen hatte, kann sich darauf einstellen, dass sie wieder so sind. In der allerersten Zeit nach dem Absetzen ist es normal, dass es etwas durcheinandergeht und die Periode beispielsweise mal stärker und mal schwächer ausfällt. "Schwanger werden kann man aber sofort", sagt Kentenich. Vom ersten Tag an sei dies möglich, wenn es auch (wie in jedem Zyklus) zur Zyklusmitte hin wahrscheinlicher werde. Dasselbe gilt, nachdem Sie sich die Spirale haben ziehen lassen. Nur bei der Hormonspirale dauert es 1 bis 2 Monate, bis Sie die volle Fruchtbarkeit wieder erreicht haben.

4. Ich hatte mal eine Abtreibung. Hat das wirklich keinen Effekt auf ein späteres Schwangerwerden?

Eine nach hiesigen Standards vorgenommene Abtreibung "hat tatsächlich keinen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit", erklärt Kentenich. Zumindest dann nicht, wenn sie komplikationsfrei verlief.

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5. Gibt es Hinweise, außer meinem Alter, an denen ich ablesen kann, ob ich eher leicht oder eher schwer schwanger werde?

Nein. Allenfalls könnten Sie Ihre Mutter und Ihre Oma fragen, ob die beiden lange warten mussten. Es liegt nahe anzunehmen, dass die Fähigkeit, leicht oder eher schwer schwanger zu werden, vererbt wird. Bewiesen ist dies aber nicht, und es gibt auch keine Gentests oder Ähnliches. Auch die Info, ob weibliche Verwandte früh in die Wechseljahre gekommen sind, könnte ein Anhaltspunkt sein. Denn natürlich hängt die Fruchtbarkeit wesentlich von der Eizell-Reserve ab. Und es spricht vieles dafür, dass diese bei Ihnen ähnlich ist wie bei Ihrer Mutter und Großmutter.

6. Sängerin Gianna Nannini bekam mit 54 ihr erstes Baby. Was ist denn nun ein gutes Alter für ein Kind?

Das kann man ganz klar sagen: Unter 35 ist besser als über 35 Jahre. Kentenich: "Danach wird es bedeutend schwieriger, das muss eine Frau einfach wissen." Auch, weil es häufiger zu Fehlgeburten kommt. Das Problem sind die Eizellen, deren Anzahl und Qualität mit den Jahren abnehmen. Ganz selten werden Frauen auch noch mit Ende 40 Mutter: Bei 2400 Gebärenden jährlich in der Berliner DRK-Frauenklinik ist das laut Kentenich etwa eine. "Jenseits von 50 Jahren ist ein Baby allerdings eigentlich nur noch mit Hilfe einer Eizell-Spende möglich", so die Einschätzung des Reproduktionsmediziners. Auch in Hinblick auf das Baby rät er, das erste Kind vor 35 zu bekommen: Denn ab diesem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für chromosomale Auffälligkeiten, wie zum Beispiel Trisomie 21, deutlich zu.

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Sie können nach Absetzen der Pille sofort wieder schwanger werden

Die Zahl der werdenden Mütter zwischen 20 und 24 ist in den letzten Jahren um 28 Prozent gesunken

© Vadim Georgiev / Shutterstock.com

7. Man liest oft, dass Frauen Eizellen einfrieren lassen, um das Kinderkriegen auf später zu verschieben. Wie aufwendig ist das Verfahren?

Das ist schon sehr aufwendig: Man müsste Hormone nehmen und eine Operation über sich ergehen lassen, bei der die Eizellen aus dem Eierstock entnommen werden. Das kostet rund 2000 Euro. Dann wird eingefroren, die Lagerung in flüssigem Stickstoff bei minus 170 Grad schlägt mit ungefähr 100 bis 200 Euro pro Jahr zu Buche. Da muss man schon sicher sein, dass man später ein Kind möchte. Aber eine Garantie dafür, dass es dann auch mit der Befruchtung im Labor klappt, gibt es natürlich nicht. "In meinen 20 Jahren als Reproduktionsmediziner hat mich erst eine einzige völlig gesunde Patientin um eine Eizellentnahme gebeten", so Kentenich. Anders ist es bei jungen Frauen, die an Krebs erkranken: Für sie ist das Einfrieren oft die einzige Möglichkeit, nach einer Chemotherapie eine Chance auf ein leibliches Kind zu haben.

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8. Ich hatte meine Regel zuletzt vor 6 Monaten, obwohl ich nicht schwanger bin. Wirkt sich das auf meine Fruchtbarkeit aus?

Ja, unter Umständen. Denn dann ist zumindest eines der Hormone, die den Zyklus steuern, aus dem Gleichgewicht geraten, etwa durch Schilddrüsenprobleme. Oder es ist zu wenig Östrogen im Blut, wie bei vielen Leistungssportlerinnen mit sehr geringem Körperfettanteil. "Sind Sie in den Dreißigern, dann sind Sie vielleicht eine von 100 Frauen, die vor dem 40. Geburtstag in die Wechseljahre kommen", so Kentenich. Lassen Sie das unbedingt vom Gynäkologen abklären, dann ist auch klar, ob und wie der Zyklus zurückkommt. Sobald Sie wieder regelmäßige Blutungen, das bedeutet regelmäßige Eisprünge haben, ist auch die volle Fruchtbarkeit zurück.

9. Gibt es ein ideales Alter für eine Kinderwunschbehandlung? Kann ich dafür auch zu jung sein?

Nein, aber Sie können zu früh dran sein. Verzichtet ein Paar erst seit ein paar Monaten auf die Verhütung, ist es vollkommen normal, dass noch nichts passiert ist. 1 Jahr sollte man mindestens dabei sein, bevor man sich in ärztliche Behandlung begibt. Die Ausnahmen von dieser Regel laut Kentenich: Wenn die Frau schon über 40 ist. Dann empfiehlt es sich, keine Zeit zu verlieren. Und wenn es bereits konkrete Hinweise gibt, dass es schwierig werden könnte – wie hormonelle Störungen oder Myome, gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, mit denen sich die Frau schon lange herumschlägt. Oder wenn einer der Partner in einer früheren Beziehung ungewollt kinderlos geblieben ist. "Dann ist es sinnvoll, sich möglichst bald untersuchen zu lassen, ganz unabhängig vom Alter", so der Reproduktionsmediziner.

10. Was ist denn nun der häufigste Grund, aus dem es nicht klappt mit einer Schwangerschaft?

Das kann man nicht sagen, denn es ist "immer ein Geflecht aus vielen Gründen, das ein Schwangerwerden erschwert", sagt Reproduktionsmediziner Kentenich. "Eine immer größere Rolle spielt aber das Alter der Frau." Denn viele Frauen in Deutschland entscheiden sich heute erst spät für ein Baby. Laut einer neuen Untersuchung der Krankenkasse KKH-Allianz ist die Zahl der werdenden Mütter zwischen 20 und 24 in den letzten Jahren um 28 Prozent gesunken, während die Geburtenrate bei den 40 bis 44 Jahre alten Frauen um stattliche 46 Prozent anstieg. Das bedeutet einerseits, dass es sehr oft auch spät noch klappt, aber eben nicht mehr so leicht wie mit Mitte 20. Andere mögliche Gründe für langes Warten auf das Baby sind hormonelle Probleme, undurchlässige Eileiter und Verwachsungen an der Gebärmutter, den Eileitern oder den Eierstöcken. Übrigens: In rund der Hälfte der Fälle liegt es am Mann, wenn es Zeugungsprobleme gibt.

Die gängigsten Verfahren der Kinderwunschbehandlung


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1 Jahr sollte man es mindestens versuchen, schwanger zu werden, bevor man über eine Kinderwunschbehandlung nachdenk

Es gibt kein "ideales Alter" für eine Kinderwunschbehandlung

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Hormonelle Stimulation
Dabei wird mit Hilfe von Tabletten oder Spritzen ein Eisprung ausgelöst, denn bei manchen Paaren ist Ursache des Problems, dass die Eibläschen ohne diese Unterstützung gar nicht erst heranreifen.

Insemination
Sind beispielsweise die Spermien des Mannes schlecht beweglich oder auch einfach rar, hilft man per Insemination nach: Der Samen wird in die Gebärmutter eingespritzt und kann zuvor aufbereitet werden.

In-vitro-Fertilisation
Dies ist die Befruchtung des Eis außerhalb des Körpers, bei der man Ei- und Samenzelle in einer Petrischale zusammenbringt, etwa weil undurchlässige Eileiter das Ei auf dem Weg in die Gebärmutter stoppen. Fast immer stimuliert man davor die Eierstöcke mit Hormonen, damit mehrere Eibläschen entnommen werden können. Neuerdings diskutieren Experten aber, bei Frauen über 40 auf die belastende Behandlung zu verzichten und die Eizellentnahme in Abstimmung mit dem natürlichen Zyklus vorzunehmen. Denn in dem Alter bilden Frauen oft trotz Hormongaben wenig Eibläschen.

ICSI
Bei diesem Verfahren, der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, wird die Samenzelle direkt in die Eizelle eingespritzt, eine Befruchtung findet also in jedem Fall statt. Auf ICSI greift man etwa dann zurück, wenn viel darauf hindeutet, dass ein Spermium es nicht bis in die Eizelle schafft. Manchmal sind auch gar keine Spermien im Ejakulat. Dann kann man Samenzellen aus den Hoden entnehmen und für eine ICSI verwenden, zum Beispiel wenn ein Mann sich viele Jahre nach einer Sterilisation doch noch ein Kind wünscht.

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