Glutenfrei Leiden Sie an einer Glutenunverträglichkeit?

10.06.2016 , Autor:Kathleen Schmidt
© WomensHealth.de

Menschen mit Glutenunverträglichkeit reagieren bei Lebensmitteln aus Getreide mit Bauchschmerzen und Durchfall. Wir verraten, wie Sie sich trotzdem lecker ernähren können

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Glutenunverträglichkeit: Pasta gibt es mittlerweile auch glutenfrei
Pasta trotz Glutenunverträglichkeit? Ja, aber nur die glutenfreie Alternative aus Maismehl & Co.  © dotshock / Shutterstock.com
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Glutenunverträglichkeit – was ist das überhaupt?

Gluten – auch bekannt als "Klebereiweiß"* – kommt vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und den daraus hergestellten Produkten wie Brot oder Nudeln vor. Wer an einer Glutenunverträglichkeit leidet, kann Gluten nicht richtig verdauen, was dann zu Magen-Darm-Beschwerden führt.

"Beim Begriff Glutenunverträglichkeit muss man allerdings strikt zwischen der Glutensensitivität und der Zöliakie unterscheiden" sagt Doris Paas, Ernährungspädagogin und Buchautorin. "Die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung**, die Glutensensitivität lediglich eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Gluten."

Glutenfreie Rezepte auf einen Blick

Glutenhaltige Lebensmittel verursachen bei Zöliakie-Patienten Entzündungen in der Darmschleimhaut. Dadurch bilden sich die Darmzotten zurück und die Nährstoffe aus der Nahrung, die über diese Zotten eigentlich aufgenommen und weiter transportiert werden sollten, bleiben unverdaut. "Bleibt eine Zöliakie unbehandelt, können neben Verdauungsbeschwerden schwerwiegende Mangelerscheinungen die Folge sein" warnt die Expertin. Bei der Glutensensitivität treten zwar ähnliche Beschwerden auf wie bei der Zöliakie, aber die Darmschleimhaut wird nicht geschädigt.

*Gluten "klebt" beziehungsweise hält beim Backen den Teig zusammen
** Bei einer Autoimmunkrankheit greift das Immunsystem den eigenen Körper bzw. Gewebe an, da es zwischen „Freund“ und „Feind“ nicht unterscheiden kann. Die Ursache ist nicht bekannt.

Woran kann ich erkennen, dass ich an einer Glutenunverträglichkeit leide?

Eine Glutenunverträglichkeit zeigt sich meist anhand von Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfällen, Bauchkrämpfen und Übelkeit. Aber auch Kopfschmerzen, dauernde Müdigkeit und schlechte Laune können ein Anzeichen sein. "Da diese Symptome aber auch auf eine andere Unverträglichkeit hindeuten könnten, ist die Diagnose auf den ersten Blick ziemlich schwierig" ergänzt Doris Paas, die Menschen mit den verschiedensten Nahrungsmittelunverträglichkeiten in ihrer Praxis berät. Um den Übeltäter Gluten zu überführen, müssen Sie also ganz genau hinschauen: "Notieren Sie sich in einem Ernährungstagebuch, was Sie wann gegessen haben und ob beziehungsweise welche Beschwerden wann auftreten", rät die Expertin.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

"Da Gluten leider in vielen Lebensmitteln vorkommt, ist der Zusammenhang zwischen Beschwerden und Auslöser oft nur schwer zu erkennen. Die Betroffenen haben meistens einen recht langen Leidensweg hinter sich, bevor die Diagnose Zöliakie gestellt wird", erklärt Ernährungsexpertin Paas. Wer vermutet, an einer Glutenunverträglichkeit zu leiden, sollte sich zunächst einen guten Gastroenterologen suchen. Der kann eine Zöliakie mit Hilfe eines Antikörper-Tests* und einer Magen-und Zwölffingerdarmspiegelung, bei der die Darmzotten genau unter die Lupe genommen werden, eindeutig nachweisen (beziehungsweise ausschließen). Hierzu ein wichtiger Hinweis von Doris Paas: "Vor einem Zöliakietest müssen Sie sich unbedingt in gewohnter Weise glutenhaltig ernähren, weil das Meiden von Gluten vor der Untersuchung das Testergebnis verfälschen würde."

Blutwerte verstehen – so geht's

"Wenn die Tests dann trotzdem negativ ausfallen, heißt das nicht, dass man komplett falsch lag – denn es kann schließlich trotzdem eine Glutensensitivität vorliegen. Diese Überempfindlichkeit lässt sich nur leider nicht übers Blut nachweisen, sondern muss selbst ausgetestet werden" sagt die Expertin. Das heißt dann für Sie: glutenfrei essen. In einer Testphase von 2-4 Wochen verzichten Sie so gut es geht auf glutenhaltige Lebensmittel und beobachten, ob die Beschwerden wegbleiben. Eine Liste mit Dos und Don'ts in Sachen glutenfreie Ernährung finden Sie am Ende des Artikels.

*Bestimmung von Antikörpern gegen das Enzym Tissue-Transglutaminase (tTg) im Blut

Diagnose Glutenunverträglichkeit: Was nun?

"Bei einer Glutensensitivität reicht es, Gluten so gut es geht zu meiden. Kleinere Mengen (oder Spuren) werden in den allermeisten Fällen gut vertragen, ohne dass Beschwerden auftreten" verrät Doris Paas. Bei der Zöliakie hingegen kann man das Ganze nicht mehr so locker nehmen: "Bei einer  Zöliakie ist Gluten strikt verboten. Selbst kleinste Spuren von Gluten führen nicht nur unweigerlich wieder zu Beschwerden, zusätzlich wird auch die Darmschleimhaut weiter oder wieder geschädigt."

Was kann ich denn jetzt überhaupt noch essen und worauf muss ich achten?

"Leider wird Gluten von der Nahrungsmittelindustrie aufgrund bestimmter, positiver Eigenschaften in allen möglichen Nahrungsmitteln verwendet – auch da, wo Sie es auf den ersten Blick sicher nie vermuten würden" warnt die Gesundheitsberaterin. Neben Getreide in Brot und Nudeln findet man Gluten nämlich auch in allerlei Fertigprodukten wie Suppen oder Soßen, Wurst- und Fleischwaren, Milchprodukten, Käsezubereitungen und sogar Tee.

Die besten Tipps gegen den Blähbauch

Daher heißt es: Augen offen halten und unbedingt die Zutatenliste checken! Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Gluten (plus: Spuren von Gluten) dort aufgeführt sein muss. Beim Bäcker, Metzger oder im Restaurant muss man hingegen immer nachfragen, ob die Sachen glutenfrei sind und im Zweifel lieber zu einer "sicheren" Alternative greifen. Solche Alternativen könnten zum Beispiel:

  • Reis
  • Obst
  • Gemüse
  • Milch
  • Nüsse
  • Eier
  • Naturkäse
  • Fleisch
  • Fisch
  • und Hülsenfrüchte sein.

Außerdem gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an speziell glutenfreien Lebensmitteln wie Brötchen und Kuchen aus Maismehl. Das macht das Leben trotz Glutenunverträglichkeit "verträglicher", da man wirklich auf (fast) nichts mehr verzichten muss.

Was tun bei einem Ausrutscher (Gluten-Bombe gegessen)?

Tabletten, Pülverchen oder andere Wundermittel gibt es leider nicht. Wer zuviel Gluten erwischt, muss mit den typischen Symptomen rechnen und kann sich mit einer Wärmflasche Linderung verschaffen. "Bei einer Zöliakie hingegen sollten Sie jeglichen Ausrutscher tunlichst vermeiden" sagt Doris Paas und empfiehlt die Mitgliedschaft in der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (dzg-online.de), die neben wertvollen Informationen auch umfangreiche Listen mit "erlaubten" Lebenmitteln zur Verfügung stellt.

Alle Do und Don'ts einer glutenarmen Ernährung auf einen Blick:

Bedenkliche / meist unverträgliche Lebensmittel (bzw. auf Deklaration achten)

Unbedenklich / meist verträgliche Lebensmittel

Weizen, Dinkel, Roggen, Grünkern, Kamut, Gerste, Hafer

Reis, Mais, Wildreis, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa

Fertigmüslis, Paniermehl, Grieß, Mehl, Stärke, Pizza, Nudeln, Brot, Brötchen, Baguette, Gnocchi, Knödel, Bulgur, Couscous

 

Fertigprodukte mit Gemüse oder Gemüse mit Marinade/Soße, Kartoffel-Fertigprodukte

Obst und Gemüse (inklusive Kartoffeln), Hülsenfrüchte

(Frisch-)Käsezubereitungen

Milch, Naturjoghurt, Naturquark, Buttermilch, Butter, Frischkäse, Käse

Bereits marinierte Produkte/Fertigprodukte

Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Eier, Tofu, Soja

 

Pflanzenöle

Kuchen, Torten, Kekse, Müsliriegel, Salzstangen, Knabbergebäck, Chips

Zucker, Honig, Konfitüre, Marmelade, Ahornsirup, Nüsse

Bier, Malzbier

Sekt, Wein, Fruchtsaft, Wasser

Doris Paas, Ernährungs- und Gesundheitspädagogin, führt eine Praxis für ganzheitliche Gesundheit und Prävention. Ihre Schwerpunkte sind u.a. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Darmgesundheit. Sie ist Autorin mehrerer Fachbücher zu diesen Themen.


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