PCOS richtig behandeln Warum bin ich so stark behaart?

26.09.2016 , Autor:Linda Babst
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Extrem starke Körperbehaarung und Akne sind nicht selten ein Anzeichen für PCOS. Experten klären, was dahinter steckt und warum Frauen mit Kinderwunsch dringend handeln sollten

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PCOS: Warum bin ich so stark behaart?
PCOS ist bei Vielen unbekannt. Dabei ist in Deutschland – zumindest in leichter Form – ungefähr jede Zehnte betroffen © Mayer George / Shutterstock.com
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Der Leidensdruck an PCOS erkrankter Frauen ist enorm

Frauen mit außergewöhnlich starker Körperbehaarung kennen das Gefühl nur zu gut: Die Scham über den dunklen Flaum auf der Oberlippe, in den Randbereichen des Gesichts, am Kinn und manchmal auch auf dem Dekolleté ist groß. Ihre Schambehaarung erstreckt sich mitunter bis auf die Oberschenkel und zieht einen breiten Streifen bis zum Bauchnabel. Viele sind Dauerkäuferinnen von Enthaarungscremes und Rasierern, probieren immer neue Varianten von Epiliergeräten, Wachs und Laser, um die Behaarung in den Griff zu bekommen. Sie trauen sich nicht ins Schwimmbad oder die Sauna und tragen auch im Sommer lieber lange Hosen und Hemden. Kurzum: Der Leidensdruck dieser Frauen ist enorm.


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Die klassischen Symptome von PCOS

Wenn sie dazu auch noch unter Akne leiden, unter dünnem, fettigem Kopfhaar und heftigem Haarausfall, dann ist das Leid komplett. Hinzu kommt häufig noch eine unregelmäßige Regelblutung. Viele dieser Frauen wissen nicht, dass all das Hinweise sind auf das Polycystische Ovarsyndrom (PCOS) und damit die Wahrscheinlichkeit sinkt, jemals schwanger zu werden. Dabei ist in Deutschland – zumindest in leichter Form – ungefähr jede Zehnte von PCOS betroffen. "Frauen, die diese Symptome an sich beobachten, sollten sich in der Frauenarztpraxis untersuchen lassen", betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. "Denn in vielen Fällen liegt all diesen Symptomen eine Erkrankung der Eierstöcke zugrunde, die gut behandelt werden kann.

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Wer unter PCOS leidet, dessen Eierstöcke können das männliche Hormon Testosteron nicht mehr in Östrogen umwandeln

© Mayer George / Shutterstock.com

Was genau ist PCOS und was sind die Ursachen?

Bei Frauen, die am Polycystischen Ovarsyndrom leidene, zeigen sich im Ultraschall an der Außenhülle der Eierstöcke viele kleine Bläschen. Dabei handelt es sich um bislang unreife, nicht weiterentwickelte Eizellen. Die Zellschicht, die diese unreifen Eizellen umgibt, ist – vermutlich durch eine genetische Veränderung, aber auch mitverursacht durch ein Zuviel des Stoffwechsel-Hormons Insulin – nicht empfindlich genug für das Hormon, das sie eigentlich zur Reifung anregen sollte. Zudem verlieren die Eierstöcke durch diese Unempfindlichkeit die Fähigkeit, das männliche Hormon Testosteron in Östrogen umzuwandeln. Die Folge: männliche Hormone 'stauen' sich im Körper der Frauen an. Das Gehirn wiederum interpretiert die ungenügende Ausschüttung des Östrogens als ausbleibende Reifung der Eizelle. Zugleich kommt es zu einer Unempfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin, was den Körper anregt, immer mehr davon auszuschütten. Insulin fördert aber zusätzlich die Herstellung männlicher Hormone und verstärkt die Neigung, Nahrungsenergie in Fettspeichern abzulagern. Ist das Mädchen oder die Frau auch übergewichtig, so verstärkt das sämtliche der oben erwähnten fehlerhaften Regelkreise und kann aus einer leichten Neigung zum PCOS eine vollständig ausgeprägte Erkrankung machen.


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Warum Sie PCOS dringend behandeln sollten

Wird die Krankheit nicht behandelt, so schreitet sie immer weiter fort, Fehlgeburten sind häufiger, und das Risiko, an Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen und einer schweren Schilddrüsenstörung zu erkranken, steigt erheblich an. Zudem fällt es den Frauen immer schwerer ihre Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen. Wenn eine Frau mit einem nicht ausreichend behandeltem PCOS schwanger wird, so gelangen zudem die erhöhten Mengen an männlichen Hormonen, die sich in ihrem Blut befinden, auch zu ihrem ungeborenen Baby. Wenn es sich um ein Mädchen handelt, so erhöht das die Gefahr, dass das Mädchen später ebenfalls an PCOS erkranken wird.

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Wer PCOS richtig behandeln lässt, kann bereits nach einem halben Jahr beschwerdefrei sein

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Warum Abnehmen bei PCOS elementar ist

"Die Behandlung hat mehrere Fundamente", betont Prof. Dr. med. Rudolf Seufert, Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums am Universitätsklinikum Mainz. "Zum einen geben wir dem Mädchen bzw. der Frau die wirklich dringende Empfehlung, abzunehmen, und zwar unbedingt mit einer Kombination aus weniger Essen und viel mehr Bewegung. Das ist gerade beim PCOS schwieriger als bei übergewichtigen Frauen ohne diese Erkrankung, weil der Energiestoffwechsel gestört ist. Aber das ist mehr als nur ein gutgemeinter Ratschlag – das ist die notwendige Essenz der Therapie, um die Insulinresistenz zu durchbrechen." Denn schon wenn ein Zehntel des Körpergewichts abgenommen wird, können sich die Regelkreise des Hormonsystems oft deutlich erholen, so dass viele der Symptome erkennbar geringer werden. Auch die Chancen für eine spätere, natürliche Schwangerschaft erhöhen sich dadurch deutlich.


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Die richtige hormonelle Verhütung ist gleichzeitig Therapie

Ein zweites Standbein ist die hormonelle Therapie, um regulierend in die Krankheitsprozesse des PCOS einzugreifen. "Dafür ist eine Behandlung mit hormonellen Verhütungsmitteln mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination das Mittel der Wahl. Dabei werden vorzugsweise Gestagene verwendet, die eine antiandrogene Wirkung besitzen, also die Wirkung der männlichen Hormone aufheben.", erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Nicole Sänger, Leiterin des Zentrums für Hormonerkrankungen und Fortpflanzungsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt und Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF). "Dadurch wird die ständige Überproduktion von männlichen Hormonen in den Eierstöcken deutlich reduziert. Diese Maßnahme wirkt sich schon innerhalb weniger Wochen nicht nur positiv auf die oft erheblichen kosmetischen Probleme aus. Die Frauen bekommen durch die Verhütungsmittel normale monatliche Blutungen und die Zuversicht, dass es möglich ist, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen und ein ganz normales Leben zu führen."

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PCOS ist nicht selten der Grund, warum eine Frau nicht schwanger wird. Wer den Verdacht hat, unter dem Polycystischen Ovarsyndrom zu leiden, sollte dringend einen Gynäkologen aufsuchen

© Mayer George / Shutterstock.com

Erfolge schon nach einem halben Jahr

In Zusammenarbeit mit endokrinologisch versierten Internisten ist auch eine Behandlung mit Arzneimitteln möglich. Oft gelingt es durch diese Maßnahmen innerhalb eines halben Jahres, dass die Eierstöcke wieder ihre normale Funktion aufnehmen. "Die Frauen können dann in vielen Fällen sogar schwanger werden ohne eine spezielle Kinderwunschbehandlung", betont Prof. Seufert. Weiterer wichtiger Punkt neben der Gewichtsabnahme und der medizinischen Behandlung: "Es ist wichtig, dass diese Frauen aufhören zu rauchen", betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. "Denn Rauchen verschlechtert die Chancen, schwanger zu werden, erheblich." Die gute Nachricht für Frauen mit Kinderwunsch ist allerdings, dass Rauchstopp, Abnehmen und eine moderne, interdisziplinäre Behandlung eine deutliche Verbesserung ihrer Fruchtbarkeit bewirken können. Dr. Albring fasst zusammen: "Wenn ein Mädchen oder eine Frau den Verdacht hat, dass sie unter einer solchen hormonellen Veränderung leidet, dann sollte sie deshalb so bald wie möglich zu ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt gehen und mit ihm über alle Fragen und Unsicherheiten sprechen."

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