Ungewollt schwanger Was passiert bei einer Abtreibung?

25.06.2016 , Autor:Diana Helfrich
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Bei einer ungewollten Schwangerschaft kreisen die Gedanken oft schnell um das Thema Abtreibung. Aber was genau geschieht bei einer Abtreibung und welche Konsequenzen hat der Eingriff?

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Was passiert bei einer Abtreibung?: Ungewollt schwanger – und jetzt?
Gerüchte rund um die Abtreibung halten sich hartnäckig. Wir haben die wichtigsten Antworten zusammengetragen © Aleshyn_Andrei / Shutterstock.com
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Einfach die Zeit zurückdrehen oder den Reset-Knopf drücken: Wer ungewollt schwanger ist, wünscht sich nichts sehnlicher als das. Nur leider funktioniert es so nicht.

Deswegen kam es in Deutschland 2013 zu rund 100.000 Abtreibungen. Die Zahl sinkt kontinuierlich, 2006 waren es noch fast 120.000. Damit hatten sich 6 von 1000 Frauen zwischen 15 und 50 Jahren für einen Abbruch entschieden. Auch wenn es jedes Jahr weniger werden, auf Null wird die Zahl nie sinken. "Es kann passieren, dass man vollkommen ungewollt schwanger wird", sagt Dr. Ines Thonke von Pro Familia. "Sexualität ist nicht rational." Der Verstand schaltet sich dabei aus, und zwar nicht nur, wenn etwa Alkohol im Spiel ist.

Auch die sichersten Verhütungsmittel können versagen: Von 1000 Frauen, die eine Spirale haben, wird pro Jahr eine schwanger. Bei der Pille kann die Quote auf 8 von 100 hochschnellen, wenn ein Magen-Darm-Infekt die Runde macht. "Es ist wichtig zu wissen, dass eine ungewollte Schwangerschaft nicht immer mit der eigenen Nachlässigkeit zu tun hat", so die Expertin. Also mal angenommen, Ihnen oder einer Freundin passiert das irgendwann. Hier steht, was Sie wissen müssen.

Bis zu welchem Zeitpunkt kann ich mich gegen ein Baby entscheiden?
Bis zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland straffrei. Einfach so für morgen einen Termin machen, geht allerdings nicht, selbst wenn Sie sich ganz sicher sind oder so schnell wie möglich aus der Situation rauswollen. Sie müssen nachweisen, dass Sie sich haben beraten lassen, indem Sie einen sogenannten Beratungsschein vorlegen. Den bekommen Sie bei zahlreichen staatlich anerkannten kommunalen oder freien Trägern, die Schwangerenkonfliktberatungen kostenlos anbieten (siehe Infokasten unten). Die Beratung muss dem Gesetz nach "ergebnisoffen" verlaufen und kann eine große Hilfe sein, die eigenen Gefühle zu sortieren. Zum Zeitpunkt des Abbruchs muss der Schein mindestens 3 Tage alt sein.

Übrigens: Auch einige zertifizierte Ärztinnen und Ärzte machen die Beratungen. Die Ärztin, die Sie berät, darf dann aber nicht auch den Abbruch vornehmen.

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Was passiert bei einer Abtreibung?

Bis zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland straffrei

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Wie läuft ein Schwangerschaftsabbruch ab?
Beim Abbruch per OP wird erst der Muttermund etwas geweitet, dazu nimmt man Metallstifte: erst einen ganz dünnen, dann einen etwas dickeren, bis der Eingang zur Gebärmutter etwa 5 Millimeter offen ist. Das gelingt leichter, wenn er zuvor per Vaginaltablette erweicht wurde. Heute erfolgt eine Abtreibung nicht mehr per Kürette, mit der der Arzt die Gebärmutter ausschabt, sondern mit einer Art Strohhalm, durch den der Embryo abgesaugt wird. Das Ganze dauert wenige Minuten, und man ist dabei betäubt. Der Eingriff kann ohne Probleme in örtlicher Betäubung vorgenommen werden, die allermeisten Abbrüche finden aber unter Vollnarkose statt.

Danach können Frauen leichte Schmerzen haben, weil sich die Gebärmutter zusammenzieht; darüber hinaus sind Komplikationen wie eine Verletzung der Gebärmutter aber sehr selten. Wer eine Schwangerschaft per Tablette beendet, schluckt in einer Arztpraxis oder Klinik einen Arzneistoff, der das Schwangerschaftshormon Gestagen ausschaltet. 1,5 bis 2 Tage später folgt eine zweite Tablette mit einem Wirkstoff, der die Gebärmutter zusammenzieht, was wie eine starke Regelblutung ziemlich wehtun kann. Nach der Einnahme bleibt man für etwa 3 Stunden in der Klinik oder der Praxis, in diesem Zeitraum kommt es üb­licherweise zu einer Blutung, mit welcher der Embryo ausgestoßen wird. Knapp 17 Prozent der Frauen entschieden sich 2013 für diese Methode, Tendenz leicht steigend. In vielen anderen Ländern ist der Anteil aber deutlich höher, in Schweden sind es beispielsweise etwa 80 Prozent.

Welche Abbtreibung ist besser: chirurgisch oder per Tablette?
Jenseits der 9. Woche braucht man sich diese Frage nicht stellen: Der medikamentöse Abbruch ist dann hierzulande nicht zugelassen. Ansonsten gilt: Das ist eine Typ- und Kostensache. Viele Frauen finden es gut, dass sie von dem chirurgischen Eingriff selbst nichts mitbekommen und dass es geschafft ist, sobald sie aus der Klinik raus sind. Ein medikamentöser Abbruch zieht sich über mindestens 2 Tage hin und wird bewusst wahrge­nommen. Aber man braucht keine Narkose. "Außerdem bietet er mehr Privatsphäre, das ist für manche Frauen wichtig", sagt Thonke.

"In Schweden, Österreich und der Schweiz findet der medikamentöse Abbruch sogar überwiegend zu Hause statt." Per Tablette ist es zudem günstiger: Der medi­kamentöse Abbruch schlägt mit rund 360 Euro zu Buche, der chirurgische mit 460 Euro. Üb­rigens: Eine Abtreibung nach der Beratungsregelung muss man selbst zahlen. Liegt Ihr Einkommen unter 1053 Euro pro Monat, übernimmt der Staat – allerdings nur, wenn Sie es vor dem Eingriff bei einer gesetzlichen Krankenkasse beantragen (auch dann, wenn Sie privat oder gar nicht krankenversichert sind).

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Was passiert bei einer Abtreibung?

Wenn die Abtreibung medizinisch einwandfrei durchgeführt wird, hat sie keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Frau

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Was machen Frauen, die erst in der 13. Woche feststellen, dass sie schwanger sind, aber das Baby nicht bekommen wollen?
Das kommt immer wieder vor, gerade wenn der Zyklus un­regelmäßig ist oder man eine Schwangerschaft gar nicht für möglich hält – etwa weil die Pille weiter genommen wird. Im Gegensatz zu hier ist in anderen europäischen Ländern ein Abbruch auch noch später möglich, etwa in Holland bis zur 22. Woche. Rund 1000 deutsche Frauen jährlich sind Patientinnen in den dortigen Kliniken. "Bei uns gibt es die medizinische Indikation", so Thonke.

"Ein Beispiel: Ist eine Frau glaubhaft suizidgefährdet, wäre ein Abbruch unabhängig von der Schwangerschaftswoche straffrei." Auf diese Regelung beruft man sich unter Umständen auch, wenn das ungeborene Kind krank oder behindert ist. Denn auch das kann eine Situation sein, mit der die Mutter so überfordert ist, dass es ihre körperliche oder seelische Gesundheit stark gefährdet. Knapp 4 Prozent der Abtreibungen in Deutschland geschahen 2013 nach einer medizinischen Indikation.

Hat ein Abbruch Auswirkungen auf meine Fruchtbarkeit?
Nein. Das Gerücht hält sich, weil die früher üblichen Ausschabungen häufiger zu Komplikationen geführt haben als die heute gängige Absaugung – ganz zu schweigen von den illegalen Abtreibungen auf dem Küchentisch oder im Badezimmer, die jahrhundertelang die Norm waren.

Kann ein Frauenarzt meinem Körper ansehen, dass ich schon einmal abgetrieben habe?
Nein. "Sie können davon ausgehen, dass für gewöhnlich keine Spuren zurückbleiben", sagt Dr. Thonke. Selbst wenn Sie zu den ganz wenigen Frauen gehören sollten, bei denen die Gebärmutter verletzt wurde oder sich im Zuge des Eingriffs entzündet hat, lässt sich das später nicht einem Abbruch zuordnen. Es gibt viele andere mögliche Gründe dafür.

Wann habe ich mich körperlich von einer Abtreibung erholt?
Im Normalfall schnell. Nach einer Operation muss man 1 bis 2 Tage mit leichten bis mittelschweren Schmerzen und Blutungen rechnen, wobei die meisten Frauen mit wenigen Schmerztabletten zurechtkommen. Nach 14 Tagen darf man wieder baden, Tampons benutzen und Sex haben. Beim medikamentösen Abbruch hält die starke Blutung für gewöhnlich einen halben bis ganzen Tag lang an, in den 14 Tagen danach sind leichte Schmierblutungen normal. Schmerzen treten in den ersten Tagen auf.

Wann habe ich mich seelisch von einer Abtreibung erholt?
Das ist sehr unterschiedlich. "Die meisten Frauen sind nach dem Abbruch einfach nur erleichtert", sagt Dr. Thonke. Das sogenannte Post-Abortion-Syndrom, nach dem ein Abbruch mit Depressionen, Trauer, Schuld und Scham einhergeht, gilt Experten als Erfindung von Abtreibungsgegnern. Thonke zufolge gibt es allerdings 2 Konstellationen, die das Risiko für Schwierigkeiten deutlich erhöhen, mit dem Geschehenen fertigzuwerden. Die erste ist eine ambivalente Haltung im Vorfeld: Wer sich bis zuletzt nicht sicher war mit der Entscheidung, hadert auch danach öfter. Betroffen sind außerdem Frauen, die bereits vor der ungewollten Schwangerschaft psychische Probleme hatten.

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Was passiert bei einer Abtreibung?  15.06.2016 , Autor:Diana Helfrich

Wer sich bis zuletzt nicht sicher war mit der Entscheidung, hadert auch danach öfter

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Wann kann ich nach dem Eingriff wieder mit der Pille anfangen?
Sofort. Sie können am selben Tag die erste Pille nehmen. Wie Sie verhüten wollen, sollten Sie vor dem Abbruch besprechen, sonst ist es möglich, dass Sie in 14 Tagen wieder schwanger werden. Wenn Sie die Spirale wollen, lässt sich die unmittelbar nach dem Abbruch einsetzen. Die Rate der Ausstoßungen sei dann nur ganz minimal erhöht, so Dr. Thonke. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, sogar wenn es direkt vor dem Eingriff ist. Da ist er nämlich verpflichtet, sich noch einmal Zeit zu nehmen für ein Gespräch.

Gibt es in meiner Region jemanden, der Schwangerschaftsabbrüche vornimmt?
Das ist noch immer nicht überall der Fall. Längst nicht jeder Frauenarzt macht auch Schwangerschaftsabbrüche. "In einigen Regionen im Allgäu müssen Frauen selbst heute noch über 100 Kilometer weit fahren", so Thonke. Für eine Mutter von 3 Kindern oder jemanden mit wenig Geld kann das ein echtes Problem sein. Wo genau in Ihrer Gegend Abbrüche möglich sind, erfahren Sie bei der Beratung.

Hilfreiche Links

Sehr gute Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch gibt es auf familienplanung.de. Die Website ist auch mit der Beratungsstellen-Datenbank der Bundeszen­trale für gesundheitliche Aufklärung verlinkt, die mit mehr als 1600 Einträgen fast alle deutschen Schwangerschaftsberatungsstellen umfasst. Per Postleitzahl erhalten Sie eine Auswahl von Angeboten in Ihrer Nähe, unter denen Sie das für Sie am besten passende wählen können. Auch werdende Väter können eine kostenlose Beratung in Anspruch nehmen.

Ausführliche Infos zum Thema stehen auch auf profamilia.de, wo man sich die Broschüre "Schwangerschaftsabbruch" herunterladen kann, sowie auf abtreibung.at. Die schlichte Website abtreibung-web.de wurde von einer Betroffenen ins Leben gerufen. Obwohl einige Infos nicht mehr ganz aktuell sind, beantwortet die Website viele sehr konkrete Fragen.

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