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25.01.2013
, Autor:Christiane Kolb
© WomensHealth.de
Viele Frauen bräuchten eigentlich ein Megafon, um wahrgenommen zu werden. Und genau für sie kommt die gute Nachricht: Man kann seinen Sprechapparat trainieren. Mit ein bisschen Übung werden Ihre Argumente bald noch überzeugender rüberkommen
Plappern, piepsen, flöten. Klingt süß, ist aber häufig kontraproduktiv: "Frauen bleiben stimmlich zu oft im Understatement", sagt die Hamburger Sprechtrainerin Monika Hein. "Und dann wundern sie sich, wenn sie mit ihren guten Ideen nicht durchkommen." Denn der beste Vorschlag nützt nichts, wenn er mit zartem Stimmchen vorgetragen wird.
Ob Botschaften beim Gegenüber tatsächlich ankommen, bestimmt nämlich nur zu 7 Prozent der Inhalt, zu 55 Prozent hingegen die Körpersprache und zu 38 Prozent der Klang der Stimme. Aber ist es wirklich möglich, seine Stimme zu verändern? "Ja, innerhalb der anatomisch vorgegebenen Grenzen kann man die Stimmbildungsorgane frei nutzen", sagt Bernhard Lehnert von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Der Grundklang wird bestimmt durch Länge und Masse der Stimmlippen. "Deren sogenannter Primärschall wird durch Resonanzen in Rachen, Mund und Nase verstärkt und verändert, bevor Zunge, Gaumen und Lippen die Laute formen." Wenn Sie Ihrer Stimme Power verleihen wollen, sollten Sie an folgenden Stellschrauben drehen ...
"Die natürliche Tonlage klingt am besten, ist gesund und strengt nicht an", so Sprechtrainerin Dr. Monika Hein, die Schauspieler und Businessleute schult (monikahein.de). "Aber die meisten Frauen sprechen deutlich höher." Dem eigenen Klang kommen Sie auf die Spur, indem Sie beim Summen auf "Mmmh" die Hand aufs Brustbein legen. Sie spüren ein sattes Brummen? Das ist es! Nutzen Sie diesen Ton bei wichtigen Aussagen oder Präsentationen. Die Sprechtrainerin rät: "Üben Sie diesen Klang ein. Das ist Ihr Brustton der Überzeugung."
Tipp: Um Ihren natürlichen Ton auch beim Sprechen zu finden, sagen Sie langsam "Schokolaaade" und stellen sich dabei vor, wie lecker sie schmeckt. Dadurch entspannen Sie noch besser und finden leichter den richtigen Ton.
Der Klang ist die Art, wie Sie Ihre Stimme formen. Er wird meist in der Kindheit geprägt, oft ahmen wir Vorbilder nach, deren Klang uns gefällt. Und wir können ihn auch gezielt einsetzen. Wie das funktioniert, können Sie sich von Anne Will abschauen: Manchmal gibt die Moderatorin ihrer Stimme einen warmen, herzlichen Klang, der selbst hartgesottene Politiker dazu bringt, mehr zu sagen, als sie wollten. Dieser Ton kann auch Sie besonders sympathisch wirken lassen. Eine bewusste Haltung und Atmung stärken Ihren Klang zusätzlich.
Tipp: "Stellen Sie sich beim Sprechen vor, dass Sie innerlich lächeln oder staunen, ohne dass man es Ihnen ansieht", sagt Expertin Hein. Dieses Gefühl kann Ihr Gegenüber dann tatsächlich heraushören.
Meist bringt man sie von zu Hause mit, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Wenn Sie in einer trubeligen Familie aufgewachsen sind, in der Sie sich Gehör verschaffen mussten, um wahrgenommen zu werden, könnten Sie für andere zu laut sein. Versuchen Sie, sich Ihrer jeweiligen Umgebung anzupassen, und hören Sie bei anderen mal bewusst hin: Leise und moderate Stimmen klingen vertrauenswürdig, sanfte und ausgeglichene beruhigen, weshalb das Navigationsgerät im Auto Ihnen meist mit weiblicher Stimme den Weg weist. Redet jemand dagegen zu laut, klingt das oft unangenehm oder sogar richtig peinlich.
Tipp: "Sitzen oder stehen Sie aufrecht, ohne sich anzulehnen", rät Sprechtrainerin Hein. Eine gute Haltung öffnet die Resonanzräume in Brust und Hals und verleiht der Stimme ein angenehmes Volumen.
Wer eine Frage stellt, beendet den Satz auf einem hohen Ton. Die Konventionen der Satzmelodie lernt man schon als Kleinkind. In stressigen Situationen rutscht vielen die Stimme nach oben. Konzentrieren Sie sich dann bewusst darauf, ruhig in Bauch und Flanken zu atmen, das setzt den Klang wieder auf seine Basis. Und stellen Sie beide Füße gleichmäßig und fest auf den Boden, das erdet den Ton.
Tipp: Es ergibt Sinn, das übliche Intonationsschema mit Absicht zu durchbrechen und eine Aussage tief zu beenden. "Stimmt das?" klingt dann strenger – und im Job wesentlich professioneller.
Witzigerweise ist die Sprechgeschwindigkeit davon bestimmt, wie schnell man denkt, weshalb es anstrengend sein kann, jemandem zuzuhören, der im Verhältnis zu einem selbst zu langsam redet. Die meisten Menschen sprechen schneller, wenn sie aufgeregt sind, viele versuchen auch, Argument an Argument zu reihen, um nicht unterbrochen zu werden. Doch der abgehetzte Wortschwall klingt eher angestrengt als souverän.
Tipp: Machen Sie einen Punkt am Ende einer Aussage. "Um das Tempo zu drosseln, sollten Siebewusst die Sprechmelodie am Ende absenken", rät Hein. "Und achten Sie nach einem Punkt darauf, in Ruhe weiterzuatmen, sonst geht Ihnen bald die Puste aus."
Doch! "So flach?" Ja! Wenn die Anrufbeantworteransage anspringt, können wir oft nicht glauben, dass diese Stimme uns gehört. Aber annähernd so, wie wir uns dort hören, nehmen andere unsere Stimme wahr. Warum sie so anders klingt, als wenn wir uns selbst beim Sprechen zuhören, ist schnell erklärt: Die Stimme von anderen dringt durch den Gehörgang, um von Ohr und Hirn verarbeitet zu werden, die eigene wird auch durch Knochen und Gewebe in unserem Körper übertragen, was die Resonanz verstärkt. So ergibt sich ein Ton, der tiefer und voller klingt – aber nur innen. Stimmprobleme verlangen nach einem Spezialisten: "Werden Sie beim Sprechen heiser oder bekommen Halsschmerzen, sollten Sie einen HNO-Arzt für Stimmstörungen konsultieren", so Facharzt Lehnert von der Uniklinik Greifswald. "Wenn Sie Ihre Stimm- und Redequalitäten verbessern möchten, kann ein Trainer helfen."
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