Instagram Wie gefährlich sind Insta-Gurus?

15.08.2016 , Autor:Corinna Ophüls
© Women's Health Juli/August

Kritiker bemängeln, dass Fitness- und Health-Blogs häufig ein falsches Schönheitsideal vermitteln – und dass viele Bloggerinnen gar keine Ahnung davon haben, worüber sie schreiben. Was ist dran an den Vorwürfen?

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Instagram gefährlich: Wie gefährlich sind Insta-Gurus?
Die Suche nach Inspiration im Netz wächst ständig. Inzwischen schauen sich rund 409 Millionen Menschen im Monat Blogs an © Kaponia Aliaksei / Shutterstock.com
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Früher hießen unsere Fitness-Vorbilder Cameron Diaz oder Kate Hudson, heute beneiden wir Frauen wie Kayla Itsines um ihren Body: Health- und Fitness-Bloggerinnen und Ins­tagram-Stars, die permanent Ernährungsweisheiten, Sportübungen und Motivations-Mantras posten. Sie sind schlank, durchtrainiert, fotogen und verschlagworten ihre Bilder häufig mit dem Hashtag 'Fitspo' ('Fitness-Inspiration'). Millionen Frauen befolgen ihre Ratschläge in der Hoffnung, eines Tages genauso makellos auszusehen. Viele vertreiben über ihre Seiten erfolgreich eigene Workout-Programme, Food-Apps, Sportzubehör und Bücher. Ein Milliardengeschäft. Statistiken zeigen, was für einen hohen Stellenwert Fitness-Blogs inzwischen haben: Laut "FAZ" gab 2015 jeder Dritte unter 45 Jahren an, sie zu lesen. Und eine Studie der Flinders University in Adelaide ergab, dass Bloggerinnen andere Celebrities als Vorbilder abgelöst haben. Kein Wunder: Immer mehr Menschen möchten gesund und nachhaltig leben und sind, bewusst oder unbewusst, auf der Suche nach positiven Rollenbildern. Health-Bloggerinnen sind nahbarer als Hollywoodstars. Sie haben einen ganz normalen Bürojob, Kinder, waren früher pum­melig und gehen beim Supermarkt um die Ecke einkaufen. Frauen wie du und ich eben. Dass sie sich berufen fühlen, andere für ein fittes, aktives Leben zu begeistern, ist eine gute Sache. Oder?

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Wie gefährlich sind Insta-Gurus?

Realität ist, dass die Realität im Netz oft geschönt wird

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Wie echt und ehrlich können Blogs sein?
Nicht alle nehmen den Bloggerinnen ab, dass sie aus reiner Nächstenliebe handeln. Sie zweifeln: Wie echt und ehrlich können Web-Tagebücher sein? Wird die Realität in sozialen Netzwerken nicht oft geschönt? Sind einige der Frauen bloß auf Aufmerksamkeit und Profit aus? Geschichten wie die von Celia Learmonth feuern die Debatte an. Die Britin, 21, machte ihren 25 .000 Fans auf Instagram vor, sie würde ihren Traumkörper einer bewussten Ernährung und einem knallharten Workout verdanken. Vor Kurzem gab sie überraschend zu, in Wahrheit unter einer Essstörung zu leiden: "Um den Schein zu wahren, schuf ich mir auf Instagram ein Alter Ego. Eine fitte junge Frau, die ihren schlanken Körper allein diszipliniertem Workout und kalorienarmer Ernährung verdankt (…) ich wurde süchtig nach virtuellem Applaus."

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Was auf Instagram ist Lüge, was echt?
Der australischen Lifestyle-Bloggerin Essena O'Neill (30. 000 Instagram-Follower) ging es ähnlich. Die 19-Jährige gestand öffentlich: "Fit zu sein hieß für mich, ganze Mahlzeiten auszulassen." Das Fatale: "Viele nehmen das, was die Bloggerinnen ihnen vorleben, für bare Münze. Sie fragen sich: Warum nehme ich nicht ab, obwohl ich genauso trainiere und die gleichen Dinge esse?", so die Psychologin Stefanie Stahl (stefaniestahl.de) aus Trier. Sie kritisiert: "Diese Blogs zeigen leider häufig ein mit gesunden Mitteln unerreichbares Ideal. Im schlimmsten Fall führt das zu Magersucht oder Bulimie." Studien bestätigen: Der Anblick perfekter Körper kann motivieren, endlich mit Sport anzufangen. Er kann aber auch das Gegenteil bewirken. Wir resignieren oder beschäftigen uns immer exzessiver mit Food und Fitness, quälen uns mit stundenlangen Workouts und streichen ganze Lebensmittelgruppen (wie Kohlenhydrate) aus der Ernährung.

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Wie gefährlich sind Insta-Gurus?

Studien bestätigen: Der Anblick perfekter Körper kann motivieren, endlich mit Sport anzufangen. Er kann aber auch das Gegenteil bewirken

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Neues Phänomen: Instarexic
Für durch das Internet ausgelöste Essstörungen gibt es sogar schon einen Namen: Instarexic, eine Kombination aus Instagram und Anorexie. Doch auch die übermäßige Beschäftigung mit gesundem Essen wird inzwischen als krankhaft eingestuft. Orthorexie nennen Experten dieses Phänomen der fatalen Fehlinformation. So weit muss es natürlich nicht kommen. Doch auch die mangelnde Qualifikation der Bloggerinnen wirft Fragen auf. Es ist schon komisch: Wenn wir uns einen Personal Trainer oder einen Ernährungscoach suchen, legen wir in der Regel viel Wert darauf, dass er seriös und richtig geschult ist. Bei Blogs hingegen denken wir nicht darüber nach, aus welchen Quellen die veröffentlichten Informationen stammen. Gutes Aussehen, Ausstrahlung und ein schöner Schreibstil sind wichtiger als Fachwissen. Die wenigsten der Schreiberinnen haben Ernährungswissenschaften oder Sport studiert. Martin Lieb, Personal Trainer (neun.hamburg) und ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes Personal Training (BPT) e. V.: "Auf den Blogs findet man teilweise völlig unterschied­liche Informationen, zum Beispiel dazu, wie häufig in der Woche trainiert werden soll. Das verwirrt oder führt dazu, dass Dinge falsch umgesetzt werden." Von Coaches, die ihre Programme ausschließlich über das Internet vertreiben, hält er ebenfalls nicht viel: "Ein guter Trainer trifft sich mit dem Klienten, um herauszufinden, in was für einer körperlichen Verfassung er ist, und dosiert die Übungen dann passend." Er warnt ausdrücklich davor, jedem Fitness-Hype blind zu folgen.

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Bloß keinen Food-Hypes trauen
Ähnlich sieht es beim Thema Ernährung aus. Wer Food-Mythen glaubt, die nicht verträglich oder schlicht falsch sind, kann sich Magen-Darm-Erkrankungen zuziehen, weiß Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop (echte-esser.de). Viel wichtiger ist es aus seiner Sicht, auf den eigenen Körper zu hören, denn: "Der ist immer noch unser bester Ratgeber." Doch wir wünschen uns Ernährungsweisheiten, die schnelle, einfache Lösungen versprechen. Und genau das tun Health-Blogs.

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Wie gefährlich sind Insta-Gurus?

Schöne geschönte Insta-Welt: Was viele Follower nicht sehen – der vermeintlich perfekte Schnappschuss ist häufig das Resultat aufwändiger Inszenierung

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Wer hat die Lizenz zum Bloggen?
Zu den erfolgreichsten Bloggerinnen in Deutschland gehört Louisa Dellert, die mit ihrem Freund Jan Körber unter dem Namen Fit Trio Tipps für einen gesunden Lifestyle gibt. Allein auf Instagram folgen dem Power-Pärchen 215. 000 Personen. Gerade haben sie für die Lifestyle-Plattform Groupon ein Tutorial entwickelt, mit dem sie eine noch größere Menschenmenge erreichen. Wer so viele Leute coacht, sollte natürlich wissen, wovon er redet. Gleiches gilt für die anderen deutschen Blog-Stars: Elena B. alias Elena.3107; Jenny Tondl von Beingfitisfun; Kristin Woltmann von Eat, Train, Love; Stefanie Bruckert von Fitnessliebe.com und Mareike Spaleck. Wie ist es um ihre Quali­fikationen bestellt? Ein Background-Check hat ergeben: Louisa Dellert hat eine Fitnesstrainer-­B-Lizenz. Kristin Woltmann ist ausgebildete Vinyasa Power Yogalehrerin. Stefanie Bruckert ist ausgebildete Fitness-Trainerin. Mareike Spaleck arbeitet seit Jahren als Coach und kann Lizenzen, Weiter- und Fortbildungen vorweisen. Der Rest beruft sich auf eigene Erfahrungen. "Ich habe mir viel angelesen, aber auch viel gelernt von meinem Personal-Coach, mit dem ich seit über einem Jahr zusammenarbeite", erklärt beispielsweise Elena B. auf Nachfrage. Aber selbst eine Fitnesstrainer-B-Lizenz muss noch keine Garantie dafür sein, dass jemand über fundierte Erfahrung verfügt – auch eher Unsportliche können den Schein in einem mehrtägigen Seminar bestehen. Denn bei dieser Ausbildung wird eher Grundlagenwissen vermittelt. Daher gibt ein qualifizierter Coach in seinem Profil auch an, wenn er noch weitere Zusatzqua­lifikationen erworben hat.

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Woran erkennt man einen seriösen Blog?
Aber wenn Likes und Lizenzen keine unbedingten Qualitätsgarantien sind – woran erkenne ich dann einen se­riö­sen Blog? Ein gutes Zeichen ist meistens: Wenn das Fit-Vorbild seit vielen Jahren im Geschäft ist, Übungen verständlich erklärt, auf mögliche Fehlerquellen verweist und wissenschaftlich fundierte Quellen verlinkt. Louisa Dellert: "Wir verweisen bei Fragen zu Krankheiten und Ernährung immer auf einen Arzt oder profes­sionell ausgebildeten Trainer." Und Mareike Spaleck meint: "Es sollten nicht nur Tipps weitergegeben werden, die bei einem selbst funk­tioniert haben, sondern solche, die jeder umsetzen kann." Wir müssen aber auch verstehen: Health-Blogs sind für viele Frauen nicht nur Leidenschaft und Hobby, sondern auch ein einträg­liches Geschäft. Wenn sie zum Beispiel ein Proteinpulver anpreisen, steht oft eine Firma und ein beachtlicher Betrag dahinter. Wir dürfen also nicht alles glauben, was wir sehen. Eine gesunde Skepsis ist auch dann angebracht, wenn eine Fitness-­Zauberformel versprochen wird, die für alle gleichermaßen anwendbar sein soll. Das kann überhaupt nicht funktionieren, denn jeder Mensch und jeder Körper ist anders. Natürlich ist nicht grundsätzlich davon abzuraten, sich auf Fitness- und Health-Blogs zu tummeln, nur sollte man immer deren Qualität im Blick haben. Und sie lieber als das sehen, was sie einem bringen: Ergänzung zu Fachliteratur und eine Inspiration und Motivationshilfe auf dem Weg zu einem ge­sunden Lebensstil. Aber sie ersetzen keinen profes­sionellen Trainer oder Ernährungs­berater.

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