Tiefschnee-Wandern Camping-Expedition durch Italien

10.03.2016 , Autor:Melanie Koshmashrab
© Women's Health Dezember

6 Freunde begeben sich auf eine Camping-Expedition in die verschneite Bergwelt Italiens. 3 Tage gehen sie im Rhythmus der Natur durch Tiefschnee und Sturmtiefs
Camping-Expedition durch das verschneite Italien
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3 Tage Camping-Expedition Reisevorbereitung

"Zelt? Liegt auf dem Schlitten! Kompass? In der Jackentasche!“ Angelas Augen ver­gleichen die Punkte auf der Liste mit dem Ge­päck. "Perfekt! Nun müssen wir alles nur noch richtig festschnüren", werfe ich begeistert in die Runde. Leider ist mein Enthusiasmus noch nicht ganz auf die fünfköpfige Gruppe vor mir übergegangen. Skeptische Blicke und die sich auftürmende Last signa­lisieren: Was haben wir uns dabei nur gedacht? "Brauchen wir wirklich 3 Gaskartuschen zum Kochen?" Anna flucht, als ihr ein widerspenstiger Spanngurt ins Gesicht schnalzt. Es ist Tag eins unserer ersten Winter-Camping-­Tour.

Am Start: 6 Ü-30-Schulfreunde, die der Meinung sind, dass Wellness-Skiurlaube etwas für Langweiler sind. "Wenn wir uns die Finger abfrieren, dann auf gar keinen Fall vor einer Après-Ski-Bar in Tirol", lautet unser Motto der über die letzten Monate gereiften Idee, den Winterurlaub einmal abseits organisierter Tourismuszentren zu verbringen. Unser Ziel: Campo Imperatore, so heißt die etwa 20 Kilometer lange und 10 Kilometer breite Hochebene am Fuß der Gran-Sasso-Gebirgskette in den italienischen Abruzzen. Als leidenschaftliche Wintersportler kennen wir alle die Berge auf Skiern oder Schneeschuhen.

1 / 8 | Die Ausrüstung steht für die Camping-Expedition bereit - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Neue Herausforderung

Doch nun erwartet uns eine neue Herausforderung: In 3 Tagen möchten wir die verschneite Wildnis mit Zelten durchqueren, unseren eigenen Weg planen, anstatt irgendwelchen Tourenbeschreibungen von anderen zu folgen.

Auf geht's
Eine bunte Karawane setzt sich in Bewegung. In meinem Magen kehrt Ruhe ein: Planungsstress weicht der Freude über einen gelungenen Start. Zahlreiche Hüttentouren in den Alpen haben uns als Freundschafts-Team in den letzten Jahren zusammengeschweißt. Jeder kennt die Stärken und Schwächen des anderen. Aber wie ist das in einer extremen Situation wie dieser? Das Ge­päck ist auf 6 Rücken und 2 Schlitten, den „Pulkas“, verteilt. Unsere 3 männlichen „Zug­pferde“ Tors­ten, Sebastian und Lorenz sind mittels Hüft­gurten mit den Pulkas verbunden, um so die 40 Kilo Gepäck energisch über Hindernisse zu ziehen. Denn was aus der Ferne aussieht wie eine ebene Fläche, entpuppt sich beim Näherkommen als löchriger Käse: bergauf und bergab, durch kleine Täler und Rinnen. Nach 4 Stunden Pulka-Achterbahnfahrt sind unsere Akkus leer.

2 / 8 | Die Reisetruppe startet die Camping-Expedition - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Gnocchi vom Gaskocher

„Suche dir einen windgeschützten und ebenen Platz“, zitiert Angela, die sich im Lauf der Pla­nungsmonate zum Ausrüstungsexperten entwickelt hat, die erste Regel für Expeditionsanfänger. Blitzschnell fixieren Anna und Angela die 2 Zelte mit Schaufeln im Schnee. Nach einer halben Stunde steht das Basislager. Geschafft! Im normalen Schreibtischalltag ist uns die Wildnis-Intuition scheinbar noch nicht vollkommen verloren gegangen. Während wir Mädels noch eine Schutzmauer aus Schnee um das Zeltlager schaufeln, machen sich die Männer schon an die Küchenarbeit. In diesem Moment könnten uns – in Sachen Teamwork – Manager-Trainer von Großunternehmen über die Schulter schauen: Es läuft alles wie am Schnürchen! Und wie zur Belohnung versinkt die Sonne hinter den gezuckerten Hügeln und taucht die karge Landschaft in rötliches Licht.

Den Moment genießen

Windhosen stöbern den Schnee auf. Schweigend, mit einer Tasse heißer Brühe in der Hand, genießen wir das Naturballett. Grönland? Antarktis? Das Menü des Abends, Gnocchi vom Gaskocher, holt uns wieder auf den italienischen Boden der Tatsachen. Später ist nur der Sternenhimmel Zeuge, als wir dick eingepackt in unsere unförmigen Daunenjacken unter einer Ski-Limbo-Stange durchtanzen, um den Kreislauf vor dem Schlafengehen noch einmal in Schwung zu bringen. Mittlerweile liegen die Temperaturen weit unter 0 Grad. Uns erwartet eine frostige Nacht. Doch die Aufregung und die Anstrengung des ersten Tages machen sich bemerkbar: Kurz nachdem wir im Zelt verschwunden sind, fängt es neben mir leise an zu schnarchen. Auch meine Augenlider halten dem Drang nicht stand, noch ein kleines bisschen offen zu bleiben, um der Ruhe zu lauschen. Willkommen in der Welt der Frischluft-Träume!

3 / 8 | Noch vor Einbruch der Dunkelheit steht das Basislager der 1. Nacht - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Der nächste Morgen

Ein lautes Rütteln reißt mich aus meinen Träumen. Irgendetwas stimmt nicht. Innerhalb weniger Sekunden rasen alle möglichen Horrorszenarien durch meinen Kopf: Ein tollwütiger Bär? Eine heranrollende Lawine? Mit verquollenen Augen schiele ich durch den Reißverschluss des Zelts und sehe einen Tornado, der über uns hinwegzieht. Lagebesprechung in Zelt 1: Zusammengekauert sitzen wir vor zischenden Benzinkochern und beraten. Lager abbauen und weiterziehen? Abwarten? Über Kaffeeduft und Pulvermilch entbrennt eine hitzige Diskussion.

Eine Einsicht kommt uns allen schnell nach diesem stürmischen Morgen: Das Wetter auf der Hochebene kann unberechenbar und gnadenlos sein. Nur wie wir darauf reagieren sollen, darin sind wir uns noch nicht ganz einig. Bevor die angespannte Stimmung vollkommen kippen kann, hellen Sonnenstrahlen den dunkelgrünen Zeltstoff auf und nehmen uns – zumindest vorerst – eine Entscheidung ab.

4 / 8 | Die Sonnstrahlen über den Bergen motivieren weiter zu laufen - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Die Natur hat das Sagen

Der Sturm ist mittlerweile verschwunden, und ein gelber Ball am Himmel heizt die Ebene auf. Die Sonne zeichnet Schatten und Bilder auf die mysteriöse Hügellandschaft – ein mitreißendes Schauspiel. In meinem Kopf macht sich eine angenehme Leere breit: Wildnis-Meditation vom Feinsten. Wörter wie Deadline und Bürostress versinken dabei in einer Mischung aus Pulverschnee und Einsamkeit. Erst ein unüberwindbares Hindernis reißt uns aus den entspannenden Tagträumen. An der Südseite eines Hügels ist der Schnee komplett weggeschmolzen. Mit den Pulkas gibt es kein Weiterkommen, und von einer Sekunde auf die nächste löst sich die harmonische Stimmung in Luft auf. Schlecht gelaunt kickt Lorenz einen braunen Brocken aus Schneematsch vor sich her. Auch die anderen Expeditionsmitglieder schauen ratlos drein.

Wetterwechsel garantiert
Nur die Natur hat hier das Sagen. Und als würde sie uns ihre Macht demonstrieren wollen, setzt in diesem Moment noch Schneefall ein; binnen Sekunden ver­wandeln sich die Flocken in spitze, schmerz­hafte Nadeln. Nur noch 50 Meter Sicht. „Wir ziehen lieber über die Ostseite des Berges weiter“, schlägt Torsten vor. „Blödsinn!“, stelle ich dagegen, „das ist ein Umweg von 3 Stunden.“ Testosterongeladener Aktionismus argumentiert fortan mit weiblicher Logik.

5 / 8 | Wildnis-Meditation vom Feinsten bei der Camping-Expedition durch bella Italia - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Was würde Reinhold Messner in so einer Situation wohl machen?

„Schokolade!“ Auf Anna ist Verlass. Das braune Gold füllt die Energiereserven wieder auf und legt einen friedlichen Nebel über die Gruppe. Angela, die zwischenzeitlich die Landkarte genauer studiert hat, nutzt die Ruhe und dirigiert die Gruppe in eine windstille Talsenke. Entschieden verkündet sie, dass wir nun schleunigst die Zelte aufbauen müssen, bevor der Sturm noch mehr Fahrt aufnimmt. 5 Kapuzen nicken – endlich sind wir uns wieder einig. Nur mit vereinter Kraft lassen sich die Zelte am gewollten Ort platzieren, ohne mit der nächsten Windböe im weißen Nichts zu verschwinden. 12 Hände navigieren blitzschnell zwischen Abspannseilen, Schneemauern und Gepäcklager. Geschafft!  Beim Abendessen im Zelt gehen die Zweifel an der Standhaftigkeit der Zelte in einer Ladung » Risotto unter. Duftende Riesenportionen machen die Runde und der mit Grappa gefüllte Flachmann, der uns das Sturmtief fast vergessen lässt.

6 / 8 | Mit vereinter Kraft gegen den Sturm - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Abenteuerurlaub

Langsam entspannt sich mein Geist und füllt sich mit Dankbarkeit, weil ich dieses Aben­teuer mit meinen Freuden erleben darf, die nichts so schnell aus der Fassung bringt. Nur ein Streitpunkt schwebt noch in der Luft: Wer muss noch einmal raus, um das Geschirr mit Schnee „abzuspülen“? „Das können wir doch morgen früh machen“, schlägt Sebastian vor. „Manchmal ist die männliche Einstellung zum Spülen ganz angenehm“, lacht Anna, in ihren Schlafsack gekuschelt. Später liege auch ich geborgen in meiner warmen Schlaftüte und höre zu, was mir die Natur in dieser Nacht zu erzählen hat. Das ist viel spannender als die Geschichten eines jeden Hotelzimmers, egal wo auf der Welt.

7 / 8 | Entspannung nach drei Tagen Camping-Expedition - © Barbara Meixner
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3 Tage Camping-Expedition Expedition – so geht's

Die Region
Als das „Wilde Herz“ Italiens wird die Region der Abruzzen bezeichnet. Gerade einmal 50 km sind es von den Stränden der Adria bis an das Gran-Sasso-Gebirgs­massiv inmitten des Abruzzen-Nationalparks. Hier markiert der Gipfel des Corno Grande mit fast 3000 Metern das Ende des Apennin, einer rund 1500 km langen Gebirgskette, die sich fast komplett durch Mittelitalien zieht. Nur knapp 150 km trennen das Campo Imperatore von den heiligen Hallen des Vatikans. Als Ausgangspunkt für Skitouren und Winterwanderungen in den Abruzzen, und speziell auf dem Campo Imperatore, empfiehlt sich der abgeschiedene Ort Rocca di Calascio. Aus den Ruinen eines alten Dorfes wurden einzelne Häuser wieder aufgebaut, liebevoll restauriert und in gemütliche Ferienwohnungen verwandelt. Von der über dem Dorf thronenden Burgruine lässt sich an schönen Tagen der ganze Nationalpark überblicken. www.rifugiodellarocca.it

Die Ausrüstung

Egal ob Abruzzen, Norwegen oder ver­schneiter Reihenhausgarten – Wintercampen ist eine besonders intensive Erfahrung. Der Schnee legt eine un­beschreibliche Ruhe über das Land, die so nur selten zu erleben ist. Jedoch ist für das Wintercampen spezielle und hochwertige Ausrüstung nötig, um den Körper vor Erfrierungen zu schützen. Das Zelt ist im Winter Schlafzimmer, Küche und Aufenthaltsraum zugleich.
Es sollte also ausreichend Platz für Mensch und Ausrüstung bieten. Zusätz­lich muss es eine hohe Stabilität auf­weisen, um auch der Last von nassem Schnee standzuhalten. Essenziell ist ein Schlafsack, der einen vor allem nachts vor Kälte schützt. Abgesehen von den angegebenen Temperaturbereichen des jeweiligen Modells, sollte der Schlafsack groß genug sein, dass auch die Wechsel-Kleidung Platz hat. Sonst muss man morgens vielleicht in eine gefrorene Hose schlüpfen. Als Schutz vor Bodenkälte dient eine hochwertige und isolierende Campingmatratze.

8 / 8 | - © Barbara Meixner
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