Südindien: Kerala - eine Reise durch die Hochburg des Ayurveda

07.08.2012 , Autor:Linda Babst
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8 Tage ist unsere Redakteurin Linda durch Kerala in Südindien gereist mit dem angenehmen Auftrag, Ayurveda-Behandlungen vor Ort zu testen. Ein Reisebericht
Auf dem Weg von Cochin nach Kollengode
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Reise durch Südindien Auf dem Weg von Cochin nach Kollengode

Das T-Shirt klebt an meinem Rücken, als wäre ich gerade aus einem Pool geklettert. Und das, obwohl die Klimaanlage im Wagen auf Hochtouren läuft. Ich habe längst aufgehört, die Filmplakate am Straßenrand zu zählen, auf denen Shah Rukh Khan zu den Autofahrern herunter lächelt. Dabei will der indische Bollywood-Superstar im Maßanzug so gar nicht hierher passen – auf die staubige Straße, die mich vom Flughafen Cochin nach Kollengode in Südindien bringen soll.

Die nächsten 8 Tage werde ich in Kerala an der Malabarküste verbringen, um zu erfahren, wofür der Bundesstaat bekannt geworden ist: Ayurveda. Hier im Süden, im Land der Palmen, finden gestresste Inder, überarbeitete Amerikaner und ausgepowerte Europäer die Top-Adressen der rund 5000 Jahre alten Heilkunst. Ich bin auf dem Weg zu einer von ihnen – Kalari Kovilakom. Ein traditionelles Ayurveda-Ressort im hügeligen Hinterland von Kerala. Wer hier einkehrt, lässt sich auf ein sehr spezielles Abenteuer ein. Ohne Fernseher, Handy und Internet, ohne Alkohol und Zigaretten, ohne alles, was von dem ablenkt, um das es hier geht – um einen selbst.

1 / 14 | Mit dem Auto auf dem Weg vom Flughafen Cochin nach Kollengode in Südindien - © L. Babst
1 / 14 | Mit dem Auto auf dem Weg vom Flughafen Cochin nach Kollengode in Südindien - © L. Babst
Straßenchaos in Indien
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Reise durch Südindien Die totale Reizüberflutung

Ich bin seit 24 Stunden auf den Beinen und kann doch kein Auge zu tun. Die Reizüberflutung, vor der mich so viele vor meiner Reise gewarnt haben, hat mich mit voller Wucht getroffen. Ich klebe mit der Kamera an der Fensterscheibe und kann gar nicht schnell genug auf den Auslöser drücken, um alles im Vorbeifahren festzuhalten. Menschen, Autos, Kühe, Tempel, Rikschas – ich bin gerade erst angekommen und schon mittendrin. "I've never seen so many palm trees", sage ich und Mr. Zacharias lacht. "Shall I stop here? So you can take pictures, Madam", fragt mein Fahrer und bremst ab. Das Hupen der anderen Autofahrer wird lauter, links und rechts knattern sie an uns vorbei. Unser Wagen kommt wenige Meter vor einer Kuh zum Stehen, die nur träge den Kopf zu uns dreht. Danach siegt die Müdigkeit über den Straßenlärm, meine Augenlider über die Hitze. Indien, ich freue mich auf Dich. Aber jetzt muss ich erst einmal schlafen.

2 / 14 | Haben in Indien immer Vorfahrt: Kühe - © L. Babst
2 / 14 | Haben in Indien immer Vorfahrt: Kühe - © L. Babst
Die Eingangshalle von Kalari Kovilakom
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Reise durch Südindien Please leave your world here

Die Kette aus weißen Jasminblüten, die mir die zierliche Inderin im roten Sari zur Begrüßung um den Hals legt, duftet noch intensiver als der Geruch der Räucherstäbchen, der schwer und hölzern in der Luft der riesigen Eingangshalle liegt. Meine Pumps habe ich gegen Flip-Flops getauscht, meine Laptop-Tasche gegen ein weißes Bündel Stoff. Hier tragen alle das gleiche: weiße Baumwoll-Hosen, weiße Baumwoll-Hemden. "Please leave your world here" steht auf dem großen Schild aus Holz vor dem Eingang zu dem ehemaligen Maharani-Palast, der die nächsten 3 Tage mein Zuhause sein wird. Ich bin bereit.

Wer sich für eine Ayurveda-Reise entscheidet, sollte mindestens 14 Tage dafür einplanen. So lange braucht der Körper, um zur Ruhe zu kommen, zu entgiften, sich neu einzustellen, sagt der Ayurveda-Arzt, der mit jedem Neuankömmling ein ausführliches Gespräch führt. Die Hände des Arztes liegen auf dem schweren, dunklen Schreibtisch in seinem Büro. Über ihm surrt ein Deckenventilator, der gegen 78 Prozent Luftfeuchtigkeit ankämpft, die durch die Fenster kriecht. Wie viele Stunden ich für gewöhnlich schlafe, will er wissen und ob ich hin und wieder Kopf- oder Magenschmerzen habe. Mit zwei Fingern misst er den Puls an meinem Handgelenk und kramt ein Blutdruckmessgerät hervor. Zunge, Fingernägel und Augen werden begutachtet und mein Körper vorsichtig abgetastet, bevor meine Behandlungen und der Speiseplan für die nächsten 3 Tage feststehen.

3 / 14 | Die erste Station meiner Reise: Kalari Kovilakom im Hinterland von Kerala. In dem ehemaligen Maharani-Palast wird Ayurveda in seiner ursprünglichen Form vermittelt - © L. Babst
3 / 14 | Die erste Station meiner Reise: Kalari Kovilakom im Hinterland von Kerala. In dem ehemaligen Maharani-Palast wird Ayurveda in seiner ursprünglichen Form vermittelt - © L. Babst
Seerosenteich vor den Ayurveda-Behandlungsräumen in Kalari Kovilakom
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Reise durch Südindien 'Einmal Kopfmassage, bitte' ist nicht drin

Laut ayurvedischer Lehre lässt sich der Mensch in die 3 Typen vata, pitta und kapha einteilen. So heißen die drei Lebensenergien (doshas), die den Menschen zugeordnet werden, ähnlich der Konstitutions-Lehre in der Homöopathie. Heißt konkret: Der Körper setzt sich aus den 5 Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum zusammen. Je nachdem, welche Elemente überwiegen, lässt sich eine Tendenz zu einer der 3 doshas ausmachen. Erst danach kann der Arzt sagen, welche Behandlungen notwendig und welche Ernährung die richtige ist. Denn wer glaubt, beim Ayurveda aus einem Katalog verschiedenster Massagetechniken auswählen zu dürfen, liegt falsch. "Einmal Kopfmassage, bitte" ist bei einer seriösen Ayurveda-Behandlung nicht drin. Geknetet, geölt und massiert wird nur so, wie vom Arzt verordnet und das aus gutem Grund: "Ayurveda ist nicht Wellness", sagt der Arzt. Es gehe nicht darum, einen verspannten Nacken zu lockern oder für ein, zwei Wochen vom drohenden Burnout abzulenken. Vielmehr wird ein Weg aufgezeigt, wie sie ihr Leben strukturieren sollten, um Körper und Geist in gesunde Bahnen zu lenken. Und das in erster Linie mit Yoga, Meditation und der richtigen Ernährung. "Die Behandlungen sind letztlich nur hilfreiches Beiwerk", sagt er, denn in Wirklichkeit verlangt eine Ayurveda-Kur dem Patienten enorm viel Disziplin ab. Das wird mir spätestens klar, als ich den Tagesablauf in Kalari Kovilakom erfahre: Aufstehen um 5:30 Uhr, um pünktlich um 6 Uhr zum Yoga parat zu sein. Frühstück um 8 Uhr, danach erneutes Arzt-Gespräch und die nächsten Ayurveda-Behandlungen. Um 12:30 Uhr wird zu Mittag gegessen (streng vegetarisch). Von 14:00 bis 17:00 Uhr folgen die nächsten Ayurveda-Behandlungen, bevor um 18:30 Uhr eine Glocke zum Abendessen läutet.

4 / 14 | - © L. Babst
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Nach jeder Behandlung bekomme ich einen gelben Punkt auf die Stirn gemalt. Dafür wird in einer kleinen Schale Puder mit Öl vermischt
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Reise durch Südindien Wie Ölsardine im Tanga

"Das soll ich anziehen?", rutscht es mir raus, als die Ayurveda-Therapeutin mir eine Art Miniatur-Taschentuch mit 4 Kordeln an den Seiten überreicht. "Yes, Madam", sagt sie und nickt mir aufmunternd zu. Also raus aus der Leinenkluft und rein in den Ayurveda-String. Meine erste Behandlung steht an: Navarakizhi. Eine Massage, die Rundum-Entgiftung verspricht. Ich soll auf einem kleinen Hocker Platz nehmen, die Therapeutin faltet die Handflächen vor der Brust und murmelt ein kurzes Gebet. Danach gießt sie mir eine Handvoll Öl aus einem goldenen Kännchen auf den Scheitel und fängt an, es wie wild auf meinem Kopf zu verreiben, bis meine Haare nur noch ein fettiger Klumpen sind. Zum ersten Mal bin ich froh, dass kein Fotograf mitgereist ist, um das hier festzuhalten. Und während ich noch darüber nachgrübele, wie viel Shampoo, Conditioner und Entwirrungs-Spray ich wohl brauche, um meine Haare wieder einigermaßen in Schuss zu bringen, kommt ihre Kollegin und gießt mir den nächsten warmen Öl-Schwall in den Nacken. Mein ganzer Körper wird von 4 Händen gleichzeitig geknetet, gezupft, geklopft und gedrückt und es fühlt sich grandios an! Schwer und hölzern klebt der Geruch des Öls in meiner Nase, von dem immer mehr über mir ausgegossen und einmassiert wird. Und obwohl die 4 Hände in einer Geschwindigkeit über meinen Körper fliegen, dass einem schwindelig werden könnte, fühle ich mich so ruhig und gelassen wie schon lange nicht mehr.

5 / 14 | Nach jeder Behandlung bekomme ich einen gelben Punkt auf die Stirn gemalt. Dafür wird in einer kleinen Schale Puder mit Öl vermischt - © L. Babst
5 / 14 | Nach jeder Behandlung bekomme ich einen gelben Punkt auf die Stirn gemalt. Dafür wird in einer kleinen Schale Puder mit Öl vermischt - © L. Babst
Die Überreste meiner Navarakizhi-Behandlung
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Reise durch Südindien Schlecht frisiert, aber definitiv glücklich

"Please lay down on the table", sagt die junge Inderin und ich wanke wie eine seelige Ölsardine zu einer hölzernen Liege in der Mitte des Raumes. 4 Anläufe brauche ich, um mich auf den Bauch zu drehen, weil ich nur so triefe. Zu dem würzigen Öl-Geruch kommt jetzt der von Milch und ich begreife, dass die kleinen, mit Reis und Kräutern gefüllten Stoffsäckchen neben mir nicht bloß Deko sind. Während die eine Therapeutin einen Beutel nach dem anderen in einem kleinen Bottich mit kochender Milch tränkt, drückt die andere sie auf meinem Körper aus, bis ich komplett mit der milchigen Paste bedeckt bin. Und da sind sie wieder, die 4 Hände, die jetzt in unfassbar synchronen Bewegungen mit den Reisbeuteln über meinen Körper wandern. Vom Nacken bis zu den Fußsohlen und wieder zurück arbeiten sie die Masse in meine Haut ein, als wär ich ein Stempelkissen. Ein zutiefst glückliches Stempelkissen wohlgemerkt, denn Navarakizhi ist – ungelogen – der Himmel auf Erden.

Die 4 Hände, denen ich niemals so viel Kraft zugetraut hätte, verschmelzen zu einem derartigen Gleichklang, dass ich kaum glauben kann, dass hier tatsächlich 2 Personen kneten. Spätestens jetzt sind alle Sorgen um den Stoff-Fetzen um meine Hüften und die ölverschmierten Haare komplett vergessen. Nach etwa einer Stunde, in der auch meine Vorderseite die Stempelkissen-Behandlung bekommen hat und die beiden Inderinnen mit langen, rohrförmigen Blättern den letzten Reiskorn von meiner Haut gekratzt haben, will ich nie wieder aufstehen.

Eingehüllt in ein hauchdünnes Leinentuch liege ich später auf dem Rücken wieder allein in dem kleinen, abgedunkelten Raum und bin die wohl fettigste, schlecht frisierteste, aber definitiv glücklichste Ayurveda-Touristin ganz Keralas.

6 / 14 | Die kläglichen Überreste meiner ersten Navarakizhi-Behandlung (rechts) - © L. Babst
6 / 14 | Die kläglichen Überreste meiner ersten Navarakizhi-Behandlung (rechts) - © L. Babst
Mein ayurvedisches Mittagessen in Kalari Kovilakom
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Reise durch Südindien Glückseligkeit, hier bin ich!

Nach 3 Tagen Kalari Kovilakom habe ich das Gefühl, nie wieder etwas anderes tun zu können, als nach meiner morgendlichen Yoga-Session durch Kräutergärten zu wandeln, an Seerosenteichen zu sitzen und mich 3-mal täglich durchkneten zu lassen. Meine heißgeliebte Zartbitterschokolade vermisse ich genauso wenig wie "Two and a half Men" oder meinen kleinen Toyota. Dafür freue ich mich über eine Haut, die sich so glatt und geschmeidig anfühlt, wie man das nach 3 Tagen Öl-Packung erwartet. Ich habe kanisterweise lauwarmen Ingwertee gekippt, Meditationsstunden erlebt, in denen ich vor lauter Entspannung eingeschlafen bin und ich habe undefinierbare Dinge gegessen, die mir 3-mal täglich auf einem Palmenblatt serviert wurden. Zugegeben, kein Buffet vorzufinden, um nach Lust und Laune Schokocroissants, Marmelade und Spiegelei auf den Teller laden zu können, war ungewohnt. Und trotzdem: Meine anfängliche Skepsis, schon nach einem Tag ohne all das die Segel zu streichen, ist weit weg. Ich sende eine Mail in die Redaktion "Ich bleibe hier".

7 / 14 | Mein ayurvedisches Mittagessen in Kalari Kovilakom - © L. Babst
7 / 14 | Mein ayurvedisches Mittagessen in Kalari Kovilakom - © L. Babst
Die Antwort auf die Frage, warum man in Indien für 140 km schon mal 3 Stunden braucht
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Reise durch Südindien That's India!

Die nächste Station ist Cochin, direkt an der Küste des Arabischen Meeres. 3 Stunden Fahrt liegen vor Mr. Zacharias und mir und meine Fingerknöchel sind schon nach den ersten Kilometern weiß vom Festkrallen am Anschnallgurt. Der Verkehr ist die Hölle und ich rechne jeden Augenblick mit einem Crash. Erst schlängelt sich vor uns ein Transporter in Schieflage einen Pfad entlang, der eine Fuhre Kühe durch die Hitze kutschiert. Kurz darauf befinden wir uns wieder auf einer Schnellstraße, auf der die Rikschas im Sekundentakt an uns vorbeirauschen. Danach geraten wir in ein Tempelfest und müssen uns im Schritttempo an einem geschmückten Elefanten und einer nicht enden wollenden Menschenmasse vorbeimanövrieren. "That's India!", lacht Mr. Zacharias, der immer wieder grinst, sobald mir ein "Oh my god" rausrutscht.

8 / 14 | Die Antwort auf die Frage, warum man in Indien für 140 km schon mal 3 Stunden braucht - © L. Babst
8 / 14 | Die Antwort auf die Frage, warum man in Indien für 140 km schon mal 3 Stunden braucht - © L. Babst
Im 5-Sterne-Hotel Ramada Resort in Cochin
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Reise durch Südindien Ayurveda to go

Die Entschädigung liegt rund 140 Kilometer später vor mir: Ramada Resort. Ein 5-Sterne-Hotel direkt an den Backwaters gelgen – einem verzweigtem Wasserstraßennetz an der Malabarküste. Neben einer ellenlangen Liste von Spa- und Wellness-Angeboten wird auch hier Ayurveda angeboten. Allerdings anders, als ich es in Kalari Kovilakom erlebt habe, denn hier gibt es Flatscreen statt Seerosenteich, Ausschlafen, statt Yoga vor Sonnenaufgang und eine Speisekarte, die alles andere als ayurvedisch klingt, dafür aber extrem lecker.

Dazu muss man wissen: Wer sich ernsthaft für eine Ayurveda-Kur in Indien entscheidet, sollte sich vorher darüber im Klaren sein, was er genau will. Das volle Programm in der Abgeschiedenheit und einer gehörigen Portion Disziplin, oder doch lieber die abgespeckte Version, die eher unter die Kategorie "Wellness" fällt.

Ich will den Vergleich und teste gleich am ersten Tag eine klassische Ganzkörper-Öl-Massage. Auch hier gibt es erst ein Gespräch mit dem Ayurveda-Arzt. Zwar darf ich mir auch hier nicht willkürlich etwas aus dem Katalog der Ayurveda-Behandlungen aussuchen, allerdings fallen Untersuchung und Arzt-Patienten-Gespräch wesentlich knapper aus als in Kalari Kovilakom.

Der erste Unterschied zwischen dem Behandlungsraum hier und dem meiner ersten Station: Klimaanlage und geschlossene Fenster, statt Deckenventilator und offener Räume. Den Ayurveda-String gibt's allerdings auch hier. Die Massage wird von nur einer Therapeutin durchgeführt. Angenehm, entspannend, aber trotzdem nicht so wie die Tage zuvor. Statt selbst angerührtem Peeling in einer verzierten Schale, die man mir zuvor nach jeder Behandlung zum Abduschen gereicht hatte, gibt es hier Duschgel und Shampoo aus dem Tütchen. Mir wird schnell klar: Das Ayurveda-Feeling dauert hier genau 45 Minuten - bis die Massage zu Ende ist und danach kann ich entweder shoppen oder schwimmen gehen, mir den Bauch vollschlagen oder mir eine Maniküre gönnen. "Ayurveda to go" sozusagen und mehr für diejenigen, die auf Meditationsstunde und Yogamatte getrost verzichten können, dafür aber nicht auf Luxus.

9 / 14 | Im Wellness-Bereich des 5-Sterne-Hotels Ramada Resort in Cochin. Hier gibt's beides: Ayurveda-Behandlungen und allen Luxus, den man sich wünschen kann - © L. Babst
9 / 14 | Im Wellness-Bereich des 5-Sterne-Hotels Ramada Resort in Cochin. Hier gibt's beides: Ayurveda-Behandlungen und allen Luxus, den man sich wünschen kann - © L. Babst
Traumstrand Marari Beach
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Reise durch Südindien Willkomen im Paradies

Ich stehe am Strand. Hinter mir tausende Kokospalmen, unter mir feinster, weißer Sand und vor mir das Meer. Ganz weit draußen ein paar Fischerboote. Um mich herum absolute Stille, in mir drin toben die Endorphine. So muss das Paradies sein.

10 / 14 | Gehört zu einer der absoluten Traumstrände Indiens: Marari Beach - © L. Babst
10 / 14 | Gehört zu einer der absoluten Traumstrände Indiens: Marari Beach - © L. Babst
Die Anlage des Marari Beach Resort
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Reise durch Südindien Hardcore-Version und Light-Variante in einem

Die letzten Tage meiner Reise verbringe ich im Marari Beach Resort in Mararikulam, einem kleinen Fischerdorf an der Malabarküste. Auf 10 Hektar liegen rund 60 Bungalows verteilt, deren Dächer mit Palmblättern gedeckt sind. Auf den ersten Blick glaube ich, im tiefsten Dschungel gelandet zu sein und stelle mich schon mal darauf ein, dass mein Laptop die nächsten beiden Tage Sendepause hat. Stimmt aber nicht: Die Bungalows sind bestens ausgestattet. Die Tarnung gefällt mir, denn hier gibt es beides: Wohnen unter Palmen und direkt am Traumstrand und trotzdem Komfort.

Auch hier gibt es ein Ayurveda-Zentrum – diesmal wieder traditionell gehalten, allerdings mit dem Unterschied zu Station 1 und 2, dass ich hier die Wahl habe, ob ich das Hardcore-Programm haben möchte oder die Light-Variante mit Käsebrötchen und geschwänzter Meditations-Stunde. Möglich ist hier beides.

11 / 14 | Die volle Ladung Natur gibt es im Marari Beach Resort. Hier wohnen die Gäste in einem kleine Bungalow-Dorf unter Palmen - © L. Babst
11 / 14 | Die volle Ladung Natur gibt es im Marari Beach Resort. Hier wohnen die Gäste in einem kleine Bungalow-Dorf unter Palmen - © L. Babst
Das Yoga-Center im Marari Beach Resort
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Reise durch Südindien 68 Jahre, Schnauzer, Sixpack

Es ist kurz vor 7 am Morgen und durch das kleine Bungalow-Dorf wabert eine dicke Nebelschicht. Die halbe Nacht hat es geregnet – der Monsun kündigt sich langsam an. Die Luft ist noch feuchter als die Tage zuvor und auf meinem Weg zum Yoga-Center muss ich mich durch unzählige Mückenschwärme kämpfen.

Ich sehe ihn nicht sofort, denn das feinmaschige Fliegengitter taucht die Hütte vor mir in Dunkelheit. Als ich näher komme und die Tür öffne, sehe ich ihn: Gopal, 68 Jahre, Schnauzer, orangene Leinenhose, Sixpack. Die indische Version von Jackie Chan fliegt im Karatesprung durch den Übungsraum. Als er landet, mache ich den Mund wieder zu. "Aufwärmtraining", sagt er und grinst. Ich habe das Gefühl, diese Yoga-Stunde wird anders.

12 / 14 | Das Yoga-Center im Marari Beach Resort - © L. Babst
12 / 14 | Das Yoga-Center im Marari Beach Resort - © L. Babst
Yoga- und Karate-Meister Gopal
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Reise durch Südindien Alles eine Frage der Balance

"Gopal" ist das Lösungswort auf die Adventskalenderfrage vom 8. Dezember. Hier geht's zum Adventskalender 2012.


Seit fast 50 Jahren ist Gopal Yoga- und Karate-Meister. Mit Yoga hat er angefangen, nachdem er als 18-Jähriger Artisten im Zirkus gesehen hatte. "Ich wollte mich auch so bewegen können wie die. Dass Yoga mehr ist, als sich wie eine Schlange verbiegen zu können, war mir damals nicht bewusst", sagt er. Die Einstellung, die Ernährung, die Sichtweise eines Yogis habe er erst im Laufe der Zeit verinnerlicht.

Die ersten Übungen zum Aufwärmen sind noch human. Ein bisschen Zehen strecken hier, ein bisschen Nacken dehnen da. Alles machbar. Halber Lotus, ganzer Lotus - kein Ding. Innerlich stelle ich mich schon mal auf den Sonnengruß ein. Gopal geht lieber gleich in den Kranich über. Heißt: Hände vor dem Körper aufstützen, Knie im 90-Grad-Winkel an die Ellebogen und dann hoch mit dem ganzen Körper! Ich tausche einen irritierten Blick mit der 62-jährigen Französin auf der Matte nebenan. Sie denkt in diesem Moment offensichtlich das gleiche: "Ich bin doch nicht Spiderman!". Der Amerikaner links von mir kapituliert bereits nach dem ersten dumpfen Plumps auf die Matte. "Alles eine Frage der Balance", meint Gopal und korrigiert meine Armstellung. 2 Sekunden schwebe ich in der Luft, dann kippe ich seitwärts um. Gopal ist begeistert und findet, ich sollte gleich noch Shirshasana - einen Kopfstand - hinlegen. "Das ist gut für die Durchblutung". Also Hände auf den Scheitel, Ellebogen auf die Matte und hoch mit den Gräten! Damit ich nicht ins Fliegengitter hinter mir krache, hält Gopal meine Beine fest. Mein erster Kopfstand – juhu! Die Französin klatscht euphorisch und mein Kopf wird noch roter. Wenn das die Mädels aus meinem Yogakurs daheim sehen könnten ...

13 / 14 | Seit 50 Jahren schwingt sich Karate- und Yoga-Meister Gopal Morgen für Morgen auf die Yogamatte. Was er drauf hat, ist unfassbar - © L. Babst
13 / 14 | Seit 50 Jahren schwingt sich Karate- und Yoga-Meister Gopal Morgen für Morgen auf die Yogamatte. Was er drauf hat, ist unfassbar - © L. Babst
Mit dem Hausboot durch die schwimmenden Reisfelder der Backwaters
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Reise durch Südindien Zurück in Richtung Alltag

"Want some Sandwiches, Madam?", fragt der Koch und blinzelt fröhlich zu mir herunter. Pappsatt liege ich auf dem Deck eines Hausbootes, alle Viere von mir gestreckt und erhole mich von meinem Mittagessen, das er mir erst vor einer Stunde serviert hat.

Sanft dümpelt das Boot durch die schwimmenden Reisfelder der Backwaters. Die Landschaft ist absolut unglaublich und ich genieße die volle Ladung Natur. Es ist mein letzter Tag in Indien und gleichzeitig der perfekte Abschluss dieser Reise. Der Gedanke, ab morgen wieder ohne Yoga-Session unter Palmen in den Tag zu starten und auf jegliche Öl-Massagen verzichten zu müssen, ist hart. Denn nach 8 Tagen Schnelldurchlauf habe ich begriffen: Kerala mit all seinen Ayurveda-Ärzten, den chaotischen Straßen, den lieben Menschen, den unglaublichen Yoga-Lehrern, den Stränden, den Palmen und Reisfelder ist zu gut, um nur einmal hierher zu kommen.

14 / 14 | Mit dem Hausboot durch die Backwaters: Die Landschaft zwischen schwimmenden Reisfeldern und unzähligen Palmen ist absolut großartig - © L. Babst
14 / 14 | Mit dem Hausboot durch die Backwaters: Die Landschaft zwischen schwimmenden Reisfeldern und unzähligen Palmen ist absolut großartig - © L. Babst
Auf dem Weg von Cochin nach Kollengode Straßenchaos in Indien Die Eingangshalle von Kalari Kovilakom Seerosenteich vor den Ayurveda-Behandlungsräumen in Kalari Kovilakom
Nach jeder Behandlung bekomme ich einen gelben Punkt auf die Stirn gemalt. Dafür wird in einer kleinen Schale Puder mit Öl vermischt Die Überreste meiner Navarakizhi-Behandlung Mein ayurvedisches Mittagessen in Kalari Kovilakom Die Antwort auf die Frage, warum man in Indien für 140 km schon mal 3 Stunden braucht
Im 5-Sterne-Hotel Ramada Resort in Cochin Traumstrand Marari Beach Die Anlage des Marari Beach Resort Das Yoga-Center im Marari Beach Resort
Yoga- und Karate-Meister Gopal Mit dem Hausboot durch die schwimmenden Reisfelder der Backwaters
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