Angstpatient Angst vor dem Zahnarzt überwinden – so geht's

Allein der Gedanke an kreischende Bohrer lässt Ihren Puls ansteigen und erst höllische Zahnschmerzen zwingen Sie auf den Behandlungsstuhl? Angstpatienten kann geholfen werden

Angstpatienten Angst vor dem Zahnarzt – Sie sind nicht allein

Das Wichtigste gleich vorweg: Angst vor dem Zahnarzt zu haben, ist erst einmal etwas ganz Normales, sagt Alexander Pirk, Zahnarzt und Facharzt für Psychotherapie und Allgemeinmedizin aus Berlin

Genauer gesagt: Millionen Menschen bekommen Bauchschmerzen, wenn ein Termin beim Zahnarzt ansteht. Sie sind also in bester Gesellschaft. Wirklich dramatisch wird die Angst allerdings dann, wenn sie dazu führt, dass man den Zahnarztbesuch so lange hinauszögert, bis die Schmerzen unerträglich werden, Zähne ausfallen oder sich Krankheiten im Körper ausgebreitet haben.

"In diesem Fall sprechen wir von einer wirklich krankhaften Angst, die erheblich die Lebensqualität der Menschen einschränkt", sagt Pirk. Dazu zählen aber gerade einmal 5 Prozent der Patienten. Aber selbst, wer nicht zu diesen 5 Prozent gehört, leidet unter Umständen erheblich unter seiner Angst. Diesen Menschen kann geholfen werden.

Therapie gegen die Angst Angst vor dem Zahnarzt lässt sich beheben

Was die wenigsten wissen: Zahnarztangst lässt sich genauso behandeln, wie andere Ängste auch

"Das Problem ist, Zahnärzte sind in der Regel keine Psychotherapeuten und können Angstpatienten daher oft nicht in dem Maße beiseite stehen, wie sie es gerne würden", sagt Pirk, der in seiner Praxis tagtäglich mit Patienten zu tun hat, denen es vor der Zahnbehandlung graut.

Mit seiner doppelten Qualifikation als Zahnarzt und Psychotherapeut hat er die Aubacke-Therapie ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Art Kurzzeittherapie in 7 Schritten, bei der zuerst ein ausführliches Gespräch ansteht, in dem der Patient nicht nur erklärt, wo der Schuh drückt, sondern auch seine Ängste näher erläutert.

"Dabei zeigt man dem Patienten verschiedene Methoden auf, wie eine Behandlung ablaufen kann", sagt Pirk. Beispielsweise, wenn es darum geht, wie der Patient am liebsten betäubt werden möchte. "Von Vollnarkose bis hin zur Hypnose gibt es inzwischen eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, deren Vor- und Nachteile man gemeinsam abwägen muss", sagt der Zahnarzt. Erst danach folgt die Untersuchung, bei der sich der Zahnarzt erst einmal ein grobes Bild vom Zustand der Zähne macht.

Ängste abbauen Beratungsgespräch auf Augenhöhe

Wer seinem Zahnarzt vornehmlich aus der Froschperspektive begegnet, befindet sich gezwungenermaßen in der Opferrolle

Und genau aus diesem Grund sollten Beratungsgespräche zwischen Patient und Zahnarzt auch auf Augenhöhe und nicht auf dem Behandlungsstuhl stattfinden. Das ist allein deshalb schon wichtig, weil der Patient im Laufe des Beratungsgesprächs gegebenenfalls Entscheidungen treffen muss, die immens wichtig sind. Und das funktioniert nur, wenn der Behandlungsstuhl und der Blick zu all den medizinischen Gerätschaften nicht permanent vom Wesentlichen ablenken.

Die Zahnbehandlung Schritt für Schritt die Angst abbauen

Nach der Beratung folgt die Anfangsbehandlung. Das Prinzip: Das Harmloseste kommt zuerst

"Die Therapie beruht auf dem 'MiniMax-Prinzip'", erklärt Alexander Pirk. Heißt konkret: Man beginnt mit der für den Patienten "angenehmsten" Behandlung, die gleichzeitig maximal attraktiv für ihn ist – beispielsweise die schonende Reinigung verfärbter Schneidezähne.

"Eine der wirksamsten Methoden, um Ängste abzubauen, ist die Desensibilisierung", sagt Pirk. Der Patient gewöhnt sich schrittweise an die Behandlung und verliert allmählich die Angst vor den Situationen oder Dingen, die bislang Auslöser seiner Angst waren.

"Um eine erste Vertrauensbasis zu schaffen, kann man auch Stopsignale vereinbaren", rät Pirk. Auch hilfreich: Den Arzt darum bitten, während der Behandlung zu beschreiben, was er genau tut. "Der Arzt erklärt am besten, was er genau macht oder gibt kleine Vorwarnungen, wenn der Patient im nächsten Moment zum Beispiel einen Druck oder ein leichtes Pieksen verspüren wird. Das gibt vielen Angstpatienten enorme Sicherheit."

Die Frage der Betäubung Spritze, Hypnose oder gleich Vollnarkose?

Gleich tut's weh! Wer eine Zahnbehandlung permanent in Erwartung fieser Schmerzen verbringt, sollte sich rechtzeitig mit den verschiedenen Betäubungsmethoden auseinandersetzen

Sanft wegschlummern, werkeln lassen, aufwachen und sich über gesunde, neue Zähne freuen. Für Menschen mit Zahnarztphobie ist die Vorstellung, eine Zahnarztbehandlung in Vollnarkose zu erleben, sicher der absolute Traum. So einfach ist das aber nicht, weiß Alexander Pirk. "Die Vollnarkose hat ihre Vor- und Nachteile. Gerade bei chirurgischen Eingriffen wie einer Zahnextraktion, Implantaten oder Wurzelbehandlungen ist es für beide Beteiligten oftmals angenehmer, wenn der Patient narkotisiert ist", sagt Pirk. "Allerdings birgt jede Narkose immer auch ein gewisses Risiko und einem Angstpatienten, der wirklich seine Phobie besiegen möchte, ist damit nicht immer geholfen." Und trotzdem: "Immer wieder beobachten wir, dass Patienten nach einer Vollnarkose-Therapie keinerlei Ängste mehr vor dem 'normalen' Zahnarztbesuch haben", sagt Pirk.

Eine Vollnarkose ist allerdings auch eine Kostenfrage. Die Krankenkasse übernimmt nämlich nur in absoluten Ausnahmefällen. Eine ärztliche Bescheinigung, die belegt, dass Sie unter einer starken Phobie leiden, reicht oftmals nicht aus. Daher unbedingt vorab mit der zuständigen Krankenkasse abklären, welche Kosten auf Sie zukommen.

Weitere Alternativen zu Spritze und Narkose sind außerdem bestimmte Anästhesie-Gels, Akupunktur oder Hypnose. Fragen Sie am besten vorher in Ihrer Praxis nach, was man Ihnen dort anbieten kann.

Angst erfolgreich überwunden Entspannt zur Prophylaxe

Wenn die Behandlung gut verlaufen und der Patient zufrieden ist, hat sich im Idealfall auch seine Angst reduziert. Jetzt heißt es: Regelmäßig zur Prophylaxe

Wer einmal die Zähne zusammengebissen und sich auf den Behandlungsstuhl getraut hat, wird anschließend den Gang zum Zahnarzt leichter antreten können – vorausgesetzt, der Patient hat gute Erfahrungen gemacht.

"Es reicht nicht, sich nach einer erfolgreichen Behandlung auf seinen Lorbeeren auszuruhen", weiß Pirk, "Wer dauerhaft seine Angst besiegen möchte, sollte regelmäßig zur Prophylaxe erscheinen". So wird der Termin beim Zahnarzt im besten Fall irgendwann zur Selbstverständlichkeit.

13.08.2013| Linda Babst © womenshealth.de
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