Scheidenkrampf 7 Tipps, die bei akutem Vaginismus helfen

Ein Vaginismus kann die Partnerschaft schwer belasten
Vaginismus tut weh. Aber es gibt zum Glück viele Wege, die Vagina zu entspannen. © fizkes / Shutterstock.com

Ein Scheidenkrampf beeinträchtigt Sexualität und Partnerschaft, vor allem aber kann er extrem wehtun und die Psyche belasten. Wir zeigen dir, was du dagegen unternehmen kannst

Schmerzen beim Sex, Tampons benutzen unmöglich, beim Frauenarzt tut die Untersuchung weh: Wenn du das schon mal erlebt hast, hast du vielleicht einen Vaginismus. Dabei verkrampft die Scheide, tut weh und nichts geht mehr.

Das hat nicht nur unmittelbare körperliche Folgen, sondern auch seelische. Wenn etwas in diesem intimen Bereich nicht "normal" ist, führt das oft zu Selbstzweifeln, Problemen in der Partnerschaft, oft Verzweiflung. Ein Vaginismus bedeutet deshalb für Betroffene einen enormen Leidensdruck. Damit du verstehst, was dabei bei dir passiert und was du dagegen tun kannst, haben wir eine Expertin befragt.

Ein Vaginisums kann psychische Probleme auslösen
Ein Vaginismus löst häufig psychische Probleme aus. Statt dich zurück zu ziehen, solltest du dich jemandem anvertrauen. © fizkes / Shutterstock.com

Vaginismus: Was ist das?

Man kennt den Vaginismus auch als "Scheidenkrampf". Und so fühlt es sich auch ungefähr an: Wenn irgendetwas in die Vagina eingeführt wird, sei es beim Sex, oder ein Tampon während der Periode oder eine Untersuchung beim Gynäkologen, macht der Eingang dicht. Das kann ziemlich wehtun, oft geben Betroffene irgendwann jeglichen Versuch auf.

Neben dem Vaginismus gibt es außerdem auch die Vulvodynie, der oft im Zusammenhang damit auftritt. Die Schmerzen sind dabei sehr ähnlich, sitzen aber in den Schamlippen statt in der Scheide. In beiden Fällen verhindert oft Scham eine Behandlung.

"Viele Betroffene trauen sich nicht, solche Probleme zuzugeben, oder nehmen sie als gegeben hin", beschreibt die Berliner Frauenärztin Dr. Sybille Görlitz-Novakovic. Allerdings kann diese sexuelle Funktionsstörung sehr stark das Selbstbild als Frau und auch die Partnerschaft belasten, deshalb ist es auf jeden Fall ratsam, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

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Welche Ursachen lösen den Vaginismus aus?

Die Bezeichnung Scheidenkrampf gibt ganz gut wieder, wie sich das Problem anfühlt, ist aber eigentlich inzwischen veraltet: "Die Beschwerden können zwar eine muskuläre Ursache haben, können aber auch anders ausgelöst werden", erklärt Görlitz-Novakovic. Sie nennt folgende Hauptgründe für die Vaginalschmerzen:

  • Die Hormonumstellung der Wechseljahre: "In den Wechseljahren werden die Schleimhäute im Intimbereich mit weniger Hormonen versorgt. Dadurch trocknen sie aus, werden steif und rau", erklärt die Frauenärztin. Die Folge: Aus feuchtfröhlichem Vergnügen werden Schmirgelpapier-Gefühle. Das passiert allerdings oft langsam und über Jahre hinweg. So fällt vielen Frauen der Unterschied gar nicht so schnell auf und sie gewöhnen sich manchmal einfach daran.
  • Organische Ursachen: Es kann vorkommen, dass bestimmte Teile des Intimbereichs tatsächlich anders gewachsen sind als bei anderen Frauen, etwa ein enger gewachsener Eingang. "Das ist eher selten der Fall, sollte aber bei Frauen mit Scheidenkrampf immer auch untersucht werden", betont Görlitz-Novakovic.
  • Komplizierte Geburten: Bei schweren Geburten wie etwa einer Saugglockengeburt oder auch bei großen Einschnitten bleiben oft Narben zurück. "Die können den Scheideneingang verengen, verhärten oder einen unangenehmen Zug auf das Gewebe bewirken", beschreibt die Gynäkologin. Auch dann kann die Frau Schmerzen in der Vagina bekommen.
  • Traumatische Erlebnisse: Eine unangenehme Erfahrung im Intimbereich kann dazu führen, dass nur der Gedanke daran, etwas in sich einzuführen, alles zusammenzieht. Das können sexuelle Übergriffe sein, aber auch eine unsanfte gynäkologische Untersuchung kann solch ein Trauma auslösen. "Nicht immer finden Ärzte und Patientinnen ein konkretes Erlebnis, auf das sich die Beschwerden zurückführen lassen. Auch unterbewusste oder vermeintlich unwichtige Ursachen können einen Kreislauf aus Schmerz und Stress auslösen, der zu dem Vaginismus führt", erklärt die Expertin.
  • Krankheiten im Intimbereich: Es gibt einige Krankheiten, die zur Entzündung oder Verformung des gesamten Intimbereichs führen. Neben dem Vaginismus können sie auch zu anderen Formen einer Dyspareunie, also Schmerzen beim Sex, führen. "Zu den Ursachen solcher Probleme können auch Harnwegsinfekte, Endometriose oder die seltene, aber verheerende Autoimmunkrankheit Lichen Sclerosus zählen", so Görlitz-Novakovic.

Vaginismus kann die Sexualität beeinträchtigen
Ein Scheidenkrampf belastet die Sexualität. Sprich mit deinem Partner offen darüber! © fizkes / Shutterstock.com

Wie kann man den Scheidenkrampf behandeln?

Das allerwichtigste, um den Vaginismus zu besiegen, ist das Thema erst einmal anzusprechen. Ob bei deiner Frauenärztin, mit deinem Partner oder vor deiner besten Freundin, ist erst einmal egal. Wichtig ist, dass du anerkennst, dass da ein Problem ist, dass du trotzdem nicht weniger Frau oder "normal" bist, und dass du bereit bist, es zu lösen. Die Gynäkologin erklärt dir, was noch hilft:

  1. Den Bereich untersuchen: Keine Panik, es gibt Möglichkeiten, dass deine Scheide untersucht wird, die auch mit einem Vaginismus möglich sind. Wichtig ist vor allem, dass du deinem Arzt oder deiner Ärztin vertraust und selbst bestimmen kannst, wie weit die Untersuchung gehen soll. "Man kann außerdem kleinere Instrumente benutzen, die eigentlich für jüngere Mädchen gedacht sind, und natürlich sollte der Arzt besonders behutsam sein", so Görlitz-Novakovic. Wenn auch das nicht geht, sollte dein Intimbereich zumindest von außen angeschaut werden. Dann kann der Arzt schon den Zustand deiner Schleimhäute und die Größe deines Scheideneingangs abschätzen.
  2. Deine Schleimhäute pflegen: Wenn deine Schleimhäute trocken sind, kannst du einiges tun, um sie wieder zu revitalisieren. Beim Arzt kannst du dafür östrogenhaltige Salben bekommen oder mit einer ungefährlichen Lasermethode die Schleimhäute neu anregen. Du kannst dich auch regelmäßig mit Kokosöl eincremen, um deinem Intimbereich etwas Gutes zu tun. Viel trinken und regelmäßiger Sex halten die Schleimhäute ebenfalls flexibel.
  3. Psychologische Betreuung: Die Schmerzen in der Vagina gehen oft auch mit psychischen Sorgen oder Problemen in der Partnerschaft einher. Um damit umzugehen, kannst du dir Hilfe bei einer psychologischen Betreuung suchen. Es kann sogar sein, dass die Beschwerden durch ein schlimmes Erlebnis ausgelöst werden, was sich in deiner Psyche verankert hat. "Bei einigen Frauen sind diese Ursachen weit ins Unterbewusstsein zurückgedrängt worden und kommen erst nach längerer Behandlung ans Licht", erklärt die Gynäkologin. Besonders in dem Fall kann dir eine Psychotherapie helfen, solche Traumata aufzuarbeiten.
  4. Deinen Unterleib kennenlernen: Bei einem Vaginismus ist der Unterleib nicht mehr das Zentrum der Weiblichkeit, sondern Stressgebiet. "Oft ist der Beckenboden bei den Betroffenen extrem verspannt und sie kennen ihren Intimbereich gar nicht richtig", beschreibt die Expertin. Franziska Wagner von der Vaginismus-Selbsthilfe.de rät, sich einfach da unten mal ganz in Ruhe im Spiegel anzugucken und vorsichtig zu berühren, und zwar genau so, wie es für dich geht. Fange am besten im äußeren Bereich an und taste dich dann langsam vor.
  5. Blockaden und Narben lösen: Wenn deine Vagina durch verkrampfte Muskeln verengt wird, kannst du dich an spezielle Physiotherapeut*innen wenden. Dort kannst du gezielt daran arbeiten, diese Blockaden zu lösen. Außerdem kannst du auch zuhause deinen Beckenboden trainieren und ihn so besser kontrollieren. Bei verhärteten Narben kann dir dagegen ein Osteopath weiterhelfen. "Osteopathen ertasten Verspannungen und versuchen, Muskeln, Gelenke und Gewebe zu mobilisieren", erklärt Görlitz-Novakovic.
  6. Deine Vagina dehnen: Wenn du dich bereit für diesen Schritt fühlst, kannst du versuchen, etwas in deine Vagina einzuführen. "Ob das ein Finger, Vaginaldehner, Dildos oder kleine Tampons sind, ist komplett egal. Hauptsache, man fühlt sich wohl dabei und der Gegenstand ist für den Intimbereich geeignet", rät die Gynäkologin. Davor kannst du auch Gleitgel oder ein pflegendes Öl benutzen, damit alles besser rutscht. Fang in einem ruhigen Moment ohne Zeitdruck mit einer kleineren Ausführung an, zum Beispiel einem dünnen Dildo. Wenn du dich damit wohlfühlst, kannst du langsam auf größere Modelle umsteigen.
  7. Hand anlegen: Ganz richtig: Du sollst masturbieren. Das entspannt die Muskeln, hält die Schleimhäute geschmeidig und macht dabei auch noch Spaß! Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du ein gutes Gefühl dabei hast, dich selbst anzufassen und sexuelle Lust zu spüren. Wenn du das nicht hast, wollen wir dich auf keinen Fall dazu überreden! In dem Fall kannst du über eine psychologische Betreuung nachdenken.
Masturbieren kann helfen, einen Scheidenkrampf zu lösen
Es stimmt tatsächlich: Masturbieren kann helfen, den Vaginismus zu lösen. © fizkes / Shutterstock.com

4 Übungen für einen entspannten Beckenboden

Wenn die Scheide verspannt ist, ist meistens auch der Beckenboden verkrampft. Damit du deine Muskeln dort langfristig entspannen kannst, können ein paar gezielte Beckenbodenübungen helfen.

Aber eines vorweg: Mit den Übungen kannst du das tieferliegende Problem des Vaginismus wahrscheinlich nicht vollständig wegtrainieren. Es kann trotzdem enorm dabei helfen, dass du dich ganz bewusst auf den Bereich konzentrierst, ihn spürst und lernst, ihn bewusst zu aktivieren. Besonders wichtig für dich ist dabei die Phase nach der Anspannung, weil du die Muskeln da am leichtesten entspannen kannst.

Franziska Wagner empfiehlt folgende Übungen:

  1. Erstes Gefühl bekommen: Um erst einmal ein Gefühl für die Muskeln zu bekommen, kannst du beim nächsten Gang auf die Toilette versuchen, deinen Urinstrahl zu unterbrechen. Aber nur einmal, denn das dient nur dazu, dass du dir die entsprechenden Muskeln merken kannst: Genau das, was du dafür anspannst, sind deine Beckenbodenmuskeln. Machst du das öfter auf dem Klo, riskierst du eine Reizblase.
  2. Rücken lang: Diese Übung ist ein guter Einstieg ins tatsächliche Beckenbodentraining. Lege dich auf den Rücken, winkle deine Knie an, drücke dein Becken sanft in Richtung Boden und strecke deine Wirbelsäule. So erzeugst du ein leichtes Hohlkreuz. Spanne nun deine Beckenbodenmuskulatur 5-10 Sekunden an und löse die Spannung wieder. Wiederhole diese Übung 10 Mal.
  3. Die Lotusblüte: Hierfür legst du dich auf den Rücken und drückst die Fußsohlen aneinander, sodass deine Knie nach außen zeigen. Nun hebe die Fersen um 3 cm an, wobei die Zehen weiterhin den Boden berühren. In dieser Position drückst du nun deine Fersen und Fußkanten zusammen, spannst den Beckenboden 5-10 Sekunden an und lässt wieder locker. Wiederhole das 25-50 Mal.
  4. Durch den Beckenboden atmen: Auch für diese Übung kannst du dich entspannt auf den Rücken legen. Winkle die Knie im rechten Winkel an und hebe die Füße vom Boden. Zur Unterstützung kannst du die Oberschenkel innen mit den Händen festhalten. Öffne nun deine Beine v-förmig nach außen. Atme anschließend tief ein und spanne dabei den Beckenboden für 5-10 Sekunden an, dann atme in Ruhe aus und löse die Spannung. Wiederhole das 8-10 Mal.

Ein Vaginismus ist wirklich unangenehm, und die Behandlung erfordert etwas Geduld. Es gibt Mittel, um das Problem auf verschiedenen Ebenen anzugehen. Hauptsache ist, dass du dich einer kompetenten Person anvertraust und dich bei allen Behandlungen wohlfühlst.

02.12.2019| Tove Hortmann © womenshealth.de
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