Gender Marketing Die Marketing-Tricks der Kosmetikindustrie

Gegen Gender Marketing!
Rosa, Blümchen, Glitzer – das muss ich haben! Erfolgreiche Strategie der Marketingindustrie © MOKRIETSOV ARTEM / Shutterstock.com

Nur Kosmetik, die hübsch-rosa verpackt ist, kommt für Frauen in Frage? Quatsch! Greifen Sie ab jetzt einfach zu Männerprodukten und sparen bares Geld

Scheinbares Naturgesetz in Drogerien: Pflegeprodukte für Männer müssen dunkelblau sein und mit Attributen wie "stark", "schnell" oder "Power" werben. Frauenkosmetik hingegen muss rosa sein, blumig duften und "sanft", "zart" oder "lovely" sein. Ist dieser Unterschied problematisch? Wir finden: Ja!

Pink stinks
Meine Kosmetikprodukte müssen pink sein? Ist klar, Barbie... © Zamurovic Photography / Shutterstock.com

Gendermarketing bei Pflegeprodukten

Das Stichwort lautet "Gender Marketing". Bedeutet: Kosmetikfirmen setzen auf Geschlechter-Stereotype, um Produkte besser zu verkaufen. In dieser schwarz-weißen Welt sind Männer stark und Frauen schwach – oder mindestens sanft, zart und sensibel. Produkte für Männer, ob Duschgel, Shampoo oder Cremes, sind dunkelblau, schwarz oder armeegrün. Alles dunkle, kräftige, starke Farben. Frauenkosmetik ist meist rosa, cremefarben – wenn's richtig super läuft, ist auch noch Glitzer im Spiel. Auch Produktbeschreibung, Wirkungsversprechen und Verpackungsdesign gehen in dieselbe Richtung. Für Männer werden "6 in 1"-Produkte angeboten, sie brauchen ja nur das Nötigste und haben schließlich Wichtigeres zu tun. Frauen haben eine Riesenauswahl, denn ihr Aussehen – so scheint es – ist ihr Kapital. Was für ein Geschlechterblödsinn!

Pinkstinks
Kampf gegen Genderklischees und Sexismus: Pinkstinks! © www.pinkstinks.de

Pinkstinks: Kampf gegen Vorurteile und Sexismus

"Mit unseren Kampagnen fordern wir eine Industrie heraus, die an der Angst vor neuen Geschlechterrollen nicht nur grandios verdient, sondern diese Angst weiter schürt", so formuliert es die Hamburger Initiative Pinkstinks. Das Team geht gegen typische Rollenzuweisungen vor, kämpft gegen Gendermarketing, Sexismus und Homophobie. Denn schon die kleinsten Kinder werden in Form der klassischen Blau/Rosa-Aufteilung in Schubladen gesteckt und verinnerlichen diese Geschlechterbilder.

Brauchen Frauen spezielle Frauenpflege?

"Es gibt evolutionsbedingt und durch Hormone gesteuert eine Reihe von Unterschieden zwischen der Haut von Männern und Frauen", erläutert Dermatologe Dr. Philipp M. Buck. "Testosteron steigert die Produktion von Talg und sorgt damit für größere Talgdrüsen, Poren und eine fettigere Haut. Östrogen reduziert die Talgproduktion und führt dazu, dass Frauen oft trockene Haut haben", erklärt der Dermatologe den größten Unterschied zwischen Männer- und Frauenhaut. Aber: "Innerhalb beider Geschlechter gibt es trotzdem die komplette Bandbreite von sehr trockener bis zu sehr fettiger Haut." Wir sollten unsere Pflegeprodukte also eher nach Hauttyp als nach Geschlecht auswählen.

Warum gibt es spezielle Frauen- und Männerpflege?

Der Grund ist simpel, die Konsequenzen gefährlich: "Klare Geschlechterrollen helfen der Wirtschaft. Alles muss doppelt verkauft werden. Die Illusion des perfekten Geschlechts feuert den Konsum an. Leidtragende sind Mädchen, die schön und sanft, und Jungen, die stark sein müssen", erklärt Pinkstinks. Auch der Dermatologe spricht die wahren Unterschiede zwischen Männer- und Frauenkosmetik an: "Hauptunterschiede bestehen im Duft und im Verpackungsdesign." Vor allem die Handhabung unterscheidet sich mehr als der Inhalt: Frauenprodukte sind oft in Tiegeln verpackt oder mit Pipetten versehen. Das soll uns das Gefühl von einem ausgiebigen Schönheitsritual vermitteln. Dagegen sind Männerprodukte für die unkomplizierte, schnelle Nutzung optimiert.

Greifen Sie zu Männerpflege!

Gerade bei Lotionen, Duschgels und Deo gilt: Was dein ist, ist mein. Nur weil Sie eine Frau sind, müssen Sie nicht automatisch zum rosa Blütentraum greifen. Teilen Sie sich die Produkte doch einfach mit Ihrem Freund, wenn Ihnen beiden der Duft gefällt, so sparen Sie gleich bares Geld. Denn: Sobald ein Produkt mit hübscher Verpackung und verlockendem Werbetext für die weibliche Konsumentin designt wurde, ist es direkt um einiges teurer als das gleiche Produkt für den Mann.

Gender Marketing in der Drogerie
Blau ist schlau: Sehen Sie sich einfach mal bei den Männersachen um! © S_L / Shutterstock.com

Diese Produkte können Sie sich problemlos teilen:

  • Aftershave: Das Männerprodukt funktioniert bei Frauen wunderbar als Primer.
  • Duschgel: Die Männervariante riecht oft frisch und herb. Perfekt, um morgens wach zu werden.
  • Gesichtscremes: Falls Ihre Haut etwas ölig ist, ist Männerkosmetik perfekt, da sie in der Regel kaum fettend, aber dafür mattierend wirkt.
  • Deo: Auch in diesem Fall gibt es für beide Geschlechter eine Bandbreite von leichtem Deodorant bis hin zum stark schützenden Antitranspirant. Die Männerversion riecht oft frischer.
  • Nassrasierer: Die rosa Version unterscheidet sich eigentlich nur im höheren Preis von der blauen Männervariante.

Ist Pink grundsätzlich schlecht?

Schauen Sie sich mal unser Logo an: ganz schön pink! Widersprechen wir uns da jetzt selbst? Nö. Zwar gibt es Women's Health und Men's Health, aber wir unterteilen nicht kategorisch. Wussten Sie, dass einige Women's Health Artikel hauptsächlich von Männern gelesen werden und andersherum? Wir reduzieren Frauen auch nicht nur auf Make-Up und Mode – obwohl diese Themen uns auch interessieren. Unsere Leserinnen sind stark, intelligent, haben eine eigene Meinung und wollen nur das Beste für sich und ihren Körper. Unser Hauptanliegen ist es, Frauen wie Männern ein gesundes Körperbild zu vermitteln. Und zum Thema "alles Pinke ist direkt teurer": Die Women's Health Printausgabe ist übrigens günstiger als die Men's Health...

Fazit: Fallen Sie nicht auf Rollenklischees rein!

Kampagnen wie Pinkstinks machen deutlich, wie sehr unser Alltag noch von veralteten Rollenmodellen geprägt ist. Versuchen Sie, mit dieser neuen Perspektive an Ihren nächsten Drogerie-Einkauf zu gehen und sich nicht von Marketingtricks beeindrucken zu lassen – das freut ganz nebenbei auch Ihren Geldbeutel!

01.12.2017| Juliane Funke © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft
Personal_Trainer App