Body Positivity Warum jede Frau sich schön finden sollte

Lachen Sie sich beim Blick in den Spiegel einfach entgegen – das macht Sie gleich noch schöner! © Ollyy / Shutterstock.com

Finden Sie sich attraktiv? Das sollten Sie! Viel wichtiger als irgendwelche Schönheitsideale ist ein gutes Selbstwertgefühl. Ein Plädoyer für mehr Selbstakzeptanz

"Ich bin schön. Punkt. Ja, ganz recht gelesen. Ich finde mich schön; mich und meinen Körper, meine Haare am Morgen und meinen Bauch am Abend, meine Schenkel im Licht der Umkleidekabine und meine Narbe am linken Knie. Jenseits von subjektiv und objektiv und ganz weit ab von der Anzahl der Likes für mein letztes Instagram-Bild."

Erkennen Sie sich in diesen Worten wieder? Wenn Sie zu den Frauen zählen, die bei unserer Online-Umfrage kürzlich angegeben haben, dass sie sich schön finden – garantiert. Und das waren eine ganze Menge.

Zwei Drittel unserer Leserinnen finden sich schön. Yes!

Die große Zahl an Frauen, die sich selbst als attraktiv einschätzten – genau gesagt sind es 67 Prozent – ist unserer Meinung nach ein großartiges Ergebnis und ein hoffnungsvoller Schritt in eine gute, gesunde Richtung. Schließlich wissen wir, dass bedingungslose Selbstakzeptanz zu einer der wohl härtesten Aufgaben im Leben von Frauen zählt. In einer Zeit, in der überall der Vergleich mit scheinbarer Makellosigkeit droht und in einer Gesellschaft, die Lachfältchen mit Nervengift bekämpft, ist die Liebe zu sich selbst und vor allem zum eigenen Körper ein rares Gut. Dazu wollen wir mit unseren Themen und Geschichten beitragen. Offensichtlich gelingt uns das bei vielen von Ihnen!

Auch wenn unsere Umfrage mit rund 1000 Teilnehmerinnen auf WomensHealth.de weder den Anspruch erhebt repräsentativ zu sein, noch den Querschnitt der Frauenwelt widerspiegelt – freuen tut uns dieses Signal trotzdem. Denn schauen wir uns beispielsweise eine internationale Studie von 2015 an, bei der im Auftrag von Philips rund 9000 Frauen befragt wurden, entsteht ein recht klarer Eindruck davon, wie es um die Selbstliebe vieler Frauen da draußen bestellt ist: Gerade einmal 4 Prozent der Befragten gaben damals an, sich selbst hübsch zu finden.

Warum Body Positivity und Body Acceptance keine hohlen Phrasen sind

Ein ähnlich trauriges Bild ergibt sich aus einer Untersuchung zweier Medienwissenschaftlerinnen der Universität Leipzig, die zu dem Schluss kamen, dass sich 67 Prozent der von ihnen befragten jungen Frauen (Durchschnittsalter 21,5 Jahre) durch Instagram unter Druck gesetzt fühlen würden, besser in Form sein zu müssen. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hatte das Gefühl, den eigenen Körperfettanteil reduzieren zu müssen und 43 Prozent gaben an, sie hätten das Bestreben dünner aussehen zu müssen. Und auch unsere eigene Umfrage offenbart, dass für 38 Prozent der Vergleich mit anderen das eigene Körperbewusstsein maßgeblich beeinflusst.

Ein kritischer Blick in den Spiegel ist erlaubt, nur zu kritisch sollte er nie sein © Ollyy / Shutterstock.com

Für uns von Women’s Health sind die Ergebnisse dieser Umfrage vor allem darum so wichtig, weil wir täglich mit den Themen Körperwahrnehmung, Fitness und Abnehmen zu tun haben. Wir wissen, wie wichtig es ist zu differenzieren zwischen dem Bestreben, fit und gesund zu sein – und dem ungesunden Zwang, einem Körperideal zu entsprechen, das weder medizinisch erstrebenswert noch in irgendeiner Weise realistisch ist.

Dass Sport und Bewegung, mentale Stärke und ein gutes Körpergefühl für ein gesundes Leben wichtig sind, ist sicher unbestritten. Nicht umsonst gaben 60 Prozent unserer Umfrageteilnehmerinnen an, dass sie sich vor allem nach dem Training besonders selbstbewusst fühlen würden. Was uns das Ergebnis der Umfrage aber vor allem zeigt ist, dass Body Positivity und Body Acceptance keine hohlen Begriffe sind, die sich vielleicht gut anhören, aber im Endeffekt kaum Wirkung zeigen. Nicht, weil unsere Leserinnen einfach alles an sich großartig finden – allein 74 Prozent gaben an, dass sie gerne ein paar Kilo weniger auf den Hüften hätten – sondern, weil sie sich von diesen paar Kilos nicht die Laune verderben lassen und schon gar nicht anfangen, ihre Schönheit in Frage zu stellen.

"Es wird immer Menschen geben, denen ich nicht gefalle – egal, wieviel ich wiege"

Eine, die Begriffe wie Bodypositivity nicht nur in Hashtags verwendet, sondern jeden Tag aus ganzem Herzen lebt, ist Charlotte Kuhrt (www.beautynotsize.com). Die Berlinerin arbeitet als Art Director, Bloggerin und Curve Model und erreicht mit ihrem Instagram-Account beautynotsize mittlerweile rund 85.000 Abonnenten. Wer sich ihre Bilder im Netz anschaut, merkt schnell: Ein strahlendes Lachen und eine unvergleichlich schöne Ausstrahlung haben nichts mit Kleidergrößen zu tun, sondern mit der inneren Einstellung dem Leben gegenüber.

"Das war nicht immer so", gibt die 26-Jährige heute ganz offen zu, "Als ich vor fünf, sechs Jahren als Make-Up-Artist angefangen habe und täglich mit diesen vermeintlich perfekten Körpern zu tun hatte, hat das was mit mir gemacht. Irgendwann habe ich 90 Prozent meines Tages danach ausgerichtet, was ich esse." Charlotte nahm ab und wieder zu; zuletzt 20 Kilo nach einem Burn-Out. Irgendwann hatte die junge Frau genug vom Streben nach vermeintlicher Perfektion. "Ich habe verstanden, dass es immer Menschen geben wird, denen ich nicht gefalle – egal wieviel ich wiege", sagt sie heute.

Eine ihrer Leitfiguren in dieser Zeit war das Plus-Size-Model Ashley Graham. Die hübsche Brünette haute sie damals schier um und weckte in Charlotte den Gedanken, dass es keine Gesetzmäßigkeiten zwischen Schönheit und Körpermaßen gibt. "Mir wurde plötzlich klar, dass, wenn ich diese Frau als schön empfinde, ich mich selbst auch schön finden kann." Dieser Moment veränderte in Charlotte mehr oder weniger alles. Sie begann sich schön zu finden, fand Spaß daran sich zu zeigen, sich neu auszuprobieren und selbstbewusst aufzutreten. Nicht von heute auf morgen, aber jeden Tag ein bisschen mehr.

Heute freut sie sich, wenn sie Rückmeldungen von Frauen bekommt, die ihr schreiben, dass sie ihnen Mut macht. Sei es, weil sie sich plötzlich trauen, ein Kleid im Sommer zu tragen oder sich mit einem Bikini an den Strand zu legen – ohne schlechtes Gefühl. Oder weil die geschriebenen Worte anonymer Kritiker im Netz nicht mehr so weh tun und mitunter sogar ganz an ihnen abprallen. Charlotte ist beim Trend um Body Positivity aber vor allem eines wichtig: Dass es nicht bloß ein Trend ist, der sich gut vermarkten lässt, sondern der mit Inhalt gefüllt wird. "Die Kehrseite von dieser Bewegung ist, dass viele denken, wir würden Übergewicht propagieren wollen. Das ist absoluter Unfug", sagt Charlotte, "Auch ich mache Sport, ernähre mich gesund und halte mich fit. Dass ich dabei Kleidergröße 48 trage, ist kein Widerspruch."

Menschen meiden, deren Lieblingsthema der eigene Körper ist

Ihr Tipp für alle Frauen, die noch immer mit sich und ihrem Körper hadern: Erst einmal das eigene Social Media Verhalten hinterfragen und den Menschen entfolgen, die einem ein ungutes Gefühl vermitteln. Das gelte übrigens auch für den Freundeskreis offline: Wer sich ständig mit Personen umgibt, die an sich herumkritisieren und deren Lieblingsthema der eigene Körper ist – bitte einmal innehalten und sich fragen, ob Ihnen diese Menschen gut tun oder Sie nicht doch viel eher runterziehen! Charlottes Strategie in solchen Fällen: "Aufstehen und sagen `Stopp! Das ist beleidigend` und wenn’s nötig ist einfach gehen."

Außerdem rät sie: "Einfach ausprobieren und sich trauen." Egal, ob es um den kurzen Rock oder den knallroten Lippenstift geht – je häufiger Sie über den eigenen Schatten springen, desto eher geben Sie liebenswürdigen Menschen die Gelegenheit für ein ehrliches und herzliches "Du siehst toll aus!" Und was gibt es bitte Aufmunternderes als ein Kompliment, das von Herzen kommt?

Tipp: In ihrem Blogbeitrag "How to gain more Confidence" gibt Charlotte großartige Tipps, wie gesundes Selbstbewusstsein im Alltag aussehen kann. Absolut lesenswert!

09.08.2018| Liv Bernstein © womenshealth.de
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