Brustkrebs Vorsorge & Symptome: Alles Wichtige über Brustkrebs

Brustkrebs vorbeugen – geht das?
In Deutschland wird bei 69.000 Frauen pro Jahr Brustkrebs neu diagnostiziert. © Vasilii Kireer / Shutterstock.com

Immer mehr junge Frauen erkranken an Brustkrebs. Früh erkannt sind die Heilungschancen groß. Das sind die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen

Nachrichten von an Brustkrebs erkrankten Frauen erschrecken immer wieder. Ihre Fälle machen dir bewusst, dass es jede treffen kann, auch junge Frauen, auch dich. Doch anstatt das Thema aus Angst schnell zu verdrängen, solltest du aktiv werden: Gehe regelmäßig zur Brustkrebsvorsorge und taste deine Brust selbst ab. Denn früh erkannt, ist Brustkrebs heute längst kein Todesurteil mehr.

Gerade erst belegte eine im renommierten Wissenschaftsportal von "The Lancet“ veröffentlichte Studie, dass weltweit die Brustkrebsrate bei Frauen zwischen 20 und 39 Jahren steigt. Und dass etwa ein Drittel der erkrankten 20- bis 39-jährigen Frauen daran stirbt.

Aber: Ein wesentlicher Grund dafür ist die bei Jüngeren meist erst spät gestellte Diagnose. Wird der Krebs früh erkannt, liegt die Überlebenschance bei etwa 80 Prozent. Hat der Krebs bereits gestreut, sinkt diese Quote enorm. Also: Vorsorge ist die beste Überlebenschance. Hier findest du alles dazu.

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Brustkrebs
28 Prozent aller Krebsfälle bei Frauen betreffen die Brüste. © Chinnapong / Shutterstock.com

Wie hoch ist mein Brustkrebs-Risiko?

Das statistische Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei 10 Prozent, wenn die gesamte Lebensspanne einer Frau bis zum Ende der durchschnittlichen Lebenserwartung von derzeit 82 Jahren betrachtet wird. "Das heißt: Von 100 heute 20-jährigen Frauen bekommen 10 irgendwann in ihrem Leben Brustkrebs", erläutert Mühlhauser. Weil diese Krebsart in jungen Jahren jedoch meist deutlich aggressiver ist, muss das Risiko in verschiedenen Lebensabschnitten einzeln betrachtet werden.

Laut Krebsinformationsdienst liegt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, im Alter von 35 Jahren bei unter einem Prozent. In diesem Alter muss eine von 110 Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten 10 Jahre zu erkranken. Mit 45 ist es bereits eine von 47, mit 55 wird innerhalb der nächsten 10 Jahre Brustkrebs bei einer von 31 Frauen diagnostiziert. Mit 65 Jahren liegt das Risiko am höchsten: Eine von 27 Frauen wird bis zum Alter von 75 erkranken. Danach wird das Risiko zumindest statistisch gesehen wieder geringer.

Wird Brustkrebs vererbt?

Die Risikoabschätzung muss sich auch dann nicht unbedingt ändern, wenn jemand in der Verwandtschaft an Brustkrebs erkrankt ist. Nur 5 bis 10 Prozent aller Fälle sind familiär bedingt, was bedeutet, dass genetische Fehler vorliegen, die weitervererbt werden.

Verdacht auf eine geerbte Veranlagung für Brustkrebs besteht zum Beispiel dann, wenn Mutter oder Schwester bei der Diagnose jünger als 36 waren oder wenn bei 2 oder mehr erkrankten nahen Verwandten eine davon jünger als 50 war. Bedenklich sind auch Fälle von beidseitigem Brustkrebs und ganz besonders solche, bei denen Brust- und Eierstockkrebs gemeinsam auftreten.

Ob das aber auch dein eigenes Risiko erhöht, kann nur in einer Analyse durch Fachleute ermittelt werden. Lass deine Gene also nicht bei irgendeiner Internetfirma untersuchen, sondern wende dich an eine anerkannte genetische Beratungsstelle.

Die Brust regelmäßig abzutasten ist die besten Brustkrebsvorsorge
Jede Frau sollte ihre Brüste regelmäßig auf Veränderungen überprüfen. © BigmanKu / Shutterstock.com

Wo kann ich mein Brustkrebsrisiko bestimmen lassen?

Bis zu 10 Prozent der Brustkrebsfälle sind familiär bedingt, also durch geerbte Genver­änderungen ausgelöst. "Die familiären Häufungen folgen überwiegend einem dominanten Erbgang, das heißt: Die Chance der Schwestern und Töchter von Betroffenen, die Veranlagung nicht zu haben, liegt bei 50 Prozent", sagt Professor Sabine Rudnik-Schöneborn vom Institut für Humangenetik an der Uni­klinik Aachen.

Doch nur die Hälfte der genetisch bedingten Fälle geht auf eines der 2 Brustkrebsgene zurück, und nur dann kann ein Test Entlastung bringen. Aber eben auch böse Neuigkeiten: So erhöht zum Beispiel ein mutiertes BRCA1-Gen das Risiko für Brustkrebs auf 80 und für Eierstockkrebs auf 45 Prozent.

Bei einem begründeten Verdacht zahlen die Krankenkassen den sehr teuren Test, der per Blutabnahme erfolgt. Anerkannte human­genetische Beratungsstellen sind dafür zuständig, Adressen in deiner Nähe gibt es unter gfhev.de.

Wird ein verändertes BRCA-Gen gefunden, sollten Spezialisten hinzugezogen werden (krebshilfe.de/brustkrebszentren). Sie helfen Betroffenen, eine für sie stimmige Entscheidung über das weitere Vorgehen zu finden. "Viele denken sofort an das Abnehmen beider Brüste, dabei muss man eher über die Entfernung der Eierstöcke nachdenken", sagt Rudnik-Schöneborn. Denn auch dort wirkt sich das BRCA-Gen aus, und für Eierstockkrebs gibt es keine Früherkennung. Die OP beugt auch der Hormonwirkung vor und senkt die Gefahr für die Brüste um die Hälfte. Diese können zudem engmaschig mit Röntgen-, Ultraschall- und Kernspin-Untersuchungen überwacht werden.

Bei Verdacht auf Brustkrebs sollte man eine Mommographie machen lassen
Auffällige Veränderungen an der Brust? Sofort einen Termin bei der Gynäkologin vereinbaren! © LStockStudio / Shutterstock.com

Wie wirken sich Hormone auf das Brustkrebsrisiko aus?

Vor allem das Östrogen spielt für das Brustkrebsrisiko eine Rolle. Viele Frauen spüren sehr deutlich, dass das Auf und Ab der Zyklushormone auf ihre Brüste einwirkt. Tatsächlich erhöht es auch das Tumorrisiko, diesem Wechselspiel länger ausgesetzt zu sein als der Durchschnitt. So ist eine frühe erste Regel (vor dem Alter von 12 Jahren) mit einem höheren Risiko verbunden, als wenn die Menstruation erst mit 14 oder später eingesetzt hat.

Das individuelle Risiko erhöht sich auch bei Frauen, die spät in die Wechseljahre kommen oder kinderlos bleiben. Je mehr Babys eine Frau bekommt, desto mehr sinkt für sie die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen, sei es vor oder nach den Wechseljahren. Dieser Effekt zeigt sich sogar bei erblich belasteten Frauen. Das Risiko sinkt weiter, je früher in ihrem Leben eine Frau gestillt hat und je länger insgesamt.

US-­Forschern zufolge würde es 25 Prozent weniger Brustkrebsfälle geben, wenn alle Frauen in ihrem Leben insgesamt 24 Monate stillen würden. Als Ursache wird vermutet, dass der Zyklus während Schwangerschaft und Stillzeit ruht.

Welchen Einfluss haben Hormon-Präparate, etwa die Pille?

Beim Thema hormonelle Verhütung ist ein leicht erhöhtes Risiko erkennbar für die Zeit, in der Pille & Co. angewendet werden, sowie für die 10 darauffolgenden Jahre.

Deutlich gefährlicher allerdings sind die Hormone gegen Beschwerden der Wechseljahre. "Man sollte sie, wenn überhaupt, nicht länger als notwendig nehmen", empfiehlt Professor Jenny Chang-Claude, Epidemiologin am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Während du also wichtige Faktoren kaum beeinflussen kannst (oder würdest du nur zum Wohledeiner Brüste Kinder in die Welt setzen?), kannst du bei Verhütung und Medikamenten aktiv mit­entscheiden. Und nicht nur dort.

Brustkrebs vorbeugen – geht das?
In Mammacare-Kursen lernst du, deine Brüste selbst richtig abzutasten. Sehr zu empfehlen! © Karramba Production / Shutterstock.com

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Brustkrebs?

Auch die Ernährung beeinflusst die Hormone. Wichtig ist hier vor allem ein gesundes Gewicht. Die gleichen Hormone, die Fettzellen mästen, können nämlich auch Tumorzellen wachsen lassen. Bei leichtem Übergewicht musst du dich aber natürlich nicht verrückt machen. "Erst bei Fettleibigkeit, also ab einem BMI von 30, erhöht sich deutlich das Risiko für Brustkrebs nach den Wechseljahren", sagt Chang-Claude.

Grundsätzlich ist vor allem die Ernährung in der Kindheit wichtig. Kindliches Übergewicht gilt als kritisch, weil es den Stoff­wechsel verändert und die Ausschüttung von Wachstumshormonen übermäßig anregt. Aus dem gleichen Grund sehen einige Wissen­schaftler auch Milchprodukte kritisch. Die Zusammensetzung von Milch ist von Natur aus darauf optimiert, Wachstum zu fördern – und zwar in dem Maße, wie es ein Kalb braucht, das sein Körpergewicht innerhalb von 40 Tagen verdoppelt. Für den menschlichen Körper sei das einfach zu viel, vor allem für Babys. Es gibt viele Hinweise, die diese Argumentation unterstützen.

So sind Kinder, die gestillt wurden, im Schnitt nicht nur schlanker als Flaschenkinder und bleiben es auch als Erwachsene, sondern erkranken später auch seltener an Brustkrebs. "Es gibt tatsächlich Indizien dafür, dass Milchkonsum für die Entwicklung von Übergewicht und Brustkrebs eine Rolle spielt", meint Expertin Chang-Claude. Die Datenlage sei aber alles andere als klar.

Grüner Tee oder Granatäpfel gelten als Helfer zur Brustkrebsvorsorge. Experten sind da skeptisch. © Kaponia Aliaksei / Shutterstock.com

Welche Lebensmittel können Einfluss aufs Brustkrebs-Risiko haben?

Ähnlich schwierig wie beim Milchkonsum ist es zu beurteilen, wie sehr Kohlenhydrate das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Viel Brot, Müsli, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Zuckerzeug zu essen zwingt den Körper dazu, das Wachstumshormon Insulin im Übermaß auszuschütten – und das kann eben auch auf Krebszellen einwirken.

Fett hat als Bösewicht jedenfalls ausgedient. Entscheidend ist nicht, wie hoch der Fettanteil in der Ernährung ist, sondern ob die tägliche Kalorienzufuhr insgesamt über dem Verbrauch liegt. Und das macht Gemüse und Obst weiterhin wertvoll für eine gesunde Ernährung, selbst wenn der direkte Einfluss auf das Krebsrisiko Studien zufolge offenbar geringer ist als erwartet.

Beim Hype um einzelne Lebensmittel wie grünem Tee oder Granatäpfeln machen Epidemiologen wie Chang-Claude kaum mit. Denn für eine Krankheit wie Krebs, die sich über Jahrzehnte entwickelt, lassen sich die Effekte nur schwer ermitteln. Das gilt auch für Soja. Weil die Bohnen reich an Phyto­östrogenen sind, könnten sie theoretisch das Brustkrebsrisiko senken – doch die Daten sind nicht eindeutig. "Wir vermuten, dass Soja diese Wirkung nur bei einer regelmäßig hohen Zufuhr entwickeln kann, und zwar auch schon in jungen Jahren", sagt Chang-Claude.

Inzwischen hat jedoch eine andere Klasse der Phytoöstrogene die Aufmerksamkeit der Forscher geweckt: die Lignane. Sie kommen vor allem in Getreide und Samen (z.B. in Weizenkleie, Leinsamen und Sonnenblumenkerne), vor und werden derzeit intensiv untersucht. "Es gibt noch Forschungsbedarf, vor allem darüber, wie viel Lignane man zu sich nehmen sollte", erklärt Chang-Claude. "Aber wir haben deutliche Hinweise auf eine Schutz­wirkung bei Brustkrebs, insbesondere nach den Wechseljahren."

Brustkrebs vorbeugen – geht das?
Bösartige Veränderungen im Brustgewebe können per Ultraschall und Mammographie erkannt werden. © muratart / Shutterstock.com

Was kann ich tun, um mein Brustkrebsrisiko zu senken?

Außer auf dein Gewicht zu achten, gibt es noch mehr, was du selbst tun kannst, um dein individuelles Brustkrebsrisiko zu senken. Den üblichen Verdächtigen Tabak, Alkohol und den Giften, die beim Grillen von Fleisch entstehen können, gehst du auch deiner Brüste zuliebe besser aus dem Weg.

Ebenfalls ein alter Bekannter ist einer der wichtigsten Faktoren, die das Brustkrebsrisiko senken: Bewegung. Sie reguliert den Insulinspiegel, hält das Gewicht im gesunden Bereich und stärkt das Immunsystem, welches entartete Zellen ausmustern soll, bevor daraus Krebs wird. Doch Vorsicht: Wer es mit dem Sport übertreibt, schwächt die Abwehr eher. Ein Hinweis auf Übertraining können häufige Erkältungen sein.

Vitamin D als Schutzschild gegen Brustkrebs

Die Stärkung des Immunsystems ist wohl auch der Grund, warum Sonnenlicht mit einer Senkung des Brustkrebsrisikos verbunden ist. Es regt nämlich die Bildung von Vitamin D in der Haut an, das trotz seines Namens ein Hormon ist.

Sowohl in der berühmten amerikanischen Nurses' Health Study als auch in der deutschen MARIE-Studie ermittelten die Forscher ein um rund 30 Prozent gesenktes relatives Risiko bei Frauen, die einen ausreichend hohen Vitamin-D-Spiegel haben. Als gut gilt die Versorgung dann, wenn der Blutwert mindestens 30 Nanogramm pro Milliliter beträgt (ein Test beim Hausarzt kostet etwa 25 Euro).

Wenn du deine Eigenproduktion ankurbeln willst, musst du dich bis zum Frühling gedulden, da die UVB-Strahlen in Deutschland nur von April bis September kräftig genug für die Vitamin-D-Bildung sind. In dieser Jahreshälfte sollten dann vor allem Büroarbeiter zum Sonnensammler werden, um sich einen Wintervorrat anzulegen. Einen Sonnenbrand darfst du dabei trotzdem nie riskieren, denn der schadet nicht nur deiner Haut, sondern auch dem Immunsystem.

Allein über die Ernährung kommt man nicht an die empfohlenen Werte ran, allenfalls mithilfe von Tabletten. Unter Experten gilt derzeit die Einnahme von täglich 2000 IE (Internationale Einheiten) als sicher und auch ausreichend, um nach und nach einen guten Blutspiegel aufzubauen und zu halten. Ob das künstliche Tabletten-D jedoch die gleiche Schutzwirkung hat wie das selbst gemachte Sonnen-D, ist noch nicht erwiesen.

Schützt das Abtasten der Brust vor Brustkrebs?

Ja, denn der beste Schutz vor Brustkrebs ist immer noch die Vorsorge. Wenn du eines aus den zum Teil tragischen Schicksalen tapferen Kämpferinnen gegen ihren Brustkrebs lernen kannst, dann ist es, auf deine Gesundheit zu achten, sensibel für die Signale deines Körpers zu sein und zu lernen, deine Brüste regelmäßig richtig abzutasten.

Am besten erfolgt das Abtasten nach sorgfältiger Anleitung, etwa durch einen Mammacare-Kurs (mammacare. de), bei dem auch am Silikonmodell geübt wird. Der beste Zeitpunkt für das Abtasten ist gleich nach der Regel, dann ist das Gewebe am weichesten.

Brustkrebs ist nicht unbesiegbar! Vorsorge ist das A und O. Selbst im schlimmsten Fall hast du bei einer frühen Diagnose eine 80-prozentige Chance, durch die guten medizinischen Therapiemöglichkeiten zu überleben und ins Leben zurückfinden.

13.09.2019| Kirsten Segler & Christine Naefeke © womenshealth.de
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