Bullet Journal Dieses Notizbuch schlägt jede To-do-Liste

Das ist der wahrscheinlich genialste Alltags-Planer aller Zeiten! © Yulia Grigoryeva / Shutterstock.com

Sie mögen To-do-Listen? Dann werden Sie das Bullet Journal lieben. Denn das ist die genialste Methode, um den Alltag zu planen und nie mehr etwas zu vergessen

Wie viele Punkte haben Sie heute eigentlich schon auf Ihrer To-do-Liste weggestrichen? Ach, Sie wissen gar nicht, wo Sie die hingelegt haben. Und wie schaut’s mit dem Wassertrinken aus? Heute schon die 2-Liter-Marke geknackt? Sie haben keinen Schimmer, soso … Und sollten Sie nicht langsam mal das Geburtstagsgeschenk für Ihre Schwester besorgen, die übermorgen 30 wird? Ach, das haben Sie voll verbaselt? Autsch! Das wird jetzt echt ein knappes Höschen …

Keine Sorge, die wenigsten unter uns sind perfekt, wenn es um Disziplin und Selbstorganisation geht. Das heißt allerdings nicht, dass wir uns in puncto Selbstmanagement nicht gerne steigern würden. Nicht, um noch mehr auf unsere To-do-Listen zu packen, sondern schlichtweg, um einfach mal Platz zu machen in unserem Kopf und nicht ständig das ungute Gefühl mit uns herumzutragen, wir hätten irgendwas vergessen oder zu viel Zeit mit unwichtigem Schnickschnack verplempert.

To-do-Listen befreien den Kopf

Wer seine Aufgaben und Ziele schriftlich festhält, vergisst nicht nur weniger, sondern lebt tatsächlich stressfreier, haben längst Wissenschaftler herausgefunden: Laut einer Studie der amerikanischen Baylor University (erschienen im Journal of Experimental Psychology: General) sollen To-do-Listen sogar als Einschlafhilfe dienen. Die eine Hälfte der Probanden sollten abends vor dem Zubettgehen schriftlich festhalten, welche Aufgaben sie am Vortag erfolgreich erledigt hatten, die andere Hälfte sollte die To-dos für den kommenden Tag auflisten. Wer schlief wohl schneller ein? Verblüffenderweise diejenigen, die ihre To-dos für den nächsten Tas notierten. Die Erklärung der Wissenschaftler: To-do-Listen befreien den Kopf – je konkreter formuliert, desto besser. Das würde den Schrecken vor der bevorstehenden Aufgabe nehmen und man könne das Grübeln darüber einfacher einstellen.

Alles schön und gut, aber wie lang wäre wohl eine To-do-Liste, auf der wirklich all die Dinge vermerkt sind, die Sie morgen, nächste Woche, in diesem Monat und im Laufe des Jahres noch erledigen wollen und müssen? Wie um alles in der Welt soll man bei hunderten von Bulletpoints den Überblick behalten, priorisieren, kategorisieren und überhaupt?! An dieser Stelle kommt nun endlich das Bullet Journal ins Spiel …

Was ist ein Bullet Journal und woher kommt die Idee?

Idee und Name gehen auf Ryder Carroll zurück, einem digitalen Produktdesigner aus New York, der von klein auf an einer Aufmerksamkeitsstörung litt und sich daher unglaublich schwer damit tat, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Er war stets auf der Suche nach einer Technik, um alle Ideen, Gedanken, Aufgaben und Ziele so abzulegen und zu organisieren, dass er das Gefühl hatte, alles im Blick zu haben, nichts zu vergessen und keine Zeit mehr für Unwichtiges zu verschwenden. Mit Stift und Notizbuch gelang ihm als Student schließlich das, was inzwischen als DIE neue Art der Alltagsorganisation gehypt wird – das Bullet Jorunal.

Das Bullet Journal kann eine Mischung aus Kalender, To-do-Liste, Notizbuch, Ideensammlung und Motivater kurz- und langfristiger Ziele sein. Die Betonung liegt auf "kann“, denn das Bullet Journal folgt keinen festen Regeln. Es wird letztlich das notiert, was der jeweiligen Person wichtig ist. Sprich: Der eine trackt im Bullet Journal wie viele Gläser Wasser er jeden Tag trinkt, der andere möchte täglich drei Dinge notieren, für die er am jeweiligen Tag besonders dankbar war. Wiederum andere nutzen den Kalender, um ihr Gewicht zu beobachten, ihre Periode zu kontrollieren oder um sich daran zu erinnern das Katzenklo sauber zu machen. Ergo: Im Bullet Journal ist alles erlaubt, was für Sie Relevanz hat.

Wie hilft mir das Bullet Journal dabei meine Produktivität zu steigern?

Relevanz – gutes Stichwort! Denn letztlich ist laut Carroll der erste Schritt, um mit dem Bullet Journal zu starten, zu entschlüsseln, was wirklich wichtig ist, was wir tatsächlich erledigen wollen, müssen und sollten und welche To-dos wir lieber gleich über Bord werfen, weil sie uns belasten und Zeit klauen. Das kann beispielsweise die fixe Idee sein, unbedingt das Buch zu Ende zu lesen, das schon seit Monaten auf Ihrem Nachttisch verstaubt, weil es so öde ist. Weg damit. Lesen Sie stattdessen Bücher, die Sie wirklich interessieren, inspirieren oder gut tun. "Wer busy ist, ist noch lange nicht produktiv“, sagt Ryder Carroll während eines TED-Talks und hält fest: Ein Bullet Journal sollte uns vor allem dabei helfen in unserem Kopf aufzuräumen, es soll unsere Neugier speisen und uns dabei unterstützen uns auf das wirklich Wichtige zu fokussieren.

Warum selbstgestaltete Kalender die besseren To-do-Listen sind

Hinzu kommt der gestalterische Aspekt, der bei Vielen mit dem Führen eines Bullet Journals einhergeht (Ein bisschen wie früher, als wir unsere Hausaufgabenhefte verschönert haben). Diese Planer sind mitunter regelrechte Kunstwerke, deren Seiten häufig liebevoll und aufwändig gestaltet werden – einfach, weil es wesentlich mehr Spaß macht, ein solches Journal zu führen als einen schnöden, unpersönlichen Kalender oder eine App. Womit wir auch schon beim nächsten wichtigen Punkt wären: Welche Vorteile hat das Bullet Journal eigentlich gegenüber Apps und digitalen Kalendern? Tatsächlich so einige …

Je digitaler unser Alltag wird, desto mehr verteilen sich unsere Notizen und Aufgaben auf ganz unterschiedliche Mappen, Listen, Apps, Mail-Ordner usw. Haben Sie bei all diesen Eingängen und Ablagen wirklich noch den Überblick darüber, welche To-dos irgendwo in der Versenkung oder in Ihrem E-Mail-Postfach herumdümpeln? Welche angefangenen Ideen brach liegen, weil sie in irgendeinem Notizbuch versauern, das sie schon längst vergessen haben? "Wenn Sie Erinnerungshilfen (…) irgendwo außer Sichtweite ablegen, kann das eine Gefahr bedeuten“, sagt auch David Allen, Autor des Bestsellers "Wie ich die Dinge geregelt kriege“. Auch er plädiert für einen Papier-Planer, der wirklich alles umfasst und auf den wir uns wirklich verlassen können: "Es kann zu einem großartigen Erlebnis werden, wenn Sie eine gemeinsame Liste all Ihrer Projekte erstellen und führen!“, so Allen.

Ein weiterer Aspekt in puncto Produktivität ist, dass ein Bullet Journal von Hand geschrieben wird und was wir handschriftlich notieren, bleibt einfach besser im Gedächtnis. Bestes Beispiel hierfür ist eine Studie, die vor einigen Jahren an der Princeton University in New Jersey durchgeführt wurde. In einem Experiment sollten sich Studenten Notizen zu Vorträgen machen – die einen handschriftlich, die anderen mithilfe ihres Laptops. Anschließend sollten die Probanden Fragen zum Vortrag beantworten. Hinsichtlich der reinen Fakten schlugen sich beide Gruppen gleich gut, allerdings schnitt die Gruppe mit den Notizen von Hand wesentlich besser ab, als es um Verständnisfragen ging. Die anderen waren viel zu sehr damit beschäftigt, den Vortrag nahezu wörtlich zu transkribieren und weniger über dessen Inhalt nachzudenken.

Ergo: Das Tippen in ein Smartphone oder einen Laptop mag Ihnen vielleicht schneller von der Hand gehen, allerdings macht es längst nicht so einen Spaß wie das kreative Austoben mit Stift und Papier. Selbst wenn Sie sich zur minimalistischen Sorte zählen, die ihr Bullet Journal ungern mit Blumenranken und buntem Klebetape versehen – Sie werden überrascht sein, wie viel besser Ihnen Dinge plötzlich im Gedächtnis bleiben, die Sie eigenhändig aufgeschrieben haben.

Wie fängt man am besten sein Bullet Journal an?

Wie gesagt: Es gibt bei der Gestaltung des Bullet Journals keine Regeln. Trotzdem möchten wir Ihnen die Variante von Ryder Carroll einmal vorstellen, um überhaupt einen ersten Einblick zu geben.

Man benötigt ein Notizbuch, bestenfalls eines der Kategorie "dotted“ – also weder schneeweiße Seiten, Linien oder Karos, sondern eines mit kleinen Punkten. Das hilft ungemein beim sauberen Gestalten, beim Ziehen von Linien etc. Am beliebtesten ist wohl derzeit das Notizbuch von Leuchtturm1917, aber auch die Planer von Moleskine finden beim Bullet Journaling Anwendung. Letztlich lässt sich das Bullet Journal aber natürlich in jedem x-beliebigen Planer anlegen.

Auf der ersten Doppelseite wird ein Index angelegt, in dem alle nachfolgenden Seiten, Kapitel oder Listen vermerkt werden, um sie schneller wiederzufinden. Der Index wird demnach also permanent erweitert.

Auf der nächsten Doppelseite folgt das Future Log, also die Jahresübersicht. Dafür kann man die Doppelseite mithilfe von zwei horizontalen Strichen beispielsweise in sechs Bereiche aufteilen: Das soll Ihre Halbjahres-Übersicht werden. Anschließend die Bereiche mit den entsprechenden Monaten versehen. Hier tragen Sie all die Dinge und Aufgaben ein, die in den kommenden Monaten anstehen, aber noch nicht zu Ihren aktuellen To-dos zählen.

Die nächste Doppelseite wird zur aktuellen Monatsübersicht, dem Monthly Log. Auf der linken Seite notieren Sie die Wochentage des entsprechenden Monats wie bei einem herkömmlichen Kalender. Auf der rechten Seite listen Sie die Dinge auf, die Sie in diesem Monat erledigen möchten oder müssen und gegebenenfalls wann genau das geschehen sollte. Und zwar alles – von der Steuererklärung über den Anruf beim Tierarzt bis hin zu dem Wunsch, endlich mal Ausschau nach einem guten Yogastudio zu halten.

Danach kommt der Daily Log, also die Tagesübersicht. Hier werden unsere klassischen, täglichen To-dos notiert und gleichzeitig kategorisiert. Es gibt Aufgaben ("Die Bücher in die Bibliothek bringen“; versehen mit einem Punkt), Ereignisse ("Tinas 30. Geburtstag“; gekennzeichnet mit einem Kreis) und Notizen ("Peter: Nussallergie!“; versehen mit einem Gedankenstrich). Ist eine Aufgabe besonders wichtig, wird sie mit einem zusätzlichen Stern markiert. Wie oben bereits erwähnt: Alles, was Ihnen sonst noch wichtig ist, darf hier natürlich auch vermerkt werden: Ihr Sportprogramm, Ihre "Mehr-Wasser-Trinken“-Erinnerung usw.

So funktioniert die Migration beim Bullet Journal

Am Ende eines jeden Monats wird eine neue Monatsübersicht angelegt. Anschließend checkt man, ob die täglichen Aufgaben des vergangenen Monats allesamt abgearbeitet wurden (dann bekommen Sie ein Kreuzchen). Dinge, die Sie nicht erledigt haben, sollten kurz dahingehend geprüft werden, ob sie überhaupt noch relevant sind. Wenn ja, werden sie mit einem Pfeil nach rechts gekennzeichnet und in den neuen Monat übertragen; wenn nicht, werden sie durchgestrichen. Gibt es Aufgaben, die erst in einigen Monaten anfallen, werden sie mit einem Pfeil nach link markiert und in das Future Log übertragen. Diesen Vorgang nennt Ryder Carroll übrigens "Migration“ – unerlässlich, um Ihr Bullet Journal immer aktuell zu halten und nicht den Überblick zu verlieren.

Um wirklich erfolgreich und produktiv mit dem Bullet Journal zu arbeiten, empfiehlt Ryder Carroll jeden Tag fünf Minuten zu investieren, um die aktuell offenen To-dos zu sichten, zu streichen, zu ergänzen und zu migrieren. Diese Art der Reflexion hilft Ihnen nicht nur dabei, all Ihre Aufgaben zuverlässig im Blick zu behalten, sondern auch, nach und nach besser zu entscheiden, welche Dinge wirklich Ihre Zeit wert sind und welche nicht.

Darüberhinaus gibt es nun unzählige Möglichkeiten, das Bullet Journal weiter auszubauen und als sinnvolles, individuelles Planungstool zu verwenden. Beliebt sind beispielsweise die sogenannten Habit Tracker. Darunter versteht man Tabellen oder Listen (wie auch immer Sie Ihren Habit Tracker gestalten wollen), die Sie zum einen an tägliche oder wöchentliche Gewohnheiten erinnern, vor allem aber auch Ihre Disziplin verbessern sollen. Wer jeden Tag (oder jede Woche) abhaken kann, dass er seine Po-Übungen gemacht, nicht geraucht oder die Blumen gegossen hat, freut sich tatsächlich über das sichtbare Ergebnis, das sich einem nach einiger Zeit Schwarz auf Weiß präsentiert.

Und jetzt: Einfach loslegen!

Das Bullet Journal ist inzwischen bei unglaublich vielen und dabei völlig unterschiedlichen Menschen beliebt. Manager wissen diese Art der Alltagsplanung mittlerweile genauso zu schätzen wie Studenten. Das liegt vor allem daran, weil es a) funktioniert, b) uns disziplinierter und damit zufriedener macht und c) keine starren Regeln verfolgt und mit seinem Benutzer quasi "wächst". Inzwischen ist das Netz voll von Vorlagen, Layouts und jeder Menge Ideen zur Gestaltung des eigenen Bullet Journals. Heißt also: Stöbern, inspirieren lassen, selber kreativ werden und einfach ausprobieren. Wer sich über einen längeren Zeitraum auf dieses Planungssystem einlässt, wird ohnehin feststellen, dass er sein Bullet Journal immer wieder ummodelt, Tracker weglässt und neue Tools hinzunimmt. Und das ist laut Ryder Carroll auch gut so. Schließlich soll das Austesten und Verwerfen dazu dienen sein "mental inventory“, seine geistige Landkarte immer auf dem neuesten Stand zu halten.

26.04.2018| © womenshealth.de
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