Gefährliche Impfgegner Warum Impfungen wichtig sind, auch für Erwachsene

Skepsis gegenüber Impfungen ist unnötig, sogar gefährlich. © Image Point Fr / Shutterstock.com

Nervt Sie das Gejammer der Impfgegner? Brauchen Sie noch mehr Argumente? Oder sind Sie selbst skeptisch? Hier werden alle Impf-Zweifel ausgeräumt

Alle Welt diskutiert über Impfungen. Schuld sind Impfgegner, die sich weigern, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen und mit ihrem Irrglauben in die Öffentlichkeit drängen. Ihre Argumente werden immer lauter und schärfer, darum aber nicht richtiger.

Ärzte dagegen warnen deutlich vor den Impfverweigerern und fordern jetzt sogar eine Impfpflicht. Noch klarer machte es die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Sie stufte die Impfgegner im Januar 2019 als "Gesundheitsbedrohung" ein, stellt sie also Ebola-Viren und Luftverschmutzung gleich.

Sie selbst fragen sich bei all dem Geschrei vielleicht: Sollten Sie sich impfen lassen? Ist etwas dran an den Argumenten der Impfgegner? Wir haben das Thema einmal genau unter die Lupe genommen.

Warum soll ich mich impfen lassen?

Um sich und andere zu schützen. Eine Impfung kann Sie sehr einfach vor Krankheiten bewahren, die noch bis ins 19 Jahrhundert hinein Epidemien mit Tausenden von Toten ausgelöst haben. Und Sie schützen dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Denn wenn Sie die Krankheit nicht bekommen, können Sie auch andere nicht anstecken. Ist der größte Teil der Bevölkerung geimpft, greift der so genannte Herdenschutz (oder auch: Herdenimmunität), die Krankheit kann sogar ausgerottet werden.

Lange Zeit waren Menschen praktisch machtlos gegen eine Vielzahl von krankheitserregenden Viren und Bakterien. Die Folge: Millionen von Menschen infizierten sich zum Beispiel mit Keuchhusten und Masern und starben nicht selten an den Folgen. Heute gibt es, dank medizinischem Fortschritt, die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Impfungen gegen ansteckende Krankheiten zu schützen.

Impfen zählt deshalb als wichtigste und wirksamste vorbeugende Maßnahme in der Medizin. Die Entscheidung, ob Sie sich impfen lassen möchten, liegt allerdings bei Ihnen. In Deutschland gibt es (bisher) keine Impfpflicht. Jede*r kann, ohne Angabe von Gründen, eine Impfung für sich oder eigene Kinder ablehnen. Allerdings wird aktuell im Bundestag tatsächlich die geforderte Wiedereinführung einer Impfpflicht für Masern geprüft, weil die Zahl der Erkrankungen aufgrund mangelnden Impfschutzes weltweit auf dem Vormarsch ist.

Bei einer Impfung werden abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger injiziert, die dem Körper eine Infektion vortäuschen und der darauf mit Antikörpern reagiert. Mit Hilfe dieser Gedächtniszellen kann der Körper bei einer Ansteckungen mit „echten“ Erregern schnell aktiv werden, so dass die Krankheit gar nicht erst ausbrechen kann. © Redpixel.Pl / Shutterstock.com

Warum gibt es Impfgegner?

Zum Impfgegner werden Menschen aus unterschiedlichen Gründen:

  • Einige Impfgegner halten Impfungen für überflüssig, z. B. weil sie oder ihre Eltern Infektionskrankheiten ohne Folgen überstanden haben. Oder weil Infektionskrankheiten in Vergessenheit geraten sind und als nicht mehr relevant erachtet werden. Beides sind keine Gründe, denn sowohl die eigene Nicht-Ansteckung als auch das Verschwinden der Krankheiten sind natürlich dem allgemeinen Impfschutz zu verdanken.
  • Bei vielen stehen die Bedenken über die Sicherheit der Impfstoffe im Fokus. Impfgegner sind der Meinung, Impfungen seien gefährlich und würden Stoffe enthalten, die der Gesundheit mehr schaden als nutzen würden. All diese Behauptungen sind allerdings nicht belegt und beruhen meist auf Hörensagen und Gerüchten.
  • Immer mehr Menschen reagieren verunsichert auf die Argumente der Impfgegner – und stehen dem Ganzen erst einmal skeptisch gegenüber. Darum muss es weiterhin Artikel geben wie diesen hier.

Wie viele Impfgegner gibt es?

Die genaue Anzahl der Menschen, die sich in Deutschland gegen eine Immunisierung entscheiden, ist nicht bekannt. Einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2014 zufolge stehen nur etwa 2 bis 4 Prozent der Bevölkerung Impfungen allgemein "ablehnend" gegenüber, weitere 3 bis 4 Prozent "eher ablehnend".

Es gibt aber noch die Gruppe der Impfskeptiker, die sich in der Regel nicht vollständig gegen die Sinnhaftigkeit von Impfungen aussprechen. Hinzu kommen Menschen, die aus Unwissenheit nicht geimpft sind. Aktuell ist die allgemeine Impfbereitschaft in Deutschland zwar relativ hoch und werden über 90 Prozent der Kinder geimpft, trotzdem versäumen viele Eltern, ihren Kindern zum Beispiel die zweite Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu geben.

Warum sind Impfgegner gefährlich?

Impfgegner werden vermehrt mit Ausbrüchen von Infektionskrankheiten in Verbindung gebracht. Genau darum schlug die WHO Anfang 2019 Alarm: Fehlende Impfbereitschaft zählt laut ihren Erhebungen neben Luftverschmutzung und Übergewicht zu den 10 größten Gesundheitsgefahren der Welt!

Laut WHO könnte ein vollständiger Impfschutz jährlich 2 bis 3 Millionen Menschenleben retten. In Deutschland bestehen vor allem bei Masern erhebliche Impflücken in der Bevölkerung. Diese Lücken entstehen durch Unwissende (die ihre Impfungen versäumen), unsichere Impfskeptiker und natürlich Impfgegner, die sich ganz bewusst gegen eine Immunisierung wehren. Letzteres ist fatal: Impfgegner nehmen bewusst in Kauf, dass Krankheitserreger sich weiter ausbreiten. Darum ergibt ihre Einstufung als Gesundheitsgefahr Sinn.

Das Pieksen der Injektionsnadel kann kurz weh tun, ansonsten muss man bei Impfungen in der Regel mit keinen Nebenwirkungen rechnen. © Onchira Wongsiri / Shutterstock.com

Wie argumentieren Impfgegner? Was entgegnen die Experten?

Impfgegner wehren sich – Fakten, Erfahrungswerten und WHO zum Trotz – gegen eine Immunisierung. Das Experten-Team des Fachgebiets Impfprävention vom Robert-Koch-Institut nimmt Stellung zu den häufigsten Einwänden:

1. "Impfen ist unnötig – die meisten Krankheiten gibt es in Deutschland gar nicht mehr."
Das sagt das RKI: "Einige Infektionen wie Kinderlähmung kommen seit vielen Jahren in Deutschland nicht mehr vor oder sind, wie Diphtherie, hierzulande eine Rarität geworden. Allerdings ist dies bereits das Resultat von Impfprogrammen. Sinkende Impfquoten bergen prinzipiell auch die Gefahr neuer Epidemien. Durch den internationalen Reiseverkehr können zum Beispiel Infektionen wieder nach Deutschland eingeschleppt werden."

2. "Impfen ist gefährlich: Es kann zu nicht vorhersehbaren Risiken und Nebenwirkungen kommen."
Das sagt das RKI: "Immer wieder ist in den vergangenen Jahren darüber gestritten worden, ob Autismus, Diabetes oder selbst Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst werden könnten. Einen Nachweis dafür gibt es allerdings bis heute nicht, vielmehr sprechen die Ergebnisse zahlreicher Studien gegen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und den genannten Krankheiten."

3. "Die Pharmaindustrie möchte mit den Impfstoffen nur Geschäfte machen."
Das sagt das RKI: "Von den knapp 194 Mrd. Euro, die die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2014 ausgegeben hat, entfielen 33 Mrd. Euro (17%) auf Arzneimittel und lediglich etwas mehr als 1 Mrd. Euro (0,65%) auf Impfstoffe. Ein Grund dafür ist, dass Medikamente etwa von chronisch Kranken ein Leben lang eingenommen werden müssen, während Impfstoffe in der Regel nur wenige Male verabreicht werden."

Was entgegnet man Impfgegnern?

Wenn Sie selbst überzeugt sind, können Sie andere überzeugen. Hier sind die besten Argumente für typische Impf-Diskussionen:

1. Kinderkrankheiten sind kein Kinderkram!

Auch Erwachsene können sich mit sogenannten Kinderkrankheiten wie Mumps, Windpocken oder Masern anstecken. Die Erkrankung dauert meist lange an und verläuft dann sogar schwerwiegender als bei Kindern. Es kann zu Komplikationen kommen, die die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. Um sich davor zu schützen sollten alle sich (auch im Erwachsenenalter) impfen lassen!

Plus: Eine Welt ohne gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern oder Poliomyelitis ist gar nicht so unwahrscheinlich, wie mancher vielleicht denkt. Laut WHO reicht der vollständige Impfschutz bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung aus, um Krankheiten auszurotten.

2. Wer nicht impft, gefährdet andere!

Wer impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. Generell gilt: Je größer die Gruppe der Ungeimpften in einer Gemeinschaft, desto höher ist das Risiko, dass Infektionskrankheiten ausbrechen. Vor allem Säuglinge bis zum impffähigen Alter und Menschen, die gesundheitsbedingt nicht geimpft werden können, sind gefährdet.

Um eine Infektion dieser schutzlosen Personen zu verhindern, hilft nur der genannte "Herdenschutz", der auch eine moralische Komponente hat: Die Gemeinschaft muss die Schwächeren schützen. Wenn der Großteil der Bevölkerung geimpft ist, hat der Krankheitserreger auch bei Menschen, die nicht geimpft werden können, keine Möglichkeit, sich zu verbreiten. Das System des Gemeinschaftsschutzes bricht jedoch zusammen, wenn weniger als drei Viertel der Bevölkerung geimpft sind.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, wenn Sie Bedenken bei einer Impfung haben. © Stock-Asso / Shutterstock.com

Welche Impfungen brauchen Erwachsene?

Als Kind erfolgt in der Regel eine Grundimmunisierung. Danach sind regelmäßige Auffrisch-Impfungen bis zum Lebensende notwendig, um den Impfschutz aufrecht zu erhalten. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, gibt’s hier eine kleine Übersicht:

Impfkalender für Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren (gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts)

Impfung: Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten
Empfehlung: Auffrisch-Impfung für alle
Zeitpunkt: Einmalige Dreifachimpfung, danach Diphtherie-Tetanus-Impfung alle 10 Jahre

Impfung: Kinderlähmung (Polio)
Empfehlung: Sie wurden als Kind nicht geimpft oder Ihre Impfserie ist unvollständig? Informieren Sie sich beim Arzt über eine Nachholimpfung (Grund- bzw. Erstimmunisierung)

Impfung: Masern, Mumps, Röteln
Empfehlung: für alle nach 1970 geborenen Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit

Impfung: Grippe
Empfehlung: empfohlen für Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel
Zeitpunkt: Eine Impfung jährlich

Bei Fernreisen können weitere Schutzimpfungen dazukommen. Informieren Sie sich daher vor Antritt der Reise zum Beispiel auf der Internetseite des Robert Koch Instituts und vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt.

Tipp: Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten Impfungen und Malariaprophylaxe für den privaten Auslandsurlaub. Informieren Sie sich am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse!

Nochmals auf deutsch: Impfgegner sind lebensgefährlich! Wer impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft! Die Argumente der Impfgegner stützen sich oftmals auf Lügen und Halbwissen. Lassen Sie sich nicht von Impfgegnern aufhetzen – sie gefährden Ihre Gesundheit.

15.05.2019| Tjitske Schrieks © womenshealth.de
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