Freundschaft mit dem Ex Darum will er nach der Trennung "Freunde bleiben“

Freunde bleiben nach einer Beziehung? Kann klappen, wenn die Gründe stimmen. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Es ist aus, aber er will mit Ihnen befreundet bleiben? Vorsicht! Wann Sie das Angebot besser ablehnen, und wie Freundschaft mit dem Ex gelingen kann

"Lass uns einfach Freunde bleiben“ – oft ist das nach einer Trennung nur ein nett gemeinter Spruch, manchmal aber auch ein ernster Wunsch. Es spricht ja auch einiges dafür: das Vertrauen, die Vertrautheit, gemeinsame Freunde, die gute gemeinsame Zeit. Aber es spricht meist auch viel dagegen, sonst hätten Sie sich ja nicht getrennt.

Freundschaft mit dem Ex – das ist eine ganz individuelle Entscheidung, aber grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich nur darauf ein, wenn es mit ihm wirklich besser ist als ohne ihn. Zwei Dinge sind klar. Wenn Sie ihn nach wie vor lieben und er Sie nicht, oder umgekehrt, gilt: Finger weg! Und wenn er ein Mistkerl ist, der Sie schlecht behandelt, belogen und/oder betrogen hat, muss er sich auch keine Hoffnungen auf Freundschaft machen. Dann soll er sich für immer verziehen. Punkt.

In allen anderen Fällen müssen Sie entscheiden , ob Sie Freunde bleiben wollen. Dann tauchen Fragen auf: Wie soll das überhaupt gehen? Worauf müssen Sie achten? Was sind gute Gründe für eine Freundschaft? Das klären wir in diesem Artikel.

Was bedeutet "Freunde bleiben“?

Eigentlich geht es hier eher darum, Freunde zu werden als zu bleiben. Denn in den meisten Fällen waren Sie bisher etwas anderes. Sie sind sich irgendwo begegnet – im Club, bei Tinder, an der Käsetheke im Supermarkt oder wer weiß wo – fanden einander super (wahrscheinlich vor allem sexuell attraktiv), haben sich gedatet, und daraus ist dann eine Beziehung entstanden. Mit klassischer Freundschaft hat das in den meisten Fällen wenig zu tun. Deshalb ist "Freunde bleiben“ für viele ein Downgrade und nicht nur schmerzhaft fürs Ego, sondern oft auch ziemlicher Blödsinn.

Wenn Sie noch gemeinsam Spaß haben, ohne dass jemand sich schlecht fühlt, kann Ihr Ex auch Ihr Kumpel sein. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Natürlich hat dieser Mensch auch seine gute Seiten, er kann eine Hilfe und Stütze sein, natürlich können Sie sich super mit ihm unterhalten oder herumblödeln. Es kann sich eine tolle Freundschaft herausbilden, innerhalb derer Sie in 10 Jahren gemeinsam über Ihre frühere Verliebtheit lachen können.

Aber jetzt brauchen Sie erst einmal Abstand, um sich wirklich von ihm zu lösen, Ihre Wunden zu lecken, das gebrochene Herz zu reparieren und sich wieder ins Leben zu stürzen. Dabei steht Ihnen der Ex nur im Weg. Eine Freundschaft bedeutet, ganz selbstverständlich Kontakt zu haben, eine Trennung bedeutet genau das Gegenteil.

Dennoch scheinen vor allem Männer den Drang zu verspüren, ihre Ex-Partnerin auch nach der Trennung mit ihrer Anwesenheit im Leben der Verflossenen zu beglücken. Warum eigentlich?

Warum will er nach der Trennung befreundet bleiben?

Trotz der sichtbar schwierigen Lage beharren Männer immer wieder darauf, den Kontakt zur Ex zu halten. Eine Studie der Oakland University gibt Ihnen Recht, wenn Sie es schon immer seltsam fanden, nach der Trennung noch mit dem Ex-Partner befreundet zu bleiben: Der Untersuchung zufolge liegt der Grund für dieses Bedürfnis nämlich in seinen "dunklen Persönlichkeitszügen“ wie Narzissmus, Heuchelei und sogar Psychopathie.

Denn Menschen bleiben der Studie zufolge vor allem gern aus praktischen und sexuellen Gründen mit ihrem Ex-Partner befreundet. Sprich: Da ist kein menschliches Interesse, sondern in erster Linie egoistisches Kalkül. Wenn Sie das Gefühl haben, dass das seine Beweggründe sind, dann lehnen Sie ab. Oder Sie sagen "Jaja" und melden sich dann nie wieder.

Aber natürlich kann es auch sein, dass er Sie auf menschlicher Ebene so schätzt, dass er sich ein Leben nicht vorstellen kann, in dem Sie komplett fehlen. Nur Sie können entscheiden, wie weit Sie ihm da trauen und wie weit Sie ihn in Ihrer Nähe ertragen.

7 Gründe für eine Freundschaft mit dem Ex

Laut einer Studie der Partnerbörse ElitePartner pflegen trotz möglicher Widrigkeiten rund 36 Prozent der Deutschen eine Freundschaft mit mindestens einem ihrer Ex-Partner? Nun: Natürlich bedeuten die erwähnten Studienergebnisse nicht, dass alle Ex-Freunde schreckliche Menschen sind, die Sie nur zu ihrem eigenen Vorteil "behalten“ wollen. Oder vielleicht sehen Sie ja für sich die gleichen Vorteile...? Die Oakland University hat 7 Gründe ermittelt, warum ehemalige Paare nach der Trennung befreundet bleiben:

1. Der guten alten Zeiten willen

Während einer langen Beziehung wird der Partner oft zum engsten Vertrauten und gibt Ihnen viel Halt. Diese Sicherheit aufzugeben, fällt vielen schwer. Sie haben gemeinsam viel erlebt und wollen ihn einfach nicht verlieren – wenn auch nur als Freund.

2. Weil es so schön praktisch ist

Eine weitere Sache, an die sich viele Menschen in einer Beziehung gewöhnen, ist, dass ein Partner alles Mögliche für einen tun kann. Er ist vielleicht ein guter Handwerker, hat einen LKW-Führerschein oder ein großartiger Koch und Gastgeber? Klar, dass Sie da gern befreundet bleiben.

3. Weil noch Gefühle da sind

Autsch! Bei fast jeder Trennung gibt es einen, der mehr leidet. Einen, der verlässt, und einen, der verlassen wird. Wer noch Gefühle für seinen Ex hegt, versucht manchmal, über die Alibi-Freundschaft mit ihm verbunden zu bleiben – in der Hoffnung, dass er seine Meinung doch noch ändert. Da gilt, wie gesagt: Doofe Idee.

4. Wegen der Kinder

Sobald Kinder im Spiel sind, ändert sich alles. Da besteht geradezu eine Verpflichtung der Elternteile, weiterhin miteinander auszukommen und Kontakt zu haben. Zum Glück muss eine Trennung vom Partner nicht bedeuten, dass die Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. In diesem Fall gilt natürlich: Je freundschaftlicher das Verhältnis zum Ex-Partner, desto besser.

5. Wegen des gemeinsamen Freundeskreises

Wenn sich ein Pärchen trennt, ist es für die gemeinsamen Freunde unangenehm, zwischen die Fronten zu geraten. Viele ziehen daher eine platonische Beziehung zum Ex-Partner vor, um ihre sozialen Kontakte nicht auch noch zu verlieren.

6. Ganz einfach für Sex

Sie haben ja sicher schon etwas von "Friends with Benefits" gehört. Nicht? Letztlich heißt das, Sie bleiben einander freundschaftlich verbunden und stehen sich für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung. Letztlich ist auch das eine praktische Überlegung: Wenn die Gefühle passé sind, der Sex aber gut, entscheiden sich manche für eine ganz unromantische, körperliche Freundschaft.

Wenn beide das ganz pragmatisch und unemotional sehen, können Ex-Partner auch Sexpartner sein. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Wichtig ist hier, dass Sie beide die gleiche pragmatische Haltung haben, und nicht eine*r nur mitmacht, weil er oder sie heimlich immer noch auf eine Wiederbelebung der Beziehung hofft. Das kann ganz schnell zu Bitterkeit oder einer unschönen On/off-Beziehung führen. Dann lieber gleich einen klaren Schlussstrich ziehen.

Manche dieser Gründe sind sicher nicht besonders gut, aber dennoch verständlich. Es gibt aber auch ehemalige Paare, bei denen eine rein platonische Freundschaft tatsächlich klappt, ohne Hintergedanken. Wie machen die das bloß?

So klappt eine Freundschaft mit dem Ex

Ist es möglich eine gesunde, rein freundschaftliche Beziehung zu seinem Ex-Partner zu haben? Für viele Paare wahrscheinlich nicht. Manchmal klappt es allerdings doch. Wenn Sie diese Dinge beachten:

Sie können sich noch ehrlich in die Augen sehen? Gute Voraussetzung für eine Freundschaft. © Jacob Lund / Shutterstock.com

1. Zuerst Abstand gewinnen

Nach einer Trennung, egal wie einvernehmlich sie war, möchte und sollten Sie den Ex erst einmal nicht wiedersehen, um sich über die eigenen Gefühle klar zu werden. Wenn Sie lange und viel Zeit mit einem Partner verbracht haben, müssen Sie erst wieder "lernen“ alleine zu sein, Ihr Revier abstecken, sich komplett neu organisieren. Also gilt die Ansage: In dieser Zeit keine Anrufe, Nachrichten oder Social-Media-Kontakte. Wie lang? Das entscheiden, aber ein Monat sollte Minimum sein.

2. Sortieren Sie Ihre Gefühle

Machen Sie sich Gedanken. Können Sie eine echte Freundschaft nach der Trennung wirklich aushalten? Auch dann noch, wenn Ihnen Ihr Ex-Freund eine neue Liebschaft vorstellt oder Sie gar in Liebesdingen um Rat fragt? Wenn Sie wirklich befreundet bleiben wollen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass so etwas kommen kann und dass Ihre Beziehung nicht mehr dieselbe sein wird.

3. Gehen Sie es langsam an

Damit aus einer Ex-Liebe eine Freundschaft werden kann, braucht es vor allem Zeit. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie von jetzt auf gleich das Kapitel schließen können. Abstand wird Ihnen gut tun und dabei helfen, Gedanken neu zu sortieren und sich Ihrer Gefühle bewusst zu werden. Aber auch wenn der Kontakt wieder auflebt, braucht es Zeit und eine langsame Wiederannäherung.

Ob aus Liebe Freundschaft wird, hängt von der Vorgeschichte ab und davon, ob Sie einander noch vertrauen. © Jacob Lund / Shutterstock.com

4. Respektieren Sie einander...

Egal, wie hart die Trennung war: Das Leben geht weiter. Und das Leben ihres Ex-Partners geht ohne Sie weiter. Zumindest ohne Sie als Hauptbezugsperson. Vielleicht trifft er Entscheidungen, die Sie nicht verstehen. Damit müssen Sie zurechtkommen. Das gilt aber auch umgekehrt, und da müssen Sie ihm ganz klar Grenzen setzen. Er hat sich nicht mehr einzumischen.

5. ...und seine neue Partnerin

Früher oder später wird der Tag kommen, an dem er Ihnen seine neue Freundin vorstellt. Das ist der ultimative Test, ob Sie wirklich mit Ihren romantischen Gefühlen für ihn abgeschlossen haben. Wenn Sie befreundet bleiben wollen, verlieren Sie besser kein schlechtes Wort über sie. Wenn Sie die Neue nicht ertragen, ist das vielleicht auch wieder ein guter Grund, die Idee mit der Freundschaft zu beerdigen...

Ob die Liebe plötzlich und krachend endet oder ganz leise abläuft, im Trennungsgespräch kommt vielen das obligatorische "Lass uns Freunde bleiben“ leicht über die Lippen – beinahe als Entschuldigung, weil es für die Liebe doch nicht mehr reicht. Klappen tut dieses Vorhaben selten. Wenn Sie es dennoch versuchen wollen, sollten Sie sich der eigenen Motive und denen Ihres Ex-Partners bewusst sein.

31.01.2019| Laura Liebig © womenshealth.de
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