Beziehungspause Die 5 wichtigsten Regeln für die Beziehungspause

In festgefahrenen Beziehungskrisen kann eine Pause Wunder wirken. © Savanevich Viktar / Shutterstock.com

Wann ist eine Beziehungspause hilfreich und wann bloß eine Trennung auf Raten? Eine Paartherapeutin liefert Tipps

„Schatz, was hältst Du von einer Beziehungspause?“ Wenn der Partner unverhofft mit diesem Vorschlag um die Ecke kommt, kann Ihnen schonmal die Tasse aus der Hand fallen. Zu Recht versetzt Sie diese Frage ein wenig in Panik, denn oft ist ja gar nicht klar: Meint der mit Beziehungspause wirklich einen kleinen Break von der eingefahrenen Beziehung – oder vielmehr eine etwas hübscher verpackte Trennung auf Raten? Oder eine Auszeit, um ein wenig durch andere Betten zu steigen?

Aber vielleicht ist die Beziehungspause ja auch Ihre Idee, und Sie erhoffen sich vom Time-Out neue Impulse für die Liebe. Wer auch immer damit anfängt, grundsätzlich sollten sich Paare vor dieser Entscheidung fragen: Was soll eine solche Beziehungspause überhaupt bringen? Zeit zum Durchatmen? Abstand und Beruhigung nach einer Phase des Dauerstreits? Klarheit in Kopf und Herz? Oder steckt dahinter vielleicht doch eher der Wunsch nach ein paar ungestörten Bettgeschichten?

Keine Panik: Eine Beziehungspause muss nicht das Ende des gemeinsamen Weges sein. © Savanevich Viktar / Shutterstock.com

Ist eine Beziehungspause vielleicht nur ein Vorwand?

Das kommt vor. Paartherapeutin Birgit Fehst (www.effektive-paartherapie.de) kennt den Wunsch nach einem zeitlich begrenzten Cut durch viele Paare, die Hilfe in ihrer Berliner Praxis suchen. Ihre Meinung zum Thema ist unmissverständlich: „Vorsicht! In den allermeisten Fällen will sich hier jemand ein Hintertürchen offen halten“, sagt sie, „Oft verbirgt sich hinter dem Vorschlag Feigheit, weil jemand nicht die volle Verantwortung übernehmen und einen klaren Schlussstrich ziehen will.“ Das ist dann nicht nur Zeitverschwendung, sondern für die jeweils andere Person eine zusätzliche Belastung, da er oder sie schlichtweg hingehalten wird.

Was tue ich, wenn der Partner in der Beziehungspause fremdgeht?

Wenn der Partner die Beziehungspause nutzt, um sich noch einmal sexuell auszutoben – sei es, um die neue Flamme „kurz mal auszutesten“ oder weil er gerne einmal seinen Marktwert bei Tinder ausloten möchte – ist das fatal. „Solche Aktionen sind ein absoluter Vertrauensbruch und schlichtweg unfair“, sagt die Therapeutin. Wer seiner Partnerschaft wirklich noch eine Chance geben wolle, würde eine solche Pause nicht nutzen, um sich durch Flirts oder Sex mit anderen abzulenken.

Wichtig ist es, offen zu kommunizieren: über die Gründe für die Pause, aber auch über das, was sie in Ihnen ausgelöst hat. © Savanevich Viktar / Shutterstock.com

Darf es in einer Beziehungspause gar keinen Kontakt zum Partner geben?

Doch, das müssen Sie nur untereinander klären (siehe unten, Punkt 3). Die wichtigste Erkenntnis in Sachen Austausch ist für Birigt Fehst allerdings folgender: Fehlende Kommunikation macht es nicht besser! „Probleme lösen sich nicht auf, nur weil sie eine Weile ignoriert oder totgeschwiegen werden“, sagt sie.

Hinzu komme, dass viele Menschen Kommunikation regelrecht brauchen, um zu entstressen. „Wenn Sie wochenlang nichts vom Partner hören oder sehen, spielt das Kopfkino irgendwann verrückt“, so die Expertin, „Wir malen uns dann schnell ein Worst-Case-Szenario aus und schaffen es so noch viel weniger, unsere Gedanken und Gefühle zu ordnen.“

Wann ist eine Beziehungspause sinnvoll?


Das alles heißt aber nicht, dass eine Auszeit in der Liebe per se eine Schnapsidee ist. „Auf keinen Fall“, so die Expertin, „Unter gewissen Voraussetzungen kann eine solche Pause tatsächlich sinnvoll sein und dazu führen, dass sich das Paar wieder annähert.“ Beispielsweise dann, wenn Sie durch permanente Streitereien und endlose Diskussionen in eine Sackgasse geraten sind und der nötige Abstand fehlt, um die Problematik klar und fair beurteilen zu können. Hier kann eine Pause unter Umständen hilfreich sein.

Worauf muss ich bei einer Beziehungspause achten?

Damit die Pause ihren Zweck erfüllt, sind laut Paartherapeutin Fehst klare Spielregeln nötig, auf die Sie sich mit Ihrem Partner im Voraus unbedingt verständigen sollten. Diese 5 sind am wichtigsten:

1. Beide müssen die Pause wollen

„Ich brauche einfach mal Zeit für mich und bin die nächsten Tage nicht erreichbar“ ist kein guter Start für eine Beziehungspause. Wer den anderen vor vollendete Tatsachen stellt, kommuniziert und handelt nicht auf Augenhöhe mit dem Partner – keine gute Basis für ein vertrauensvolles und faires Miteinander.

„Man sollte seinen Wunsch vorsichtig und respektvoll vorbringen und den anderen fragen, was er oder sie davon hält“, sagt Birgit Fehst. Beide sollten gemeinsam die Regeln für die Auszeit festlegen – je präziser Sie hier formulieren, desto mehr Sicherheit schafft das letztlich für den Partner und sich selbst.

Nach einer Beziehungspause finden sich vielleicht ganz neue (oder längst vergessene) Gründe für eine Annäherung. © Savanevich Viktar / Shutterstock.com

2. Die Zeitspanne sollte vorher festgelegt werden


Auf eine Pause auf unbestimmte Zeit oder "ungefähr 2 Wochen" sollten Sie sich nicht einlassen. Halten Sie die Zeit übersichtlich und klar eingegrenzt. „Eine Woche ist eine faire und absolut ausreichende Zeit, um heiß geredete Köpfe abzukühlen und wieder etwas klarer zu sehen“, sagt die Paartherapeutin. Sie rät davon ab, Beziehungspausen über Wochen oder sogar Monate hinweg auszudehnen.

Wenn der Partner sich drei Monate Sendepause wünsche, sollten Sie es lieber gleich beenden und sich die emotional aufwühlende Phase einer „Trennung auf Raten“ sparen. Besteht er auf einer längeren Pause, fragen Sie ihn, was er in der Zeit zu tun gedenke. Und warum das in einer Woche nicht zu schaffen ist. Druckst er herum, zücken Sie die Rote Karte.

3. Absprachen treffen in Sachen Kommunikation

Manche wollen während ihrer Auszeit gar nichts vom Partner hören, andere einigen sich darauf, dass hin und wieder eine WhatsApp völlig okay ist. „Für welche Form Sie sich letztlich entscheiden, ist Typsache“, sagt die Expertin, „Wichtig ist nur, dass beide damit einverstanden sind und sich auch daran halten.“

Es kann durchaus eine intensive Erfahrung sein, einmal eine Woche lang rein gar nichts vom Partner zu hören oder zu lesen. Oftmals zeigt sich dann erst, ob Sie einander auch wirklich vermissen. Gedanken und Erkenntnisse, die in dieser Zeit aufkommen, sollten Sie am besten sammeln und notieren, statt sie sofort mitzuteilen und so Vereinbarungen zu brechen. Sprich: Die Gefühle lieber von der Seele schreiben und sie für den Tag des ersten Zusammentreffens aufheben.

4. Die Zeit während der Beziehungspause sinnvoll nutzen

Wie aber sieht sinnvoll genutzte Zeit während der Beziehungspause konkret aus? Wie oben bereits erwähnt, ist es schlichtweg unfair, sich mit Dingen abzulenken, die innerhalb einer Beziehung als Verrat oder Betrug gelten. Sprich: Sex mit anderen ist in dieser Zeit genauso Fremdgehen wie sonst auch. Es sei denn, Sie wollen das beide und legen es fest aber dann sollten Sie sich vielleicht überlegen, ob Sie nicht eher Ihre Beziehung etwas offener gestalten sollten. Oder beenden.

Sprechen Sie ehrlich über Ihre Gefühle und darüber, was Ihnen für eine Fortsetzung der Beziehung wichtig ist. © Savanevich Viktar / Shutterstock.com

Ablenkung anderer Art, etwa in Form von langen Spaziergängen oder Wochenendtrips mit der besten Freundin oder mehr Zeit für eigene Hobbys ist hingegen super. „Nicht die Zeit heilt alle Wunden, sondern das, was Sie während dieser Zeit tun“, so die Paartherapeutin, „Oftmals hilft es, wenn Sie mit einer neutralen Person über die Problematik sprechen und sich eine Meinung von außen einholen.“ Alles, was Ihnen neue Perspektiven auf das festgefahrene Thema eröffnet, ist eine gute Idee.

5. Sich Zeit nehmen für intensive Gespräche am Tag des Wiedersehens

Denken Sie schon vor Beginn der Pause an das danach. Vorab sollten Sie einen festen Termin ins Auge fassen, um noch einmal das Gespräch zu suchen. „Kommunikation ist immer der beste Weg, um Probleme aus der Welt zu schaffen“, so die Expertin, „Wenn Sie nach der Pause einfach weitermachen wie bisher, werden Sie immer und immer wieder an den Punkt kommen, an dem die Beziehung krankt.“

Natürlich kann es auch sein, dass Sie oder Ihr Partner nach der Pause die Beziehung lieber beenden wollen. Geht es beiden so, trennen Sie sich. Ist das Gefühl nur für eine Seite am Ende, stehen Sie vor ganz neuen Problemen. Alles zum Thema Trennung finden Sie hier:

Wie geht es nach der Beziehungspause weiter?

Wenn Sie sich für eine Fortsetzung der Beziehung entschieden haben, ist es wichtig, dass Sie klären, was überhaupt zum Wunsch nach Abstand geführt hat – und ob diese Gründe nun beseitigt sind. Wenn nicht: Was ist nötig, um sie aus der Welt zu schaffen?

Andere wichtige Frage: Brauchen Sie vielleicht allgemein im Alltag mehr Distanz oder Freiräume – etwa um Freunde zu treffen, allein zu sein, Ihren Hobbys nachzugehen? Sie sollten sich in Ihrer Beziehung so einrichten, dass sich beide wohlfühlen, ihre Rückzugsräume haben und die nötigen Freiheiten, damit nicht bald wieder eine Auszeit nötig ist.

Natürlich können Sie, wenn Ihnen das total gut getan hat, Ihre Pause auch institutionalisieren, sprich: zur festen Einrichtung machen. Sie verabreden regelmäßige Time-outs zur persönlichen Besinnung. Dabei sollte aber klar sein, dass das individuelle Auszeiten sind, bei denen nicht jedes Mal die Beziehung in Frage steht.

Abstand zu gewinnen, um wieder klarer zu sehen, kann helfen, wenn Sie in einer angeknacksten Partnerschaft feststecken. Wer es in einer solchen Situation schafft, sich mit dem Partner auf eine Beziehungspause zu einigen, kann viel lernen – vor allem über sich und die eigenen Gefühle. Nutzen Sie die Zeit, um zur Ruhe zu kommen und alles noch einmal völlig neu und aus anderen Blickwinkel zu betrachten. Wenn beide Partner diesen Schritt gehen, und dabei reflektiert und respektvoll miteinander kommunizieren, hat der Neuanfang eine faire Chance.

28.11.2018| Liv Bernstein © womenshealth.de
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