Bitte nicht nachmachen: Diese 'Fitness'-Trends sind gefährlich

Diese "Fitness-Trends" sind absurd und gefährlich
© Katya Yacenco / Shutterstock.com

Der Hype um Thigh Gap, Ab Crack & Co. im Netz boomt und wir fragen uns: Was macht diese Bewegung mit Frauen, die diesen zweifelhaften 'Schönheitsidealen' nacheifern?

Sie nennen sich Thigh Gap, Ab Crack oder Bikinibrücke und haben eines gemeinsam: Sie sind ungesund und absolut nicht nachahmenswürdig. Der Hype um sogenannte 'Fitness-Trends' im Netz ebbt nicht ab und wird durch soziale Netzwerke wie Instagram fleißig befeuert. Das Fatale an ihnen: Die Bilder dieser Trendbewegung beeinflussen viele junge Frauen, die einem vermeintlichen Schönheitsideal nacheifern, das sie nicht nur unglücklich, sondern im schlimmsten Fall krank machen kann. Wir haben mit Andreas Schnebel, Diplompsychologe und Therapeutischer Leiter bei ANAD, einem Therapiezentrum für Essstörungen, gesprochen und die Trends aus psychologischer Sicht beleuchten lassen.

1. Die Thigh Gap (Oberschenkellücke)

Eine Thigh Gap (dt.: Oberschenkellücke) hat man, wenn bei geradem Stand eine Lücke zwischen den Oberschenkeln entsteht. Diese soll ein Zeichen für Schlankheit darstellen und hat vor rund 2 Jahren bei nicht wenigen Frauen einen Hungertrend ausgelöst. Psychologe Schnebel findet es "erschreckend, mit welchen Themen sich Menschen beschäftigen und sich damit das Leben schwer machen". Auch Olivia Walus, Personal Trainerin bei Move better, wurde von ihren Kundinnen schon auf die Thigh Gap angesprochen. "Meine Frage ist immer, wessen Ideal ist das überhaupt?", sagt sie.

2. Die Bikinibrücke

Als Bikinibrücke wird der Abstand bezeichnet, der entsteht, wenn man im Bikini (oder Unterwäsche) auf dem Rücken liegt, das Höschen auf den Hüftknochen aufliegt, aber nicht den Bauch berührt. "Solche Trends beschreiben wir oft als die 'Einstiegsdrogen' in eine Essstörung", sagt Schnebel. Sie seien zwar nicht alleiniger Auslöser, allerdings würden sie junge Frauen auf gefährliche Weise beeinflussen, so der Psychologe.

3. Die Collarbone Challenge

Dieser fragwürdige Fitnesstrend beschäftigt sich mit dem Schlüsselbein. Frauen legen so viele Münzen wie möglich in die Kuhle zwischen Schlüsselbein und Hals. Auch das soll ein Indikator für eine schlanke Figur sein.

4. Die Belly Button-Challenge

Dieser Trend ist mindestens genauso verrückt. Hierfür einfach einmal um die eigene Mitte greifen, wieder am Bauchnabel landen, gewonnen. "Das Interessante ist, dass sich dieser Schlankheitswahn in einen 'Fit-und-dünn'-Trend zu verwandeln scheint. Das halte ich für noch gefährlicher", sagt Schnebel. Mit Fitsein hat dies nämlich herzlich wenig zu tun.

5. Die A4-Waist

Wie der Name schon sagt, kommt hier ein DIN A4-Papier zum Einsatz. Dieses hält man sich hochkant vor die Taille, um zu sehen, ob sie genauso schmal ist. Walus ist schockiert: "Ich halte die A4 Waist für absolut ungesund", sagt sie. "Natürlich kann es sein, dass die Taille sehr schmal ist, wenn man klein und zierlich ist. Sich jedoch runterzuhungern, um diesem Ideal zu entsprechen, halte ich für schädlich."

6. Die Korsett-Diät

Letztes Jahr wurde von Kim Kardashian die Korsett-Diät ins Leben gerufen. Hierbei trägt man wie zu Barockzeiten ein Korsett, das einschnürt und zum Schwitzen bringen soll. Durch den zusätzlichen Flüssigkeitsverlust beim Sport (ja, man trägt es auch beim Training) soll der Gewichtsverlust schneller ins Rollen gebracht werden.

7. Die 100 Yuan Wrist

Mit der chinesischen Währung kann man nicht nur bezahlen, sondern sich die Geldscheine auch ums Handgelenk wickeln. Berühren sich die Enden, hat man die Herausforderung gemeistert. Auch diese Challenge macht relativ wenig Sinn, da die Breite der Handgelenke schließlich vom Körperbau abhängt. Dieser Trend ist besonders auf der chinesischen Microblogging-Plattform weibo.com vertreten.

8. Ab Crack

Dieser 'Fitness'-Trend beschreibt eine deutliche, senkrechte Linie, die am Bauch vom Brustkorb bis zum Bauchnabel verläuft und beweisen soll, dass man sowohl dünn als auch durchtrainiert ist. Niemand geringerer als Supermodel Emily Ratajkowski hat diesen Trend mit einem Instagram-Foto gestartet. Das Gefährliche daran: Wie viele andere Dinge auch ist die vertikale Spalte am Bauch stark genetisch bedingt. Viele Frauen könnten noch so lang trainieren und würden die Ab Crack nie bekommen. Das liegt auch daran, dass der weibliche Körper darauf ausgelegt ist, Kinder zu bekommen und somit 2 Menschen ernähren können soll. Emma Seibold, Creator des Barre Body Workouts in Australien, ist stolz darauf, keine Ab Crack zu haben und publizierte vor kurzem einen Artikel darüber in der australischen Vogue. Sie schreibt: "3 Dinge braucht man für die Ab Crack: Gute Gene, gezielte Workouts und eine strenge Diät. Aber selbst wenn Sie die letzten beiden Dinge befolgen, werden Sie niemals eine Ab Crack haben, wenn Ihre Gene nicht dafür ausgelegt sind". Auch Walus ist dieser Meinung: "Für die Ab Crack braucht man in erster Linie die anatomische Voraussetzung", sagt sie. "Fakt ist, je weniger Unterhautfettgewebe, desto schneller könnte man diese Linie sehen", weiß die Expertin. Jedoch ist dies nicht nur durch Sport zu erreichen.

Unter den jeweiligen Hashtags (#bikinibridge, #abcrack, #a4waist, #collarbonechallenge etc.) sind auf Instagram Tausende Posts zu diesen Trends zu finden, mittlerweile und zum Glück auch viele mit kritischem Unterton.

Soziale Medien und die Schönheit

Steht die Frage im Raum: Wie beeinflussen soziale Medien die Schönheitsideale junger Frauen und was bewegt sie dazu, ihren Körper solch rigorosen Maßnahmen auszusetzen? "Die sozialen Medien haben leider eine wahnsinnige Macht, was Schönheitstrends angeht", weiß Schnebel. Gesellschaftliche Trends wie die oben beschriebenen werden durch Instagram und Co. enorm befeuert, so der Psychologe. "Heutzutage vermitteln Models und Schauspieler durch ihr Aussehen immer wieder, dass unsere eigene Figur nicht ausreicht. Gerade junge Frauen, die noch auf der Suche nach ihrer Rolle im Leben sind, sind für diese Idealbilder besonders empfänglich", sagt Walus. Junge Frauen wollen der Gesellschaft statt sich selbst gefallen, kritisiert die Personal Trainerin. Natürlich können die sozialen Medien auch positiv sein, wenn man diese Plattform nutzt, um einen gesunden und glücklichen Lifestyle zu vermitteln und mit anderen zu teilen, räumt sie ein.

21.02.2017| Cornelia Holzbauer © womenshealth.de
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