Fuchsbandwurm Beeren und Pilze sammeln ohne Parasiten-Gefahr

Waschen oder kochen Sie im Wald gepflückte Beeren, bevor Sie sie essen! © Megan Betteridge / Shutterstock.com

Lassen Sie sich die Beeren- und Pilze-Zeit nicht vom Fuchsbandwurm verderben: So schützen Sie sich vor dem gefährlichen Parasiten

Der Fuchsbandwurm wird vor allem von Wanderern und Pilzsammlern gefürchtet. Kein Wunder, denn der Mythos, dass vor allem beim Verzehr von wilden Beeren oder Pilzen eine Infektion droht, hält sich hartnäckig. Auch wenn die Verlockung groß ist, lassen deshalb viele die Finger von den Leckereien des Waldes. Der Grund: Man weiß ja nie, ob da nicht ein Fuchsbandwurm im Erdbeerpelz lauert. Ist da etwas dran? Hier lesen Sie, wie Sie sich wirklich vor einer Infektion schützen und vieles mehr:

Was ist ein Fuchsbandwurm?

Wie hoch ist die Gefahr, sich anzustecken?

Welche Tiere übertragen den Fuchsbandwurm?

Wie schütze ich mich vor dem Erreger?

Wann ist ein Fuchsbandwurm nachweisbar?

Was hilft bei einer Fuchsbandwurm-Infektion?

Was ist ein Fuchsbandwurm?

Nicht nur Füchse, auch Hunde können den Fuchsbandwurm übertragen © Milan Zygmunt / Shutterstock.com

Der Bandwurm, in Fachkreisen auch Echinococcus genannt, treibt vor allem im Herbst Beeren- und Pilzsammler um. Obwohl eine Infektion mit dem Erreger sehr selten ist, sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn unbehandelt kann sie zu schweren Leberschäden führen.

In Europa gibt es neben dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) noch ein weiteres Familienmitglied: den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Letzterer ist aber in Deutschland nur noch äußerst selten anzutreffen. "Eine Infektion mit dem Hundebandwurm erfolgt in der Regel nur bei längeren Aufenthalten in Epdemiegebieten wie Südosteuropa oder Nordafrika, wo er sehr verbreitet ist. Möglich ist auch eine Ansteckung über einen infizierten Hund, der aus den genannten Regionen importiert wurde", sagt Dr. Beate Grüner, Leiterin der Fuchsbandwurm-Spezialambulanz am Uniklinikum Ulm.

Der Echinococcus ist ein sogenannter Endoparasit. Weil er keinen eigenen Darm hat, sondern Nährstoffe direkt über die Körperoberfläche aufnimmt, benötigt er zum Überleben einen Wirtsorganismus, in dessen Dünndarm er sich einnisten kann. Ein Echinococcus multilocularis, zu Deutsch "die Vielkammerige", ist zirka 1-3 Millimeter lang und besteht aus mehreren Gliedern. Im letzten Glied, dem Fortpflanzungsorgan, befinden sich bis zu 200 Eier, in denen neue Wurmlarven heranreifen. Die infektiösen Bandwurmeier landen mit dem Kot eines Fuchses dann in der Umwelt und kontaminieren Böden, erdnahe Pflanzen und Früchte.

Wie hoch ist die Gefahr sich anzustecken?

Die durch die Fuchsbandwurmeier ausgelöste Erkrankung heißt alveoläre Echinokokkose. Wie das Robert-Koch-Institut im Infektionsepedemiologischen Jahrbuch veröffentlichte, wurden 2016 insgesamt 26 Fälle von Echinokokkose gemeldet, die durch einen Fuchsbandwurm ausgelöst wurden. Besonders in Baden-Württemberg und Bayern war die Befallsdichte hoch, tatsächlich gaben aber nur 17 Patienten an, sich in Deutschland infiziert zu haben. Als andere mögliche Infektionsländer wurden Griechenland und die Philippinen genannt.

Das Gerücht, dass das Essen von wild wachsenden Beeren oder Pilzen besonders gefährlich wäre, hält sich bis heute hartnäckig. Dabei sind die Früchte des Waldes meist gar nicht die Übeltäter. Tatsächlich konnte die Übertragung auf diesem Weg als Risikofaktor bis jetzt in Studien nicht nachgewiesen werden. Sicher ist aber, dass die infektiösen Eier verschluckt werden müssen, um die Erkrankung beim Menschen auszulösen.

Wie genau sie aber in den Organismus gelangen, können auch Experten bis heute nur vermuten. "Jede Tätigkeit, bei der die Hand, die vorher im verschmutzten Gelände war, an den Mund geführt wird, stellt theoretisch einen Risikofaktor dar. Möglicherweise findet auch eine Übertragung durch Staub im Rahmen landwirtschaftlicher Tätigkeiten statt", sagt Dr. Grüner. Besonders gefährdet sind deswegen Berufsgruppen wie Landwirte oder Förster, die täglich Wald- und Bodenarbeiten verrichten. Außerdem scheinen auch selbst gezogene Gemüse- und Gewürzpflanzen mit einem gewissen Risiko verbunden zu sein.

Welche Tiere übertragen den Fuchsbandwurm?

Katzenliebhaber haben nichts zu befürchten, wenn es um die Übertragung von Bandwurm-Eiern geht. Denn die Stubentiger werden nur äußerst selten von dem Erreger befallen. Hunde dagegen sind diesbezüglich wohl nicht gerade der beste Freund des Menschen. Denn obgleich er nur die zweite Wahl des Erregers ist, kann auch er zum Wirt werden. Hunde sind sogar der wichtigste Risikofaktor bei der Übertragung des Fuchsbandwurms. Durch hundetypisches Verhalten – schnüffeln, jagen, abschlecken – gelangen die infektiösen Eier schnell vom Vierbeiner zum Herrchen. "Für die Halter von frei laufenden Hunden ist das Risiko einer Infektion vor allem in stark befallenen Gebieten wie etwa dem Allgäu oder Voralpenland bis zu 18-mal höher", sagt Dr. Grüner. Um auf der sicheren Seite zu sein, nehmen Sie Ihren Vierbeiner beim nächsten Waldspaziergang lieber an die Leine und lassen ihn regelmäßig auf Wurmbefall untersuchen und gegebenenfalls entwurmen.

Wie schütze ich mich vor dem Erreger?

Die Gefahr, sich durch Beeren mit Fuchsbandwürmern zu infizieren, ist sehr gering © Dmitrijs Bindemanis / Shutterstock.com

Als vorbeugende Maßnahme ist Hygiene das A und O. Das bedeutet nicht, dass Sie von jetzt an alles penibel desinfizieren müssen. Einfache Hygienemaßnahmen reichen völlig aus, um sich nicht nur vor einem Fuchsbandwurm, sondern auch allerlei anderen Mikroorganismen zu schützen. Bedeutet konkret: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen! Bodennah gewachsene Früchte und Gemüse (aus dem Wald wie auch aus dem eigenen Garten) sollten außerdem immer vor dem Verzehr abgewaschen werden.

Ein haushaltsüblicher Gefrierschrank kann Fuchsbandwurm-Eiern leider nicht viel anhaben, sie können Temperaturen bis zu -20°C ohne Probleme überstehen. Allerdings sind sie sehr empfindlich gegen Wärme – Erhitzen über 60°C tötet sie zuverlässig ab.

Die letzte und zugleich wichtigste Waffe im Kampf gegen Krankheitserreger wie den Echinococcus erfährt leider oft viel zu wenig Aufmerksamkeit: das Immunsystem. Es kann durchaus sein, dass Sie vielleicht schon auf einem Ihrer Spaziergänge Bekanntschaft mit dem Fuchsbandwurm machen durften, Ihr Immunsystem den Erreger aber abwehren konnte. "Nicht bei jedem Kontakt mit dem Erreger muss es auch zu einer Erkrankung kommen", sagt Dr. Grüner. "Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfälliger für eine Echinokokkose, als solche mit einer guten körpereigenen Abwehr."

Wann ist ein Fuchsbandwurm nachweisbar?

Etwa die Hälfte aller Echinokokkosen, Tendenz steigend, werden durch Zufall diagnostiziert, etwa im Rahmen eines bildgebenden Verfahrens bei einem Checkup oder einem Hausarztwechsel. "Bis die Erkrankung in einem Ultraschall oder CT erkennbar ist, dauert es 5 bis 15 Jahre, Beschwerden treten meist erst noch später auf", sagt Dr. Grüner. Das macht die Fuchsbandwurm-Erkrankung so gefährlich: Sie verläuft viele Jahre unerkannt. So kann der Erreger, dessen Zielorgan vor allem die Leber ist, in dieser Zeit schwere Organ- und Gefäßschäden auch im Bereich der Gallengänge verursachen. Denn die Wurmlarven verursachen die Bildung von zystenartigen Gebilden, welche die Organe schädigen. Typische Beschwerden, die auf eine Echinokokkose hinweisen könnten, sind zum Beispiel ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, Unwohlsein oder auch Magen- und Bauchschmerzen. "Viele Patienten zeigen gar keine Symptome, andere haben spezifische Beschwerden der Leber, aber auch unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, manchmal auch Gewichtsabnahme können auftreten", sagt Dr. Grüner.

Was hilft bei einer Fuchsbandwurm-Infektion?

Obwohl eine Echinokokkose heute mit Medikamenten gut behandelbar ist, bedeutet die Therapie eine langjährige, wenn nicht lebenslange Behandlung. Denn die verabreichten Mittel verhindern zwar ein weiteres Wachstum, eliminieren den Bandwurm aber nicht vollständig. "Derzeit fehlen Medikamente, die den Erreger zuverlässig abtöten. Eine endgültige Heilung kann nur durch eine Operation erzielt werden, bei der das befallene Gewebe vollständig entfernt wird", sagt Dr. Grüner.

Wer sich bis jetzt eher zurückgehalten hat bei der Beeren- oder Pilzsuche, darf also (bei anschließend hygienischer Verwertung) durchaus beherzt zugreifen. Ein eifriger Sammler, der schon vor Ihnen da war, wäre dann das einzige, was Sie noch wurmen könnte. Denn ob Sie sich anstecken oder nicht, haben Sie buchstäblich in der eigenen Hand.

14.09.2018| Lisa Opitz © womenshealth.de
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