Luftfilter gegen Feinstaub So schützen Sie Ihre Gesundheit vor Feinstaub

Feinstaub in Innenräumen beeinflusst unauffällig die Gesundheit und das Wohlbefinden

Feinstaub lauert überall und untergräbt unsichtbar die Gesundheit. Deshalb sollten Sie wissen, wie Sie sich schützen können

Man muss gar nicht Raucher oder Passiv-Raucher sein, um durch die Atemluft seine Gesundheit ernsthaft zu gefährden. Feinstaub bedroht nicht nur im fernen China, sondern auch in unseren Breiten die Gesundheit. Auch in unseren vier Wänden. Lüften reicht nicht, im Gegenteil: Durch geöffnete Fenster gelangt Feinstaub aus Dieselmotoren oder Abrieb von Autoreifen erst in unsere Wohnung. Nicht-Lüften ist auch keine Lösung, sonst steigt die Schimmel-Gefahr an den Wänden und der Feinstaub aus Haushaltsgeräten kann nicht entweichen. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Raumluftreinigern steigt. Aber können Luftfilter unsere Gesundheit tatsächlich nützen?

In diesem Artikel:

Wie gefährlich ist Feinstaub für die Gesundheit?

Senken Luftreiniger Gesundheit-Risiken?

Wie funktionieren Raumluftfilter?

Worauf sollte man bei Kauf eines Luftfilters achten?

Worin unterscheiden sich die Filtersysteme?

Machen Luftfilter auch auf dem Land Sinn?

“Je näher Sie zu einer viel befahrenen Straße wohnen, desto höher ist die Feinstaubkonzentration auch in der Wohnung“, sagt Professor Dr. Jean Krutmann, Leiter des Düsseldorfer Leibniz-Instituts für Umweltmedizinische Forschung (IUF). Doch Autoabgase sind nicht die einzige Feinstaub-Quelle in unseren Wohnung: "Auch Kerzen, Toaster und Drucker verursachen krankmachende Nanopartikel. Über die Atemluft gelangen sie in unsere Lunge und über das Blut in andere Organe unseres Körpers“, sagt Krutmann.

So gefährlich ist Feinstaub für unsere Gesundheit

"Neueste Studien belegen, dass Feinstaub nicht nur ernsthafte Lungenerkrankungen wie Lungenentzündungen, COPD bis hin zu Lungenkrebs verursachen können“, sagt Krutmann, "Auch die Entwicklung von zum Beispiel Diabetes Typ 2 wird begünstigt. Aktuell mehren sich zudem Daten, die einen Zusammenhang von Feinstaub und Alzheimer nahelegen.“ Dass Feinstaub von Autoabgasen unsere Haut vorzeitig altern lässt, ist ebenfalls mittlerweile wissenschaftlich bewiesen.

Können Luftreiniger die Gesundheits-Risiken durch Feinstaub senken?

"Ja, Luftfilter können die Feinstaubmenge in Wohnräumen gesundheitsrelevant senken“, sagt Krutmann. Ganz aktuell belegt das eine chinesische Studie aus dem Jahr 2017: In einer Doppel-Blind-Studie wurden 55 gesunden Studenten in Shanghai über 9 Tage lang Luftfilter bzw. Dummies in die Schlafzimmer gestellt. Medizinische Vor- und Nachuntersuchungen belegten eindeutig positive Auswirkungen der Luftfilter: Die Studenten, in deren Wohnung sich nur ein Dummiegerät ohne Luftfilter befand, hatten einen signifikant höheren Blutdruck und schlechtere Insulinwerte. Ihre Biomarker zeigten einen höheren oxidativen Stress und höhere Entzündungswerte als die Studenten mit funktionierenden Luftreinigern.

Nun haben wir ja zum Glück keine chinesischen Luftverhältnisse. Doch auch hierzulande verzeichnen Feinstaubmessungen in vielen Städten immer häufiger die Überschreitung gesundheitlich vertretbarer Grenzwerte. Die Nachfrage nach Raumluftreinigern steigt, inzwischen auch bei Menschen ohne Pollenallergie, die schon länger mit Innenluftreinigern und Luftbefeuchtern Allergene in ihren Innenräumen wirksam reduzieren.

Wie funktionieren Raumluftfilter?

"Raumluftreiniger saugen Luft aus der Umgebung an und ziehen diese durch entweder reine Partikelfilter oder durch eine Kombination aus Gas- und Partikelfilter und geben die gereinigte Luft anschließend zurück in den Raum“, erklärt Dr.-Ing. Christof Asbach, Bereichsleiter ‚Luftreinhaltung & Filtration‘ am Institut für Energie und Umwelttechnik (IUTA), "Diese Geräte stellen eine einfache Möglichkeit dar, ohne Umbaumaßnahmen für eine Lüftungsanlage die Innenraumluft in Wohnungen effektiv zu verbessern. Reduziert wird dabei die Feinstaubkonzentration und - bei Verwendung eines Adsorptionsfilters - auch die Konzentration gasförmiger Schadstoffe wie Stickstoffdioxid oder Ozon, sowie von Gerüchen zum Beispiel durch Zigarettenrauch.“

Worauf sollte man bei Kauf eines Luftfilters achten?

Die Reinigungsleistung von Raumluftreinigern wird in der sog. Clean Air Delivery Rate (CADR) bemessen. Viele Hersteller geben zudem Empfehlungen zu den geeigneten Raumgrößen für ihre Geräte. Asbach: "In jedem Fall sollte kein zu kleiner Raumluftreiniger verwendet werden, da ansonsten eine effektive Reinigung nicht gewährleistet werden kann.“
Achten Sie auch darauf, dass das Gerät möglichst leise ist. Denn ein als störend laut empfundener Raumluftreiniger wird vermutlich nur selten oder gar nicht eingeschaltet und ist damit nutzlos.

Gerade für Allergiker bedeuten Raumluftfilter eine Erleichterung © fizkes / Shutterstock.com

Worin unterscheiden sich die Filtersysteme?

Raumluftreiniger unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Filter. "In den meisten Fällen kommen Gewebefilter zum Einsatz, die regelmäßig getauscht werden müssen, wodurch entsprechende Folgekosten entstehen“, erklärt Asbach.
Eine Alternative sind elektrostatische Staubabscheider, in denen der Staub elektrisch aufgeladen und dann elektrostatisch aus dem Luftstrom entfernt wird. Derartige Filter lassen sich in der Regel reinigen, sodass keine Folgekosten entstehen. Asbach: "Da durch die Aufladung des Staubs aber auch Ozon entsteht, werden diese tatsächlich kaum eingesetzt.“ Eine Sonderform des elektrostatischen Filters stellen Ionisatoren dar, die Luftmoleküle ionisieren und in die Raumluft abgeben. Dadurch sollen die Partikel elektrisch aufgeladen und effektiver auf Wänden oder dem Boden niedergeschlagen werden. "Die Effizienz solcher Ionisatoren ist aber in der Regel deutlich niedriger als die von filterbasierten Systemen und das Problem der Ozonemission besteht weiterhin“, sagt Asbach.

Können Pflanzen die Atemluft in der Wohnung verbessern?

"Pflanzen könne zu einem gewissen Grade die Feinstaubkonzentration verringern, da durch die Blätter eine erhöhte Oberfläche für die Ablagerung der Feinstaub-Partikel zur Verfügung steht“, erklärt Asbach, "Die Effizienz ist aber sicherlich eher überschaubar.“
Feinstaub-Experte Asbach rät eher zu regelmäßigem Lüften, um die Raumluftqualität zu verbessern, denn ein großer Teil der Staub- und Gasquellen befindet sich in der Wohnung. Dazu zählen insbesondere Kerzen, Koch- und Backaktivitäten oder Zigarettenrauch. Durch Lüften lässt sich zudem die CO2 Konzentration senken, was Raumluftreiniger nicht leisten können.

Machen Luftfilter auch für Menschen Sinn, die auf dem Land leben?

Ja, denn: "Zum einen gibt es auch auf dem Land viele Feinstaubquellen wie zum Beispiel die Landwirtschaft“, sagt Asbach, "Zum anderen stammt ein großer Anteil der Feinstaubbelastung wie gesagt in Innenräumen aus den Innenräumen selbst.“


Zugegeben: Die Anschaffung eines in der Regel zwischen 100 und 1000 Euro teuren Raumluftfilters will gut überlegt sein. Wenn aber Faktoren wie zu Beispiel eine Pollenallergie, die Wohnlage nahe einer viel befahrenen Straße oder eine Raumsituation, in der Küche und Wohnzimmer oder Büro und Wohnzimmer in einander übergehen, kann ein Luftfilter für Gesundheit und Wohlbefinden sinnvoll sein. Ansonsten gilt: Lüften Sie Ihre Räume häufig, vor allem abends und morgens früh. Sie haben den Toaster benutzt, eine Kerze ausgeblasen oder den Drucker benutzt? Fenster auf! Und wischen Sie regelmäßig Staub oder wischen Sie die Böden feucht durch. Auch das trägt bereits zu einem besseren Raumklima bei.

23.03.2018| © womenshealth.de
Christine  Naefeke
Christine Naefeke Health-Redakteurin
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