Männergrippe Leiden Männer bei Erkältung tatsächlich mehr?

Kaum etwas erschüttert ein Männerleben so sehr wie eine akute Männergrippe – ist da was dran? © DWaschnig / Shutterstock.com

Warum sind Männer bei Erkältung so wehleidig? Leiden sie wirklich mehr als Frauen? Wir liefern medizinische Hintergründe und Tipps zur Männergrippe

Es ist das Ende. Das Höllenleiden auf Erden. Der jüngste Tag bei 38 Grad Fieber. Kurz: Der Weltuntergang. Der Mann singt die internationale Hymne der Männergrippe: Mimimimi. Er liegt auf der Couch, jault und wehklagt, verfasst Testamente und hat sich bereits einen Spruch für seinen Grabstein ausgedacht: "Der Wille war stark, aber der Feind übermächtig." Klare Sache: Jammerei, Klagomanie und Heulitis, das sind neben Schnupfen, Husten und etwas Kopfweh die typischen Symptome einer Männergrippe. Und, natürlich: Sie dürfen sich dabei immer wieder anhören, dass Sie als Frau einfach nicht verstehen, dass Männer während einer stinknormalen Erkältung deutlich mehr leiden als Frauen. Dem Mythos Männergrippe gehen wir hier einmal auf den Grund – und liefern Lösungsansätze.

Was bedeutet Männergrippe?

"Männergrippe" ist bloß eine ironisch gemeinte Bezeichnung für den – angeblich – heftigeren Verlauf von Erkältungskrankheiten bei Männern. Der Begriff ist zugleich halb-zutreffend, wegen einiger Hinweise aus wissenschaftlichen Studien (siehe unten), dazu ironisch-übertreibend – er ist aber auch irreführend: Denn eine Grippe ist tatsächlich eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der alle Betroffenen, Männer wie Frauen, in der Regel stark zu leiden haben. Symptome sind neben üblichen grippalen Erscheinungen wie Kopfweh oder Schnupfen meist totale Ermattung und oft hohes Fieber. Eine Grippe muss dringend ärztlich behandelt werden, Betroffene brauchen oft bis zu 3 Wochen, um sich zu erholen. Damit ist nicht zu spaßen – um die richtige Grippe soll es hier aber nicht gehen. Sondern um das – meist preiswürdige – Leiden der Männer bei Erkältung.

via GIPHY

Ist eine Männergrippe schlimmer als die bei Frauen?

Jein. Die ironische Bezeichnung für eine harmlose Erkältung oder einen grippalen Effekt bei Männern wird zum Teil untermauert von einigen wissenschaftlichen Untersuchungen: Laut einer Studie spüren einige Männer bei einer Erkältung tatsächlich stärkere Symptome als Frauen. Der mögliche Grund: Das Immunsystem von Männern reagiert anders auf Krankheitserreger. Ursache dafür ist, dass bei Männern der Östrogenspiegel niedriger ist als bei Frauen, Das Hormon hemmt die Vermehrung von Viren. Also fällt bei Menschen mit weniger Östrogen die Virenaktivität höher aus. Ein weiterer möglicher Grund für männliches Leiden ist sein höherer Testosteronspiegel. Denn: Je mehr Testosteron vorhanden ist, desto weniger Antikörper befinden sich im Körper. Das geht zumindest aus einer an der Stanford Medical School durchgeführten Studie hervor. Es gibt aber auch genug andere Gründe, warum ein Infekt bei verschiedenen Personen unterschiedlich verlaufen kann: Alter, Lebensstil etc. Eindeutige Beweise dafür, dass es eine männerspezifische Verlaufsform für Erkältungen gibt, liegen nicht vor. Es kann auch Frauen übel erwischen – und umgekehrt gibt es ja durchaus Männer, die bei einer Erkältung gar nicht jammern.

via GIPHY

Ist Männergrippe gefährlich?

Nein. Nicht gefährlicher als jede andere Erkältung. Selbst wenn die ungleiche Hormon-Verteilung dafür sorgt, dass ein Mann mehr mit einer Erkältung zu kämpfen hat – wie viel größer das Leid sein soll, ist fraglich. Es ist doch seltsam, dass die World Health Organization noch nie vor einer Männergrippe-Epidemie gewarnt hat. Kann es vielleicht sein, dass das Leiden, bei allem Verständnis für die spezielle hormonelle Situation der Männer, nicht GANZ so dramatisch ist?

Klar ist: Wer erkältet ist, sollte sich schonen, viel ruhen, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und vitaminreich ernähren. Das kriegt ihr Männe hin, oder? Bei aller Rücksicht und Fürsorge sollten Sie nicht allzu sehr in Mitgefühl zerfließen. Selbst wenn die "Männergrippe" ihn leiden lässt, ist er bei der ungerechten Verteilung von Symptomen in der Natur nicht das alleinige Opfer. Frauen leiden unter PMS und Unterleibskrämpfen, und zwar jeden Monat – und Sie jammern auch nicht ständig.

Wir stellen Ihnen hier 5 (vielleicht nicht bis ins letzte Detail komplett ernst gemeinte) Methoden vor, wie Sie mit einem Männergrippe-Opfer am besten umgehen. Eines vorweg: Lassen Sie ihn auf keinen Fall zur Arbeit gehen! Auch wenn Sie das albern finden: Sie wollen nicht, dass er seine Kollegen ansteckt, und dann noch mehr Männergrippezombies stöhnend durchs Land stolpern.

via GIPHY

1. Das Vernunfts-Programm

Sie können seine Leiden richtig, richtig ernst nehmen – und ihn entsprechend behandeln. Sprich: Er bekommt nur und ausschließlich TOTAL gesundes Essen. Also Gemüse und Obst und Hühnerbrühe zum Beispiel. Es gibt nichts anderes zu trinken als Tee. Ärzte raten bei Erkältung zu strenger Bettruhe. Also wehe, er steht unerlaubt auf! Ebenfalls empfohlen wird frische Luft, also reißen Sie mehrmals am Tag die Fenster auf und lüften durch. Und sobald Sie ihn dabei erwischen, dass er selbstständig auf die Toilette gehen kann, zerren Sie ihn für einen Spaziergang vor die Tür. Ach ja: Bei Fieber gibt es natürlich die allseits beliebten Wadenwickel. Glauben Sie uns: Der ist ganz bald wieder auf dem Damm!

2. Die ironische Tour

Wenn er es mit dem Leiden ganz mächtig übertreibt, passen Sie Ihr Verhalten konsequent seinem apokalyptischen Gejammer an. Hängen Sie an der Haus- und Wohnungstür gut sichtbare "QUARANTÄNE"-Schilder auf. An die Tür des Zimmers, in dem er vor sich hinsiecht, kommt noch ein hübsches, großes, gelb-schwarzes "BIO-HAZARD!"-Zeichen. Sperren Sie den Bereich um die Zimmertür zusätzlich mit rot-weißem oder gelb-schwarzem Flatterband ab. Natürlich zäunen Sie auch so den unmittelbaren Bereich um sein Bett ein, damit er von dem Spaß auch etwas mitbekommt.

via GIPHY

Natürlich können Sie von Ihren Vorsichtsmaßnahmen auch Fotos machen und ihm zeigen. Oder sie gleich per WhatsApp an Freunde und Familie senden – schließlich müssen die ja vor der Epidemiegefahr gewarnt sein! Oh, und ganz wichtig: Bewegen Sie sich in seiner Umgebung nur in angemessener Schutzkleidung. Wenn Sie keinen Seuchenschutzanzug haben, tun es auch Regenklamotten und Taucherbrille. Das machen Sie genau einen Tag – danach wird seine Leidenspose auf ein erträgliches Maß eingedampft sein. Versprochen.

3. Die liebevolle Nummer

Sie kennen ihn besser. Vielleicht hat es keinen Sinn, seine Krankheit herunterzuspielen. Vielleicht wird alles nur noch schlimmer, wenn Sie sich über ihn lustig machen. Also halten Sie ihm gegenüber Ihren Spott unter Kontrolle, damit es neben Erkältungs- nicht auch noch Beziehungsstress gibt. Geben Sie ihm das Gefühl, sein Leiden ernst zu nehmen, so lange Sie das schaffen, ohne zu kichern. Bringen Sie ihm Hühnerbrühe, heißen Tee mit Zitrone und Ingwer und Hustenbonbons und lassen ihn sich auskurieren. Stopfen Sie ihm im Bett Kissen in den Rücken und lesen Sie ihm abends etwas vor. Denken Sie daran: Auch die stärkste Erkältung geht mal vorüber. Und: Auch Sie sind irgendwann mal erkältet - und dann revanchiert er sich. Gefälligst.

4. Die Ablenkungs-Schiene

Wundersamerweise verringert sich das Leiden der meisten Männergrippe-Betroffenen schlagartig, wenn plötzlich eine neue Staffel Ihrer Lieblingsserie auftaucht. Oder ein paar neue Actionfilme. Da ist es vielen Seuchengeplagten dann plötzlich möglich, stundenlang aufrecht zu sitzen und nicht mehr zu stöhnen und zu jammern. Einige Erkrankte sind sogar imstande, während dieser Behandlung sehr schnell selbstständig feste Nahrung (Chips o. ä.) zu sich zu nehmen, die sie sich sogar auf eigene Faust in der Küche besorgt haben. Warnung: Bewahren Sie ihn und sich von verstärkenden Inhalten wie etwa den Viren-Film "Outbreak". Sonst diagnostiziert er sich selbst mit Ebola. Ganz sicher.

via GIPHY

Übertreiben Sie es auch nicht mit der Ablenkung: Sex sollten Sie erst einmal sein lassen, da während einer Grippe jede körperliche Anstrengung den Körper zusätzlich belastet. Allerdings ist die Bemerkung: "Ach, schade, ich dachte eigentlich, wir könnten mal wieder vögeln..." eine prima Methode, um herauszufinden, wie schlecht es ihm WIRKLICH geht. Wenn er da abwinkt, müssen Sie sich doch ein bisschen Sorgen machen. Zeigt er Interesse, vertrösten Sie ihn: Natürlich wollen Sie sich nicht bei ihm mit der Schnodderpest anstecken.

5. Die normale Nummer

Immer noch am besten: Lassen Sie ihm seine Ruhe, kommentieren Sie sein Leid nicht weiter – reagieren aber auch sonst nicht darauf. Fragen Sie ihn, ob er etwas aus der Apotheke braucht, teilen Sie Ihr Obst mit ihm und behandeln Sie ihn so, wie Sie selbst behandelt werden wollen, wenn Sie eine Erkältung haben: Nüchtern und freundlich, aber ohne großes Tamtam. Er ist erwachsen. Er kann sich um sich selbst kümmern.

Fazit: Begegnen Sie jeder "Männergrippe" mit ironischer Distanz. Nicht umsonst ist der Begriff aus der witzelnden Beschäftigung mit dem männlichen Erkältungsleid hervorgegangen. Bewahren auch Sie bei Ausbruch dieser schrecklichen Krankheit Ihren Humor. Nehmen Sie ernste Symptome wie hohes Fieber nicht auf die leichte Schulter und sein Gejammer bei etwas Schnupfen locker. Zum Glück geht jeder Infekt irgendwann vorbei.

17.09.2018| © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft
Personal_Trainer App