Naturkosmetik Daran erkennen Sie natürliche Kosmetik

Trend Naturkosmetik: Green Label
Natürliche Wirkstoffe in Kosmetika werden immer beliebter. © ARTFULLY PHOTOGRAPHER / Shutterstock.com

Woran Sie Beauty-Produkte mit natürlichen Inhaltstoffen erkennen und welchen Siegeln Sie wirklich trauen können

Naturkosmetik liegt im Trend

Es klingt widersprüchlich – aber Öko ist das neue Schön. Der Giga-Trend in der Beauty-Szene hat sich längst aus dem Reformhaus in die Welt aufgemacht und steht bei stylischen Green-GlamourNischenmarken ebenso hoch im Kurs wie bei günstigeren Drogeriemarken. Naturkosmetik hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt“, sagt Birgit Huber, stellvertretende Geschäftsführerin vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel. Ein Grund dafür sind einige neue Rohstoffentwicklungen: die Hersteller haben heute im Vergleich zu früher mehr natürliche und naturnahe Rohstoffe für den Einsatz in kosmetischen Produkten zur Verfügung. „So sind die Produkte nicht nur wirksamer, sondern auch anwenderfreundlicher geworden“, erklärt die Expertin.

„Auch die Verbraucherakzeptanz hat stark zugenommen, sodass die Kundinnen gern zu Naturkosmetik greifen.“ Öko-Beauty wuchs im Jahr 2015 von 9 auf 9,2 Prozent. Das mag zwar nach wenig klingen, aber dahinter verbergen sich große Zuwächse für Teile der Branche. Bei kleinen und trendigen Labels aus Deutschland oder exotischen Ländern aus Übersee brummt der Onlinehandel, immer mehr Shops bieten grüne Kosmetik an.

Bleibt nur ein Problem: Der Dschungel der Klassifizierungen macht es für den Verbraucher oft schwer, vollwertige Naturkosmetik von konventioneller Kosmetik zu unterscheiden. Wie also findet man die besten Naturprodukte und welchen Siegeln darf man vertrauen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen über die Green Label.

In diesem Artikel:

Was ist Naturkosmetik?

Naturkosmetik beschreibt Beauty-Produkte, die komplett oder nur zum Teil aus natürlichen Zutaten bestehen. Dies bedeutet, dass die verwendeten Stoffe natürlich angebaut werden und die Produkte keine oder nur sehr wenig chemisch oder künstlich hergestellte Stoffe enthalten dürfen. Nicht mit Naturkosmetik zu verwechseln ist naturnahe Kosmetik. Das sind Produkte, die größtenteils aus einer natürlichen Basis bestehen und nur vereinzelte künstliche Stoffe enthalten. Die Naturkosmetik-Standards erfüllen sie zwar nicht, sehr wohl können einzelne Inhaltsstoffe aber Bio-zertifiziert sein. Das Olivenöl in einem Produkt könnte somit also als Bio-Olivenöl betitelt sein, dies setzt jedoch nicht voraus, dass alle Inhaltstoffe bio sind. (Beispiel: „Mit dem besten Bio-Olivenöl“)

Trend Naturkosmetik: Green Label
Zertifizierte Naturkosmetik darf keine Silikone, Parabene oder Paraffine enthalten © marko86/Shutterstock.com

Ist Naturkosmetik gleichzeitig Bio?

Kurz gesagt, nein. Bio-Kosmetik ist eine Form von Naturkosmetik, die noch einen Schritt weitergeht. Ein Produkt kann der Kategorie der Naturkosmetik entsprechen, aber nicht an die hohen Anforderungen der Biokosmetik herankommen. "Bio" bezieht sich auf die Herkunft des Ausgangsmaterials und bedeutet, dass ein Bestandteil, nach den Öko-Landbau Prinzipien gezüchtet wurde. Zusammengefasst bedeutet dies: Nichts kann Bio sein, ohne zuerst Natur zu sein.

Aufschluss darüber wie viel Natur wirklich in einem Produkt steckt und wie hoch der Anteil biologischer Inhaltstsoffe ist, geben die folgenden Kosmetik-Siegel.

Die wichtigsten Öko-Siegel für Naturkosmetik

1. Das BDIH-Siegel ist das Basic-Natur-Gütezeichen

Das Siegel des Bundesverbands Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) fördert ökologische Rohstoffe und Nachhaltigkeit – und vertritt die Interessen von Herstellern. Sein Siegel verbietet synthetische Duft- und Farbstoffe. Aber: Nur 15 Prozent der Bestandteile müssen Bio sein. 7500 Produkte sind zertifiziert.Unabhängige Kontrollinstitute prüfen die angemeldeten Naturkosmetikprodukte auf ihre Inhaltsstoffe und Zusammensetzung. Der Gebrauch von Produkten, die von Tieren hergestellt werden, (z.B. Milch und Honig) sind hierbei erlaubt. Rohstoffe aus toten Tieren (z.B. Emuöl, tierische Fette etc.) sind allerdings nicht gestattet. Daher ist dieses Siegel zwar Natur-und Biosiegel, allerdings nicht vegan.

2. Die Ecocert-Plakette gibt es nur auf Zeit

Das französische Siegel Ecocert führt weltweite Inspektionen in über 80 Ländern durch und legt besonderen Wert auf die erneuerbaren Ressourcen, aus denen die Inhaltsstoffe hergestellt werden. Hier wird zwischen Biokosmetik und Naturkosmetik unterschieden. Bei dem Label der Naturkosmetik müssen 95% der Produkte einen natürlichen Ursprung haben und mindestens 50% aus ökologischem Anbau stammen. Bei dem Siegel der Biokosmetik liegen die Anforderungen der Produkte mit natürlichem Ursprung ebenfalls bei 95 %. Des Weiteren müssen außerdem 95% der Rohstoffe aus ökologischem Anbau kommen.

3. Maximal-Natur garantiert das NaTure-Siegel

Naturkosmetik-Firmen haben das internationale NaTrue-Siegel ins Leben gerufen. Es kennt 3 Stufen, die strengste von diesen steht für 95 Prozent biologische Inhaltsstoffe. Erdöl und künstliche Inhaltsstoffe sind nicht zulässig.

Ist Bio-Kosmetik automatisch Fairtrade?

Bei Fairtrade-Kosmetik geht es vorrangig um die soziale Komponente der Produktion. Jeder Arbeiter, der im Laufe des Herstellungsprozesses mitgearbeitet hat, soll auf faire Weise entlohnt werden und von seiner Arbeit leben können. Betroffen sind hier vor allem Bauern aus Lateinamerika, Asien oder Afrika, die auf Obstfeldern oder Palmöl-Plantagen arbeiten. Ein Produkt kann demnach also zu der Gruppe der Naturkosmetik gehören und ein Bio-Siegel tragen, muss deshalb aber nicht automatisch Fair Trade-zertifiziert sein. Anders herum kann es aber auch Fair Trade sein, ohne ein Bio-Siegel zu besitzen. Achten Sie also im Idealfall auf beide Siegel. Fairtrade-Produkte erkennen Sie an diesem Logo:

Fairtrade-Logo
Das Fairtrade-Logo steht für gute Produktionsbedingungen © FAIRTRADE DEUTSCHLAND

Das offizielle Fairtrade-Siegel vergibt Transfair e.V. Auf der Kosmetikverpackung muss gekennzeichnet sein, wie viel Prozent der Inhaltsstoffe Fairtrade zertifziert sind.

Vegane Kosmetik ist tierisch fair

In veganen Beauty-Produkten kommen keine tierischen Stoffe zum Einsatz. Weder Erzeugnisse von toten Tieren noch Rohstoffe, die von Tieren selbst produziert werden (z.B. Milch, Honig). Darüber hinaus setzt sich die vegane Kosmetikbranche gegen die Verwendung von Tierversuchen ein. Aber aufgepasst: "Vegan" ist in Deutschland kein geschützter Begriff! Das heißt: Nicht überall, wo vegan draufsteht, ist auch vegan drin – es lohnt sich also zweimal hinzuschauen.

Wenn Ihnen tierfreundliche Kosmetik wichtig ist und Sie versuchsfreie Labels bevorzugen, können Ihnen die folgenden Siegel helfen, im Drogeriegeschäft schnell fündig zu werden.Der Großteil der veganen Kosmetik zeichnet sich durch die Tatsache aus, keine tierischen Stoffe für ihre Produkte zu verwenden. Weder Erzeugnisse von toten Tieren noch Rohstoffe, die von Tieren selbst produziert werden (z.B. Milch, Honig). Darüber hinaus setzt sich die vegane Kosmetikbranche gegen die Verwendung von Tierversuchen ein. Wenn Ihnen tierfreundliche Kosmetik wichtig ist und Sie versuchsfreie Labels bevorzugen, können Ihnen die folgenden Siegel helfen, im Drogeriegeschäft schnell fündig zu werden. Aber aufgepasst: "Vegan" ist in Deutschland kein geschützter Begriff! Nicht überall, wo vegan draufsteht, ist auch vegan drin – es lohnt sich also zweimal hinzuschauen.

Übrigens: Eine Übersicht über Marken, die keine Tierversuche durchführen oder unterstützen, finden Sie auf der Peta-Website.

1. Das Vegan-Siegel "Animal friendly – NATURAL Cosmetics and Products"

Das deutsche Siegel "Animal friendly – NATURAL Cosmetics and Products" des IHTN zeigt einen Hasen mit schützender Menschenhand. Produkte mit diesem Siegel dürfen weder Tierversuche durchführen noch mit Unternehmen in Kontakt stehen, die Tierversuche durchführen. Auch die Verwendung von jeglichen Bestandteilen von getöteten und gequälten Tieren ist laut diesem Siegel untersagt. Alle Firmen, die dieses Logo tragen, produzieren seit 1979 komplett tierversuchsfrei - auch in den Warengruppen wie bspw. Lacke und Farben, in denen Substanzen, die mit Tierversuchen arbeiten bisher noch nicht verboten sind. Mehr über den IHTN

2. Das Gütesiegel der "Vegan Society"

Das aus Großbritannien stammende Siegel zeigt eine große, grüne Sonnenblume. Produkte mit diesem Siegel dürfen weder Tierversuche durchführen, noch darf einer der Rohstofflieferanten etwas mit Tierversuchen zu tun haben. Auch in der Herstellung von gentechnisch veränderten Organismen dürfen keine Tiergene oder Derivate von tierischen Substanzen vorhanden sein. Generell dürfen hier keine Tierprodukte jeglicher Art verwendet werden.

3. Das "Leaping Bunny Program"-Zeichen

Das internationale Siegel mit dem springenden Kaninchen verspricht dem Verbraucher, dass das Unternehmen keine Tierversuche mehr durchführt. Auch die Zulieferer dürfen keine Tierversuche in Auftrag geben. Vergeben wird das Siegel durch die Coalition for Consumer Information on Cosmetics (CCIC) nach Kriterien der Humane Cosmetic Standards (HCS). Was dieses Siegel allerdings erlaubt, sind einzelne Bestandteile von toten oder lebenden Tieren.

Mit diesen Apps erkennen Sie Naturkosmetik

Auf Ihrem Wunschprodukt ist kein Siegel? Dann lesen Sie zwischen den Zeilen! Wenn eine Marke probiert, Sie nur mit Modewörtern oder hübschen Werbeversprechen zu überzeugen, sollten Sie sich woanders umsehen. Andersherum kann es aber auch sein, dass sich eine Marke mit guten, 100% natürlichen Inhaltsstoffen keines der teuren Siegels leisten konnte oder wollte. Auch dann lohnt es sich, die Verpackung genauer zu studieren. Gewissheit darüber, ob ökologisch oder gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten sind geben Barcode-Scanner-Apps wie Codecheck und ToxFox, die kostenfrei auf das Smartphone heruntergeladen werden können.

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Zertifzierte Bio-Beauty kommt von alten Bekannten genauso wie von eher kleinen Nischenmarken. Die meisten leisten sich die recht teuren Siegel, um ihre Produkte auf Herz und Niere prüfen zu lassen und den Verbrauchern hohe Glaubwürdigkeit zu garantieren. Wer am liebsten so viel Natur wie möglich an Haut und Haar lassen möchte, sollte immer auf die seriösen Gütesiegel achten. Ein besonders reines Gewissen können Sie haben, wenn dann auch noch ein Fairtrade- und Vegan-Zeichen auf der Verpackung abgebildet ist. Ist kein Siegel auf der Verpackung abgebildet, lohnt es sich die Inhaltsstoffe zu scannen – am besten mit einer speziellen App.

17.01.2018| Betti Koch, Philipp Wehsack, Simone Oger © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft