Sex ohne Orgasmus So genießen Sie Sex auch ohne Höhepunkt

"Bist du gekommen?" – Nein. © Kate Kultsevych / Shutterstock.com

Ein Orgasmus ist toll – aber manchmal einfach nicht drin. Sparen Sie sich den Frust und genießen Sie lieber die ganze Spielzeit, statt die letzten Sekunden zu hypen

Ackern und reinhängen? Gern! Nur: während uns der Einsatz in Job und Sport relativ sicher zum Ziel bringt, ist Befriedigung im Bett kein Automatismus. Die Erfahrung, dass der Orgasmus kommt, wann er will (oder auch nicht), kennen die meisten Frauen. Darum kommt hier ein Plädoyer für Genuss statt Leistungsdruck. Das ist besser für Sie und die Liebe – und hat inzwischen sogar schon einen Namen: Karezza.

Warum haben viele Frauen oft keinen Orgasmus?

Kleine Umfrage: "Ich muss mich oft anstrengen, um zu kommen“, sagt Lisa, 27 Jahre, Single. "Ich komme meist – und falls nicht, spüre ich das früh“, sagt Anna, 32 Jahre, die ihre Hochzeit plant. Die Partner der beiden kommen praktisch immer. Nervig, aber normal, bestätigt die Forschung: Frauen kommen in einer Beziehung etwa zu 80 Prozent, Singles etwa zu 70 Prozent im Verhältnis zum Partner, so eine Studie der University of Indiana. Diese Diskrepanz nennt man "Orgasmus Gap“, also Orgasmus-Kluft.

In vielen Beziehungen gibt es ein Orgasmus-Gap: Er kommt immer, sie nur manchmal. © Kate Kultsevych / Shutterstock.com

Warum es sie gibt? Ein Grund: "Für viele Frauen ist der Koitus ein suboptimaler Weg zum Orgasmus, weil die Klitoris nicht ausreichend stimuliert wird“, erklärt Berit Brockhausen, Sexualtherapeutin und Autorin ("Guter Sex geht anders“, Humboldt-Verlag, um 20 Euro) aus Berlin. Aber auch eine Überstimulation im zentralen Nervensystem kann schuld sein: Stress und Ablenkung machen Frauen mehr zu schaffen als Männern. Oder haben Sie schon mal erlebt, wie einer plötzlich sagt "Du, die Spülmaschine klappert“ oder "Mist, ich komm nicht runter“? Das männliche Gehirn ist darauf ausgerichtet, alle Ablenkungen abzuwehren – das weibliche nicht. Vielleicht, weil nur der Orgasmus des Mannes zur Fortpflanzung nötig ist.

Darüber hinaus können auch Medikamente wie Antidepressiva, Ängste, neurologische Probleme das Lust-High behindern. Sogar der gesellschaftliche Anspruch, dass man auch im Bett funktionieren muss, kann belasten: "Viele fühlen sich durch den Druck, kommen zu müssen, gestresst“, sagt Sexualmedizinerin Dr.Elia Bragagna aus Wien ("Weiblich, sinnlich, lustvoll“, Verlag Ueberreuter, um 20 Euro). "Doch einen Orgasmus zu erreichen und sich dafür anstrengen zu müssen passt nicht zusammen.“ Laut Bragagna sind 76 Prozent der Frauen glücklich in Liebe und Leben, auch wenn sie nicht immer einen Höhepunkt erleben. Der Orgasmus ist eine Möglichkeit, keine Pflicht.

Ist Sex ohne Orgasmus besser?

Auch nicht hilfreich, wie schon erwähnt: "Viele Paare setzen Sex mit Penetration gleich“, erklärt Therapeutin Brockhausen. Mit dem Ergebnis, dass alles andere zum "Vorspiel“ degradiert wird, bevor man zum "Eigentlichen“ übergeht. Dabei ist manueller und oraler Sex für viele Frauen der beste Weg zur allerintensivsten Erregung. "Männer sollten akzeptieren, dass Frauen die Expertin für ihre Lust sind.“ Außerdem sollte man schätzen: Sex hat auch ohne Orgasmus intensive Momente, "wie die Lust an der intensiven Nähe, das Gefühl, den Partner in sich zu spüren, der Spaß, gevögelt zu werden, oder das Erschauern, wenn man einander dabei in die Augen guckt.“ Darum ist es wie auf Instagram: Verpassen Sie nicht die wunderbarsten Momente, während Sie sich anstrengen, sie auch ja perfekt zu inszenieren.

Sex hat auch ohne Orgasmus intensive Momente. © Kate Kultsevych / Shutterstock.com

3 Tipps, wie Sie den Sex ohne Orgasmus mehr genießen

1. (Noch) Nicht ausziehen!

Wissen Sie noch, früher beim Knutschen? Da haben Sie sich auch nicht vorauseilend nackig gemacht – und es war so aufregend. Das schreit doch nach Wiederholung. Darum der einfache Trick: Behalten Sie die Klamotten mal an. Reiben Sie sich an seiner Hüfte, während Sie in seinen Schritt fassen. Dabei stimulieren Sie Ihre Klitoris und kontrollieren selbst den Rhythmus.

2. Lust zeigen

Was macht Frauen scharf? Das ist keine doofe Männerfrage, das sollte man auch selbst beantworten. Zum Beispiel, dass es Lust macht, wenn man das männliche Begehren spürt. Lassen Sie ihn also beobachten, wie Sie auf ihm sitzend genießen oder wie Sie sich mit dem Finger anmachen. Sie lieben seine Erregung, er Ihre, so geht’s hin und her.

3. Zweite Runde

Noch eine wichtige Frage zum Schluss: Was tun, wenn der Partner schon gekommen ist? Zurückspulen! Machen Sie das, was Sie beim Vorspiel anmacht, und holen Sie einen Vibrator dazu. In der Erregung ist das Gehirn offen für neue Erfahrungen, darum können Sie nun Dinge austesten, bei denen Sie sonst eher Hemmungen haben. Falls doch Unruhe in Ihnen aufkommt, bitten Sie Ihren Partner, Sie noch ein wenig zu streicheln oder Ihren Rücken zu massieren, damit der intime Moment nicht so abrupt endet. Frieden für Körper und Seele.

Manchmal ist frau versucht, so zu tun, als ob. Damit es keine Fragen gibt oder er sich gut fühlt. Lassen Sie das lieber (zumindest bei dem Mann, den Sie lieben)! Sagen Sie lieber ehrlich, wenn das Finale unspektakulär war – aber so, dass es sein Ego (und seine Liebhaberqualitäten) nicht verletzt.

19.07.2018| Christiane Kolb © womenshealth.de
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