Freundschaft plus Sex unter Freunden: So endet "Friends with benefits" meist

Freundschaft plus ist meist ein Mix aus Kumpelei und Affäre. © Anatoliy Cherkas / Shutterstock.com

Was wie ein unkompliziertes Verhältnis wirkt, entpuppt sich meist als die schwierigste Beziehung überhaupt – Herzschmerz inklusive

Es ist schwer, den Partner fürs Leben zu finden. Es ist lästig, sich von One-Night-Stand zu One-Night-Stand zu hangeln, nur um die Lust auf Sex zu stillen. Und der spontane Sex mit unvertrauten Fremden ist dann meist auch noch mies.

Wie praktisch erscheint es da, einfach etwas mit einem guten Kumpel anzufangen, der auch ganz süß ist und mit dem du die nötige vertrauensvolle Basis hast. Aber ist es wirklich so einfach?

Was ist Freundschaft plus?

Der Begriff steht für Freundschaft plus Sex. Letztlich geht es um den pragmatischen Versuch, mit bereits bekannten und sympathischen Personen Sex zu haben, anstatt dafür irgendjemand im Club oder auf der Straße anzuquatschen. Ob nun aus Mangel an Angeboten oder weil du auf die Verpflichtungen einer festen Beziehung gerade keine Lust hast, aber gern regelmäßig Sex hättest.

Da scheint die ‚Freundschaft plus‘ auf den ersten Blick die ideale Lösung zu sein. Denn: Wenn ihr als Freunde schon so gut miteinander auskommt, euch irgendwie attraktiv findet – warum nicht auch gelegentlich das Bett teilen? Vertrauen und Zuneigung sind schließlich schon da, die wichtigsten Grundvoraussetzungen für den gemeinsamen Spaß also erfüllt.

Ist der Kumpel, mit dem Sie Konsole daddeln, auch ein potenzieller Lover? © LightField Studios / Shutterstock.com

Wieso ist Freundschaft plus so schwierig?

Weil unterschiedliche Menschen verschiedene Vorstellungen haben, und weil Gefühle und Nähe nicht planbar und regelbar sind wie Kostenfaktoren. Kompliziert wird es immer dann, wenn die Erwartungen an die ‚Freundschaft plus‘ bei beiden von vornherein unterschiedlich sind.

So praktisch und aufregend das Modell zunächst auch scheint, so ist es doch von Anfang an mit einem Verfallsdatum versehen. Denn meist handelt es sich bei den Plus-Partnern um frisch getrennte (oder auch dauerhafte) Singles, die mit einem Übergangspartner Ablenkung, Trost oder Bestätigung für ihren angeknacksten Selbstwert suchen.

Es gibt auch noch andere mögliche Erwartungen: Einige hoffen vielleicht, dass das kleine Abenteuer einfach so lange wie möglich anhält, während andere sich wünschen, dass sich daraus eine richtige Beziehung entwickelt oder beide wenigstens weiterhin „einfach Freunde“ bleiben, wenn das Thema Sex sich erledigt hat.

Wenn Vertrauen und Sympathie schon vorhanden sind, kann Sex ein logischer nächster Schritt sein. © LightField Studios / Shutterstock.com

Wie lange hält eine Freundschaft plus?

Das ist natürlich individuell verschieden. Wissenschaftler sind aber bereits der Frage nachgegangen, wie sich die Nicht-Beziehung in den meisten Fällen entwickelt und wie wahrscheinlich die Umwandlung in andere Beziehungsmodelle ist. Das Ergebnis: Nach einem Jahr bestand die Affäre bei 26 Prozent der Befragten nach wie vor, bei 15 Prozent war eine feste Beziehung daraus entstanden und 28 Prozent waren zu ihrer vorherigen Freundschaft zurückgekehrt. Bei der Mehrheit der Befragten (31 Prozent) war das Verhältnis aber komplett zerbrochen, inklusive der Freundschaft.

Worauf muss ich bei einer Freundschaft plus achten?

Alles ist okay, solange beide wissen, was sie wollen und worauf sie sich einlassen. Das heißt, Ihr müsst viel und offen miteinander reden, wahrscheinlich sind das oft höchst unromantische Gespräche. Aber Klarheit ist oberstes Gebot. Auch Regeln setzen ist besonders wichtig, also etwa: Wer sich in jemand anderes verliebt, gibt früh Bescheid. Oder auch: Wer sich in den Plus-Partner verliebt, muss es sagen, denn das ändert alle Voraussetzungen.

Sich Aufrichtigkeit vorzunehmen schützt aber nicht vor allen Problemen. Denn wenn zwischen Kuscheln und inniger Zweisamkeit eben doch romantische Gefühle entstehen, allerdings bei nur einer/m von beiden, rückt er oder sie nicht sofort damit heraus. Da ist dann oft die Hoffnung zu groß, dass es doch klappt. Liebeskummer ist da quasi einprogrammiert.

Es besteht auch die Gefahr, dass bei dir mit der Zeit das ungute Gefühl aufkommt, dass du ihm fürs Bett zwar gut genug bist – es für eine feste Beziehung aber eben nicht reicht. Autsch! Das kann ganz schön am Selbstbewusstsein kratzen. Dann solltest du lieber baldigst die Reißleine ziehen.

Schwierig wird es nur, nach dem Sex wieder zur Freundschaft zurückzufinden. © LightField Studios / Shutterstock.com

Wer insgeheim die Nestwärme eines festen Partners sucht – Sicherheitsgefühl und Monogamie inklusive – sollte sich selbst zuliebe deshalb besser die Finger von der ‚Freundschaft plus‘ lassen.

Wie rette ich nach dem Sex die Freundschaft?

Das wird schwierig. Denn egal ob Langzeitaffäre oder einmalige Sache, eines sollte dir in jedem Fall bewusst sein: Sex verändert die Freundschaft. Ihr könnt einfach nicht mehr genau so locker beisammen sitzen, wenn du weißt, wie der andere beim Sex aussieht oder sich dabei anhört. Die üblichen Kumpel-Aktionen wie gemeinsames Ausgehen oder Fernsehen werden erstmal überschattet sein. Noch komplizierter wird es, wenn auf einer Seite doch Liebe im Spiel ist.

Am besten sprecht ihr euch gründlich aus. Dann nehmt ihr euch nach dem Ende der Freundschaft plus genau so eine Auszeit, wie sie Paare benötigen, die sich entscheiden, dass sie nach der Trennung "Freunde bleiben" wollen (auch nicht immer die beste Idee). Dann könnt ihr die Affäre verarbeiten, euch über eure Gefühle klar werden, und hoffentlich retten, was euch einst verband.

Dass ‚Freundschaft plus‘ oft scheitert, liegt auch am unterschiedlichen Umgang damit: Während Männer oftmals alles so belassen wollen, wie es ist, erwarten Frauen mit der Zeit oft eine Veränderung der Beziehung. Das kann die alte Freundschaft oder eine feste Bindung sein – oder im Zweifelsfall eben nichts davon.

25.03.2019| Elina Wiesner © womenshealth.de
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