Fernbeziehung So hält die Liebe auf Distanz

Nähe trotz räumlicher Distanz? Natürlich geht das!
Nähe trotz räumlicher Distanz? Natürlich geht das! © Jacob Lund / Shutterstock.com

Ob München-Hamburg, Berlin-London oder Köln-Sydney: Mit diesen 5 Fernbeziehungs-Tipps machen Sie das Beste aus der Situation

Ihr Liebster freut sich total auf sein Auslandssemester in Kanada, aber Ihnen wird bei dem Gedanken eher mulmig? Ihnen winkt ein geniales Jobangebot in München, doch Ihr Partner muss erstmal in Hamburg bleiben? Bitter, aber daran muss Ihre Beziehung nicht scheitern. Mit der richtigen Einstellung und den Tipps unserer Expertin hält die Liebe auch auf Distanz.

Das böse "F-Wort": Keine Amgst, Fernbeziehungen sind gar nicht so schlimm
Das böse "F-Wort": Keine Angst, Fernbeziehungen sind gar nicht so schlimm. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Warum führen so viele Paare Fernbeziehungen?

"In Deutschland leben circa 1,7 Millionen Paare mehr als 100 Kilometer entfernt voneinander, mit steigender Tendenz. Das heißt, jede 8. Beziehung ist eine Fernbeziehung", sagt Christine Geschke, Psychologin und Paartherapeutin aus Hamburg. Wow, die Liebe auf Distanz ist also gar nicht so selten. Warum eigentlich? "Vor Jahren noch waren es vor allem Studenten, die sich auf Fernbeziehungen einließen, aber da es heutzutage nötig ist, mobil und flexibel zu sein, gibt es in allen Altersklassen immer mehr Fernbeziehungen. Hinzu kommt, dass unabhängig vom Alter Online-Dating immer selbstverständlicher wird, sodass sich der Radius automatisch erweitert."

Welche Probleme entstehen durch Fernbeziehungen?

Laut Christine Geschke dauert die durchschnittliche Fernbeziehung 2 Jahre. Der Zeitraum der Sehnsucht, des Wartens und der Abschiede ist also absehbar. Nach den 2 Jahren zieht man dann zusammen oder trennt sich eben. Ja, die Liebe kann an der Distanz zerbrechen: "Einige Paare können durch den mangelnden Alltag keine richtige Nähe aufbauen, so entsteht kein Wir-Gefühl". Hinzu kommt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Ansprüche und Strategien haben: "Laut Statistik sind 30 Prozent der Frauen bereit, eine Fernbeziehung zu führen, aber nur 12 Prozent der Männer. Das liegt daran, dass Frauen schon über Gespräche, ein Gefühl von Verbundenheit spüren. Männer brauchen eher gemeinsame Unternehmungen." Klingt pessimistisch? Nö! Dieses Wissen hilft uns, besser mit der schwierigen Situation umzugehen.

Verleiten Fernbeziehungen dazu, fremdzugehen?

Da können wir Sie mit einem klaren Nein beruhigen! "Erstaunlicherweise wird in Fernbeziehungen sogar weniger fremdgegangen als in 'normalen' Beziehungen. Fremdgehen resultiert nämlich häufig daraus, dass man sich seines Partners zu sicher ist, weil man ihn ständig um sich hat", erklärt Christine Geschke.

Wann sollte ich eine Fernbeziehung beenden und wie?

Ob Nah- oder Fernbeziehung – manchmal hat es einfach keinen Sinn mehr. Bei einer Fernbeziehung kann es laut Geschke daran liegen, dass man die Distanz einfach nicht mehr erträgt, die Partner einander nicht mehr vertrauen oder es keine gemeinsamen Zukunftspläne gibt. Die Distanz können wir dann doch easy nutzen, um uns vor der furchtbaren "Schatz, wir müssen reden"-Situation zu drücken, oder? "Nein! Grundsätzlich empfehle ich immer ein persönliches Trennungsgespräch. Ist das wirklich nicht möglich, sollte wenigstens ein ausführliches Telefongespräch drin sein", betont die Paartherapeutin.

5 Tipps für eine gute Fernbeziehung

So, genug der Schwarzmalerei! Egal, wie anstrengend so eine Fernbeziehung auch sein kann, wie schwer uns die ständigen Abschiede und die Wartezeiten fallen – für die Momente des Wiedersehens und die wertvolle Zeit mit unserem Seelenverwnadten nehmen wir das alles gern in Kauf! Immerhin gibt es einige Tipps, die Sie als "Fernbeziehungs-Geplagte" beherzigen können:

Gemeinsame Visionen haben, sich auf Augenhöhe begegnen, Nähe schaffen
Gemeinsame Visionen haben, sich auf Augenhöhe begegnen, Nähe schaffen – nicht nur in Fernbeziehungen wichtig. © Jacob Lund / Shutterstock.com

1. Schmieden Sie gemeinsam Pläne

Wie jede andere Beziehung auch, lebt die Liebe auf Distanz davon, dass sie nicht nur aus Vergangenheit und Gegenwart, sondern vor allem aus Zukunft besteht. Heißt in der Praxis: Schaffen Sie gemeinsam Perspektiven! Träumen Sie zusammen: Wo werden Sie später leben? Wie soll Ihr Haus aussehen? Wie viele Kinder möchten Sie und welchen Namen wird Ihr Meerschweinchen tragen? Ob diese Pläne später einmal in Erfüllung gehen, ist fast nebensächlich. Viel wichtiger ist der gemeinsame Traum.

2. Telefonieren, texten, skypen!

Danke, 21. Jahrhundert, für Whatsapp, Sprachnotiz und Videochat. Noch nie war es so einfach, trotz großer Distanzen Kontakt zu halten. Natürlich ersetzt der kalte Smartphone-Bildschirm nicht die Wärme und Nähe Ihres Liebsten, Videochat und Co. helfen uns aber, die Sehnsucht abzumildern. Rufen Sie sich nicht nur dann an, wenn Sie etwas Neues zu erzählen haben – eine Beziehung ist doch gerade deshalb so wertvoll, weil man immer etwas zu bequatschen hat und den anderen an seinem Alltag miteinander teilt.

Wenn Sie Ihren Freund einmal besonders überraschen möchten, greifen Sie doch ganz altmodisch zu Stift und Papier! Eine witzige Postkarte, ein romantischer Liebesbrief, ein liebevolles Päckchen mit seinen Lieblingssüßigkeiten und einer persönlichen Notiz – wer würde sich da nicht freuen?

3. Feste Rituale geben Sicherheit

"Es ist wichtig, trotz der Distanz eine Beziehungskultur zu entwickeln, die dem Paar ein Wir-Gefühl vermittelt. Dazu gehören kleine, verlässliche Rituale wie sich 'Guten Morgen' und 'Gute Nacht' zu sagen. Vielleicht kann man sogar per Videochat zusammen frühstücken oder abends zusammen essen und sich dabei austauschen", sagt die Paartherapeutin.

4. Geduldig sein und verbindlich bleiben

"Wichtig ist, dass beide Partner das Verständnis mitbringen, dass es etwas Geduld und Toleranz braucht, bis man sich in dieser neuen Beziehungsform eingerichtet hat und beide gut damit zurechtkommen. Dazu gehören verbindliche Regeln, die für Vertrauen sorgen und das Gefühl geben, dass diese Beziehung verlässlich ist. Essenziell ist auch, dass sich jeder erkennbare Mühe gibt. Zum Beispiel durch abwechselnde Besuche." Auch Ehrlichkeit spielt eine zentrale Rolle: "Seien Sie offen zueinander: Was gefällt Ihnen, was nicht? Was läuft gut, was würden Sie gerne ändern? So kann sich keine unterschwellige Unzufriedenheit breitmachen."

Rituale, Alltag, Vertrauen – der Aufbau einer Beziehungskultur ist essenziell
Rituale, Alltag, Vertrauen – der Aufbau einer Beziehungskultur ist essenziell. © Jacob Lund / Shutterstock.com

5. Schaffen Sie gemeinsame Erinnerungen

Achtung, jetzt wird’s kitschig: Kennen Sie das vertraute Gefühl, wenn man mit seinem Partner über gemeinsame Erlebnisse spricht und Insider-Witze macht, die niemand sonst versteht? Solche geteilten Erinnerungen schaffen Nähe und sorgen für Stabilität, die besonders in Fernbeziehungen wichtig ist. Um diesen Effekt zu verstärken, könnten Sie einige Ihrer schönsten Fotos in ein Album kleben oder eine Art Schatztruhe anlegen, in der Sie Kinokarten, Urlaubssouvenirs und Liebesbriefe aufbewahren. So bewahren Sie sich Ihre Erinnerungen und können an einem regnerischen Sonntagnachmittag sehnsüchtig vom letzten Strandurlaub träumen…

Wie zieht man nach einer Fernbeziehung zusammen?

Mehrere Jahre lang haben Sie sich maximal alle 2 Wochen gesehen und jetzt wollen Sie zusammenziehen – ob das wohl gut geht? Klar, mit der richtigen Vorarbeit! "Das Zusammenleben nach einer Fernbeziehung hat seine Tücken. Man hat bislang keinen richtigen Alltag geteilt, sondern sich vor allem von der 'besten' Seite kennengelernt. Mit den unbequemeren Seiten des anderen muss man nun lernen, zurechtzukommen", sagt Geschke. "Es hilft, schon während der Fernbeziehung etwas längere gemeinsame Urlaube zu verbringen, um einen realistischen Eindruck des anderen zu gewinnen und um sich im ständigen Zusammensein zu üben."

Mit den richtigen Tipps ist die Fernbeziehung kein Problem

Okay, bekennende Fernbeziehungs-Fans sind wir natürlich nicht! Trotzdem wissen wir jetzt, wie wir uns die Liebe auf Distanz etwas einfacher gestalten: Verbindlichkeit schaffen, auf Rituale setzen und immer daran denken, dass diese Situation nicht für die Ewigkeit ist. Amen!

25.12.2017| Juliane Funke © womenshealth.de
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