Fernbeziehung So hält die Liebe auf Distanz

Nähe trotz räumlicher Distanz? Natürlich geht das! © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

Ob München-Hamburg, Berlin-London oder Köln-Sydney: Mit diesen 5 Fernbeziehungs-Tipps machen Sie das Beste aus der Situation

Früher zogen die Menschen ihren Liebsten hinterher, heute ihren Jobs – und die Liebe leidet oft darunter. Freut sich zum Beispiel Ihr Liebster total auf sein Auslandssemester, aber Ihnen wird bei dem Gedanken eher mulmig, ihn ziehen zu lassen? Oder haben Sie ein geniales Jobangebot in München, doch Ihr Partner muss in Hamburg bleiben? Bitter, aber daran muss Ihre Beziehung nicht scheitern. Mit der richtigen Einstellung und den Tipps unserer Expertin hält die Liebe auch auf Distanz.

Das böse "F-Wort"? Keine Angst, Fernbeziehungen sind gar nicht so schlimm. © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

Warum führen so viele Paare Fernbeziehungen?

"In Deutschland leben circa 1,7 Millionen Paare mehr als 100 Kilometer entfernt voneinander, mit steigender Tendenz. Das heißt, jede 8. Beziehung ist eine Fernbeziehung", sagt Christine Geschke, Psychologin und Paartherapeutin aus Hamburg. Wow, die Liebe auf Distanz ist also gar nicht so selten. Warum eigentlich? "Vor Jahren noch waren es vor allem Studenten, die sich auf Fernbeziehungen einließen, aber da es heutzutage nötig ist, mobil und flexibel zu sein, gibt es in allen Altersklassen immer mehr Fernbeziehungen. Hinzu kommt, dass unabhängig vom Alter Online-Dating immer selbstverständlicher wird, wodurch sich der Such-Radius automatisch erweitert."

Wie oft sollten Sie sich in einer Fernbeziehung sehen?

Plump gesagt: an zwei Tagen die Woche. In der Regel ist eine Fernbeziehung eine Wochenendbeziehung. Beide sind berufstätig oder in der Woche anderweitig eingebunden. Wenn Sie überlegen, wie oft Sie sich in einer Arbeitswoche effektiv wirklich sehen, verbringen Sie in einer Wochenendbeziehung also gar nicht so viel weniger Zeit miteinander. Was Ihnen aber fehlt, ist die Alltagsroutine, die viel Zusammenhalt schafft.

Es ist erstrebenswert, sich an den Wochenenden zu sehen, es ist aber nicht Pflicht. Schließlich sind die Wochenenden auch die einzigen möglichen Termine, um mal mit Freunden wegzufahren oder auszugehen. Lassen Sie das nicht komplett unter den Tisch fallen. Versuchen Sie so viel wie möglich unter einen Hut zu bringen, aber scheuen Sie sich auch nicht, mal ein Paarwochenende für eine andere coole Aktivität sausen zu lassen.

Welche Probleme entstehen durch Fernbeziehungen?

Laut Christine Geschke dauert die durchschnittliche Fernbeziehung 2 Jahre. Der Zeitraum der Sehnsucht, des Wartens und der Abschiede ist also absehbar. Nach den 2 Jahren ziehen die Liebenden dann zusammen oder trennen sich eben. Ja, das ist so: Die Liebe kann an der Distanz zerbrechen: "Einige Paare können durch den mangelnden gemeinsamen Alltag keine richtige Nähe aufbauen. So entsteht kein Wir-Gefühl".

Hinzu kommt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Ansprüche und Strategien haben: "Laut Statistik sind 30 Prozent der Frauen bereit, eine Fernbeziehung zu führen, aber nur 12 Prozent der Männer. Das liegt womöglich daran, dass viele Frauen schon über Gespräche eher ein Gefühl von Verbundenheit spüren. Männer brauchen mehr gemeinsame Unternehmungen." Und nein: Das ist jetzt nicht nur das Codewort für Sex. Die unterschiedlichen Wünsche sind aber noch kein Grund, pessimistisch zu sein. Dieses Wissen hilft Ihnen eher, besser mit der Situation umzugehen.

Wie gehe ich mit Sehnsucht in der Fernbeziehung um?

Sie scheint der größte Feind der Liebe zu sein. Aber letztlich ist Sehnsucht zunächst einmal der Beweis, dass da überhaupt Liebe ist. Insofern wird es ohne sie nicht gehen. Sie müssen lernen, mit ihr umzugehen, am besten gemeinsam. In Telefonaten und Video-Calls, in Briefen und Mails. Aber gehen Sie nicht komplett darin auf.

Finden Sie einen Ort in Ihrem Kopf, wo die Sehnsucht ihren Platz hat, aber kümmern Sie sich auch um die anderen Orte, lenken Sie sich ab, tun Sie zum Beispiel Dinge, auf die er meistens keine Lust hat. Natürlich geht die Sehnsucht von einem neuen Hobby nicht weg. Aber sie ist nicht mehr so allübergreifend.

Wenn Sie fürchten, dass die Fernbeziehung zur Untreue führt, können wir Sie beruhigen! "Erstaunlicherweise wird in Fernbeziehungen sogar weniger fremdgegangen als in 'normalen' Beziehungen. Fremdgehen resultiert nämlich häufig daraus, dass sich Menschen ihres Partners zu sicher sind, weil sie ihn ständig um sich haben", erklärt Christine Geschke. Natürlich gib es Paare, die sich im Rahmen einer Fernbeziehung mehr Freiheiten in Bezug auf kleine sexuelle "Ausrutscher" einräumen – aber das ist eine Typfrage und muss ganz individuell entschieden und geklärt werden.

Wann sollte ich eine Fernbeziehung beenden und wie?

Ob Nah- oder Fernbeziehung – manchmal hat es einfach keinen Sinn mehr. Bei einer Fernbeziehung kann es laut Geschke daran liegen, dass mindestens eine/r die Distanz einfach nicht mehr erträgt, oder dass die Partner einander nicht mehr vertrauen. Auch tödlich: Wenn es keine gemeinsamen Zukunftspläne gibt, auf die sich die Hoffnungen richten können.

Bei der Frage, wie Sie Schluss machen, drängt sich ja die bequeme Lösung fast auf, nach dem Motto: Die Distanz können wir dann doch easy nutzen, um uns vor der furchtbaren "Schatz, wir müssen reden"-Situation zu drücken, oder? Doch das ist grundfalsch. "Grundsätzlich empfehle ich immer ein persönliches Gespräch. Ist das wirklich nicht möglich, sollte wenigstens ein ausführliches Telefongespräch drin sein", betont die Paartherapeutin. Das sind Sie sich, Ihrem Partner und Ihrer Beziehung schuldig.

5 Tipps für eine gute Fernbeziehung

So, genug der Schwarzmalerei! Egal, wie anstrengend so eine Fernbeziehung auch sein kann, wie schwer die ständigen Abschiede und die Wartezeiten fallen – für die Momente des Wiedersehens und die wertvolle Zeit mit Ihrem Seelenverwandten nehmen Sie das doch gern in Kauf, oder Damit das umso leichter fällt, gibt es einige Tipps, die Sie als "Fernbeziehungs-Geplagte" beherzigen können:

Gemeinsame Visionen haben, sich auf Augenhöhe begegnen, Nähe schaffen – nicht nur in Fernbeziehungen wichtig. © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

1. Schmieden Sie gemeinsam Pläne

Wie jede andere Beziehung auch, lebt die Liebe auf Distanz davon, dass sie nicht nur aus Vergangenheit und Gegenwart, sondern vor allem aus Zukunft besteht. Heißt in der Praxis: Schaffen Sie gemeinsam Perspektiven! Träumen Sie zusammen: Wo werden Sie später leben? Wie soll Ihr Haus aussehen? Wie viele Kinder möchten Sie und welchen Namen wird Ihr Meerschweinchen tragen? Ob diese Pläne später einmal in Erfüllung gehen, ist fast nebensächlich. Viel wichtiger ist der gemeinsame Traum. Dazu gehören mittelfristig auch gemeinsame Urlaube und Reisen.

2. Telefonieren, texten, skypen!

Danke, 21. Jahrhundert, für Whatsapp, Sprachnotiz und Videochat. Noch nie war es so einfach, trotz großer Distanzen Kontakt zu halten. Natürlich ersetzt der kalte Smartphone-Bildschirm nicht die Wärme und Nähe Ihres Liebsten, Videochat und Co. helfen Ihnen aber, die Sehnsucht abzumildern. Rufen Sie sich nicht nur dann an, wenn Sie etwas Neues zu erzählen haben – eine Beziehung ist doch gerade deshalb so wertvoll, weil Sie immer etwas zu bequatschen haben und den anderen am eigenen Alltag teilhaben lassen wollen.

Bei aller Liebe zum Digitalen: Wenn Sie Ihren Freund einmal besonders überraschen möchten, greifen Sie doch ganz altmodisch zu Stift und Papier! Eine witzige Postkarte, ein romantischer Liebesbrief, ein liebevolles Päckchen mit seinen Lieblingssüßigkeiten und einer persönlichen Notiz – wer würde sich da nicht freuen?

3. Feste Rituale geben Sicherheit

"Es ist wichtig, trotz der Distanz eine Beziehungskultur zu entwickeln, die dem Paar ein Wir-Gefühl vermittelt. Dazu gehören kleine, verlässliche Rituale wie sich 'Guten Morgen' und 'Gute Nacht' zu sagen. Vielleicht können Sie sogar per Videochat zusammen frühstücken oder abends zusammen essen und sich dabei austauschen?", sagt die Paartherapeutin. Natürlich muss das nicht jeden tag passieren, schließlich haben Sie beide, da wo Sie gerade sind, auch ein anderes Leben zu führen. Wichtig ist, dass Sie auch das offen kommunizieren und nicht einfach unerreichbar sind.

4. Geduldig sein und verbindlich bleiben

"Wichtig ist, dass beide Partner das Verständnis mitbringen, dass es etwas Geduld und Toleranz braucht, bis Sie sich in dieser neuen Beziehungsform eingerichtet haben und beide gut damit zurechtkommen. Dazu gehören verbindliche Regeln, die für Vertrauen sorgen und das Gefühl geben, dass diese Beziehung verlässlich ist. Essenziell ist auch, dass sich jeder erkennbare Mühe gibt. Zum Beispiel durch abwechselnde Besuche." Auch Ehrlichkeit spielt eine zentrale Rolle: "Seien Sie offen zueinander: Was gefällt Ihnen, was nicht? Was läuft gut, was würden Sie gerne ändern? So kann sich keine unterschwellige Unzufriedenheit breitmachen."

Wichtig in Phasen des Getrennt-Seins: Telefonieren, chatten, mailen. Das schafft Nähe trotz Distanz! © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

5. Schaffen Sie gemeinsame Erinnerungen

Achtung, jetzt wird’s kitschig: Kennen Sie das vertraute Gefühl, wenn Sie mit Ihrem Partner über gemeinsame Erlebnisse sprechen und Insider-Witze machen, die niemand sonst versteht? Solche geteilten Erinnerungen schaffen Nähe und sorgen für Stabilität, die besonders in Fernbeziehungen wichtig ist. Um diesen Effekt zu verstärken, könnten Sie einige Ihrer schönsten Fotos in ein Album kleben oder eine Art Schatztruhe anlegen, in der Sie Kinokarten, Urlaubssouvenirs und Liebesbriefe aufbewahren. So bewahren Sie sich Ihre Erinnerungen und können an einem regnerischen Sonntagnachmittag sehnsüchtig vom letzten Strandurlaub träumen… Auch möglich: Sie verabreden sich, gemeinsam Filme und Serien zu gucken, jede/r gleichzeitig am jeweiligen Wohnort. Währenddessen whatsappen Sie oder telefonieren.

Wie ziehen Sie nach einer Fernbeziehung zusammen?

Mehrere Jahre lang haben Sie sich maximal alle 2 Wochen gesehen und jetzt wollen Sie zusammenziehen – ob das wohl gut geht? Klar, mit der richtigen Vorarbeit! "Das Zusammenleben nach einer Fernbeziehung hat seine Tücken. Sie haben bislang keinen richtigen gemeinsamen Alltag geteilt, sondern sich vor allem von der 'besten' Seite kennengelernt. Mit den unbequemeren Seiten des oder der anderen müssen Sie nun beide lernen zurechtzukommen", sagt Geschke. "Es hilft, schon während der Fernbeziehung etwas längere gemeinsame Urlaube zu verbringen, um einen realistischen Eindruck des anderen zu gewinnen und um sich im ständigen Zusammensein zu üben."

Okay, bekennende Fernbeziehungs-Fans sind wir alle nicht! Trotzdem wissen Sie jetzt, wie Sie die Liebe auf Distanz etwas erträglicher gestalten können: Verbindlichkeit schaffen, auf Rituale setzen und immer daran denken, dass diese Situation nicht für die Ewigkeit ist.

23.10.2018| © womenshealth.de
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