Männer-PMS So helfen Sie ihm, wenn er seine Tage hat

Stehen Sie ihm in dieser schweren Zeit bei. © Parker Whitson / unsplash.com

Natürlich ohne Unterleibsschmerzen, dafür aber mit heftigen Wutausbrüchen, Futterattacken und Frustphasen. Ja, auch Männer haben PMS. Oder zumindest etwas Vergleichbares ...

Wir Frauen kennen das ja leider nur zu gut: An den Tagen vor den Tagen sind wir gereizt, genervt und können wegen der kleinsten Kleinigkeit an die Decke gehen. PMS heißt der Grund dafür – und bisher nahm man an, dass nur Frauen von den Hormonen in den Wahnsinn getrieben werden. Falsch gedacht! "Männer unterliegen denselben Hormonschwankungen wie Frauen“, sagt der kalifornische Psychologe Jed Diamond, der das Phänomen Irritable Male Syndrome (IMS oder Reizbarer-Mann-Syndrom) erforscht. Welche Hormone schuld dran sind, wenn er mal wieder komisch reagiert – und was Sie dagegen tun können.

1. Männer-Drama-Szenario: Wutanfall aus dem nichts

Im Frühlig rastet das typische Alpha-Männchen gern mal aus. Er kann nichts dafür, das sind die Hormone. © Allef Vinicius / unsplash.com

Die Situation: Sie sind gemeinsam im Auto unterwegs — er sitzt am Steuer. Als Sie ihm sagen, er soll da vorn an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen, geht er plötzlich total ab. Er motzt, bezeichnet Sie als Kontrollfreak und kriegt sich kaum mehr ein. Äh, alles klar so weit?

Das steckt dahinter: Dieses steinzeitmäßige "Ich bin ein Mann, ich weiß, wo’s langgeht“-Verhalten kommt am häufigsten im Frühling vor. Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn zu dieser Jahreszeit kann ein Testosteronmangel zu so einem aggressiven Ausbruch führen. Die Werte des Hormons gehen im März, April und Mai nämlich naturgemäß in den Keller, was Männer reizbar und streitsüchtig machen kann. "Eigentlich würde man ja denken, dass mehr Testosteron aggressiv macht“, sagt Diamond. "Aber in Wirklichkeit ist es genau anders herum.“

So helfen sie ihm: Auch wenn der erste Reflex ist, ihn genauso wüst zu beschimpfen, wie er es gerade mit Ihnen getan hat – lassen Sie es lieber. Denn damit machen Sie es am Ende nur noch schlimmer. "Wir begehen oft den Fehler, in so einer Situation konfrontativ zu reagieren“, sagt Männertherapeut Björn Süfke aus Bielefeld, der auch das Buch "Männer. Erfindet. Euch. Neu.“ (Mosaik, um 20 Euro) geschrieben hat. Viel besser: Geben Sie ihm erst einmal Zeit, von seiner Palme wieder runterzukommen. "Und dann sagen Sie ihm ganz ruhig, dass er eine Grenze überschritten hat.“ Mehr nicht. Es wird auch nicht weitergebohrtund auch nicht weiter nachgehakt. Zumindest jetzt nicht. Später, wenn sich alle Beteiligten wieder beruhigt haben, sollten Sie ihn – ganz wichtig: mit ehrlichem Interesse statt mit -Vorwürfen – aber noch einmal darauf ansprechen. Fragen Sie nach, was genau ihn so sehr geärgert hat. Auf diese Weise laden Sie ihn freundlich dazu ein, Ihnen zu erklären, was bei ihm wirklich im Argen liegt.

2. Männer-Drama-Szenario: Beklommenes Schweigen

Was hat er denn? © Lui Peng / unsplash.com

Die Situation: Der Mann kriegt den Mund nicht auf. Irgendwie guckt er auch so leidend. Aber auf Ihre Frage "Ist was?“ kommt nur ein "Nö, nichts“.

Das steckt dahinter: Ihre Intuition sagt Ihnen, dass da was im Busch ist. Nur: Wenn Sie fragen, ob er darüber reden will, schrillen bei ihm die Alarmglocken – und das sorgt für eine -vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen. "Das liegt daran, dass viele Männer diese Art von Konfliktbewältigung nicht gelernt haben. Über Gefühle zu sprechen bedeutet immer noch Schwäche. Und die ist in der männlichen Sozialisation eher verpönt.“

So helfen sie ihm: Wenn Sie weiterhin mit einem Einsiedlerkrebs zusammenleben wollen, können Sie es natürlich ebenfalls totschweigen. Für alle anderen gilt: Fragen Sie nach. Aber bitte nicht mit der Verständnismasche à la "Komm, erzähl doch mal …“. "Männer können mit so einer Situation besser umgehen, wenn Sie ganz faktisch argumentieren, dass sein Verhalten auch Ihr Leben beeinträchtigt“, sagt Süfke. Denn gefühlstechnisch außen vor gelassen zu werden ist Gift für jede Beziehung. Das versteht auch er.

3. Männer-Drama-Szenario: Er wird älter

Ohje... das Haar wird lichter. © Nik Shuliahin / unsplash.com

Die Situation: Er steht vor dem Spiegel und betrachtet sorgsam seine Geheimratsecken, äh, -flächen muss man schon sagen. Auch seinen Bauch schaut er missmutig an.

Das steckt dahinter: Wenig Haare? Ganz heikles Thema. Denn die mangelnde Haarpracht kratzt nicht nur am männlichen Selbstbewusstsein, es gibt Männern auch ein Gefühl der Machtlosigkeit – denn gegen Haarausfall lässt sich wenig machen. Schuld an der schwindenden Mähne sind die Gene und bestimmte Enzyme des Hormons Testosteron, weshalb bis zu 80 Prozent der mitteleuropäischen Männer unter Haarausfall leiden, sobald sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Und was die schlanke Linie betrifft: Bauchfett ist nicht nur ein rein optisches Problem. Es produziert nämlich das Enzym 5-alpha-Reduktase, welches das männliche Testosteron in weibliches Östrogen umwandelt. Dadurch sinken auch Sex-Drive und Energielevel.

So helfen sie ihm: "Die ideale Reaktion entspricht der, die Sie sich in solchen Momenten auch für sich selbst wünschen würden“, so Süfke. Also keine Vorwürfe und schon gar keine Häme, sondern: "Geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie ihn auch mit weniger Haaren und mehr Bäuchlein lieben.“

4. Männer-Drama-Szenario: Heißhunger

Vielleicht hat er einfach nur Hunger? © Emil Vilsek / unsplash.com

Die Situation: Es ist weit nach Mitternacht, und Sie finden ihn mit dem Kopf im Kühlschrank. Damit aber nicht genug. Er fragt: "Haben wir noch Karamelleis?“ Gleich wohl nicht mehr …

Das steckt dahinter: Verzichtet er gerade auf Kohlenhydrate? Dann kann es sein, dass sein Serotoninlevel niedrig ist, ausgelöst durch eine Paleo-Diät oder glutenfreie Ernährung. Das Glückshormon bestimmt nämlich nicht nur, wie gut wir uns fühlen, es reguliert auch den Appetit. Zweiter Verdächtiger: Vitamin-D-Mangel.

So helfen sie ihm: Liegt es nur an zu wenig Vitamin D aufgrund fehlendem Sonnenlichts, überreden Sie ihn zu Lauf- oder Spaziereinheiten, um das Serotonin-Polster wieder aufzufüllen. Fehlen dagegen die Kohlenhydrate, hilft alles nichts. Denn Serotonin stärkt die Impulskontrolle – und genau die fehlt ihm ja momentan vor dem Kühlschrank. Und den bestücken Sie für zukünftige Fressattacken neu. Super Serotonin-Bildner sind alle Lebensmittel mit hohem Tryptophan- und niedrigem Eiweißgehalt, wie zum Beispiel Datteln, Feigen oder Cashewnüsse.

5. Männer-Drama-Szenario: Kauf-Rausch

Er ist gerade einfach sehr gestresst. © Sharon Garcia / unsplash.com

Die Situation: Erst der Flatscreen-Fernseher, dann neue Laufschuhe, jetzt noch das Super-Sound-System? Auch wenn er beglückt zeigt, was das Ding alles kann: Puh, das ist der dritte teure Spontankauf in einem Monat.

Das steckt dahinter: Stress – ganz simpel. Je höher sein Stresslevel, desto geringer ist sein Testosteronwert. Und sinkt der, kann das Ängste auslösen und ein Gefühl von Kontrollverlust – nicht gerade das, was Kerle gut aushalten können. "In der Situation kann Shoppen einem das Gefühl geben, dass man damit seine Männlichkeit ein wenig aufmotzen kann“, so Süfke.

So helfen sie ihm: Wenn Sie ihn auf seinen Kaufrausch ansprechen, stellen Sie nicht die verpulverte Kohle in den Vordergrund (es ist ja seine), sondern fragen: "Was bedeutet dir das?“ Und finden dann andere Dinge, die happy machen: ein neuer Sport, ein Road-Trip – oder kuscheln statt kaufen.

Wie zeigt sich PMS beim Mann?

Therapeut Jed Diamond hat einen Fragebogen entwickelt, um herauszubekommen, welche Symptome des Irritable Male Syndrome bei Männern vor allem Vorkommen. Über 60 000 Menschen haben an seiner Umfrage Teilgenommen. Das sind die Ergebnisse:

Diese 5 Symptome nennen Männer in der Umfrage am häufigsten. Sie fühlen sich...

  • unzufrieden
  • erschöpft
  • ungeliebt
  • zu wenig beachtet
  • einsam

Diese 5 Symptome erkennen Frauen am häufigsten bei ihrem Partner. Er ist …

  • wütend
  • vorwurfsvoll
  • grantig
  • lieblos
  • kritisch

Diese 5 Symptome nennen beide Geschlechter insgesamt am häufigsten:

  • unzufrieden
  • mürrisch
  • angespannt
  • frustriert
  • emotional taub

Was sagt uns das?

Diamond glaubt, dass die Symptome, die beide Geschlechter nennen, einfach für Stress stehen. Das zu verinnerlichen, kann der Liebe helfen: "Wenn wir wissen, dass sich unser Partner nicht negativ verhält, weil wir etwas falsch machen, sondern weil er selbst unter Druck steht, ist es leichter, Mitgefühl zu entwickeln.“

16.03.2018| Christiane Kolb © womenshealth.de
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