Tantramassage: Was passiert eigentlich beim Tantra?

Oha! Das fühlt sich gut an! Tantra ist wie eine Forschungsreise zur Lust. © AlessandroBiascioli / Shutterstock.com

Eine sinnliche Massage bringt Sie in Stimmung? Tantra kann mehr! Was dabei wirklich passiert und was Sie von der sexy Massage lernen können

Tantra, was war das noch gleich? Auf jeden Fall hat es irgendwas mit Sex zu tun. Aber das machen doch nur Esoteriker, oder? – Gehen Ihnen ähnliche Gedanken durch den Kopf, wenn Sie das Wort Tantra hören? Damit sind Sie nicht allein. Nichts wird so sehr fehlinterpretiert wie Tantra – dabei steckt hinter der spirituellen Lehre weitaus viel mehr als die meisten denken.

Tantra ist eine lustvolle Praktik, mit der Sie Ihren Körper und Geist bewusster wahrnehmen und die eigene Sexualität ganz neu entdecken können. Wie das genau funktioniert, welche Praktiken und Rituale dazugehören und wie Tantra die Lust anheizt, erklären wir hier:

In diesem Artikel:

Was ist eine Tantramassage?

Viele denken bei Tantra an einen kleinen Raum, in dem sich Menschen nackt auf Matten und Bergen von Kissen wälzen und gegenseitig massieren, was schließlich in heftigen Gruppensex ausartet. So pornografisch, wie sich viele eine Tantramassage ausmalen, ist die umfangreiche Knetkunst allerdings nicht. Die Tantramassage ist ein respektvolles Massageritual, bei dem der gesamte Körper auf eine harmonische und natürliche Weise berührt und massiert wird – auch im Intimbereich. Hat man anschließend Sex mit dem Tantramasseur? Nein. Es sei denn er ist Ihr Partner, dann dürfen Sie mit ihm natürlich anstellen, was Sie wollen. Auch der Orgasmus steht während der intimen Massage nicht zwangsläufig auf dem Plan. Wenn Sie einen erleben – prima. Wenn nicht: Machen Sie sich nichts draus, denn auch das ist völlig normal. Denn es geht vielmehr um die spirituelle Ebene und darum das Bewusstsein zu erweitern.

Diese Ebene kann allerdings nur erreicht werden, wenn Sie Ihre sexuellen Energien zum Fließen bringen. Denn beim Orgasmus entfaltet sich sexuelle Energie und die lässt sich viel effektiver nutzen als Sie im Zuge eines Höhepunktes einfach zu entladen. Lernen Sie Ihre sexuelle Energie bewusst wahrzunehmen, werden Sie eine völlig neue Seite Ihrer Sexualität kennenlernen. Sexualtherapeutin und Tantra-Ausbilderin Michaela Riedl weiß: "Nichts vermittelt Hingabe so gut wie die tantrische Berührungskunst."

Die Tantramassage war lange mit Vorurteilen belastet. Das ist jetzt vorbei! Lesen Sie hier vom neuen erotischen Hochgenuss. So gelingt die erotische Streicheleinheit © g-stockstudio / Shutterstock.com

Worum geht es bei einer Tantramassage?

Hauptsächlich um sexuelle Energie. Denn beim Sex werden nicht nur jede Menge Hormone ausgeschüttet, es fließt auch sexuelle Energie. Diese kann laut Tantra die Lust besonders befeuern und uns in höhere Dimensionen bringen – bis zur Ekstase. Dafür müssen wir allerdings lernen diese Energie umzuleiten und die 7 Hauptchakren zum Fließen bringen. Chakren sind die sogenannten Energiezentren des Körpers. Sie befinden sich entlang der Wirbelsäule und regulieren den Energiefluss im Körper. Durch die Tantramassage und spezielle Atemübungen bringen Sie sie zum Fließen. Et voilá: Ekstase.

"Vielen Menschen geht es darum, ein positives Körpergefühl zu erleben", sagt Riedl. Aber auch Emotionen, die tief in uns schlummern, können während der Tantramassage hochkommen. Weinen ist deshalb keine seltene Reaktion. Natürlich nicht, weil die Massage körperliche Schmerzen verursacht, sondern weil sich plötzlich unbewusste oder unterdrückte Gefühle lösen. Die meisten Frauen erleben die Massage allerdings als eine beruhigende, sinnliche Erfahrung und können sich richtig fallen lassen.

Ekstase, was war das noch gleich?

Völlige Ekstase ist ein Kontrollverlust, der über das normale Bewusstsein hinausgeht. Ein Moment, in dem Sie sich komplett verlieren und vollkommen fallen lassen. Sie spüren wie sich die Lust in jedem Winkel Ihres Körpers ausbreitet und in Wellen immer intensiver wird. Ihr Geist lässt sich durch nichts ablenken. Sie fühlen sich befreit von Sorgen, Alltagsstress, Leistungsdruck und den Erwartungen anderer. In diesem rauschenden Glücksmoment nehmen Sie nur sich und Ihren Körper wahr, was meist mit einem explosiven Orgasmus endet, der Ihren gesamten Körper von Kopf bis Fuß zum Beben bringt. Einige Frauen fangen während des intensiven Lustempfindens sogar an zu zittern.

Wie läuft eine Tantramassage genau ab?

Wer schon die eine oder andere Massage hatte, wird von der Intensität und Länge einer Tantramassage überrascht sein. Bevor die Massage überhaupt beginnt, findet ein Vorgespräch mit dem Masseur statt. Ob die Massage von einer Frau oder Mann durchgeführt wird, ist übrigens völlig egal. Besprochen wird, ob Sie Beschwerden körperlicher, physischer oder sexueller Art haben und Sie können vorab einzelne Anwendungen ausschließen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit Vertrauen und Sympathie aufzubauen, bevor es zu Sache geht.

Damit Sie sich während der Massage öffnen und komplett fallen lassen können, sollten Sie sich in dem Raum besonders wohl fühlen. Scham und Misstrauen sind hier völlig fehl am Platz. Sind Sie ruhig und entspannt, beginnt die Massage. Sie werden von Kopf bis Fuß mit warmem Öl massiert. In der Regel beginnt der Masseur mit einer Ganzkörpermassage und erst zum Schluss ist der Intimbereich an der Reihe. Sex? Fehlanzeige!

Die komplette Massage mit Vor- und Nachgespräch, in dem Sie und der Masseur die letzten Stunden noch einmal reflektieren, dauert 2 bis 4 Stunden. Bringen Sie also unbedingt viel Zeit mit, denn Hektik soll während einer Tantramassage nicht aufkommen.

Wie teuer ist eine Tantramassage?

Die Preise für eine Tantramassage variieren je nach Anbieter und Dauer und liegen sich zwischen 250 und 1000 Euro. Ein teures Vergnügen. Dafür werden Sie aber bis zu 4 Stunden lang überall massiert. Wenn Sie nicht unbedingt auf einen professionellen Masseur bestehen oder sich ungern von einer fremden Person im Intimbereich massieren lassen möchten, ist eine Tantramassage vom eigenen Partner die deutlich günstigere Variante. Bevor er allerdings einfach drauflos massiert, sollten Sie sich vorab durch entsprechende Lektüre, Seminare oder Workshops informieren.

Bei Tantra denken die meisten erstmal an Sex. Dabei geht es gar nicht darum. Trotzdem können Sie bei einer Tantramassage zum Orgasmus kommen. © g-stockstudio / Shutterstock.com

Die Yoni-Massage

Yoni steht für das weibliche Geschlechtsteil und wie der Name schon verrät schenkt der Masseur während der Yoni-Massage dem weiblichen Intimbereich besondere Aufmerksamkeit. Der Fokus liegt hier ganz klar auf der Vagina. Massiert werden die inneren und äußeren Schamlippen, der Venushügel, der Anus, sowie Klitoris und der G-Punkt. Neben der angenehmen Stimulation, eignet sich die Yoni-Massage um Verspannungen und Druck zu lösen – denn genauso wie Sie einen verspannten Rücken haben können, können sich auch Blockarden in Ihrem Intimbereich bilden.

Bevor Sie sich auf diese intime Begegnung einlassen, können Sie sich mit entsprechender Literatur über die Yoni-Massage informieren. Das Buch Yoni-Massage von Michaela Riedl zeigt Frauen einen neuen Zugang zu ihrer Weiblichkeit, zu größerer Lebendigkeit und Lust. Auch für Männer ist das Buch geeignet und eine Möglichkeit, mehr über das Mysterium Frau zu erfahren.

Die Lingam-Massage

Nicht nur Frauen profitieren von der sinnlichen Massage – auch Männer kommen bei lustvollen Handgriffen auf ihre Kosten. Die männliche Version einer Tantra-Massage wird Lingam genannt und beschreibt den männlichen Geschlechtsbereich. Während der Lingam-Massage werden abwechselnd Penis, Hoden, Anus und Prostata massiert, was den Mann in einen körperlichen Rauschzustand versetzen soll. Auch Männer können multiple Orgasmen bekommen, wenn sie ihre sexuelle Energie über die Chakren steuern. Das zahlt sich auch in anderen Beriechen aus: Hat er den Dreh einmal raus, kann er stundenlang Sex haben ohne dabei zu kommen.

Brauche ich vor einer Tantramassage einen Tantra-Workshop?

Laut Riedl ist es nicht notwendig vor einer Tantramassage einen Workshop zu besuchen. Der Tantramasseur führt die Massage und für Sie gibt es nichts zu tun außer zu sagen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt. Trotzdem macht es Sinn ungefähr zu wissen, was auf sie zukommt.

Diese Tantra-Basics sollten Sie vor Ihrer ersten Massage kennen:

  1. Der ganze Körper wird berührt und massiert – auch der Intimbereich.
  2. Sie und der Masseur sind bei der Massage beide vollkommen nackt.
  3. Ja, Sie dürfen den Masseur berühren.
  4. Nein, Sex mit dem Masseur ist ausgeschlossen.
  5. Der Masseur bestimmt den Ablauf der Behandlung, Sie können aber einzelne Anwendungen vorab ausschließen.
Ja, Tantra kann man lernen. © g-stockstudio / Shutterstock.com

Kann eine Tantramassage den Sex verbessern?

Und wie! Gerade für Frauen kann sich durch Tantra einiges zum Positiven verändern. Frauen erleben in einer Tantramassage oft zum ersten Mal, dass es um sie geht und sie nicht nur als "Erfüllungsgehilfin" dienen. Sexualität kann eben mehr sein, als der Klebstoff einer Beziehung. "Sie erfahren, oft unter Tränen, eine umfassende Wertschätzung ihres Körpers und ihrer Weiblichkeit, unabhängig von ihrem äußeren Erscheinungsbild", sagt Michaela Riedl. Dabei erleben manche Frauen sogar vaginale Orgasmen, Ganzkörperorgasmen oder ejakulieren.

Was ist für eine Tantramassage wichtig?

Die Atmosphäre spielt eine enorm wichtige Rolle. Beide müssen sich wohl fühlen. Entspannte Musik auf, Kerzen und angenehm riechendes Massageöl helfen eine angenehme Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen.

Für eine Ganzkörpermassage empfiehlt Riedl reines Kokosöl, für die Intimmassage ein gutes Gleitmittel und um sich selbst zu verwöhnen die pflegende Yoni-Creme von Rosenzaepfchen.

Tantra-Workshops und -Seminare

Neugierig geworden? Dann schnappen Sie sich Ihren Partner und besuchen ein Tantra-Seminar. Dort lernen Sie, wie Sie sich gegenseitig mit der spirituellen Knetkunst und anderen lustbringenden Praktiken des Tantras verwöhnen. Diese Fortbildungen sind zwar lehrreich, aber leider auch verdammt teuer. Ein Workshop kann schnell rund 700 Euro kosten.

Was ist Tantra Yoga?

Wenn Sie jetzt glauben, beim Tantra Yoga würden alle Stellungen des Kamasutra ausprobiert, müssen wir Sie enttäuschen. Natürlich werden Sie durch alle Arten von Yoga gelenkiger, trotzdem hat Tantra Yoga, genauer gesagt Kundulani Yoga, eher weniger mit Sex zu tun. Dafür aber mit der sexuellen Energie, die in jeder Frau schlummert und geweckt werden will. Durch Prayanamas, Atemübungen, die Sie während einer Yoga Einheit wiederholen, werden Ihre Chakren geöffnet und Ihre Energiezentren ins Gleichgewicht gebracht. Tantra Yoga bringt Sie durch die neue Selbstwahrnehmung nicht nur zu mehr Selbstliebe, sondern sorgt auch dafür, dass sich tiefverankerte Ängste lösen können. Die Deutsche Akademie für traditionelles Yoga bietet Tantra Kurse an, in denen Sie professionell an Tantra Yoga herangeführt werden.

Kann Tantra eine Beziehung stärken?

Definitiv! Während der Tantra-Praktiken schenken Sie und Ihr Partner sich eine Menge Vertrauen und das stärkt Ihre Bindung. Sie öffnen sich einander und kommen sich dadurch nicht nur körperlich, sondern vor allem mental näher. Außerdem ist es doch gar nicht verkehrt ein wenig Abwechslung in das gewohnte Liebesleben zu bringen. Sich die Kleider vom Leib reißen und loslegen kann schließlich jeder.

Tantra ist kein Esoterik-Quatsch. Wer sich den Praktiken offen und ohne Stirnrunzeln hingibt, kann seine Sexualität auf völlig neue Weise kennenlernen. Jede gute Beziehung kann hin und wieder neue Abenteuer im Bett gebrauchen – und die Chance auf einen ekstatischen Orgasmus wollen Sie sich doch nicht entgehen lassen, oder?

13.10.2017| © womenshealth.de
Amira Tröger Freie Autorin
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