Sport ist einfach Kopfsache So hat Caro ihre Sportlichkeit zurückgewonnen

Caro ist jetzt wieder sportlich – und glücklich
Caro ist jetzt wieder sportlich – und glücklich © Stephan Wieser

Sportsfreundin Caro hatte die Nase voll von Unzufriedenheit. Sie fasste den Entschluss, etwas zu ändern – und fand ihre Sportlichkeit wieder

Vor dem Studium war Caro fit, schlank und aktiv. Dann kamen die Uni und 2 Jobs in 2 Städten. Die Pfunde nahmen zu, das Vertrauen in ihren Körper nahm ab – bis Caro die Reißleine zog: Sie meldete sich zuerst beim Taekwondo an, schöpfte so neue Energie und fand durch ein sportliches Großprojekt ihr sportliches Ich wieder.

Sportsfreunde 2018: Caro im Interview

Women's Health: Caro, du bist heute eine echte Sportskanone. Kannst du kurz aufzählen, welche Sportarten du ausübst?

Caro: "Kurz aufzählen" wird schwierig, aber ich versuche es: Taekwondo, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Wakeboarden, Yoga, Skifahren und Functional Fitness. Ich glaube, das war's.

Das ist eine ganze Menge. Bleibt da noch Zeit für Hobbys?

Ich wüsste gar nicht, was man außer Sport machen kann… Was machen Menschen in ihrer Freizeit, die keinen Sport machen? Das muss ich dringend recherchieren! Spaß beiseite: Ich bin eine begeisterte Weltenbummlerin – das Ja-Wort haben mein Mann und ich uns auf Hawaii gegeben – und gehe gerne auf Konzerte. Außerdem habe ich ein eher ungewöhnliches "Talent". Aber das ist nicht der Rede wert.

Das Talent musst du uns jetzt aber verraten!

Na gut. Ich kann 5 Löffel gleichzeitig auf meinem Gesicht balancieren. Sieht bescheuert aus, aber macht vielen Menschen große Freude, wenn ich es vorführe.

Das zeugt auf jeden Fall von Koordination! Apropos: Was war dein Einstieg in den Sport?

Ich war schon als kleines Kind im Turnverein, mit 6 habe ich angefangen zu voltigieren. Mit 10 bin ich das erste Mal geritten und habe das bis zum Studium gemacht.

Das Taekwondo war Caros erster Schritt zurück zum Wohlbefinden © Stephan Wieser

Warum hast du damit aufgehört?

Im Grundstudium hatte ich zuerst weniger Zeit dafür, aber fürs Hauptstudium musste ich von Köln nach Saarbrücken ziehen. Ab da habe ich es leider ganz aufgegeben. Gleichzeitig wurde mein Lebensstil ungesünder. Ich habe geraucht, zu viel gegessen, statt Bewegung haben Klausuren, meine damalige Beziehung und Partys meinen Alltag ausgefüllt.

Das hat sich auch nach dem Studium nicht geändert?

Erstmal nicht. Nach der Uni bin ich für 2 Jobs zwischen Köln und Saarbrücken gependelt, mit Schichtdienst und Wochenendarbeit. Durch das ständige Hin und Her hatte ich an beiden Orten irgendwie nur ein halbes Leben – obwohl ich tolle Freunde und spannende Jobs hatte. Wenn ich nicht gearbeitet habe, saß ich hinterm Steuer auf der Autobahn. Das hat dazu geführt, dass ich mich selbst irgendwie verloren habe.

Wann hast du die Notbremse gezogen?

Eines Morgens im Bad, vorm Spiegel und auf der Waage – eine ganz böse Mischung. Vorm Studium wog ich 67 Kilo, jetzt blinkte da eine 94. Ich stand da und wusste überhaupt nicht mehr, wer ich bin und was ich eigentlich möchte, was mir wichtig ist, was ich erreichen will und was mir gut tut – ich konnte das alles nicht mehr beantworten. In meinem Spiegelbild habe ich weder Lebensfreude noch Selbstvertrauen gesehen. Stattdessen war da ein riesiger Knoten angestauter Wut, Trauer, Enttäuschung und Stress in mir. Ich musste zu meiner Ärztin, da ich Herzrasen und Schlafprobleme bekam. Ihre Aussage hat tatsächlich etwas in mir ausgelöst: "Sie bringen alles mit, um ein sportlicher Mensch zu sein. Warum bewegen Sie sich so wenig?"

Also hast du dich aufgerafft?

Die erste Reaktion war eher: "Sport? ICH?" Aber ich habe auf meine Ärztin gehört und mir überlegt, was mir Spaß machen könnte. Da ist mir mein Papa eingefallen, wie er vorm Taekwondo in der Tür einen Standspagat zum Aufwärmen machte, während ich mit meinen Bauklötzchen gespielt habe. Die Erinnerung war so prägnant, dass ich mir eine Taekwondo-Schule gesucht habe. Dann stand ich vor der Tür, hörte drinnen die Kampfschreie und habe mich fast nicht reingetraut. Aber ich habe den Schritt gemacht und es war genau das Richtige für mich.

Caros hat im letzten Jahr 52 Sportarten ausprobiert © Stephan Wieser

Ab da ging es sportlich bergauf?

Auf jeden Fall, aber langsam. In meinem Kopf war ich nämlich immer noch die schnaufende Dicke. Aber mein Körper hat sich – im Nachhinein betrachtet – sehr schnell wieder wohlgefühlt beim Sport. Zum Beispiel habe ich mich lange nicht getraut, Drehungen oder gesprungene Kicks zu machen. Diese inneren Blockaden zu überwinden und durchzuhalten, das war eigentlich meine größte sportliche Herausforderung.

Parallel hast du auch dein Leben neu geordnet.

Das war auch sehr wichtig. Ich bin zurück nach Köln gezogen und habe dort einen neuen Job angefangen. Durchs Taekwondo habe ich einen sehr liebevollen Mann kennengelernt, mit dem ich heute verheiratet bin. Dem Rauchen habe ich den Rücken gekehrt, ich ernähre mich insgesamt gesünder und bei Partys gehe ich auch mal früher nach Hause, weil ich am nächsten Morgen laufen will. Und für 2017 habe ich mir etwas ganz Großes vorgenommen: 52 Sportarten in 52 Wochen.

Jede Woche eine neue Sportart. Wie war das?

Großartig! Das Gefühl, sich durchzubeißen und am Ende dafür belohnt zu werden, ist so kostbar und toll, dass ich es immer wieder haben wollte. Dazu kam: Was kann ich eigentlich alles schaffen und was gibt es da draußen für großartige Sportarten? So bin ich auf die Idee für #52weeks52sports gekommen.

Welche Sportarten hast du ausgeübt?

Ein paar Sachen wollte ich schon immer ausprobieren, wie Surfen, Snowboarden oder HoopDance. Dazu war klar, dass ich Skifahren und Laufen ausprobiere. Tauchen und Kite-Buggy haben sich spontan ergeben. Für vieles sind Leute auf mich zugekommen, so kam ich zum Rollstuhl-Basketball, Ballett, Golf, BMX-Racing un zu den Highland Games.

Durch Sport und Bewegung fand Caro das Vertrauen in ihren Körper wieder © Stephan Wieser

Hat dich das Projekt verändert?

Unbedingt! Vor allem gab es in der Zeit keine Sportart, die ich gar nicht konnte. Klar, am Anfang war ich vorsichtig und zurückhaltend, aber ich wurde mutiger, offener und habe mich auf alles Neue eingelassen. Mein Mann war eine großartige Unterstützung, hat vieles mitgemacht und ließ sich gerne von mir mitreißen. Vor allem anderen habe ich aber mein sportliches Ich wiedergefunden – und werde es garantiert nicht mehr loslassen.

Ist dir etwas aus dem Projekt besonders in Erinnerung geblieben?

Die Highland Games waren eines von 2 Schlüsselerlebnissen. Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke: Es gibt wirklich für jeden den passenden Sport. Ob man 10 Kilometer in 45 Minuten läuft oder dicke Baumstämme wirft – es ist beides gleich viel wert, solange die Person dabei Spaß hat.

Das ist die beste Einstellung. Hat sich dein Verhältnis zu deinem Körper geändert?

Wir verstehen uns mittlerweile viel besser! Ich schwanke jetzt so bei 85 Kilo, was noch ein bisschen mehr ist, als ich gerne hätte. ABER: Ich lerne gerade, meinen Körper zu mögen. Denn er tut tolle Dinge für mich, obwohl er schwer zu tragen hat. Jahrelang habe ich mich mit Diäten rumgequält, ständig ging es rauf und runter. Das Projekt letztes Jahr hat geholfen, mir wieder näher zu kommen und zu sehen, was für ein Wunderwerk der Körper ist – ganz egal, ob da vielleicht eine Speckrolle oder eine Delle im Gewebe ist. Sport geht auch ohne Sixpack.

"Für jeden gibt es den richtigen Sport – man muss sich nur trauen, ihn zu finden" © Stephan Wieser

Welche Sportart hast du durchs Projekt für dich entdeckt?

Seltsamerweise ist das Laufen geblieben. Obwohl ich es früher immer furchtbar fand. Wenigstens ausprobieren wollte ich es für mein Projekt wieder. Also habe ich mich mit einer Freundin für den Women's Run in Köln angemeldet. Im Ziel hatte ich ein kleines Läuferhoch, mein zweites Schlüsselerlebnis während des Projekts. Auch auf der Strecke war so viel Energie, danach war ich einfach mit dem Laufvirus infiziert. Heute laufe ich nach einem Trainingsplan und im September steht ein Mini-Triathlon an. Ich mache zur Zeit so viel Ausdauersport in einer Woche, das hätte ich früher nicht mal in einem Monat gemacht.

Was ist für dich das Besondere am Laufsport?

Es ist erstmal ein grundehrlicher Sport, es geht um die eigene Leistung und wenn ich kämpfe, dann gegen meine eigene Zeit. Außerdem ist es wunderbar flexibel, ich kann überall die Schuhe schnüren und loslegen, zuhause, im Wald oder auf meinen Städtetrips. Ich laufe kaum noch mit Musik, da ich es mag, in der Natur zu sein und meinen Gedanken nachzuhängen. Am Anfang habe ich so geschnauft, dabei bin ich als Anfängerin "nur" eine Minute gelaufen, eine gegangen. Heute kann ich problemlos eine Stunde durchlaufen und auch mal Gas geben.

Welche sportlichen Ziele hast du?

Gesund und glücklich sein – so banal und abgedroschen das klingen mag. Aber darum mache ich Sport. Ich werde nirgendwo Höchstleistungen erbringen, ich bin lieber vielseitig unterwegs. Und wenn ich es neben Familie, Arbeit und Privatleben schaffe, Taekwondo, Laufen, Schwimmen, Radfahren, Wakeboarden, Yoga und Krafttraining gut unterzubringen, dann habe ich meine sportlichen Ziele erreicht.

Auch unsere Partnerseiten Men's Health und Runner's World stellen im Rahmen der gemeinsamen Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!

27.06.2018| © womenshealth.de
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