Stark und Mama passt zusammen So bekommt Irina Kind und Sport unter einen Hut

Mama und stark? Für Irina keine Gegensätze!
Mama und stark? Für Irina keine Gegensätze! © Stephan Wieser

Für Sportsfreundin Irina ist Calisthenics mehr als Sport: Es gibt ihr Lebensqualität und Energie – für die Bewegung und die Familie

Irina fand übers Geräteturnen zu ihrer großen Sportleidenschaft: Calisthenics. Bei Klimmzügen und Human Flags hat sie ihren Körper nach ihrem persönlichen Schönheitsideal geformt: "je stärker, desto besser." Beim Sport traf sie ihre große Liebe und auch während ihrer Schwangerschaft gehörte Bewegung fest zu Irinas Alltag.

Sportsfreunde 2018: Irina im Interview

Women's Health: Wir könnten das Interview in 4 Sprachen führen. Welche wäre dir am liebsten?

Irina: Deutsch und Russisch sind meine Muttersprachen, aber wir können auch gerne Englisch oder Spanisch sprechen.

Wirklich beeindruckend. Woher kommt dein Sprachtalent?

Ich bin mit 4 Jahren mit meiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland gezogen, daher Deutsch und Russisch. Später habe ich im Lehramtsstudium neben Russisch auch Englisch und Spanisch studiert.

Bist du denn sportlich so vielseitig wie in Sachen Fremdsprachen?

Ich würde definitiv sagen, dass Calisthenics eine unglaublich vielseitige Sportart ist. Du brauchst zwar "nur" deinen eigenen Körper fürs Training, aber jeder Muskel wird richtig gefordert. Du brauchst enorme Körperbeherrschung um Übungen wie die Human Flag oder Muscle Up zu meistern.

Wann kam denn Sport generell in dein Leben?

Die schnellen Fortschritte beim Calisthenics sind eine tolle Motivation
Die schnellen Fortschritte beim Calisthenics sind eine tolle Motivation © Stephan Wieser

Mit 18 Jahren habe ich so richtig mit Sport angefangen. Damals bin ich fast täglich gejoggt, ganz egal ob vor oder nach der Schule. Am Ende meines Studiums habe ich über das Kursangebot Geräteturnen für mich entdeckt. Wir hatten einen tollen Trainer und ich habe schnell gemerkt, wie viel stärker ich wurde. Handstand bis zum Umfallen, Seilspringen auf dicken Matten, am Reck hängen – die Fortschritte haben sich superschnell gezeigt und ich wurde positiv abhängig. Mit Joggen war dann Schluss und mein Schönheitsbild wechselte von "je schlanker, desto besser" zu "je stärker, desto besser".

Das war also dein Calisthenics-Startschuss?

Fast. Mit Calisthenics habe ich in Berlin angefangen. Für mein Referendariat bin ich mit meiner Zwillingsschwester nach Berlin gezogen. Wir kannten zwar niemanden, wollten aber unbedingt Sport machen. Durch Instagram hatten wir schon ein wenig von Calisthenics gesehen und gehört. Wir haben sofort nach einem Calisthenics-Park in Berlin gesucht und den Monbijou Park entdeckt. Dort haben wir Sport gemacht und neue gleichgesinnte Freunde kennengelernt, zum Beispiel unser Calisthenics-Team Barliner.

Beschreibe, was den Sport für dich so besonders macht?

Erstens ist es keinesfalls das typische Fitnessstudio-Training. Du brauchst eigentlich bei allem mehrere Muskeln, die zusammenarbeiten. Gleichzeitig bist du an der frischen Luft, in Parks oder am Strand. Isoliertes Training gibt es nicht, beim Muscle Up zum Beispiel arbeiten unter anderem Rücken, Rumpf und Trizeps zusammen, damit du über die Stange kommst. Und was zunächst unmöglich erscheint, wird irgendwann zur Aufwärmübung – heute mache ich 10 Klimmzüge am Stück, bevor das Training los geht.

Der Sport hat dir noch mehr gegeben als Power, richtig?

Allerdings. Ich habe dadurch meine große Liebe gefunden. Wir haben geheiratet und im Oktober 2017 kam unser Sohn zur Welt.

Welchen Stellenwert hat der Sport in deinem Leben?

"Ich plane nicht, ich mache einfach"
"Ich plane nicht, ich mache einfach" © Stephan Wieser

Kurz und knackig: Sport ist mein Leben. Ich erhalte Energie durch Bewegung und brauche Bewegung für Energie. Das ist ein großartiger Kreislauf. Außerdem liebe ich es, als Frau und besonders als Mutter, stark zu sein, mit einer gewissen Leichtigkeit meinen Sohn herum zu tragen oder schwere Einkaufstüten.

Wie motivierst du dich – gerade an den lustlosen Tagen?

Zuerst ist meine Zwillingsschwester meine Hauptmotivation. Wir haben gemeinsam mit Sport angefangen, trainieren sehr oft zusammen und teilen uns Stärken und Schwächen. Das super Gefühl nach dem Training, wenn man es durchgezogen hat, pusht mich auch, wenn ich mich mal nicht aufraffen kann. Und die Jungs im Park motivieren mich – da leider kaum Frauen unseren Sport betreiben, habe ich gar keine andere Wahl und muss mich mit ihnen messen.

Du bist im Oktober Mama geworden. Die Schwangerschaft war für dich aber kein Sport-Stopp.

Auf keinen Fall. Ich habe fast alles weitergemacht, nur etwas langsamer oder mit weniger Wiederholungen. Einige Übungen gingen nicht mehr, zum Beispiel war beim Muscle Up irgendwann der Bauch im Weg, da der Oberkörper ja eigentlich über die Stange muss. Ich habe einfach auf meinen Körper gehört, was noch machbar ist und was nicht. Das Lustige aber war, dass mir irgendwann das Gehen schwerer fiel als ein paar Klimmzüge.

Wie hat sich dein Körpergefühl während der Schwangerschaft verändert?

Auch in der Schwangerschaft machte Irina viel Sport
Auch in der Schwangerschaft machte Irina viel Sport © Stephan Wieser

Es wurde einfach alles schwieriger. ich habe keine Fortschritte mehr gemacht, es ging rückwärts im Sport. In mir wuchs ja immerhin ein Baby, das größer und stärker wurde. Von daher hatte ich immer ein entspanntes und glückliches Gefühl.

Wie waren die Reaktionen von anderen, wenn du schwanger zum Sport erschienen bist?

Von meinen Barliner gab es nur positive Reaktionen und Unterstützung, ich hab mich dort immer gut gefühlt. Wenn ich jedoch schwanger in Sportklamotten zum Training gegangen bin, gab es manchmal negative Blicke auf mich und meinen Bauch. Manchmal habe ich meinen Bauch sogar versteckt, wenn ich alleine trainieren gegangen bin. Aber viele haben mich interessiert angesprochen und ausgefragt, wie es sei, als Schwangere Sport zu machen.

Nach der Geburt hattest du auch schnell wieder dein Sixpack zurück?

Ja, der muskulöse Bauch kam schnell wieder. Nach 6 Wochen habe ich wieder angefangen zu trainieren, davor habe ich Rückbildungsübungen gemacht. Die Regeneration ging schnell bei mir, nach 1 Monat war der runde Bauch schon weg.

Wie bekommst du alles unter einen Hut – frischgebackene Mama sein, verheiratet, dazu Sport und Job. Hast du ein Geheimnis?

Oft nimmt Irina ihren Sohn zum Workout mit
Oft nimmt Irina ihren Sohn zum Workout mit © Stephan Wieser

Eigentlich nicht. Ich plane nicht, ich mache einfach. Wenn mein Kind beschäftigt ist oder schläft, mache ich den Haushalt, koche oder schlafe ein wenig. Mein Mann macht auch sehr viel im Haushalt, also stehe ich nicht mit allem alleine da. Zum Training kommt der Kleine mit, so hat er seinen Spaziergang und frische Luft.

Wie hat dein Umfeld reagiert, als es bei dir mit Calisthenics los ging?

Einige Freunde habe ich aufgrund des Sports verloren, da die Lebensstile nicht mehr gepasst haben. Ich wollte am Wochenende nicht auf Partys, sondern am nächsten Tag früh zum Training. Meine Mama hat am Anfang auch Probleme gehabt und Dinge gesagt wie: "Warum so viele Muskeln, das sieht ja nicht mehr schön aus." Jetzt findet sie es aber toll – sie folgt mir sogar auf Instagram und Facebook und erzählt jedem von meinem Sport. Und mit meinem Mann ist es natürlich einfach. Wir machen den gleichen Sport und wir wechseln uns einfach ab. Er spielt mit dem Kleinen, wenn ich meine Übungen mache und umgekehrt. So sind wir alle 3 an der frischen Luft und bewegen uns.

Du bist sehr aktiv auf Instagram, machst Sport mit und ohne deinen Sohn und Mann. Wie reagieren die Menschen auf dich?

Ich versuche, meinen Lebensstil der "sportlichen Mama" so gut ich kann weiterzuvermitteln. Oft schreiben mich schwangere Frauen an und fragen, wie ich das alles bloß schaffe. Letztens habe ich mich auch mit einer schwangeren Frau getroffen, um unsere Erlebnisse zu teilen. Bisher gab es keine negativen Kommentare, wenn mein Sohn in meinen Videos zu sehen war.

Wie fühlt es sich an, wenn dich Menschen als Vorbild betrachten?

Ich kann anderen Frauen, vor allem Müttern, zeigen, dass Sport, Kind und Alltag vereinbar sind. Bewegung ist gerade als Mutter wichtig, es macht gesund und nach jeder Trainingseinheit hat man die Motivation, seine alltäglichen Aufgaben zu meistern. Ich hatte das Glück, dass ich diese Art zu leben lieben gelernt habe. Wenn ich dadurch anderen ein Vorbild sein kann, ist das ein tolles Gefühl.

Auch unsere Partnerseiten Men's Health und Runner's World stellen im Rahmen der gemeinsamen Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!

13.06.2018| © womenshealth.de
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