Soll ich mich trennen? Wann es Zeit ist, sich zu trennen - und wie es am besten klappt

Wenn Sie merken, dass Sie deutlich mehr in die Beziehung investieren als Ihr Partner, ist es Zeit für eine Trennung © Wavebreakmedia / Shutterstock.com

Wenn nur noch Tassen und böse Worte fliegen, hilft oft nur die Trennung. Doch statt zu gehen, stecken viele im Scherbenhaufen fest. So kommen Sie da raus

Die Frage ist so drängend wie quälend: Soll ich mich trennen? Wäre es besser zu gehen oder zu bleiben? Verhältnismäßig leicht fällt dieser Entschluss, wenn er ständig fremdgeht. Aber selbst ohne einen so eindeutigen Grund kann ich das Gefühl einstellen, dass es ohne ihn vielleicht besser wäre. Immer gibt es neue Probleme, dauernd ist Beziehungskrise, oft heulen Sie sich bei Freundinnen aus, weil er Sie schlecht behandelt oder Ihre Wünsche schlicht ignoriert. Auf deren sachlich fundierte und differenzierte Ratschläge wie "Schick den Mistkerl in die Wüste!" antworten Sie stets schulterzuckend: "Aber ich liebe ihn doch!"

Eigentlich wissen Sie ja selbst ganz genau, dass die Freundin Recht hat und verstehen auch nicht, wieso Sie sich immer noch so an ihn klammern. Aber so ist das, wenn Menschen in einer miesen Beziehung feststecken: Erst wenn Sie bereit sind, einen Schlussstrich zu ziehen, wird Ihnen klar, dass Sie schon viel früher die Koffer hätten packen sollen.

Was sind die ersten Schritte bei einer Trennung?

Bevor Sie es angehen, werden Sie sich bewusst, was Sie wirklich wollen. Finden Sie zuerst Ihre Souveränität zurück. Machen Sie sich klar: Sie treffen die Entscheidung. Sie haben es selbst in der Hand, ob Sie lieber in einer maroden Beziehung stecken oder als zu­friedener Single durchs Leben gehen. Natürlich fällt es schwer, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn Kopf und Herz sich uneinig sind. Wenn der Kopf sich fürs Gehen entscheidet, ist das Herz noch lange nicht so weit und warnt vor dem drohenden Schmerz und dem Alleinsein.

"Auch wer Schluss macht, trauert genauso wie der Partner, der verlassen wird", erklärt Daniela van Santen, Beziehungscoach in der "Liebeskummerpraxis" in Hamburg. "Man teilt schließlich die gleichen schönen Erinnerungen. Der Verstand kann noch so sehr beteuern, dass es richtig war, die Beziehung zu beenden – der Ex-Partner fehlt trotzdem."

Warum fällt es so schwer, sich vom Partner zu trennen?

Trauer, Angst und sogar körperlicher Schmerz sind keine Seltenheit, wenn Sie sich mit der Frage quälen, ob es besser wäre zu gehen oder zu bleiben. Um die Entscheidung zu vermeiden, suchen Sie fadenscheinige Gründe, die rechtfertigen, beim Partner bleiben zu können – "Aber wir hatten doch auch schöne Zeiten!" Aber damit bleiben Sie auch in Ihrer Komfortzone. So glorifizieren Sie die wenigen glücklichen Momente in der Partnerschaft und kehren seine dauernden Respekt­losigkeiten und Lügen, seine Untreue und den ewigen Streit kurzerhand unter den Teppich.

Das Festhalten am vermeintlich Bewährten ist Selbstschutz. Denn die Trennung würde bedeuten, sich und anderen einzugestehen, dass das Vorhaben Liebe mal wieder gescheitert ist – und mit ihm all Ihre investierten Gefühle und Hoffnungen untergehen. Also verharren viele unglücklich Liierte in einer Art Leidensstarre – und das erstaunlich lange. Aber die Liebe ist kein Tapferkeitswettbewerb!

Seien Sie distanziert, aber nicht kalt. Lassen Sie auch ihn zu Wort kommen. Es ist auch seine Liebe, die zerbricht. © Wavebreakmedia / Shutterstock.com

Wie merke ich, dass es gut wäre, sich zu trennen?

Der eine oder andere Streit ist normal. Auch ein längerer Krach kann überwinden werden, solange zwischen Ihnen noch Liebe und Wohlwollen herrschen. Dass Sie diesen Text hier lesen, ist ein Zeichen, aber noch kein eindeutiges: Wenn es in der Beziehung zu ­kriseln beginnt, ergreifen aller Erfahrung nach Frauen eher die Initiative als Männer. Sie hinterfragen auch eher Dinge, suchen mit dem Partner das Gespräch oder schlagen eine Paartherapie vor.

"Ein Coaching lohnt sich oft", sagt van Santen. Wie aber können Sie herausfinden, ob der zermürbende Kampf um eine Partnerschaft überhaupt noch Sinn macht? Die Beziehungsexpertin rät dazu, sich eine fundamentale Frage zu stellen: "Kann ich mit diesem Mann in dieser Beziehungssituation noch 20 Jahre ­leben?" Wenn Sie sich das überhaupt nicht vorstellen wollen und können, ist es definitiv Zeit loszulassen.

Noch weitere Empfindungen geben Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage "Soll ich mich trennen?" Wichtige Anhaltspunkte sind zum Beispiel:

  • Wenn Sie das Gefühl haben, immer mehr Zeit und Aufwand in die Beziehung zu investieren als er.
  • Wenn er ständig Dinge tut, die Sie kränken und verletzen.
  • Wenn Sie sich mehr freuen, Zeit ohne Ihren Partner zu verbringen als mit ihm.
  • Wenn Sie überhaupt nicht mehr zusammen lachen.
  • Wenn Sie jenseits von Alltagskram keine gemeinsamen Gesprächsthemen finden.
  • Wenn Sie Situationen, die Sie gewöhnlich mit ihm gemeinsam verbracht haben, eher meiden als herbeiführen.
  • Wenn Sie vieles von dem, was er sagt und was er tut, einfach nicht nachvollziehen können.
  • Wenn Sie oft das Gefühl haben, dass er Sie bei den Dingen, die Sie gern tun, eher stört oder Ihnen im Weg ist.
  • Wenn Sie sich einfach nicht mehr vorstellen können, sich von ihm anfassen zu lassen.

Was sind die Vorteile einer Trennung?

Der wichtigste Vorteil: Ein selbstbestimmtes Leben zurückgewinnen. Ohne den Partner. Klar, es wird anfangs schwerfallen, der Trennungsschmerz wird Sie lähmen, und Sie müssen sich an das Leben als Single erst wieder gewöhnen. Ist der erste Kummer aber vorüber, wartet eine schöne neue Welt auf Sie. "Großes wird aus Schmerz geboren", bekräftigt die Expertin."Das Überwinden einer schmerzvollen Trennung ist wie die Genesung nach einer Krankheit. Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen und mutiger werden. Daraus entstehen oft gute Dinge, etwa eine berufliche Veränderung", sagt van Santen.

Und wenn auch nicht plötzlich der Traumjob um die Ecke kommen sollte, wird sich Ihr Leben zum Positiven verändern. Keiner nörgelt mehr über Ihr Outfit, Ihre angeblichen Macken und Ihre Freunde. Keiner hält Sie mehr davon ab, die Dinge zu tun, die Ihnen Freude bereiten. Eine missglückte Beziehung heißt eben nicht, dass Sie im Leben versagt oder zu wenig gekämpft haben. Es bedeutet lediglich, dass die Vorstellungen zweier Menschen nicht zusammengepasst haben. Wenn Sie sich das bewusst machen, können Sie sichergehen, dass das Scheiden keine Schlammschlacht wird und ein bisschen weniger wehtut.

Auch wenn es überhaupt keinen Spaß macht: Sie sollten für die Trennung das persönliche Gespräch suchen. © Wavebreakmedia / Shutterstock.com

Wie teile ich ihm meine Entscheidung mit?

Es wäre ganz falsch, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu gehen und Ihren Partner zurückzulassen. Den wichtigsten Schritt haben Sie ohnehin mit der Entscheidung getan, lieber zu gehen statt zu bleiben. Jetzt müssen Sie aber auch wahrnehmbar Fakten schaffen und das klärende Gespräch mit dem zukünftigen Ex respektvoll über die Bühne bringen. Sie kennen ihn und können vermutlich erahnen, wie er reagieren wird. Sie legen sich am besten schon im Vorfeld mögliche Reaktionen auf sein zu erwartendes Verhalten zurecht. So bleiben Sie im entscheiden Moment selbstsicher. Sie sollten aber auch auf unvorher­gesehene Reaktionen gefasst sein und das bei der Wahl des ­Ortes bedenken.

Wie sollte ein Trennungsgespräch am besten ablaufen?

Ein wichtiger Punkt: Der Ort für Ihr Gespräch. Zuhause ist es am ruhigsten und am intimsten. "In der eigenen Wohnung muss sich niemand schämen, wenn die Tränen kullern", sagt van Santen. Wenn Ihr Partner jedoch zu aggressiven Gefühlsausbrüchen neigt, empfiehlt sich ein öffentlicher Raum als Treffpunkt. In Gegenwart anderer, fremder Menschen kommt es seltener zu heftigen ­Szenen. Die Expertin rät zu einem Spaziergang im Park: "Da haben Sie Ihre Ruhe, sind aber nicht ganz allein."

Wichtig ist auch, wie Sie dem Mann die Nachricht überbringen, nämlich möglichst knapp und auf den Punkt. Gehen Sie nicht zu sehr ins Detail, vor allem bei den Folgen. "Wie Sie die Möbel aufteilen, hat darin nichts zu suchen", sagt van Santen. Formulieren Sie so ehrlich und sachlich wie möglich, wie es zu dem Entschluss gekommen ist. Wichtig: Um Streit zu vermeiden, sollten Sie auch ihm zuhören, ihn ausreden lassen. Es ist auch seine Liebe, die da gerade zerbricht.

Nicht laut werden! Statt ihm Vorwürfe zu machen, senden Sie lieber Ich-Botschaften wie: "Ich erwarte mehr von einer Beziehung." © Wavebreakmedia / Shutterstock.com

Was sollte ich beim Trennungsgespräch besser nicht tun?

Auf klassische Streitthemen wie Haushalt oder Geld sollten Sie nicht eingehen. Dann geht es gleich wieder damit los. Auch Vorwürfe haben in diesem Gespräch nichts zu suchen, egal, wie respektlos sich der Mann Ihnen gegenüber in der Vergangenheit verhalten hat. Statt zu sagen "Du hast meine Liebe mit Füßen getreten", senden Sie eine Ich-Botschaft: "Ich erwarte mehr von einer Beziehung."

Gehen Sie auch trotz aller Gewohnheit nicht auf Tuchfühlung. Halten Sie Abstand. Nehmen Sie möglichst während des Gesprächs weder seine Hand noch ihn in den Arm. Das weckt nur falsche Hoffnungen. Ein absolutes No-Go sind auch Aussagen wie: "Ich liebe dich ja eigentlich noch, aber …" Wie soll der verlassene Partner bei solchen Worten die Trennung verstehen und akzeptieren?

Sprudeln bei ihm die Gefühle trotzdem über, sollten Sie das zulassen und ihm die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen – er konnte sich schließlich nicht, wie Sie, auf das Gespräch vorbereiten. Reagiert er wütend, hilft ein Trick, die Situation in den Griff zu bekommen: Stellen Sie ihm eine Frage. Wut kommt aus dem animalischen Teil des Gehirns – um jemanden zu beruhigen, müssen Sie ihn dazu bringen, den rationalen Teil zu benutzen. Etwa mit: "Was glaubst du – warum fiel es uns immer so schwer, ein gemein­sames Urlaubsziel zu finden?"

Holen Sie den Mann einfach mit ins Boot. So machen Sie aus Ihrem Trennungswunsch eine gemeinsame Idee: "Du merkst doch auch, dass es nicht mehr klappt." Vielleicht kommt ihm das sogar entgegen. Klingt komisch, kann aber durchaus hilfreich sein, denn viele Männer bringen oft selbst nicht den Mut zum Schlussmachen auf. "Stattdessen treiben sie die Frauen dazu, sich zu trennen", sagt die Expertin.

Wie kann ich die Trennung überwinden?

Bevor Sie endgültig raus aus der Nummer sind, müssen noch ein paar lästige Dinge erledigt werden: bei einer gemeinsamen Wohnung die Möbel aufteilen, den zusammen gebuchten Urlaub stornieren, den Eltern und Freunden die schlechte Nachricht unterbreiten. "Oft wünscht sich der Verlassene auch ein zweites Gespräch", so van ­Santen. "Lassen Sie sich ein Mal darauf ein, auch wenn es den anderen nicht zufriedenstellen wird", rät sie. Aber ein drittes und viertes Gespräch sollte es nicht geben. Das ist dann nur die Fortsetzung des Dauerstreits unter anderen Bedingungen.

In der Folgezeit ist es dann besser, den Kontakt abzubrechen. Denn wenn Sie sich weiterhin sehen oder täglich beim Ex durchklingeln. als wäre nichts gewesen, reißt das Wunden auf. Wie bereits gesagt: Sie haben jetzt Ihr Leben zurück, also machen Sie etwas draus, ganz für sich!

Nur in den sozialen Netzwerken sollten Sie den Schnitt nicht so radikal zeigen, rät van Santen: "Wer sofort den Beziehungsstatus ändert oder Bilder löscht, demütigt den anderen öffentlich." Statt einfach den Stecker zu ziehen, sollten Sie der Liebe im Netz also langsam den Saft ­aus­gehen lassen – oder es ihm überlassen, wann er die virtuelle Verbindung zu Ihnen kappt.

Jeder Abschied ist schwer, so gut und richtig die Gründe dafür sind. Horchen Sie in sich und stellen sich die entscheidenden Fragen. Eine Trennung ist kein einzelner Schnitt, sondern ein Prozess. Wenn Sie sich aber einmal darüber klar geworden sind, dass Sie ein Ende wollen, ziehen Sie die Sache in großer Offenheit und Klarheit durch und holen sich Ihr Leben zurück.

19.10.2018| © womenshealth.de
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