Völlegefühl Food-Koma! Das hilft bei Völlegefühl

Ein übervoller Magen verdirbt das ganze Essen im Nachhinein. © Nicoleta Ionescu / Shutterstock.com

Der Osterbrunch war lecker, aber das Drücken im Magen ist grausam. Was bei Völlegefühl hilft und wie Sie künftig vorbeugen

Dieses Mal ist es soweit. Dieses Mal passiert es wirklich. Es ist nur noch eine Frage von Minuten. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Sie werden platzen. Jedenfalls fühlt es sich so an. Keine Sorge, das ist normal und lässt sich behandeln.

Wann immer Sie zu viel, zu fettig oder zu zuckerhaltig essen, vollbringt Ihr Darm Höchstleistungen. Nach jeder üppigen Portion Braten bei Omi, jedem Grillen oder Pizza-Backen mit Freunden meldet sich (neben dem schlechten Gewissen) auch Ihr Verdauungssystem mit einem Druckgefühl in der Magen- und Bauchregion. Doch was genau verursacht dieses Völlegefühl? Wie können Sie vorbeugen? Oder das quälende Gefühl schnell in den Griff bekommen? Das alles sagen wir Ihnen hier!

Wie entsteht Völlegefühl? Was passiert dabei im Magen und Darm?

"Völlegefühl entsteht nach einer deftigen Mahlzeit durch den mechanischen Reiz der aufgenommenen Nahrung und durch Gase, die sich beim Verdauungsprozess bilden“, erklärt Proktologe Dr. Stefan Hillejan*. "Sowohl das Essen als auch die Gase wirken sich auf die sogenannten Dehnungsrezeptoren aus, die sich in der Magen- und Darmwand befinden. Diese signalisieren dem Magen den aktuellen Füllstand und zeigen durch das Völlegefühl, wenn die maximale Kapazität erreicht ist.“

Nach manchem guten Essen passt nicht einmal mehr ein Schluck Wein. © Nicoleta Ionescu / Shutterstock.com

Schlanke Menschen reagieren in der Regel auf diese Signale aus dem Darm sensibel und drosseln entsprechend ihre Nahrungsaufnahme. Allerdings brauchen die Botenstoffe aus dem Magen etwa 20 Minuten, bis sie im Gehirn ankommen. Tipp: Wenn Sie Völlegefühl von vorn herein vorbeugen wollen, sollten Sie langsam essen. Nur so kann das Sättigungsgefühl Sie davon abhalten, Ihren Teller ein zweites oder drittes Mal üppig zu beladen.

Was tun, wenn Völlegefühl unvermeidbar scheint?

Aber wenn doch der von Mutti mit Liebe zubereitete Braten so lecker ist und man sie nicht enttäuschen will? "Fettreiches Essen bringt die Darmflora aus dem Gleichgewicht und liegt schwer im Magen, da die Verarbeitung der enthaltenen Stoffe lange dauert und das Zusammenspiel vieler Organe erfordert“, sagt Hillejan. Tipp: Versuchen Sie Ihre Liebsten zu überzeugen, statt schwerem Braten Pute oder ein anderes fettarmes Fleisch zu servieren. Essen Sie langsam und bewusst und legen Sie mindestens 3 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten ein.

Warum bekomme ich nach Süßigkeiten Magendrücken?

Nicht nur Fett und große Lebensmittel-Mengen verursachen den Kugel-Effekt. Auch Zucker wirkt sich nicht nur negativ auf die Kalorienbilanz, sondern auch auf den Darm aus. "Zucker beeinflusst das Gleichgewicht der Darmflora negativ, denn schädliche Bakterien finden in ihm eine Nahrungsquelle“, sagt Hillejan. Auch in Getränken steckt oftmals eine große Menge Zucker. Zusammen mit Süßkram oder Deftigem genossen, droht schnell Magendrücken.

Wen trifft Druckgefühl im Magen nach dem Essen besonders?

Wer beim Essen häufig über die Stränge schlägt und den Teller zu oft befüllt, bei dem gewöhnt sich der Verdauungsapparat an die üppigen Mengen. Folge: Der Magen weitet sich. Das Völlegefühl setzt dann immer später ein. Deshalb leiden Menschen mit kleinem Magen also schneller unter Völlegefühl als Menschen mit großem Magen. "Die Größe des Magens hängt mit der für gewöhnlich aufgenommenen Nahrungsmenge zusammen“, erklärt Hillejan, "Wer weniger isst, hat üblicherweise auch einen kleineren Magen als jemand, der viel isst.“ Tja, sorry, da können Sie sich leider nicht mit 'genetischer Disposition' raus reden. Beim Thema Völlegefühl ist Disziplin gefragt.

Welcher Tee hilft bei Verdauungsstörungen?

Besser als Schnaps wirken Tees mit Anis, Fenchel oder Kümmel. Die in ihnen enthaltenen Bitterstoffe fördern die Verdauung. Auch ein Spaziergang nach dem Essen regt die Durchblutung des Darms an. Zudem vertreibt Bewegung an der frischen Luft die Müdigkeit, die oft nach einem ausgiebigen Mahl einsetzt.

Hilft der so genannte Verdauungsschnaps?

Ein Völlegefühl lässt sich durch ausgewogenes Essen vermeiden, das Ballaststoffe und wenig Fett und Zucker sowie wenig blähende Anteile wie Hülsenfrüchte enthält. Wer meint, mit einem Verdauungsschnaps den Magen bei seiner Arbeit zu unterstützen, irrt und tut sich nichts Gutes. Denn zwar betäubt Alkohol die Magennerven und vermindert das Völlegefühl, beschleunigt allerdings nicht die Verdauung. Im Gegenteil: Alkohol macht sie träge.

Anis-Tee hilft schnell gegen Völlegefühl. © Konstantin Aksenov / Shutterstock.com

Können auch chronische Krankheiten hinter Verdauungsstörungen stecken?

"Tritt ein Völlegefühl nach Aufnahme einer normal dimensionierten Mahlzeit auf, kann dahinter eine Erkrankung des Magens oder Darms stecken, zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, eine Verengung des Übergangs des Magens in den Zwölffingerdarm oder sogar ein Magen- oder Darmkarzinom“, sagt Hillejan. Leiden Sie immer wieder unerklärlicherweise unter Völlegefühl? Dann sollten Sie zügig mit einem Arzt die möglichen Ursachen abklären.

Gibt es Tropfen, die gegen den Druck in Magen und Bauch helfen?

"In Ausnahmefällen können gut verträgliche Medikamente vor dem Essen eingenommen werden, sogenannte Entschäumer, die zum Beispiel den Wirkstoff Simeticon enthalten“, sagt Hillejan. Sie reduzieren das Aufblähen durch Verdauungsgase. Hillejan: "Gegen Völlegefühl, das aufgrund der übermäßigen Dehnung des Magens entsteht, helfen allerdings nur kleinere Portionen.“ Generell sind Medikamente natürlich keine Dauerlösung.

Leiden Frauen und Männer unterschiedlich unter Völlegefühl?

Frauen haben eine etwas trägere Peristaltik, also eine geringere Muskelaktivität des Magens und Darms, und neigen daher eher zum Völlegefühl als Männer.

Gegen fieses Völlegefühl helfen nur kleinere Portionen, wenig Fett, weniger Zucker und Finger weg vom Verdauungsschnaps. Zum Trost: So kommen Sie wenigstens ohne Extra-Kilos durch die Tage des Völlens.

*Professor Dr. Dr. Stefan Hillejan ist Phlebologe und Proktologe an der Praxisklinik für Venen- und Enddarmerkrankungen in Hannover

24.12.2018| Christine Naefeke © womenshealth.de
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