Völlegefühl Das hilft gegen den schmerzenden Weihnachtskugel-Effekt

Schlimme Bescherung: Mit einem übervollen Magen ist die festliche Stimmung schnell vergangen. © marcogarrincha / Shutterstock.com

Der Weihnachtsbraten war lecker, der Glühwein köstlich, das Drücken im Magen grausam. Was bei Völlegefühl hilft und wie Sie künftig vorbeugen

Wann immer wir zu viel, zu fettig oder zu zuckerhaltig essen, vollbringt unser Darm Höchstleistungen. Nach jeder üppigen Portion Weihnachtsbraten bei Omi, jedem Käse-Fondue mit Freunden oder gebrannten Mandeln und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt meldet sich (neben dem schlechten Gewissen) auch das Verdauungssystem mit Druck in der Magen- und Bauchregion. Doch was genau verursacht dieses Völlegefühl? Mit welchen Strategien kann man vorbeugen? Und wie bekommt man das quälende Gefühl schnell in den Griff?

Weihnachtsmarkt-Gebäck enthält meist viel Zucker und Fett, eine Kombi, die schnell Bauchweh macht © Zeljkodan / Shutterstock.com

Wie entsteht Völlegefühl? Was passiert dabei im Magen und Darm?

"Völlegefühl entsteht nach einer deftigen Mahlzeit durch den mechanischen Reiz der aufgenommenen Nahrung und durch Gase, die sich beim Verdauungsprozess bilden“, erklärt Proktologe Dr. Stefan Hillejan*, "Sowohl das Essen als auch die Gase wirken sich auf die sogenannten Dehnungsrezeptoren aus, die sich in der Magen- und Darmwand befinden. Diese signalisieren dem Magen den aktuellen Füllstand und zeigen durch das Völlegefühl, wenn die maximale Kapazität erreicht ist.“

Schlanke Menschen reagieren in der Regel auf diese Signale aus dem Darm sensibel und drosseln entsprechend ihre Nahrungsaufnahme. Allerdings brauchen die Botenstoffe aus dem Magen etwa 20 Minuten, bis sie im Gehirn ankommen. Tipp: Wenn Sie Völlegefühl von vorn herein vorbeugen wollen, sollten Sie langsam essen. Nur so kann das Sättigungsgefühl Sie davon abhalten, Ihren Teller ein zweites oder drittes Mal üppig zu beladen.

Was tun, wenn Völlegefühl unvermeidbar scheint?

Aber wenn doch der von Mutti mit Liebe zubereitete Braten so lecker ist und man sie nicht enttäuschen will? "Fettreiches Essen bringt die Darmflora aus dem Gleichgewicht und liegt schwer im Magen, da die Verarbeitung der enthaltenen Stoffe lange dauert und das Zusammenspiel vieler Organe erfordert“, sagt Hillejan. Tipp: Versuchen Sie Ihre Liebsten zu überzeugen, zum Fest statt Gänsebraten Pute oder ein anderes fettarmes Fleisch zu servieren. Essen Sie langsam und bewusst und legen Sie mindestens 3 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten ein.

Glühwein wärmt und ist lecker, verursacht aber auch Bauchschmerzen, denn er enthält viel Zucker © Dean Dobrot / Shutterstock.com

Warum bekommt man nach dem Weihnachtsmarkt-Besuch Magendrücken?

Nicht nur Fett und große Lebensmittel-Mengen verursachen den Weihnachtskugel-Effekt. Auch Zucker wirkt sich nicht nur negativ auf die Kalorienbilanz, sondern auch auf den Darm aus. "Zucker beeinflusst das Gleichgewicht der Darmflora negativ, denn schädliche Bakterien finden in ihm eine Nahrungsquelle“, sagt Hillejan. Was viele Weihnachtsmarkt-Besucher nicht wissen: In Glühwein steckt oftmals eine große Menge Zucker. Zusammen mit gebrannten Mandeln oder einer deftigen Bratwurst genossen, droht schnell Magendrücken. Greifen Sie beim nächsten Weihnachtsmarkt-Besuch lieber zu heißen Maronen, einen mit Nüssen, Honig und Rosinen gefüllten Bratapfel oder Champignons ohne Sahnesoße.

Wen trifft Druckgefühl im Magen nach dem Essen besonders?

Wer beim Essen häufig über die Stränge schlägt und den Teller zu oft befüllt, bei dem gewöhnt sich der Verdauungsapparat an die üppigen Mengen. Folge: Der Magen weitet sich. Das Völlegefühl setzt dann immer später ein. Deshalb leiden Menschen mit kleinem Magen also schneller unter Völlegefühl als Menschen mit großem Magen. "Die Größe des Magens hängt mit der für gewöhnlich aufgenommenen Nahrungsmenge zusammen“, erklärt Hillejan, "Wer weniger isst, hat üblicherweise auch einen kleineren Magen als jemand, der viel isst.“ Tja, sorry, da können Sie sich leider nicht mit 'genetischer Disposition' raus reden. Beim Thema Völlegefühl ist Disziplin gefragt.

Wie kann man das Weihnachskugel-Gefühl vermeiden? Hilft ein Verdauungsschnaps?

Ein Völlegefühl lässt sich durch ausgewogenes Essen vermeiden, das Ballaststoffe und wenig Fett und Zucker sowie wenig blähende Anteile wie Hülsenfrüchte enthält. Wer meint, mit einem Verdauungsschnaps den Magen bei seiner Arbeit zu unterstützen, irrt und tut sich nichts Gutes. Denn zwar betäubt Alkohol die Magennerven und vermindert das Völlegefühl, beschleunigt allerdings nicht die Verdauung. Im Gegenteil: Alkohol macht sie träge.

Welcher Tee hilft bei Verdauungsstörungen?

Besser als Schnaps wirken Tees mit Anis, Fenchel oder Kümmel. Die in ihnen enthaltenen Bitterstoffe fördern die Verdauung. Auch ein Spaziergang nach dem Essen regt die Durchblutung des Darms an. Zudem vertreibt Bewegung an der frischen Luft die Müdigkeit, die oft nach einem ausgiebigen Mahl einsetzt.

Wie gefährlich ist es, übermäßig und deftig zu essen?

Normalerweise hält das Völlegefühl nicht lange an und ist für die Gesundheit unerheblich. Hillejan: “Kurzfristig entsteht nur ein Gefühl des Unwohlseins. Im schlimmsten Fall sind aber Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und kolikartige Schmerzen möglich“, sagt Hillejan. Wer häufig über die Stränge schlägt, dem drohen langfristig erhöhte Blutfettwerte sowie ein erhöhter Blutzuckerspiegel. "Deftiges Essen kann außerdem zur Gewichtszunahme, einem erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko sowie zur Entstehung von Diabetes führen“, warnt Hillejan.

Anis-Tee hilft schnell gegen Völlegefühl © Konstantin Aksenov / Shutterstock.com

Können auch chronische Krankheiten hinter Verdauungsstörungen stecken?

"Tritt ein Völlegefühl nach Aufnahme einer normal dimensionierten Mahlzeit auf, kann dahinter eine Erkrankung des Magens oder Darms stecken, zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, eine Verengung des Übergangs des Magens in den Zwölffingerdarm oder sogar ein Magen- oder Darmkarzinom“, sagt Hillejan. Leiden Sie immer wieder unerklärlicherweise unter Völlegefühl? Dann sollten Sie zügig mit einem Arzt die möglichen Ursachen abklären.

Gibt es Tropfen, die gegen den Druck in Magen und Bauch helfen?

"In Ausnahmefällen können gut verträgliche Medikamente vor dem Essen eingenommen werden, sogenannte Entschäumer, die zum Beispiel den Wirkstoff Simeticon enthalten“, sagt Hillejan. Sie reduzieren das Aufblähen durch Verdauungsgase. Hillejan: "Gegen Völlegefühl, das aufgrund der übermäßigen Dehnung des Magens entsteht, helfen allerdings nur kleinere Portionen.“ Generell sind Medikamente natürlich keine Dauerlösung.

Leiden Frauen und Männer unterschiedlich unter Völlegefühl?

Frauen haben eine etwas trägere Peristaltik, also eine geringere Muskelaktivität des Magens und Darms, und neigen daher eher zum Völlegefühl als Männer.

Männer leiden mehr unter Grippe, wir Mädels sind anfälliger für fieses Völlegefühl. Da helfen nur kleinere Portionen, wenig Fett, weniger Zucker und Finger weg vom Verdauungsschnaps. Zum Trost: So kommen wir wenigstens ohne Extra-Kilos durch die Weihnachtszeit.

*Professor Dr. Dr. Stefan Hillejan ist Phlebologe und Proktologe an der Praxisklinik für Venen- und Enddarmerkrankungen in Hannover

06.12.2017| Christine Naefeke © womenshealth.de
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